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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-24 · 4 (24.1.1896) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 70 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 4 bin ich, geehrter Herr, Ihr ganz ergebener Mentz, Privatsecretär." Die Hoffnung, den mysteriösen „hohen" Gewährsmann Slöcker's jemals zu entdecken, wird wohl aufgegeben werden müssen! Bismarck und die Juden. In dem Buche „Kürst Bismarck's Taselgespräche" von Charles Lowe, dem ehemaligen Times-Correspoiidemen in Berlin, finden sich interessante Aeußerungen des großen Kanzlers über den Antisemitismus aus dem Jahre 1881. Seite 236 findet sich folgende Aeußerung Bismarck's als Antwort auf die Frage, ob er die antisemitische Bewegung billige: „Es kann nichts Ungerechteres geben. Ich verurtheite sehr entschieden diesen Kreuzzug gegen die Juden, sowohl ihrer Religion wie ihrer Rac? wegen. Man könnte wohl mit demselben Rechte die Deutschen von polnischer oder französischer Abkunft anklagen, sie wären keine Deutschen. Daß die Juden es vorgezogeu baden, sich dem kaufmännischen Berufe zu widmen, das ist einfach Sache des Geschmackes; es kann wohl daraus entstanden sein, daß sie van anderen Berufen ausgeschlossen waren, aber es ist entschieden unbillig, daß man ihre größere Wohlhabenheit ihnen immer als Grund der hetzerischen Vorwürfe entgegenstellt, was ich so gefährlich finde, ro.'il es den Neid und die Mißgunst der Massen gegen sie erweckt. Ich habe mich nie dafür ausgesprochen, den Inden irgendwelche Rechte zu nehmen, die ihnen verfassungsgemäß gehören. Die geistige Anlage der Juden erweckt in ihnen einen kritischen Sinn; darum finden wir sie auch hauptsächlich in der Opposition. Ich mache keinen Unterschied zwischen einem Inden und einem Christen, der mir die Grundanschauungen der Politik, die nach meiner Ueberzeugung die richtigen für mein Vaterland sind, opponirt. Wenn ich auf Telegramme uttd Adressen, die ihre Zustimmung zu meinen Ansichten aussprachen, geantwortet habe, so erfüllte ich damit eine Pflicht der Höflichkeit, wie ich Richter gegenüber bemerkt, ich hätte gerade dieselbe höfliche Antwort aus dieselbe Begrüßung der Fortschrittspartei geben können, nur habe ich solche uic erhalten". Drei Jahre später sagte der Kanzler : „Ich kann vielleicht durchweg behaupten, daß in ihrer politischen Haltung mir gegenüber die Juden nie sich so wenig glimpflich benommen haben, wie die christlichen Gegner in der Fortschrittspartei, oder wie jene Conservaiiven zur Zeit der „Reichsglocke", nur daß ich wohlverstanden unter „Juden" nicht die „Preßjuden" meine". Bei einer anderen Gelegenheit sagte der Fürst als Antwort auf eine diesbezügliche Frage: „Diejenigen von ihnen, die etwas besitzen, zahlen ihre Steuern, schreiben keine demokratischen Artikel und nehmen keinen Antheil am Barrikadenbau; es sind die Andern, die solches thun. Die Juden thun Alles, was sie können, um aus mir einen Antisemiten zu machen." Diese letztere Bemerkung ist wohl nur der Ausfluß einer augenblicklichen Mißlaune gewesen. Es war eben auch im Tischgespräch. Defider Szilägyi an die Araber israelitische Gemeinde. Auf das Begrüßungsschreiben, welches die Araber israelitische Gemeinde anläßlich des Jnslebentretens der kirchenpolitischen Gesetze an den Abgeordnetenhaus-Präsidenten Desider S z i l ä g y i gerichtet hat, antwortete dieser mit folgenden Zeilen: ..Sehr geehrter Herr Präsident! Empfangen Sie meinen tiefgefühlten Dank für die schöne und edle Begrüßung, mit welcher Sie mich beehrt haben. Wir sind einig in der Ueberzeugung, daß wir eine unerschütterliche Basis der Kräftigung und freieren, reicheren Entwicklung unseres Vaterlandes, unserer Nation niedergelegt haben, und ich blicke vertrauensvoll in die Zukunft, daß diese Institutionen Eroberungen machen werden auch in jenen Kreisen, welche das Zustandekommen der einen oder der anderen derselben mit Besorgniß, ja mit Antipathie gesehen haben. Gestatten Sie, daß ich aus Anlaß des Neujahrs dem Repräsentantenkörper der Araber israelitischen Gemeinde, deren Mitglieder mit unseren Bestrebungen und mit unserer politischen Richtung verschmolzen sind, auch meine guten Wünsche ausdrücke, und Sie bitte, mir auch ferner Ihr Wohlwollen zu bewahren. — Budapest, 4. Jänner 1896. — Desider SzilL y i." Flora Gast. Von einem Freunde unseres Blattes eryallen wir nachstehende Mittheilung: „Angesichts des großen Jntereffes, das die Angelegenheit Hammer st ei n-G a ß allerorts erregt, fühle ich mich veranlaßt, Ihnen von folgender Episode aus dem Jahre 1894 Kenntniß zu geben. In dem Zuge Berlin-Breslau knüpfte eines Tages eine mir nahestehende Persönlichkeit — ein Disponent eines Breslauer Bankhauses — mit seiner Coupegenossin — einer Dame mittleren Alters und von mäßiger Schönheit — ein Gespräch an, in dessen