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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-24 · 4 (24.1.1896) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 64 Dr Bloches Mochenfchrist Nr. 4 feffion keine Ausnahme machen. Man konnte daher nicht mehr der Entscheidung der Frage ans dem Wege gehen, wie jene Köiperschast zu constiluiren ist, welche berufen sei, die gesammte ungarische Jndenheit zu vertreten und für diesetbe obligatorische Statuten zu schassen' Hiesür halten wir die Landesversammlung «Congrcß) der Israeliten für competeut. Von einem solchen Congresse können wir aber mit voller Sicherheit das Gelingen der Entwirrung nur dann erwarten, wenn derselbe mit Zustimmung der Legislative einberufcn wird. Diese Gesichtspunkte haben uns zur Ueberreichung dieses Memorandums veranlaßt. Gleichzeitig haben wir die Errichtung eines öffentlichen Fonds zur Förderung der ungarischen Judenheit in nationalem Geiste beschlossen. Wir empfehlen unsere Confession und deren Sache der Gnade Ew. Excellenz. (Lebhafte Eljenrufe.) Minister Dr. Julius W l a s s i c s erwiderte hierauf Folgendes: „Sehr geehrte Herren! Vor Allem erkläre ich, daß ich die Eingabe der Versammlung-der israelitischen Districtspräsidenten zum Gegenstand des Stu.iums machen und das Resultat meiner Studien Ihnen seinerzeit mitthcilen werde. Ich halte nichts für natürlicher, als daß, nachdem die israelitische Religion recipirt ist, die Anhänger dieser Religion deren Autonomie zu organisiren und zu sichern bemüht sind. Diesem Streben stimmt natürlich auch die Regierung zu; dabei aber kann ich nicht umhin, zwei Gesichtspunkte Ihrer werthen Aufmerksamkeit zu empfehlen. Der eine ist, das; d i e E i n b e r u s u n g eines Congresses für s i ch allein noch nicht den Erfolg der Autonomie bedeutet. Auch auf anderem Gebiete haben Congresse stattgefunden und deren Ergcbniß ward nicht das Zustandekommen einer lebensfähigen Autonomie. Ich bin daher der individuellen Ansicht, daß gewisse Vorbereitungen dazu nothwendig sind, damit eine solche Auton o m i e zustande k o m m e, w e l ch e die v e r s ch i e d e n e n Interessen befriedigt. (Zustimmung.) Und ich füge hinzu, daß ich d a s M i l I e n n i u m s j a h r z u r E i n b e r u f u n g des Congresses nicht fürgeeignethalte, denn dieses Jahr nimmt die allgemeine Aufmerksamkeit in anderer Richtung sehr in Anspruch; deshalb würde ich eine so bedeutende Frage nicht im Millenniumsjahre verhandeln, umsoweniger lösen. Der zweite Gesichtspunkt, den ich Ihnen, meine Herren, angelegentlichst empfehle und auf welchen auch der geehrte Herr Redner reflectirt hat, ist der, daß, sowie Sie den Octroi nicht wünschen, ja sich direct gegen denselben aussprechen, so erkläre ich auch auf das Entschiedenste, daß die Regierung in dieser Hinsicht keinerlei Zwang auszuüben wünscht und sich in die confesiionellen oder liturgischen Differenzen der Cultusgemeinden verschiedener Schattirung nicht einmengen will. Ist doch gerade das Gesetz über die freie Religionsübung und überhaupt die vollständig liberale Auffassung der Regierung die größte Garantie dafür, daß der Staat und seine Organe i n r e l i g i ö s e n Dingen keinerlei Zwang ober Dctroi auszuüben iv ü n s ch e. (Zustimmung.) Wir wollen immer vor Augen halten, d aß die G e w i s s e n's frei hei t nicht die geringste Einbuße erleide; dies kann die Aufgabe keiner Regierung sein, am wenigsten aber die einer liberalen Regierung, welche chren Stolz darein setzt, an der Schaffung dieser liberalen Gesetze mitgewirkt zu haben. (Eljenrufe.) Ich kann es nicht unterlassen, meine wärmste Anerkennung dafür auszudrücken, daß Sie, indem Sie sich anläßlich der Reception versammelten, es für Ihre erste angenehme Pflicht hielten, einen öffentlichen Fond zu schaffen zur Pflege und Entwicklung des nationalen Geistes. Es ist dies eine That, die würdig Ihrer ist, würdig der Vergangenheit, in welcher Sie stets so treu an dem Vaterlande hingen, und dies auch in Thatcn offenbarten. In dieser Richtung wollen Sie, ich bitte, Ihre Thätigkeit fortsetzen und ich hoffe, daß. wenn es vielleicht noch hie und da Solche gibt, die das Receptionsgesetz mit Mißtrauen ausgenommen haben, in Hinkunft auch Jene es mit eben solcher Freude aufnehmen werden, mit welcher Freude ich oaran theilgenommen habe, daß dieses Gesetz geschaffen wurde. (Lebhafte Zustimmung.) Der Minister couversirte dann noch eine Zeit lang freundlich mit den Herren, die hierauf beim Staats) ecretär Michael Z silinßky ihre Aufwartung machten. Die Deputation begab sich sodann zum Ministerpräsidenten, wo Dr. Jzso Rosa de Barhely das Memorandum in Begleitung einer schwungvollen Ansprache überreichte, in welcher er gleichfalls die Nothwendigkeit der kirchlichen Landesorganisation der ungarischen Judenheit und die Regelung des Verhältnisses der jüdischen Kirche zum Staate betonte. Ministerpräsident Baron B a n f f y erwiderte auf diese Ansprache Folgendes: Sehr geehrte Herren! Als die Regierung einen Haupt- und ich kann sagen den entschieden ergänzenden Theil der