Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 3 (17.1.1896)
- Date
- 1896-01-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 3 Dr. Bloches Wochenschrift Seite 57 jüdische Themata, abgehalten wurden, wie z. V.: „Das Petzach- und Purimfest", „die Frauen im Judenthume", ,,die Erziehung der jüdischen Jugend", „die Eintheilung der hebräischen Literatur u. s. w. Der Geselligkeit wurde durch ein Costümkränzchen und mehrere gemüthliche Zusammenkünfte in gelungener Weise Rechnung getragen. Der nächste literarische Nachmittag findet Sonntag den 19. d. M. 3 Uhr Nachmittags, I. Schottenring 23, statt. Für denselben ist eine Diskussion über das Thema: „Welches soll die Stellung der jüdischen Mädchen und Frauen zur nationalen Bewegung sein?" in Aussicht genommen, zu welchem Herr Dr. Max Jerus alem das Referat erstattet. Gäste (Damen) herzlich willkommen. N. Wien, Dienstag den 7. d. M., Abends, ist Herr Heinrich Neumann, Sohn des hochgeachteten David Neumann, Inhaber der bekannten Seidenfirma David Neumann's Sohn, Rudolfsplatz 10 und Besitzer der mechanischen Seidenwaaren-Fabrikzu Mäyrisch-Trübau, nach kurzer schmerzlicher Krankheit im Alter von 51 Jahren gestorben. Heinrich Neumann gehörte zu den angesehensten Kaufleuten i nd Industriellen der Stadt. Der Heimgegangene stammt aus hochachtbarer Familie war, verwandt und verschwägert mit S. Wärndorfer Moritz Benedict, Isidor Mauthner und Moritz Eisler in Wien, Berthold und Manfred Weiß in Budapest. Er war der Beschützer zahlreicher armer Verwandter und betheiligte sich jederzeit an allen Wohlthätigkeitsacten. Er besaß eine reiche kaufmännische Bildung, und seine sympathische temperamentvolle Persönlichkeit wie seine humanitäre Opferwilligkeit, die er auf vielen Gebieten bethätigte, erwarben ihm einen zahlreichen Freundeskreis, welcher von seinem jähen Hinscheiden mit aufrichtiger Trauer vernehmen wird. Herr Reumann hatte sich dieser Tage wegen einer vorzunehmenden Operation in ein hiesiges Sanatorium verfügt; die Operation ging glücklich vorüber, aber einige Stunden später erlag Herr Neumann einer plötzlichen Herzlähmung. An seiner Bahre trauern seine aus einem echt altjüdischen Hause stammende Gattin Helene, geb. Weiß, drei Töchter und ein achtjähriger Sohn. Die zahlreiche Beiheiligung an der Beerdigungsfeierlichkeit gab Zeugniß von der hohen Verehrung, welche der Heimgegangene in allen Kreisen der jüdischen Gemeinde sich erworben hat. Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann widmete ihm einen warmen Nachruf und zeichnete den Verlust, den die Familie, die Gattin, die Kinder, die Verwandten und die jüdische Gemeinde erlitten haben. Der Familie sind aus Anlaß dieses Trauerfattes von Nah und Fern Zeichen der Sympathie und Theilnahme zugekommen. Anstatt eines Kranzes widmete Familie Heit 20 fl. für den Verein „Ferienheim". Aus demselben Anlasse spendete der Schwager des Verewigten, Herr Berthold Weiß aus Budapest, dem Vereine „Ferienheim" Wien 50 fl. und dem israelitischen Altersversorgungshause 50 fl. zu Händen des Herrn S. Heit. Wien. (Dr. Michael Stern gestorben.) Vorige Woche ist hier, im Alter von 71 Jahren, einer der ältesten und angesehensten Advocaten Wiens, Dr. Michael Stern, gestorben. Dr. Stern trat, nachdem er seine juridischen Studien an der Wiener Universität absolvirt hatte, als Concipient in die Kanzlei des gewesenen Bürgermeisters Dr. Kajetan Felder, der er durch 16 Jahre als Leiter Vorstand. Später errichtete er seine eigene Kanzlei, als einer jener 60 Advocaten, welche der Numerus clausus gestattete. Seine ®an$lei fyatte eine au§* gedehnte Civilpraxis. Bor fünf Jahren mußte sich Dr.Stern, durch ein schweres Herzleiden gezwungen, von jeder Berufsthätigkeit zurückziehen. Er hinterläßt nebst einem Sohne, der Bankbeamter und Reservelieutenant ist, eine Witwe, Frau Johanna Stern, eine Schwester des Akademikers und Directors der Pariser Sternwarte Dr. Moriz L o e w y. Wien. Am-jüngsten Sonntag wurde im Tempel des zehnten Bezirkes eine Trauergedächtnißfeier für die im Laufe des Jahres VMstorbenen Mitglieder der Wohlthätigkeitsvereine abgehalten. Herr Prediger Löwy gedachte derselben nach seiner Predigt in einem erhebenden Gebete, ferner gedachte er des Rabbiners Eleazar Kanon, Rosch Jeschiba in Jerusalem, des früh verblichenen Rabbiners Dr. Jul. Klein in Ofen, des Dr. Moritz Grünwald aus Sofia, Grandrabbin von Bulgarien, des Prof. Jos. Dernburg aus Paris, der in hohem Alter verschied und viele bedeutende Werke für die Wissenschaft hinterließ, Dr. Joel