Verlauf sie Erwähnung that, daß sie einen am Breslauer Operettentheater beschäftigten Tenor — ihren Bräutigam — zu besuchen im Begriffe stehe. Weiters erkundigte sie sich über Verwerthung ihrer angeblichen Capitalien, so daß sich der Herr beim Aussteigen veranlaßt fühlte, ihr die Dienste seines Hauses zur Verfügung zu stellen. Am nächsten Tage erhielt er mittelst Dienstmannes einen Brief, worin ihm seine Reisebekanntschaft dadurch in Erinnerung gebracht wurde, daß [u auf eine goldene Damenuhr ein kleines Darlehen zu erhalten wünschte. "Dieses Billetdoux war unterfertigt mit „Flora Gaß", dagegen trug der Uhrdeckel die Bezeichnung „Meiner lieben Marie". Aus principiellen Gründen wurde jedoch dieses „Lombardgeschäft" refusict. worauf im Bankyause noch am selben Tage eine telegraphische Anweisung anlangte mit ungefähr folgendem Wortlaut: „Zahlet 100 Mark, Sonstiges in Sachen Gaß. Baron Hamm er stein." Hammerstein und Chammerstein. Die Berliner antisemitische „Staatsbürger-Zeitung" hatte nach der Verhaftung des edlen „Kreuzzeitung".Mannes in begreiflicher Verlegenheit die Mär in die Welt gesetzt, daß Baron H a m m e r st e i n jüdischer Abkunft sei und sich dabei auf den socialistischen „Vorwärts" berufen. Dieser hatte allerdings seinen Lesern einmal erzählt, daß H a m m e r st e i n der Abkömmling eines polnischen Juden Namens Chammer alia8 Stein sei. Nur erschien dieser Scherz an einem 1. April vor drei Jahren, wie man aber sieht, thut er auch noch heute seine Schuldigkeit. Ausgrabungen in Jerusalem. Dem „B. T." berichtet man folgende interessante Episode aus Jerusalem: Bor einiger Zeit wollten die Russe n östlich von der Grabeskirche Ausgrabungen vornehmen. Dabei stieß man auf alte Mauerreste aus der jüdischen Zeit. In den Kreisen der niederen orthodoxen Geistlichkeit von Jerusalem herrschte eine große Freude über die Entdeckung einer neuen Raine, einer neuen Einnahmequelle.Der orthodoxePatriarch wurde ersucht, das Mauerwerk einzuweihen und es durch die Weihe zu einem e rg i b i eg e n H e i l i g t h u m zu gestalten. Aber der Patriarch weigerte sich, diese Bitte zu erfüllen.ich weiß nicht, aus welchem Grunde. Darob Entsetzen und Unzufriedenheit unter den Geistlichen, nicht blos unter deu niederen, selbst die Bischöfe empörten sich —, und nun leistet keiner dem Patriarchen mehr Gefolgschaft, sein Ansehen ist so sehr gesunken, daß er abdanken muß. Schriftstellerjubiläum des Professors Benedikt. Am 2. Februar sind es vierzig Jahre, seit Professor Dr. Moriz Benedikt in seine schriftstellerische Laufbahn getreten ist. Ein Comit6 aus Freunden, Verehrern und Schülern des Gelehrten, das an hundert klangvolle Namen ans fast allen Ländern Europas umfaßt, hat sich gebildet, um dem Jubilar Sympathie und Verehrung kundzugeben. Das Comite, dessen Secretär Dr. Heinrich Weiß ist, wird Benedikt und seinen Freunden zum Andenken an den Tag eine Bronceplaquette mit dem Reliefbildniß des Gefeierten anfertigen lassen und auch eine Ovation in anderer Form veranstalten. Dem Comitö gehören unter Anderen an: Von der Wiener medicinischen Facultät die Professoren A. Politzer, Zuckerkand!, Hofrath Ludwig. Dr. Wagner v. Jauregg, M o n l i, Puschmann, R. v. Pasch; von der juridischen Facultät Hofrath Professor G rün h nt, von der philosophischen Facultät Professor D. H. Müller und von der theologischen Facultät Prorector Dr. Lorenz Müll n er u. v. A.; ferner unter vielen berühmten Anatomen, Psychiatern, Klinikern und Rechtslehrern des In- und Auslandes: Geheimrath Wald e y e r (Berlin), der Doyen der medicinischen Facultät in Paris Dr. Bro uardel, der Präsident des Royal College of Physicians Sir Ruffel Reynolds (London), Professor S t i n d a (Königsberg). Hofrath R o l l e t t (Graz), Professor Cesare L o m b r o s o (Turin), Professor v. K o r a n y i (Budapest), Staatsminister Jules leJeune (Brüssel), Professor Anatole Bo g d a n o f f (Moskau), Professor John C l e l a n d (Glasgow), Professor Clouston (Edinburgh), Professor Dreschseld (Manchester), Professor Ferri (Florenz), Profeffor v. H a m el (Amsterdam), Professor Lacassagne (Lyon), Dr. M a g n a n (Paris), Profeffor v. M a c e d o (Lissabon), Profeffor Manouvrier (Paris), Professor Mavagliano (Genua), Professor Mendel (Berlin), Professor Mierzejewski (Petersburg), Professor M o s s o (Turin), Profeffor Munk (Berlin), Professor Ruß (Jassy), Profeffor S e r g i (Rom), Professor Stiller (Budapest), Profeffor v. T ö r ö k (Budapest), Professor Z i t e l m a n n (Bonn), Professor v. T s ch i s ch (Dorpat) rc. rc. Schon jetzt ist dieBetheiliqung von Nah und Fern sehr re^e. Die Geschichte der Inden in Wien reicht bis in's frühe Mittelalter zurück: schon im Jahre 906 unter der Regierung Ludwig's des Kindes geschieht ihrer in einer Zollordnung Erwähnung. Kaiser

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