lirchenpolitischcn Kämpfe und Schöpfungen, die Reception der Israeliten, in ihr Programm aufnahm und als sie die Verwirklichung der Reception durchführte, hat sie — so glaube ich — eine Pflicht erfüllt. Sie erfüllte eine Pflicht, als sie jene Bewohner des Vaterlandes in die Reihe der recipirten Eonscssivnen anfnahm, die seit langer Zeit und namerrtlich in neuester Zeir ihr gesellschaftliches und öffentliches Leben in vollständig nationaler, pairiotischer Weise nmgestaltet haken und es mit Recht fordern konnten, daß man sie im Vaterlande als vollkommen gleich anerkenne, als gute Patrioten, als solche, welche die Interessen des Vaterlandes am Herzen tragt», mit den übrigen Confessionen. Und ich glaube, daß cs so ist, wie es Ihr geehrter Herr Redner sagte, daß die Angehörigen dieser Confession in Ungarn heute weder das Gravitiren nach auswärts noch die kosmopolitische Richtung teilet. So habe ich es gefunden, und ich hoffe, daß es auch in der Zukunft so sein wird, daß Sie mit uns Urmagyaren zusammen fühlen, zusammen denken und dos Vaterland zusammen lieben; und dann ist es eine natürliche Sache, wenn der Staat und die leitenden Kreise — mit Stolz sage ich cs, daß auch ich daran mitgewirkt habe — ein altes Pflichtversäumniß gut gemacht haben, womit sie nur der Gerechtigkeit Genüge leisteten. (Eljenrufe.) Indem jetzt diese Confession als solche, die nunmehr zu den recipirten Confessionen gehört, wie dies auch richtig und nothivendig ist, durch eine gehörige Organisation jenes Berhältniß festzustellen wünscht, welches sie an den Staat und auch an die Krone knüpfen muß, bin auch ich der Meinung, daß man sich hiemit beschäftigen muß, und daß man sich mit Rücksicht auf die Zeit und auf die Umstände mir Umsicht mit dieser Frage befassen muß. Die Regierung wird es für ihre Pflicht erachten, auf Grund des Memorandums, das Sie beim .Herrn Culrusmiuistrr als der competenten Stelle eingereicht haben, sich mit dieser Frage zu befasserr und zu deren Lösung ihre Unterstützung zu bieten, so daß bei berechtigter ''Ausgleichung der Interessen die Organisation zustande komme und diese Organisation weder mit dem Staate noch auch mit möglichen Gefühlsconftieten in Collision geraihe. Wollen Sie überzeugt sein, daß mich das volle Wohlwollen, die volle Achtung und Werthschatzung leiten werden, und daß die Regierung Ihre Wünsche, insoweit sie berechtigt sind, unterstützen wird. Eines aber wollen Sie gestatten : daß wir die Frage mit Umsicht, mit Rücksichtnahme der Zeit und der Verhältnisse zum Gegenstand der Erwägung machen und uns innerhalb dieser Schranken mit derselben befassen. (Lebhafte Eljenrufe.) Martin Schweiger stellte hierauf die Mitglieder der Deputation dem Ministerpräsidenten vor, der unter Anderem bemerkte, er könne sich nur freuen, daß es sich nicht nur um eine nationale, sondern um eine cvnsessionelle Verschiedenheit handle, was im großen Maße zu der so uothwendigeir Ausgleichung der etwa vorhandenen socialen Gegensätze beitragen werde. Uus der Oesterr. Israel. Anton. (Trauerkundgebung für Sir Julian Goldsmid in London und Selig Goldschmidt in Frankfurt a. M.) In der unter der Leitung des Präsidenten Dr. Josef Grünfeld Samstag den 18. d. M. abgehaltenen Plenarversammlung der Oesterr. Israel. Union, in welcher HerrRerchsraths- Abgeordneter Professor Sueß unter lebhaftem Beifall der Zuhörer einen hochinteressanten und lehrreichen Vortrag über die Ausgleichsverhandlungen mit Ungarn hielt, widmete Dr. Bloch dem Hingeschiedenen Sir Julian Goldsmid in London einen warmen Nachruf. Sir Julian Goldsmid, schon in der dritten Generation Baronet. war am 2. October 1838 zu London geboren. Er war der einzige Sohn von Fr. D. Goldsmid. Die Familie ist eine altenglische, deren Stammbaum bis auf 1593 zurückzuführen ist. Seit dem Jahre 1870 gehörte Sir Julian dem englischen Parlamente an, wo er oft und entschieden für die Juden in Rumänien u. a. O. das Wort ergriffen hat. Besonders wichtig war aber seine Thätigkeit in dem englischen Zweigverein All. Js. Univ. der Anglo Jewish-Affociation, deren Präsident er seit 1886 war und in der er mit unermüdlichem Eifer für die Rechte seiner Glaubensbrüder gewirkt hat. Ebenso eifrig war er im russisch-jüdischen Comite und im Vorstande der West-Syuagoge, die in London das reformistische Element vertritt. Besonders hervorzuheben ist die außerordentliche Wohlthätigkeit, die Sir Julian gegen alle Armen, nicht nur in England, geübt und die in ihrer Art geradezu imposant war. So ruft sein Tod die Erinnerung an sein reiches, der Sache seiner Glaubensgenossen geweihtes Leben und damit eine Fülle von wehmüthigen Gedanken und Vergleichen hervor, die hauptsächlich den großen Unterschied in der Stellung zur Religionsgemeinde betreffen, welcher zwischen den österreichischen und den englischen oder französtschen Juden herrscht. Dort wirkliche Geheimräthe und Staatssecretäre, die Leiter jüdischer Vereine und Gemeinden sind, active Generäle, die es sich zur Ehre anrechnen, Mitglieder des Consistoriums

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