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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-24 · 4 (24.1.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Bloch's Wochenschrift- Seite 75 Da der Besuch Constanzas einen officielle» Charakter hatte, lvarteten Deputationeil aller Nationen und Religionen dem Könige und seiner erlauchten Gemahlin auf. Die Juden waren durch die Herren R o s a n e s, H az a n und B uj e s vertreten, die Seiner Majestät eine Adresse überreichten, in welcher die Treue und Anhänglichkeit der Juden an Krone und Land betont waren. Der König schien tief gerührt von den durch die Dexntirten ausgedrückten aufrichtigen Gefühlen, und nachdem er ihnen gnädig gedankt, ließ ersieh mit jedem der drei Herren in ein Gespräch ein. Die Königin und der Kronprinz sprachen auch gütig mit den Mitgliedern der Deputationen. Dieses liebenswürdige, auszeichnende Benehmen des Königspaares der Deputation gegenüber muß bei den hohen Persönlichkeiten in des Königs Begleitung Anstoß erregt haben, da, als der König am selben Tage die Gotteshäuser aller Religionsgenossenschaften besuchte, er nicht zur Synagoge geleitet wurde, trotzdem dieser Besuch auf dem Programme figurirte, noch wurden Juden zu dem Seiner- Majestät zu Ehren abgehaltenen Bankette eingeladen, trotzdem die Namen mehrerer Juden auf der von der Präfectur vorbereiteten Liste angeführt waren. Dies kam auch dem Hofe zur Kenntuiß, der sein Mißvergnügen darüber aussprach, und die Königin lud, um zu zeigen, wie sie über die den Juden gezollte Nichtachtung denke, die Frauen der drei schon genannten Herren speciell ein, den Abend mit ihr zu verleben. Im Laufe des Gespräches pries Ihre Majestät den Wohlthätigkeitssinn und die hohe Moral der Häuslichkeit der jüdischen' Frauen. Den nächsten Tag suchten Mitglieder der Constanzaer Filiale der General-Association eingeborener Juden (eine Gesellschaft, die meist aus jungen rumänischen Juden, die Soldaten gewesen waren, gebildet ist) um die Erlaubniß nach, zum Könige eine Deputation entsenden zu dürfen. Der König ging noch weiter, indem er antwortete, daß es ihm angenehm wäre, die ganze Gesellschaft zu empfangen. Herr Josef B e r c o v i tz, der als Redner figurirteentschuldigte das unvermeidliche Fernbleiben mehrerer Mitglieder, die eben bei den Manövern weilten. Diese Versicherung gewährte dem Herrscher viel Befriedigung, der er zur Freude der Juden auch Ausdruck verlieh. Sowohl König als Königin unterhielten sich längere Zeit mit den jüdischen Soldaten, die. bevor sie sich entfernten, dem König ihre und aller anderen Juden Beschwerden gegen die Negierung und Gesetzgebung mittheilten. Der König antwortete bedeutungsvoll: „Sie sind Rumänen" — eine Qualifikation, die bis jetzt vom Staate den 200.000 in Rumänien geborenen Juden versagt ist. Einen tiefen Eindruck hinterließ der gütige Empfang der Gesellschaft bei den Juden, besonders da dies die einzige private Körperschaft der Stadt war, welcher eine Audienz gewährt wurde. Noch ein Schlußtriumph war den Juden reservirt. Bevor er Constanza verließ, besuchte König Karl auch die Gefängnisse und gab seine Ansicht kund, den Tag durch Begnadigung von Verbrechern aller Bekenntnisse zu begehen. Eine Liste wurde zu diesem Zwecke unterbreitet und dem Herrscher vorgelegt, der sich darüber