Müller, Rabbiner in Ungacisch- Ostra und Böhmisch-Leipa, später hier Religionslehrer und zuletzt Professor der Hochschule zu Berlin, weiters des so unglücklichen Dr. Salomon Fuchs aus Kojetein und schließlich der Rabbiner Dr. Samuel Spitzer, Ritter des Franz Joses-Ordens, der erst vor Kurzem in Essegg starb und mit großen Ehren bestattet wurde. Wien, 12. Jänner.Unter Führung desObmannstellvertreters Herrn Dr. Maximilian Spitzer überreichte eine Deputation des Brigittenauer Israelitischen Bethausvereines am 29. v. M. dem Obmanne Herrn David Spitz das demselben von der Generalversammlung dieses Vereines zuerkannte Diplom eines Ehrenmitgliedes. Aus eine in warmen Worten gehaltene Ansprache des Führers der Deputation dankte der Gefeierte lies gerührt für die ihm gewordene Auszeichnung und versprach auch fernerhin die Interessen des Vereines in bisher gewohnter Weise zu vertreten und denselben zu heben. Zu erwähnen sei noch, daß das Diplom von dem Bereinsmitgliede Herrn I. A. Kohout uneigennützig in wahrhaft künstlerischer Weise kalligraphisch ausgesührt war. Jglair. (Jubiläum.) Am 1. Jänner d. I feierte Herr Carl Brunner, zweiter Cantor, sein 25jähriges Dienstjubiläum inderhiesigen israelitischen Cultusgemeinde. Aus diesem Anlaflewar derJubilarGegenstanddermannigfachstenEhrungen. Die Repräsentanz der Cultusgemeinde, der Vorstand der Chewra-Kadischa, der Tempelvorstand und der Verein zur Hebung des Gottesdienstes erwiesen dem verdienten Cultusbeamten durch lieberreichung von Ehrengeschenken und Gratulationen ihre Sympathien. Auch von den hiesigen Gemeindebeamten, Lehrern und Privaten, sowie Amtsgenossen und Freunden aus Nah und Fern kamen Ehrengaben, Grüße und Wünsche. Möge es dem gefeierten Manne gegönnt sein, noch viele Jahre seinen Beruf in vollster Kraft zu erfüllen. Bochum. Kürzlich veranstaltete unser kaufmännische Verein den ersten Geselligkeits-Abend, der einen sehr glänzenden Verlauf nahm. Mit einer kurzen, mit großem Beifall aufgenommenen Ansprache eröffnete der Borfitzende Herr S ch a n z e r den Abend. Beim Diner toastirte Herr Moudere auf das Wohl und den Bestand des Vereines und auf's Wohl der Gründer desselben. Eine geistreiche Rede, welche den Abend würzte und alle Zuhörer fesselte, hielt unser geschätztes Mitglied Herr Schlosser. Zum Schlüsse wurde auf Anregung des Herrn S ch a n z e r eine Collecte veranstaltet, um Holz und Kohle an die Armen in der kalten Jahreszeit zu vertheilen und wurden die Herren Schanzer, Katz und Einhorn zur weiteren Geldsammlung delegirt. Raudnitz, 12. Jänner. Am verflossenen Samstage feierte das Ehepaar Herr Ignaz und Frau Rosa P o l l a k, das Fest der silbernen Hochzeit. Herr P o l l a k, der vor fast drei Decennien mit den bescheidensten Mitteln seine Laufbahn begonnen hat, brachte es durch eisernen Fleiß, Ausdauer und Rechtschaffenheit zu einer geachteten Stellung und bekleidet viele Ehrenämter in der Cultusgemeinde sowie in der Stadt. Die allfeitige Sympathie wurde dem Ehepaare theils im Gotteshause, theils im Hause, sowie Abends bei einer gemächlichen Zusammenkunft im „Hotel Krone" ausgedrückt, wobei der Cultusvorsteher Herr Dr. Eisler und der k. u. k. Feldprediger, Herr Dr. R e a ch, die Tugenden des Jubelpaares priesen, worauf Herr P o l l a k in tiefgefühlten Worten seinen Dank ausdrückte. Hierauf folgten heitere Trinksprüche in großer Zahl, in denen hauptsächlich der Wohlthätigkeitsfinn der Familie Pollak gefeiert wurde. Lemberg, 25. December 1895. Ich habe heute einen großen, herben Verlust, den unsere Gemeinde in den letzten Tagen erlitten hat, zu verzeichnen. Frau Netti Bach, Tochter des hier in allen Kreisen hochgeachteten Herrn Meier Bach, hat am 18. December im 49. Lebensjahr das Zeitliche gesegnet. Die Verstorbene war eine jener Frauen, wie sie leider in unseren Tagen immer seltener werden. Sie verband mit wahrhaft moderner Bildung alle jene glänzenden Eigenschaften, die die Töchter unseres Stammes zu allen Zeiten auszeichneten. Sie war eine der wohlthätigsten Frauen, spendete offen und geheim für Arme. Weder Kälte noch Hitze hielten sie zurück, so oft es galt, für Arme milde Gaben zu sammeln, bald für Beschuhung armer Waisenkinder, bald für Holz, bald für Osterbrode, kurz, fie war überall mit dabei, wenn es sich um Wohlthätigkeit handelte. Ihre Bildung und ihre patriotische Gesinnung verschafften ihr hohes Ansehen auch in nichtjüdischen Kreisen, was ihr oft möglich machte, durch ihre einflußreiche Verwendung dem einen oder dem anderen ihrer Glaubensgenossen zu Amt und Stel-