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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-24 · 4 (24.1.1896) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 68 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 4 „E s freut Mich, Ihren Ball b e s u ch e n z u k ö n n e n, u m s o d e m B e a m t e u st a n d e ein Zeichen Meiner Zuneigung zu geben. Ich bin überzeugt, daß die Beamtenschaft sich derselben nicht nur durch Eifer n n d Treue i m D i e n st e, sondern auch durch ihre politische Haltung in j ed er Hinsi ch t st et s w ü r d i g zeigen wird!" Die Worte des Kaisers werden in den Kreisen der Beamten begeisterten Widerhall finden. Der Monarch versichert die Beamtenschaft seiner Zuneigung, und mau weiß, daß die Regierung Seiner Majestät eben daran ist, auch für die Besserung der materiellen Lage des Beamtenstandes zu sorgen. Und wenn der Kaiser hieran die Erwartung knüpft, daß die Beamten auch durch ihre politische Haltung die Bestrebungen der Regierung unterstützen werden, so entspricht dies vollkommen dem Wesen eines geordneten Staates, in welchem die Minister die Verantwortung für den geregelten Gang der Berwaltung tragen. Den antisemitischen Blättern aber paßt die kaiserliche Antwort nicht in den Kram! Sie fürchten für die Autorität des Herrn Lueger und darum fälschen sie in der unverschämtesten Weise die Worte des Monarchen, obgleich dieselben authentisch sestgestellt wurden, indem sie den Passus: „n i ch t nur d u r ch E i s e r undTreue i m D i e n st e, sondern a u ch d u r ch ihre p o l i t i s ch e H a l t u n g" weglassen oder direct leugnen, daß dieser Passus gesprochen wurde. Die Frechheit dieser Menschen macht also nicht einmal vor der geheiligten Person Sr. Majestät des Kaisers Halt! Das ist jene „Kaisertreue auf Kündigung", welche der Justizminister Graf G l a i s p a ch im Parlamente gebrandnrarkt hat! Die Fälscherkunststücke eines Schneider und V e r g a n i ans eine authenticirte Rede des Kaisers angewendet — höher geht's nicht mehr! Die „Reichspost" beklagt sich darüber, daß die antisemitischen Blätter zum letzten Ball bei Hofe keine Einladungen erhielten. Alan wird diese „Zurücksetzung hinter die jüdische Presse" nunmehr begreiflich finden. Soll man dieser F ä l s ch e r b a u d e auch noch den Zutritt zum Hose offnen? Der Kaiser kann in seinem Hause nur anständige Gäste empfangen, folglich müssen die Herren Vergant und Spitzer-Weimar draußen bleiben. Der Letztere rächt sich nun dafür durch die aufreizende Meldung, daß die Sprossen der edelsten Geschlechter wie Fürst L o b k o w i tz, Taxis und W i n d i s ch g r ä tz bei den letzten Audienzen dem Baron Rothschild den Vortritt lassen mußten. Das ist eine Denunciation, deren Spitze sich nach der höchsten Stelle richtet! Kaisertreue aus Kündigung! Die Krise im Raimundtheater. Wien wird seit einigen Tagen von einer localen Frage beherrscht. Der Zwist, welcher zwischen dem Director und dem Directionsrathe des Raimundtheaters ausgebrochen ist, drängt fast die Bürgermeisterfrage in den Hintergrund und Herr Lueger muß heute seine Popularität mit Herrn Adam Müller-Guttenbrunn theilen. Die Krise im Raimundtheater ist nichts mehr und nichts weniger als ein gewöhnlicher Theaterconflict. der nur auf eine etwas ungewöhnliche Art seine Lösung gefunden hat. Die antisemitischen Blätter, vor Allem der Sudelwisch Bergan i's, suchen jedoch selbst aus dieser durchaus unpolitischen Affaire Capital für ihre Zwecke zu schlagen. Die Leser des „Deutschen Volksblatt" sind aber ganz gewiß besser als ihr Ruf. So vertrottelt, wie Herr V e r g a n i glaubt, sind sie noch immer nicht, trotz der angelegentlichen Bemühungen des ganzen antisemitischen Generalstabes. Bergan i will Herrn Müller- Guttenbrunn, der über Nacht von der Directionsführung suspendirt wurde, als ein Opfer der Juden erscheinen lassen. Schon vor Monaten, als die ersten Reibungen zwischen dem Director und dem Ausschüsse bekannt wurden, sprach das „Deutsche Bolksblatt" vom „jüdischen Einflüsse" und nöthigte Herrn Müller-Guttenbrunn zu einer geharnischten Erklärung, in welcher er die Ehre, zu den Antisemiten gerechnet zu werden, feierlich ablehnte. Als nun die Suspension erfolgte, hieß es im „Deutschen Bolksblatt" wieder, „jüdische Jntriguen" hätten Müller-Guttenbrunn gestürzt. Wer sind die „jüdischen Jntriguanten"? — Die unversöhnlichen Gegner des Directors, welche alle Hebel zu seinem Sturze in Bewegung