Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 4 (24.1.1896)
- Date
- 1896-01-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 4 Dr Bloch's WorNrnsttzrifl Seite 69 feierte C o m p o n i st nicht Franz Liszt, sondern S ch n e i tz h ö f e r, und siebentes i st d a s G a »i z e a u s d e nt dritten Jahrgange der P. K. Ros egge r'schen Monatsschrift „Heim garte n'' vom Jahre 1879, w o d i e schon genannte Erzählung „Ein S ch u st e r und ein Schneider" auf Seite 297 beginnt und auf Seite 300 endet, gelinde gesagt, ganz widerrechtlich entlehnt. Dem bei den Tagblättern üblichen Schriftsteller Honorar entsprechend, hätte der „größte Brotnehmer" des „D. SS.“ mindestens 10 fl. für das Feuilleton „Der R h a p s o d i e n st i e f e l" zahlen müssen, wenn aber eine schon längst vorhandene gediegene Arbeit eines Anderen etwas verfälscht und verschandelt wird, danie ist dies nicht blos billig, sondern, wie es sclieint, auch noch längst gut für die bedauernswertben Leser des unter dem Titel „D. B. B." erscheinenden Bergan i-L u e g e r'schen Extrablatt des Wiener Wurstkessels. Mit dem höflichen Ersuchen, diese Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen, zeichnet mit u. d. G. und Heil Hochachtend A. O h m e. Zwettl, am 12. Jänner 1896. Wie reimt sich das zusamm'? Der Defraudant Bergan» muß die Leser seines „Deutschen Dolksblatt" für »nisäglich blöd halten, sonst könnte er sich doch nicht erdreisten, denselben oftmals in einer und derselben Nrnnmer seiner durch jüdische Pauschalgelder „groß" gewordenen Zeitung die haarsträubendsten llngereiu theiten kaltlächelnd vorzusetzen. — Was sagt die noch halbwegs denkfähige „Volksblatt- Jntelligenz" z. B. zu folgenden Proben? I. „Deutsches Volksblatt" am 21. Dec. 1895: „Die Aerztekammer des Königreiches Böhmen hat nun auch den Beschluß gefaßt, alle marktschreierische R e c l a m e, Inserate, Dankschreiben und dergleichen, welche von Aerzten ausgehen, auf das Strengste zu ahnden. Es ist hohe Zeit, daßmit d iesemzumeist jüdischen Schwindel, der sich b esondersindem Jnseratentheile derJudenblätter so ekelhaft breilmacht, endlich einmal aufgeräumt wir d." Und in derselben Nummer des „Deutschen Volksblatt" lesen wir folgende fett bezahlie und fett gedruckte Texteinschaltung: Eingefeudet. „Eine weitverbreitete Todes ursach e." (Nun folgt eine von uns bereits gebührend gekennzeichnete saftige Reclame für den Saujana-Heilschwi'ndel des Chas. Thomas'schen Institutes zu Norwovd, London, 8. E. — Ein „von einem schweren Stadium der Lungenschwindsucht Geretteter", richtet an den „Dr." (?) Chas. Thomas ein Dankschrei,ben, welches abgedruckt wird.) Unterschlagene Kirchengelder. Aus Mannheim wird telegraphirt: Das Schwurgericht verurtheilte: den evangelischen Pfarrer und Decan Wilhelm Einwächter von Hüssenhardt wegen Unterschlagung von 37.000 Mark Kirchengeldern zu siebe n Jahren Gefängniß. Arische Aerzte im Mittelalter. Die „Neue Zeit,, (S. 161 f.) veröffentlicht eine Hamburger Pestordnnng aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, die ein grelles Licht auf die Humanität einer judenreinen Stadt in judenreiner Zeit wirft. Den Unterschied von armen und reichen Patienten kannten die Hamburgischen Aerzte von damals nur zu gut. In dieser Pestordnung heißt es: „Weil diese Krankheit bekannt ist und der Medicus so wol von Hans aus, als wenn er sich wegen einer geringen Person in ein kleines enges vergifftes Haus begeben und in Gefahr Leibes und Lebens stellen muß, rathen und dienen und eben das sche.ffen kann, was er sonst gegenwärtig thun sollte oder könnte, so sei derselbe mit solcher Bisitierung und persönlicher Besuchung billig zu verschonen"... Wenn aber die Herren, oder fürnehme Bürger den ordinarium oder andere Medicos, zu denen sie ihr Vertrauen nebst Gott setzen, begehren, so soll der Ordinarius so wenig als die anderen Medici gegen gebührliche Verehrung ihnen solches verweigern oder abschlagen."*) Dieselbe Pestordnung verlangt, ^daß die gemeinen Leute während der Pest ohne Sarg, -nur in ein Leinentuch gewickelt, bestattet werden sollten. Antisemitismus j in Zeitschriften. Daß das „D a h e i m", wenn es ihm gerade in den Kram paßte, ab und zu ein bischen antisemitisch angehaucht ist, ist lange bekannt. Nun schien seit einiger Zeit in dieser Tendenz des Blattes eine kleine Besserung eingetreten zu sein, denn in seinen Spalten waren nicht mehr so oft jene hämischen, wenn auch meist verschleierten Bemerkungen über Judenthum und jüdisches Wesen *) Gernet, Mitiheilungen aus der älteren Medicinalgeschichte Hamburgs 1869. » anzutreffen. Da finden sich mit einem Male in der Beilage zu Nr. 11 d. I. (§. 