Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 4 (24.1.1896)
- Date
- 1896-01-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 4 Dr. Vlvch's Wochenschrift Deutsche Schulverein müssein der Lage verbleiben, seine Thätigkeit zum Schutze des bedrohten Deutschthums mit ungeschlvächter Kcaft und ungeminderten Mitteln durchzusühren und hat sohin durch den aus Vertrauensmännern aus allen Schulvereinsgebieten verstärkten Ausschuß den Beschluß gefaßt, daß wegen Heranziehung der heute (sic!) dem Schul vereine noch fernstehenden d eutschen Kreise weitere Verhandlungen mit den Vertretern dieser Kreise zu führen sind." Der erste Schritt zur Antisemitisirung des Deutschen Schulvereines wäre also gethan und der Sachlage nach dürfte die vollständige Capitulativn folgen. Es ist ja bekannt, wer die dem Deutschen Schulvereine heute noch „fernstehenden deutschen" Kreise sind. Es sind dies die deutschnationalen Ultras, deren Antisemitismus der allein waschechte, weil grundsätzliche ist. Wir warten mit vollster Gemüthsruhe die endgiltiqen Beschlüsse ab, welche die Hauptleitung des Deutschen Schnlvereines fassen wird, geben jedoch schon jetzt der zuversichtlichen Erwartung Raum, daß jene unserer Glaubensgenossen, die bisher treue, eifrige, fördernde Mitglieder dieses Vereines waren, dann rechtzeitig die Conseguenzen ziehen werden. Das ganze Streben und Wirken der deutschnationalen Ultras ist bekanntlich dahin gerichtet, den Deutschen Schulverein ,.j u d e n r e i n" zu machen; erreichen sie dieses heißersehnte Ziel, woran kaum zu zweifeln ist, werden die jüdischen Schulvereinsmitglieder wohl nicht erst abwarten, bis sie die Schande erleben, aus dem Schulverein hinausballotirt zu werden, sondern bei Zeiten sich abfentiren. Wenn den, namentlich in Böhmen und Mähren deutschthümelnden Juden auch jetzt nicht die >'i hti E.'k.'a Nniß gekommen ist, so müßten sie mit Blindheit geschlagen sein. Wir empfehlen denselben die Commentare der deutschnationalen Zeitungen zur eingehenden Lectüre. Sapienti sat. Wien. (Utile cum dulci.) Die trauernde Witwe, welche die Danksagung für die Betheiligimg an dein Begräbnisse ihres unvergeßlichen Gatten zum Anlaß nimmt, um einem verehrlichen Publicum die Mittheilung zu machen, daß sie durch einen äußerst günstigen Partiekatts in die Lage gekommen sei, sehr feine rehlederne Handschuhe das Paar zu 6,) kr. zu verkaufen, hat ein Pendant erhalten, das zwar nicht so naiv, aber dafür um ein gutes Stück lustiger ist. Herr Pfarer Deckert gibt nämlich im Sprechsaal eines hiesigen Antisemitenblättchens bekannt, es seien ihm anläßlich seiner Freisprechung! so viele Glückwünsche zugekommen, daß er außer Stande sei, sie , (nämlich die Glückwünsche) einzeln zu bedanken. Die Größe! des Glücksfalls läßt die große Anzahl von Gratulationen begreiflicher-! scheinen, weniger begreiflich hingegen ist es, warum die Gratulanten,! wenn sie schon cumnlativ abgefertlgt werden, auch grobe stylistische! Schnitzer in den Kauf nehmen müssen. Aber das ist Nebensache, der i Hauptspaß kommt erst. „Indem" der Herr Pfarrer also Allen zu-! sammen seinen „herzlichsten" Dank ausspricht, „beehrt" er sich zugleich i mitzutheilen, daß die Conferenzreden „Der wahre Israelit" sammt! Darstellung des bezüglichen Schwurgerichts demnächst im Selb st- [ Verlage des Herrn Deckert zu 50 kr. das Exemplar zu haben; sein werden. Die Geschäftsstelle ist, wie ans dem tiefgefühlten Inserat ‘ hervorgeht, dieselbe, an der schon seit längerer Zeit ein schwunghafter Handel mit Keuschheitsgürteln betrieben wird, nämlich — die Weinst unser Pfarre. Die eigenartige Verbindung von Angenehmen und Nützlichem, von Gefühl und Geschäft wirft ein merkwürdiges Licht ans den vielgeschmähten jüdischen „Erwerbssinn". Wir begreifen, warum Hochwürden sich so hoch über den Juden fühlt, denn so vielseitig ist kein Rabbiner, daß er nebenbei auch noch Colporteur wäre. Wie sich doch die Extreme berühren! Dr. Max Loew, den ein jeder, der ihn kannte, für einen Vollblutsnden halten mußte, hat sich als Racenantisemit entpuppt und der hochwürdige Herr von Weinbaus zeigt, daß er in Geschäftssachen dem geriebensten Juden ein Double vorgeben kann. Wien. (Die Schulmann-Feier des akademischen Vereines „Gamala".Am18.l.M. veranstaltete der Verein eine öffentliche Feier anläßlich des 50jährigen Schriftstellerjnbiläums des um die hebräische Literatur hochverdienten Kalman Schulmann. Zur Feier erschienen Vertreter der jüdisch-akademischen Lesehalle, des Theologenvereines, der „Kadimah", „Unitas", „Jvria" und „Libanonia", wie