beklagte, daß Juden darin nicht vorkämen, und befahl, datz dieses Versäumnis sofort nachgeholt werde. Der anwesende Minister mußte gestehen, daß nicht ein einziger Jude im Gefängnisse weile und daß auch kein einziger in Haft sei. Und denselben Juden, die auf einen so reinen Wandel pochen, werden sogar die einfachsten Rechte der Bürgerschaft verweigert! Jaffa. (Nachrichten a u s d e n jüdischen E o l o n i e n.) Aus Sichre» n-Jaakob wird uns b-richtet, daß man dort mit der Gründung einer Bibliothek umgeht; auch finden daselbst bereits zweimal wöchentlich Leseabende statt, an welchem die geschätzten Lehrer I. Hurwitz, M. Hurwitz imb Zissri n Vorlesungen historischen und pädagogischen Inhaltes vor der Colonisieu und Tagelöhnern halten. Erfahrungsgemäß wäre es sehr nothwendig, daß die „Unterstützungsgesellschäft" allmonatlich eine gewisse Summe zur Unterstützung armer Handwerkerlehrlinge bestimmen möchte, unter denen gar manche von Nothdurft und Mangel hart heimgesucht sind. In „R i s ch ö n-llZ i o n" hat die Administration im letzten Jahre 15.300 Weinstöcke auf einem Areal von 73 Dunam angepflanzt. Der Gesammtbestand der Weinstöcke im Besitze der Administration ist: an französischen Reben (sieben- und neunjährigen) 80.310, an a m er i kan i sch e n, einschließlich der in diesem Jahre gepflanzten 103.220. Daselbst werden zur Zeit Tagelöhner beschäftigt: bei land-, wirthschoftlichen Arbeiten ca. 50, in der Kelter, bei Schmiede- und Tischlerarbeiten ca. 70 Personen. Aus sicherer Quelle erfahren wir, daß die Administration in ,P e t h a ch-T i kw a h" eine Kelter zur Aufnahme von 12.000 Hektoliter Wein bauen und in „Sichron-Jaakob" einen Erweiterungsbau an der bereits bestehenden vornehmen wird, so daß sie nunmehr 18.000 Hektoliter fassen soll. Ad ar 5655. In der Colonie Chedöre wurden in einer Tiefe von 3 Metern große, gut symmetrisch behauene Steinquadern gefunden, die sich sehr gut zu Bauzwecken eignen. Die Agronomen Niego, Kaisermann und M e i r o w i tz haben sich nach K'far-Sabah begeben, um dasselbe in Augenschein zu nehme». Vermischtes. Brünn. (D i e W ah l de s Pr äs i d iums i n d er H a nd e l s k a in m e r.) Die Brünner Handels- und Gewerbekammer wählte in ihrer heutigen Sitzung Herrn Julius R. v. G o m p e r z zum 25- Male einstimmig zum Präsidenten wieder. Aus diesem Anlasse wurden Herrn v. Gomperz von den Kammermitgliedern herzliche Ovationen dargebracht. Bice-Präsident R. v. Schoeller beglückwünschte ihn namens der Kammer und überreichte ihm eine künstlerisch ausgestattete Adresse mit den Unterschriften sämmtlicher Mitglieder. Zum Vice-Präsidenten der Kammer wurde Herr Gustav R. v. Schoeller, zum provisorischen Vorsitzenden kaiserlicher Rath Adolph Ernst einstimmig wiedergewählt. Wien. (Co nf irma tio nsfeier.) Der Sohn des Herrn HofrathesMarcell Frydm a nn, Richard Frydman n, beging Samstag den 18. d. M. im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Barmizwah-Feier. Wien. Am 28. Jänner, 3 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel der Leopoldstadt, Ferdinandstruße, die Trauung des Fräulein Martha Steinberger, Tochter des Herrn Polizeiarztes Dr. Ignatz Steinberger, mit Herrn Dr. Sigmund Pollitzer stat.. Wien. Fräulein Ilona E i b e n s ch ü tz, derzeit bereits eine allerwärts geschätzte Pianistin, stellte sich den