Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-17 · 3 (17.1.1896) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
3 (17.1.1896)
Date
1896-01-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021119--05259-3029486
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 54 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 3 der Vermehrung begriffen. 1888 wurden 189 Juden und zwar 75 Arbeitgeber, 48 Selbstständige und 66 Abhängige; 1889 wurden 412 Juden und 143 Arbeitgeber, 78 Selbstständige und 191 Abhängige gezählt. Die Zahl der Abhängigen ist also am meisten gestiegen. Die Juden haben sich in jeder Kategorie viel schneller als die übrigen Confessionen vermehrt. Denn es waren Juden in Procenten jeder Classe: Arbeitgeber Selbstständige Abhängige 1880 .... 2-9 1-7 0-3 1890 .... 4-0 3-0 0'6 Bischof Reinkens über das Blutrituale. Man meldet uns aus B u d a p e st: Der kürzlich in Bonn verstorbene altkatholische Bischof Dr. Joseph Hubert Reinkens richtete seinerzeit an den Ober-Rabbiner Leopold L ip sch itz in Abauj- Szanto ein Schreiben über den Ritualmord, well es in der Rückübersetzung aus dem vom Remzet mitgetheilten ungarischen Texte lautet: „Ihr geschätztes Schreiben beantwortend, bin ich genöthigt, in Consequenz meiner Ueberzeugung meinem tiefsten Bedauern darüber Ausdruck zu leihen, daß sich auch in der Gegenwart — nachdem die historische Forschung jene Anschauungen längst über den Haufen geworfen und als entschieden falsch klargestellt hat, welche im Mittelalter die Folgen blinden religiösen Fanatismus gewesen sind — noch immer Individuen finden, welche das alte Märchen auffrischen und zum Vorwand nehmen, um gegen die Mitglieder jüdischer Confession aufzureize» und dieselben zu verfolgen. Ich bin genöthigt, meinen Abscheu über diese Vorgänge auszusprechen, welche nur Schmach über diejenigen bringen, die den christlichen Namen führen, durch ihre Thaten aber beweisen, daß sie dieses Namens unwürdig sind, der ihnen zur Pflicht machen würde, ihre Nächsten zu lieben wie sich selbst, und die wissen müßten, daß die Grundsätze und die 3ftor.il der christlichen Religion in denselben zehn Geboten enthalten sind, di" aus der jüdischen Religion übernommen wurden. Ist doch auch der Begründer der christlichen Religion seiner menschlichen Natu: nach aus dem jüdischen Volke hervorgegangen, und er bezeugte selbst der Samaritanerin gegenüber: Das Heil stammt von den Juden! (Johannes IV, 22.) Deßhalb ermahnt der Apostel die Christen in Rom: Seid nicht stolz gegen die Juden, die auch nach dem Standpunkte der Christenheit der göttlichen Offenbarung theilhaftig sind! (Roma XI, 18.) Ich ermächtige Sie. von diesem Briefe beliebigen Gebrauch zu machen. Dr.Joseph Hubert Reinkens." Confesfionelle Uebertritte in Rußland. Die orthodoxe Kirche macht in den baltischen Provinzen unaufhaltsame Fortschritte; so sind in dem Zeitraum von 1875 bis inclusive 1894 allein in Livland 11.114 Personen zur orthodoxen Kirche übergetreten. Die Uebergetretenen gehörten fast ausschließlich der lutherischen Kirchean; in den letzten Jahren mehrt sich auch die Zahl der ausländischen Unterthanen. welche die orthodoxe Religion annahmen. So sind allein in Riga in dem Jahrzehnt 1881 bis 1890 50 preußische Unterthanen übergetreten. Daß Juden übertreten, ereignet sich trotz der großen Vortheile, welche sie dadurch erwerben, nur sehr selten! Correspondenzen. Wien. Der bekannte Schriftsteller und Librettist Dr. Guido Menasci ist aus Livorno hier eingetroffen. Derselbe hat bekanntlich erst jüngst dem Compositeur Brüll das Libretto zu der Oper „Gloria" geliefert, welche demnächst in Hamburg zur ersten Aufführung gelangt. Derzeit arbeitet Dr. Menasci an einem neuen Libretto. — Bronislaw Hubermann wird in seinem am Freitag den 17. d. im großen Musikvereinssaale stattfindenden Concerte mit Orchester folgende Werke spielen: Concert von Johannes Brahms mit Orchesterbegleitung, Adagio und Fuge von Bach auf der Violine allein und a) Romanze von R. Wagner mit Orchester, d) Ungarische Tänze von Brahms-Joachim. — Alfred Grünfeld veranstaltet am 20. Februar ein Concert im großen Mnsikvereinssaale. Das Borbezugsrecht der Stifter, Gründer und unterstützenden Mitglieder der Gesellschaft der Musikfreunde kann vom 14. bis inclusive 17. d. M. im Concertbureau Ludwig Grünfeld. 