auch viele Verehrer des Jubilars. Unter Anderen fanden sich ein der hebräische Schriftsteller S. Modlinger, R. Brainin, Rabbiner Dr. L. Bardovicz, Dr. B. Münz, Dr. N. Birnbaum. Nachdem die zahlreich erschienenen Gäste begrüßt worden, hielt die Festrede Bereinsmitglied stuck. MI. I. Bergmann. Der Redner würdigte die Verdienste S ch n l m a n n's als positiver Culturkämpfer, der seinerzeit die geistige Finsterniß durch die dirccte Verbreitung des Lichtes der echt jüdischen Aufklärung zerstreute; als fleißiger Uebersetzer und geradezu künstlerischer Bildner einer Seite 73 neubiblischen Sprache, durch die er auf die jugendlichen Geister bezaubernd gewirkt und sich nicht nur deren Bewunderung, sondern auch kindliche Liebe verdiente. Hierauf folgte ein meisterhaft ausgeführter Gesangsvortrag vom Herrn Obercantor Dünnemann und ein Violinvortrag vom Virtuosen H. O. Back. Eine Tendenzrede hielt Vereinsmitgiied Drei. für. S. Marian, in der er in geistreicher Weise schilderte, wie die Juden durch ihre stete Mitarbeiterschaft an fremden Werken an sich selbst vergaßen, wie sie fast mit völliger Selbstverleugnung für fremde Ziele gewirkt. Der Redner eiferte daher die akademische Jugend an. für die geistigen Güter ihres eigenen Volkes stets einzntreten und für das Wohl der eigenen Brüder stets zu streben. Durch feine geistreichen Ausführungen erntete der Redmr allgemeinen Beifall. Nachdem noch der Sänger Herr Asbel Rubinstensts Lieder rorgetragen und stud. theol. Preiß Gedichte jüdischen Inhalts declamirt hatte, begann eine Reihe von Toasten. Sv toastirten Bereinsmitglud phil. M. Be r ko wie/, in hebräischer Sprache auf das Wohl der hebräischen Schriftsteller in Rußland. Schriftsteller R. Brainin auf das Wohl des Jubilars, Land. meä. Feuerstein auf das Gedeihen der jüdisch-nationalen Brudervereine und cand. med. A. Woli auf das Fortblühen der jüdischen Colonien in Palästina. Mit den begeisternden Ansprachen des Chacham Alkalay, der die Juden zur Selbsthilfe ermunterte, und des Herrn Dr. B. Münz, der die Studentenschaft zur Pflege der jüdischen Literatur und Geschichte aneiferte, schloß die Feier. Schulmann wurde zum Ehrenmitglied e des Vereines ernannt. Der nächste Vortrag ist für Samstag den 25. l. M. angekündigt. Das Bereinslocal befindet sich lX, Rothe Löwengaff- 16. Thür 15. Gäste herzlich willkommen. Schaffa. Der k. k. Postmeister Herr Jonas Schick in Schaffa erhielt von der Postdirection Brünn nachstehende ehrenvolle Zuschrift: Z. 250 P. P. ex 1895. Sr. Wohlgeboren Herrn Jonas 2 ck> i cl k. k. Postmeister in S cf) a f f a. Ich fühle mich veranlaßt Euer Wolgedoren iür Ihre vieljährig', hervorragend ersprießl'che Dienstleistung als f. f. Postmeister sowie für Ihr stets an den Tag gelegtes. in jeder Hinsicht musterhaftes Verhalten meinen Dank sowie die Anerkennung der k k. Post- und Telegraphen - Direcnon (tarnt znm Ausdruck zu bringen. Brünn, am 21. Tecentber 1895. Der k. k. L b e r p o st - D i r e e l o r. Die Umerschri't des Herrn Post - Directors ist für mich unleserlich. Herr Jonas Schick steht im 82. Lebensjahre, sungirt als Postmeister des Post- und Telegraphenamtes Schaffa seit dem Jahre 1862. Mehr als 30 Jahre war er Bürgermeister und Vorstand der isr. Cultusgemeinde in Schaffa und ist Mitglied des Bezirksschulrathes für den Landbezirk in Znaim j seit dem Bestands des Reichsschulgesetzes. Budapest. Der römisch-katholische Pfarrer in Temes- Rekas wollte ein Mandat als Ansschußmitglied bei derComitats- Corporation durchsetzen, wae ihm abtr nicht gelang. Daraufhin legte er gegen das Wählerrecht des Emanuel; Spitzer, Schächter und Cantor in Temes-Rekas Protest ein. Cantor Spitzer genießt das Wählerrecht aus Grund seines! Jntelligenzgrades.! Der Verificationsansschuß des Temeser Comitates, wie auch die k. Kurie verwarf die gegen den Sckächter Emanuel Spitzer eingeleitete Beschwerde mit der Motivirung, weil Spitzer Cantor, Borbeter und Schächter ist, so ist er eben so als Hilssgeistlicher zu betrachten, wie die Hilfsgeistlichen bei allen anderen Consessionen. Dabei aber noch wurden die Hauptcortes des Volkspartei- und Bauernvereines. die für den Pfarrer Herrn Dr. Berkovics in Temes-Rekas thätig waren, nämlich Franz Blaskovics und Carl Kraushaar, ihrer Mandate verlustig erklärt. In Oesterreich dürfte dieser Fall Verwunderung erregen, während die Freisprechung des Pfarrers Deckert in der Hauptstadt Ungarns nickt im Mindesten überrascht bat. Der Vertreter der staatlichen Anklagebehörde, Staatsanwalt H a w l a t h war freilich ansder Höhe seiner Ausgabe, nu