Wienern wieder in einem Concert vor. Ihre Vorzüge: brillante, schier unfehlbare Technik, Temperament, Schwung und eine fast männliche Kraft, scheinen sich noch gesteigert zu haben; ihre Hast und rhythmische Unruhe sind aber geblieben wie immer. Sie escamotirt in der Begeisterung das letzte Viertel aus einem Vierviertel- oder Dreiviertel-Tact ohneweiters hinweg, und das ist zu viel der Begeisterung. Die Fin de giöle-Menschen werfen schrecklich viel Geld hinaus, geizen aber mit der Zeit. Im Concertsaale sollte man von dieser Sparerei nichts merken. Am Olmützer Stadttheater sang der Baritonist S. Szengeny (Sohn des Herrn Obercantors Singer) den Asthon in „Lucia"; die Titelpartie im „Fliegenden Holländer" und den Wolfram in „Tannhäuser" unter ungetheiltem Beifall seitens des Publiucms und schmeichelhaftester Anerkennung der Presse. Letztere rühmt neben der klangschönen, umfangreichen Stimme auch die lebendige, formgetreue dramatische Darstellung des Künstlers, welche eine glänzende Zukunft voraussetzen lassen. Wien, am 15. Jänner 1896. Der Vorstand des Wohl« thätigkeits-Kranken- und Witwen-Unterstützungs-Bereins „Cbesed schel Emes" hat nachstehende Herren als Wohlthäter des Vereines in der jü.igsten Zeit zu Ehrenmitgliedern ernannt, und zwar die Herren: Se. Ehrwürden Dr. Güdemann; David Ritter v. Gutman; Banquier Geiringer; kaiserl. Rath Heinrich K l i n g e r; Freiherr Albert v. R o t h s ch i l d; Baron M. Hirsch; Ignatz Eisler, Theehändler; Sam. Friedl änder, Besitzer der Pfandleihanstalt in der Wollzeile, und Siegfried Beer, in Firma Seiller, Bermann L Comp., für seine besonderen Dienste als Controlor des Vereines. Wien. Donnerstag, den 30. d. M. findet in Gschwandner's Etablissement. Hernals, Hauptstraße41, ein geschloffener Maskenball der Tischgesellschaft „Humor", dessen Reinerträgniß den israelitischen Armen des XVI. und XVII. Bezirkes zufließt. Das Ballcomite besteht aus folgenden Damen: Fr. Cäcilie Beck, XVI. , Reinhartsgasse 14, Fr. Ernestine B e r k o w i tz, XVII., Nattergasse 2, Fr. Fanny Deutsch, VN.. Blindengaffe 2, Frl. Hedwig B a r s z, XVI., Enenkelstraße 37, Frl. Sidonie E ck st e i n, XVII., Bergsteiggasse 14, Frl. Anna Fischer, VIII.. Blindengasse 7, Frl. Jenny Fischer, XVI., Ottakringerstraße 69, Frl. Rosa Gans, XVII., Ottakringerstraße 48, Frl. Katharina G e i r i n g e r, XVI., Veronikagasse 1, Frl. Sofie H a a s e, XVI.. Reinhartsgasse 30. Frl. Anna Hofer, XII., Gaudenzdorf. Hauptstraße 47, Frl. Sidonie Kaufmann, XVll.. Ottakringerstraße 10, Frl. Fanny K o h n, XVII. , Weißgasse 1. Frl. Anna L ö b l, XVI.. Deinhardsteingasse 22. Frl. Ernestine Nowak, XVI., Ottakringerstraße 135, Frls. Olga und Poldi S ch m e i e r, XVI. Neulerchenfelderstraße 45, Frl. Rosa S p i e l m a n n, ll., Pillersdorfgaffe 9, Frl. Gisela S ch ö n g u t, XVI., Ottakringerstraße 148, Frl. Dora Posamentier. XVI., Brunnengasse 16, Frl. Anna R o s e n f e l d, II., Darwingasse 22 und Frl. Jenny Z Willi n g e r. XVII., Geb lerq affe 43; weiters aus den Herren: Heinrich A u f r i ch t. XVI.. Payergaffe 6. Ad. B e ck, XVI., Reinhartsgasse 14, Friedrich B r a n d l. XVI., Hubergaffe 12, Leopold Deutsch, VIII., Blindengasfe 2, Heinrich E l l i n a e r, XVI., Johann Nepomuk Bergerplatz 1, Adolf Fischer, XVI.,

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