1. Bezirk, Getreidemarkt Nr. 10, 1 Stock (Telephon Nr. 4808) ausgeübt werden; auch werden dvrtselbst Vormerkungen entgegengenommen. Der allgemeine Kartenverkauf erfolgt ausschließlich in Gutmann's Hofmusikalienhandlung. Galeriesitze 5 1 fl. Unter den plastischen Arbeiten, welche gegenwärtig im Künstlerhause ausgestellt sind, befindet sich auch eine Büste, welche der junge Bildhauer Heinrich B achrich von seinem Vater, dem bekannten Musiker Professor Sigmund Bachrich, angefertigt hat. Der charakteristische Künstlerkopf Bachrich's ist mit frappanter Ähnlichkeit wiedergegeben und auch die technische Ausführung der Büste findet das Lob der Kenner. Eine Anzahl herrorragender Persönlichkeiten in Wien, Berlin, Paris, London, Mailand und anderen Großstädten hat vor Kurzem folgenden Aufruf erlassen: „Da die Verhältnisse der heutigen Bühnen eine Darstellung der „G äa" von Adalbert v. G o l d s ch m i d t nicht erlauben, haben wir uns verbunden, um ihr durch ein besonderes Unternehmen zu dienen. Das gewaltige Werk, das die Mittel aller Künste zu einer neuen vereinigend, das ewig Menschliche so mächtig gestaltet, soll durch eine eigene, nur künstlerischen Trieben allein gehorfame Gesellschaft aufgeführt werden. Wir fordern alle Freunde der großen Kunst auf, unseren Plan nach Kräften zu fördern." In Folge dieses Aufrufes hat sich in Wien ein Co.mite gebildet, das aus den Herren Grafen R. Kinsky, Hofrath Ritter v. Herz, E. van Dyck. Joseph Lewinsky, Professor Tilgner und Dr. E. Frischauer besteht und sich zur Aufgabe macht, internationale Aufführungen der „Gäa" durch eine besondere Gesellschaft in allen großen Städten Europas vorzu bereiten. Prag, 6. Jänner. In dem Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums „Afike Jehuda" herrscht in diesem Winter reges Leben. Den zwei Vorträgen, über welche die „Österreichische Wochenschritt" bereits berichtet hat, schloß sich würdig ein dritter an, gehalten vom hiesigen Rabb ner Doctor Nathan Grün. Das Thema lautete: „Aus der Schule Moses Mendelsohn's " Der Vortragende ging von dem Jahre 1743 aus, in welchem Moses Mendelssohn als 13jähriger Knabe durch dasRosenthalerThor in Berlineinzog,um zu „lernen". Von diesem Jahre beginnt eine neue Epoche in der Geschichte des israelitischen Volkes, es enstand ein wahrer Wetteifer im „lernen" und bald traten unter den Israeliten Gelehrte auf, die sich in den verschiedenen Wissenszweigen hecvorthaten. Vornehmlich war es die Philosophie, von der sie sich angezogen fühlten, und es ist ganz besonders bemerkenswerth, daß als die ersten Vertreter der K a n t'schen Philosophie drei jüdische Gelehrte sich auszeichneten, nämlich Doctor Markus Herz, Lazarus Bendavid und Sal. Maimon. Herr Dr. Grün gab hierauf ein treffliches Lebensbild von diesen drei Männern, welche sich in der Geschichte der neueren Philosophie einen berühmten Namen erworben haben, und wies nach, wie ihre jüdisch-religiöse Ausbildung es war, durch welche ihnen die Pforten der allgemeinen Wissenschaft eröffnet wurden. Der Lebens- und Entwicklungsgang dieser drei Männer liefert auch den Beweis für den segensvollen bildenden Einfluß der Wissenschaft des Judenthums. Das sehr zahlreiche Auditorium, Herren und Damen, spendete dem Vortragenden für seine geistreichen Ausführungen ungetheilten Beifall. Lemherg. (Entwurf eines neuen Cultusg ein einde-Sta tutes.) In jüngster Zeit wird im hiesigen Eultusratheder Entwurf neuer Cultusgemeindestatuten berathen. Esbefremdetaberallgemein.baßzudieserBerathungnicht mehr als 4 Vertrauensmänner von den Gemeindemitgliedern zugezogen werden. Speciell in konservativen Kreisen gibt man sich vielenBesorgnissen hin. In dem neuen Gemeindestatut soll die gesammte Verwaltung der Synagogen und nicht die Oberaufsicht allein dem Vorstände zugesprochen werden, welcher auch zu Abänderungen des Gottesdienstes und der Gebete berechtigt sein soll. Man begreift, daß in conservativen Kreisen solche Bestimmungen mit Besorgniß ausgenommen werden. Abweichend von dem Musterstatut sollen auch die Bestimmungen über den Rang des Rabbiners sein, welchem eine ganz untergeordnete Stellung unter dem Vorstand sozusagen als Diener eingeräumt ist. Warum sollte den Rabbinern nicht gestattet sein, bei Wahl eines Schiedsgerichtes 3 Rabbinen ins Schiedsgericht zu wählen? Wie wir vernehmen, hat der Herr Dr. Heinrich G o t t l i e b hierauf bezügliche Anträge im Sinne aller Parteien gestellt, welche leider verworfen wurden. Der Verein Holzcomite, unter Leitung der unermüdlichen Comitemitglieder Herrn Dr. Wilhelm Holzer, David M a s ch l e r, M. S. G o l d b a u m, Julius H o ch f e l d und O Dornzweig,hat an die jüdischen Armen 2500 Centner und baar fl. 1000 vertheilt. — An israelitische Schulkinder wurden auch in diesem Jahre von Herrn Dr. H o l z e r Erfrischungen, Semmeln und Thee verabreicht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.