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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-24 · 4 (24.1.1896) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Vloch's Wochen,christ. katholischer Unterrichtsminister protestantische Lehrer von der Schule ausschließt. Uebrigens brauchte man, um Beispiele von Grausamkeit, Ausbeutungssucht und Eroberungsgier zu finden, gar nicht bis zu den Kreuzzügen zurückzugehen. Es genügt, die Verhandlungen in den Processen Leist und Weh lau zu lesen. Diese sind von der deutschen Regierung nach Afrika geschickt worden, um Länder und Völker zu regieren, zu deren Beherrschung die Deutschen gerade so viel Recht oder noch etwas weniger als die Türken auf Armenien haben. Es mag sein, daß die türkische Regierung mit den aufständischen Armeniern nicht gar zu glimpflich umgeht; in uns viel näher liegenden Ländern hat man „Rebellen" auch nicht mit Rosenwasser behandelt. Aber wenn einem Armenier ein Leid geschieht, schreit ganz Europa Zeter, man schickt Kriegsschiffe nach Constantinopel und droht dem Sultan mit Absetzung. Freilich sind dort schreckliche und gräßliche Dinge geschehen; Frauen wurden nackt ausgezogen und in Gegenwart ihrer Männer gepeitscht, Angeklagte, die nicht gestehen wollten, wurden so lange geprügelt und gepeitscht, mit daumendicken, scharfkantigen Peitschen, bis ihr Körper „wie rohes gehacktes Beefsteak aussah," gefangenen alten Frauen wurden die Hälse abgeschnitten, andere Gefangene ließ man Hungers sterben oder bei glühendster Hitze tagelang an Schiffsstangen festgeschnürt stehen. Den Soldaten wurden Gefangene preisgegeben, welche von ihnen mit Messern zerschnitten, zerhackt und verstümmelt wurden. Auch sollen sich die Soldaten eine große Geschicklichkeit im Abziehen der Schädelhaut erworben haben. „Dem Gefangenen wurde am Unterkiefer mit dem Messer ein Schnitt gemacht, dann mit den Zähnen angepackt und der ganze Skalp über Gesicht und Kopf herübergezogen" u. dgl. mehr. Es ist zu erwarten, daß die Gesandten der europäischen Mächte in Constantinopel bei der Hohen Pforte auf strenge Bestrafung dieser Uebelthäter dringen und dafür Sorge tragen werden, daß die Strafe streng genug ausfalle, um die Wiederholung solcher Gräuel zu verhüten. Ich wollte noch weiter in diesem Tone über die schrecklichen Türken schreiben, als ich meinen Jrrthum bemerkte. Alle diese Schändlichkeiten wurden gar nicht von türkischen Officieren und Soldaten gegen Armenier verübt, sondern von dem kaiserlich deutschen Reichsbeamten Assessor W e h l a u und seinen Leuten gegen die Neger in Kamerun. Herr W e h l a u ist ein echter Arier, kein Semite und kein Türke; er hat in Berlin Rechts- und Staatswiffenschaft studiert und ist Reserve-Officier des Leib-Grenadjer-Regiments König Friedrich Wilhelmlll. Er ist auch nicht durch jüdische Vorträge über die Kreuzzüge entchristlicht worden. Und die europäischen Gesandten brauchen nicht auf seine Bestrafung bei der Pforte zu dringen. Ein deutscher Gerichtshof hat ihn bereits verurtheilt, nach seiner milden Weisheit, nicht nach dem grausamen jüdischen Gesetz „Auge um Auge, Zahn um Zahn". Der arme Assessor muß 550 Mark, beinahe dreihundert Gulden Strafgeld zahlen! Beinahe einen Heller für den Peitschenhieb! Tröstlich ist es nur, daß er in ein anderes Amt mit dem gleichen Range versetzt wird. Er wird also noch Gelegenheit haben, in anderen Gegenden Afrikas nach seiner Manier den armen Negern arischeCivilisation und Religion beizubringen. Denn unter dieser Firma wird von den Ariern in Afrika das betrieben, was von den Antisemiten den Juden stets als Ausbeutung und Streben nach Weltherrschaft verleumderisch vorgeworfen wird. In Natal, in Südafrika, streiten Engländer, Holländer und Deutsche um die reichen Gold- und Diamantenfelder, für welche die uncivilisirten Koffern so gar kein Verständniß haben. Die Ureinwohner sind den eingewanderten Europäern dort nur ein Hinderniß, und man möchte sie gern so ausrotten, wie die Indianer in Nordamerika. In den tropischen Gegenden, wo der Europäer nicht arbeiten kann oder im Gefühle seiner vornehmen Abkunft nicht arbeiten will, möchte man freilich die Neger behalten, damit sie für die Europäer arbeiten, im Schweiße ihres Angesichts schwer arbeiten sollen, damit der Europäer bequem genießen soll. Sträubt sich der Neger, so wird er mit Prügel und Rhinocerospeitsche dazu gezwungen; „zur Arbeit erziehen" nennen es euphemistisch die deutschen Colonienfanatiker. Und