5) Bemerkungen, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen und die wir deshalb ohne Commentar wörtlich folgen lassen: „Der unkischrvckeue und energische Führer der österreichischen Antisemiten, dem in Gemeinschaft mit dem Prinz, n Alois Liecht-' nstein die großen Erfolge zu danken sind, die die Partei in Oesterreich und vor Allem in Wien errungen har, sieht seit seiner Wahl zum Bürgermeister von Wien und der infolge diff'en von der Regierung beschlossenen Auslösung des Wiener Gemeinderathes im Vordergründe des Interesses aller derer, die an dem Entwicklungsgänge der inneren Politik Oesterreichs Antheil nehmen. Für den Regierungsbeschluß soll nicht die antisemitische Haltung des Dr. Karl Lueger, sondern seine Opposition gegen das überwuchernde Magyarenthum maßgebend gewesen sein. Das klingt nicht uuglaubhast, da der österreichische Ministerpräsident Graf B a d e n i als Statthalter von Galizien selbst sehr energisch gegen die das Land aussaugende jüdische Geschäftsthätigkeit Front gemacht hat und ihnr persönlich die antisemitischen Bestrebungen Dr. L u e g e »'s nicht unsympathisch sein können. Auch mußte der Ministerpräsident erklären, daß die Persönlichkeit Tr. Karl L u e g e r's unantastbar sei und keinen Anlaß für den Regiernnc,- beschluß geboten habe. Aber wenn ungarischer Einfluß sich wirklich allein in Wien so mächtig gezeigt hätte, so wäre das für d»rs Deutsch, thum in Oesterreich nicht weniger bedauerlich, als wenn die Regierung nur Rücksicht auf die Wiener Juden genommen hätte, denn beide sind gleich gefährliche und gle ch übermächtige Gegner. Dr. Karl Lueger, der sich durch seine mannboste Haltung dem Grasen B a d e n i gegenüber nur neue Freunde gewonnen hot, ist am 24. Oktober 1844 in Wien geboren ju. s. w." Ein neues Mißverständnis des Herrn Stöcker! Die Monatsschrift: ,,Jm Dkutschen Re'ch", berichtet datüber Folgendes: „In einem „Die sociale Frage" überschriebenen Artikel, welchen die Zeitschrift „Das Volk" am 17. November 1892 veröffentlichte, berichtete Jules Huret über eine Unterredung, welche er mit dem ehemaligen Hosprediger Stöcker gehabt hatte. Auf Huret's Frage nach den Zielen des Antisemitismus, antwortete Stöcker u. A. wörtlich: „Ich habe niemals behauptet, der jüdische Ritus bedinge die Anwendung von Christenblut. Aber es steht unbedingt fest und ist mir auch von Diplomaten, die im Orient geweilt haben, bestätigt worden, daß fanatische und abergläubige Juden Morde begehen, um sich des Blutes ihrer Opfer zu bedienen. . . Und die angesehenen israelitischen Personlichkeiten schaden sich selbst unendlick — ich gebe hier nur den öffentlichen Ausspruch eines amerikanischen Rabbiners wieder — wenn sie diese Mörder mit allen erdenklichen Mitteln decken und hehlen, so daß man niemals den Schuldigen herausfindet." Diese eigenthümliche Aeußerung veranlaßte einen mir persönlich bekannten Herrn, eine directe Anfrage an Herrn Stöcker zu richten, welche derselbe am 3. December 1892 durch eine Postkarte folgenden Inhaltes beantwortete: „In der Unterredung Jules Huret's ist Manches nicht ganz richtig wiedergegeben. Ich hatte nicht gesagt, daß unsere orientalischen Diplomaten es mir bestätigt hätten, sondern daß ein hoher Staatsbeamter mir erzählt hätte, keiner unserer orientalischen Diplomaten zweifle an dem jüdischen Ritualmord. Die Namen der Diplomaten kenne ich nicht. Hochachtungsvoll Hosprediger a. D. Stöcker." Mit dieser ausweichenden Antwort gab sich der betreffende Herr nicht zufrieden. Unter Beilegung einer Postmarke für die Rückäußerung schrieb er nochmals an den ehemaligen Hofprediger, um ihn zu bitten, daß er ihm „den hohen Staatsbeamten, der ihm erzählt hätte, keiner der orientalischen Diplomaten zweifle an den Ritnalmorden", gefälligst nennen möge. Eine Antwort wußte der Hosprediger a. D. bis heute nicht zu ertheilen, und selbst die Marke sah man niemals wieder. Der Herr wandte sich nun an den Reickskanzler a. D. Fürsten Bismarck und unterbreitete diesem die eigenthümliche Angelegenheit in der Hoffnung, den als „hohen Staatsbeamten" bezeichnten Gewährsmann des Herrn Stöcker zu ermitteln. Nach einiger Zeit ging ihm aus Friedrichsruh nachstehendes Schreiben zu: „Geehrter Herr! Ich bin beauftragt, Ihnen beifolgend die Anlagen Ihres gefälligen Schreibens vom 28. d. M. mit dem Bemerken wieder zugehen zu laffen, daß die Personen undSachen, auf die sich die Aeußerung des Herrn Stöcker bezieht, dem Fürsten Bismarck unbekannt sind. Mit vorzüglicher Hochachtuug