setzten, sind der Präsident des Theatervereines, Baurath Roth, das Ausschußmitglied I abuvek und der Regisseur Langkammer, lauter unverfälschte Arier, von denen man schier in Zweifel sein kann, ob sie nicht im innersten Herzen noch einige Sympathien für den Antisemitismus hegen. Unter den fünf Ausschußmitgliedern dagegen, welche mit wahrhaftiger Selbstaufopferung für den gemaßregelten Director eintraten, befinden sich die Juden Alfred Straffer und Wilhelm Pollak. Charakteristisch ist auch noch die Haltung des Juden Dr. Jacob Singer im Ausschüsse. Dieser gehörte zu den Gegnern des Directors, als er sich aber aus den Acten von der Unwahrheit der gegen denselben erhobenen Anwürfe überzeugt hatte, stellte er sich offen und loyal auf seine Seite. Die C h r i st e n also haben Herrn Müller-Guttenbrunn gestürzt und die Juden vertheidigen ihn. Trotzdem wird den Lesern des „Deutschen Bolksblatt" Tag für Tag der Blödsinn aufgetischt, daß Müller-Guttenbrunn ein Opfer „jüdischer Jntriguen" sei. In den Branntweinbuden und auf dem Naschmarkt wird dieser Blödsinn auch gläubig nachgebetet werden. Der erwischte Bergani Der Herausgeber des „Deutschen Bolksblatt" hat Pech. Nicht nur, daß er selbst nicht schreiben kann, es paffirt ihm auch regelmäßig das Malheur, daß man seine Plagiate entdeckt. Man hat noch nicht die elastischen Nordlandsschilderungen vergessen, die er. ganz ungenirt aus einem Reisehandbuch abgeschrieben, und erinnert sich schmunzelnd an den Bericht über den Besuch, den ein deutscher Schriftsteller bei Dühring gemacht und den sich nachträglich Herr Bergani auf die einfachste Weise von der Welt, beilegte. Wo der erwähnte Schriftsteller von sich spricht, sagt Herr Bergani ruhig: „Ich" und damit Basta. So macht Bergani Besuche und so beschreibt er sie. Er wird aber immer erwischt, der arme literarische Dieb und bis in seine Träume hinein mag ihn der Ruf verfolgen: „Halt's ihn auf!" Dieser, Bergani quälende Ruf ertönt abermals. Diesmal stößt ihn ein Wiener Blatt im Hinblick auf Herrn Bergani aus, der am 16. Jänner 1896 ein Feuilleton abgedruckt, welches ein liberaler Wiener Journalist am 19. December 1895 in der „Oesterreichischen Volkszeitung" veröffentlicht hatte. Bergani schimpft auf die liberalen Blätter, aber ihre Feuilletons stiehlt er gerne. Wer weiß, ob seine ganze Campagne gegen die liberalen Blätter nicht auf das eine Motiv zurückzuführen ist, daß er noch viel bequemer die Blätter bestehlen könnte, wenn er nicht befürchten müßte, daß seine eigenen Gesinnungsgenossen auf diese Einbrüche in fremdes Gebiet kommen könnten. Wir sind nur neugierig, wie B e rg a n i sein Blatt machen würde, wenn er die Losung: „Hinaus mit den Judenblättern!" selbst befolgen würde. Er kann doch nicht das ganze Blatt ausschließlich mit — „jüdischen" Pauschalien füllen. Nr. 2, 1896, der „U. D. W." enthält nachstehendes Schreiben: Sehr geehrte S ch r i f t l e i t u n g! Wie schon öfters, so bietet jetzt wieder einmal das sogenannte „Deutsche Volksblatt" des an „Ehren und Thaten reichen" Bergani vom Sonntag den 5. Jänner 1896 ein trauriges Beispiel. Die genannte Nummer bringt nämlich unterm Strich eine Erzählung, betitelt: „DerRhapsodicnstiefel", Humoreske von Theo Seelmann. Kaum daß ich die ersten zwei Sätze des Feuilletons gelesen, wurde mir klar, daß ich dies schon irgendwo einmal gelesen, und nach genauer Durchsicht meiner Bücherei fand ich, daß sich entweder unter dem Namen „Theo Seelmann" der berü—hmte Ehrenbürger von Mühldorf verberge oder daß sich einer seiner Tintenkuli das^^„Vergnügen" gemacht habe, sich wieder einmal etwas ,,anzueignen", was Änderen gehört, wofür ich ihm nachstehenden Beweis erbringen will. Erstens lautet der Titel jener Erzählung nicht „D c r R h a p s o d i e n st i e f e I1', sondern ,,E in S ch u st e r und e in Schneide r" mit dem Nebentitel ,,D er Eine"; zweitens ist der Verfasser nicht der Mondbewohner ,,T h e o S e e l m a n n" (V e r g a n i?), sondern der in der deutschen Schriftstellerwelt gut bekannte S ch m i d t - W e i ß e n s e l s; drittens ereignete sich das Erzählte nicht im Jahre 1832, sondern 25 Jahre früher; viertens hieß die Hauptperson der Erzählung, der Hofschnhmacher. n ich 1 D u rnr o n t, foiibirn Sakoski; fünftens war der gekrönte Kunde des Hofschuhinachers nicht König Louis Philipp von ft-ranf* reich, sondern Kaiser Napoleon I.; sechstens war der ge-

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