wenn die Neger sich gar gegen ihre ungebetenen Gäste wehren wollen, werden sie todtgeschossen und ihre Dörfer verbrannt. Da wird es freilich hell im dunkeln Erdtheil und in den finsteren Heidenköpfen. Seite 63 Hier in Wien haben wir einige wackere Vorkämpfer gegen Beherrschung und Ausbeutung durch eine fremde Race. Wie wäre es, wenn die Schneider, Hauck und G r e-g o r i g nach Afrika gingen, um dort gegen die nach Weltherrschaft strebende Race zu hetzen? Die Verhandlungen im niederösterreichischen Landtag würden in Folge deffen jedenfalls anständiger werden. Aber wie diese deutschen Chauvinisten und Antisemiten, die beständig „Kauft nicht bei Juden!" schreien, es für höchst ungerecht erklären, wenn die Engländer im Aerger über die überflüssige Einmischung der Deutschen in ihren Streit mit den Boers jetzt ansangen, deutsche Firmen zu boycottiren, so ist auch ihr Geschrei über jüdische Beherrschung der Welt nur Mittel, um ihre eigene Herrschsucht zu bemänteln. Aber hie und da fällt auch die Matzke herunter. Bei der Versammlung des deutschen (antisemitischen) Reform-Vereines in Dresden am 27. November v. I. wurde auch ein Lied gesungen, auf dessen Schlußverse „Seitdem ist's freudig Germanenrecht, Mit dein Hammer Land zu erwerben. Wir sind von des Hammergottes Geschlecht Und wollen sein Weltreich erben" stürmischer minutenlanger Beifall folgte, wie die „ungewaschenen deutschen Worte" siegesfroh berichten. Was für ein anständiger Gott dieser Hammergott Thor war und welch' riesigen Appetit und Durst er hatte, das erzähle ich vielleicht ein andermal zur Erbauung des Pater D e ck e r t. „Die Juden können gegenüber den Christen nur Hammer oder Amboß sein, und die Christen seien schon lange genug Amboß gewesen", hat er gepredigt. Es scheint aber, daß die deutschen Chauvinisten und Antisemiten allen anderen Völkern gegenüber nur Hammer sein wollen, selbst den stammverwandten Engländern gegenüber, die sich doch auch auf den Hammergott Thor berufen könnten. _ N. Dir israelit. Distrirtsprästdenten Ungarns bei den Ministern. Eine Deputation der israelitischen Districtspräsidenten, bestehend aus den Herren Wilhelm G u t m a n n de Gelse (Nagy-Kanizsa), Samuel H o r o v i tz (Klaufenburg), Alexander L e o p o l d (Szegszürd), Tr. Bernhard 9t e um a n n (Stuhlweißenburg), Dr. Jzsö Rösa de Bürhely (Szegedin), Ignaz Schreiber, kgl. Rath (Raab), Ararim Schweiger (Budapest), Salamon S t e r n t h a l (Temesvür) und Dr. Joseph Simon sprach gestern beim Ü n t e r r i ch t s m i n i st e r und beim Mini st e rp r ü si d e n t e n vor, um ihnen das von der am 6. d. ababgehaltelien Versammlung vereinbarte M e m o r a n d u m zu überreichen. Beim Cultusminister Dr. Julius W l a s s i c s überreichte Martin Schweiger das Memorandum in Begleitung einer Rede, in welcher er sagte: ,.Indem wir vor Ew. Excellenz erscheinen, danken wir vor Allem für das besondere Wohlwollen, mil welchem Ew. Excellenz die Sache der jüdischen Religion bisher zu unterstützen und die Jnartikulirung derselben in das Gesetz nachdrucksvoll zu fördern geruhten. Das Dankgefühl, das wir der Legislative, Sr. Majestät dem König und Seiner hohen Regierung gegenüber hegen, macht uns die Regelung der internen Angelegenheiten unserer Confeffion zur strengen Pflicht, damit wir hieraus Kraft schöpfend durch Entwicklung unserer Institutionen uns würdig unter die gesetzlich recipirten Confessionen reihen können. Die Pflichten einer gesetzlich recipirten Consession auf dem Gebiete der Cultur und der 51, entlüften Wohlthätigkeit wird die vaterländische Judenschast nur dann erfüllen können, wenn ihr autonomes Recht durch die Legislative gesichert und geregelt sein wird. Das Matrikel-Rabbinat ist bisher der einzige Verband, der die auf einem gewissen Gebiete wohnenden Israeliten zur Aufrechterhaltung einer Cultusgemeinde zusammenhält. Durch die Einführung der staatlichen Matrikeln ist die Basis der Regelung unserer Cultusgemeinden erschüttert; es ist daher unerläßlich nothwendig, daß der Bestand der Cultusgemeinden auf eine andere, sicherere Basis gelegt werde. Wir können den Standpunkt nicht acceptiren. daß die Angelegenheiten der nunmehr gesetzlich recipirten israelitischen Consession im Wege des Octrois geregelt werden. Die gesetzlich recipirten Consessionen erledigen ihre Angelegenheiten im eigenen autonomen Wirkungskreise und in dieser Hinsicht kann auch die israelitische Con-

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