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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-17 · 3 (17.1.1896) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
3 (17.1.1896)
Date
1896-01-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 52 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 3 Eine Abart der „Sabbathianer" waren die „Frankisten", die gleich jenen den Talmud verschmähten und verlästerten, während sie den „Sohar" als eine heilige Bibel verehrten und der Kabbala huldigten. Während die Sabbathianer die Lehre des Islam als identisch mit der des Judenthums auf kab. balistiiche Weise zu erklären suchten, waren die Frankisten, die zumeist die Taufe annahmen, bemüht, die Wahrheit des Christenthums aus dem Sohar und der Kabbala zu beweisen. Der Gründer dieser Secte war Jakob Frank aus Polen (geb. 1720, gest. 1794). In der Jugend beschäftigte er sich mit der Branntweinbrennerei, später aber offenbarte er sich den Sabbathianern in Polen und Galizien als Nachfolger Sabbathaffs. wobei es ihm gelang, sich einen großen Anhang zu verschaffen, der ihm huldigte und riesige Summen zur Verfügung stellte. Er ließ sich von seinen Verehrern „der heilige Herr" nennen. Diese Schwärmer erzählten einander von den Wun'verthaten. die dieser neue Messias ausgeübt. Als er jedoch von den Rabbinern verfolgt wurde, ging er mit vielen seiner Anhänger zum Scheine zum Christenthum über, während er heimlich die sabbathianischen Grundsätze und Lehren zu verbreiten bemüht war. - Im Besitze großer Geldmittel lebte er auf fürstlichem Fuße und unternahm in Begleitung eines glänzenden Gefolges große Reisen, um für seine Partei Propaganda zu machen, während seine Anhänger in Polen die strenggläubigen Juden verdächtigten verunglimpften, den Talmud als ein gefährliches gemeinschädliches Lästerwerk bezeichneten und überhaupt alte, lächerliche, thöricht erlogene blutrünstige Märchen ä la Brimanus und Paulus Meyer auffrischten. Frank hielt sich in Wien und in Brünn auf. wo er. umgeben von einer uniformirten Leibwache, als Baron lebte, wurde aber, nachdem man ihn bald als einen gemeinen Betrüger und Schwindler erkannte, aus den österreichischen Staaten ausgewiesen. Von hier ging er nach Offenbach a. M. wo er mit der berüchtigten Eva Frank ein fürstliches Schloß bewohnte und zurückgezogen von aller Welt lebte. Mit seinem 1791 plötzlich erfolgten Tode schwand auch seine Partei, „die Frankisten", spurlos aus der Geschichte. Dr. Friedländer. Geschichte Israels in Einzeldarstellungen. (Leipzig, P f e i f i e r, 1895.) Von Hugo Winckler, besprochen von Dr. F e u ch t w a n g. In einem Aufsatze über „Urgeschichte Palästinas" (Nr. 23, IX. Jahrgang dieser Wochenschrift) habe ich auf die hohe Wichtigkeit der Keilschriftfunde von Tel-Amarna hingewiesen und die Vermmhung ausgesprochen, daß die endgiltige Ausbeutung dieser historischen Urkunden neues Licht auf die Geschichte Israels werfen werde. Ich sagte damals: „Besonderes Interesse haben diese Erscheinungen für die Geschichte des Volkes Israel, welches so sehr von egyptischen und assyrischen Herrschern allzeit zu fürchten hatte. Im Alten Testamente, und zwar schon im Pentateuch, hauptsächlich im ersten Buche, und da wieder in den ersten Capiteln, sind jene gewaltigen Völkerstürme und Verschiebungen in größten Zügen angedeutet, deren Details zu ergründen und festzustellen Sache der kritischen Völkergeschichte ist. In das Dunkel der Palästinensischen Urzeit fällt neues Licht durch die vielfach erwähnten „Briese aus Jerusalem" und wir sind in jeder Stunde neuer Entdeckungen gewärtig, zu welchen die Funde von Tell-el- Amarna führen werden. Die Durcharbeitung brachte bisher Resultate, welche zu der Hoffnung berechtigten, daß wichtige Ergebnisse für die Universal- und Specialgeschichte in Aussicht stehen." Ferner habe ich in einem Artikel „Keilinschristen und Altes Testament" (Nr. 23, Jahrgang XII dieser Wochenschrift), in welchem ich Winckler's „Keilschriftliches Textbuch zum Alten Testament" und „Alttestamentliche Untersuchungen" anzeigte, die Hoffnung ausgesprochen, daß dieser ausgezeichnete Affyriologe und Historiker ein ähnlich kritisches Werk wie über Assyrien und Babylonien auch über die Geschichte Israels schreiben möchte. Diese Wünsche, Hoffnungen und Vermuthungen sind über Erwarten schnell in Erfüllung gegangen. Trotzdem nun diese Wochenschrift eigentlich nicht der geeignete Ort sür diese Dinge ist, will ich es doch versuchen, und zwar auf ausdrücklichen Wunsch des berühmten affyriologischen Verlegers Pfeiffer in Leipzig, über Wincklers „Geschichte Israels I" zu referiren. Ich kann dies aber nicht, ohne vorher die merkwürdige Erscheinung sestzustellen, daß für die Geschichte Israels seit Grätz erstaunlich wenig geschehen ist seitens jüdischer Forscher. Die Assyriologie ist seit dem Abschlüsse des Grätz'schen Werkes in den Vordergrund orientalischer Geschichtsforschung getreten und beherrscht nun vollkommen die Gesammtgeschichte des vorderen Orients, in bereit Nahmen die Geschichte Israels als durchaus wesentlicher Bestandtheil fällt. Die a ssy r i sch e n Ur ku n d e n, vereint mit den sogenannten histo r i sch eu Th ei len des Alten Testamentes, bilden die Basis, auf welcher die gegen ehedem vollkommen veränderte Auffassung über die Geschichten der Assyrier, Babylonier, Israeliten, Egypter unerschütterlich beruht und auf diesem Grunde baut Winckler auch thatsächlich sein Werk aus. In keiner einzigen Darstellung der Geschichte Israels seitens jüdischer Autoren ist die nicht mehr abzuweisende Notwendigkeit auch nur einigermaßen erkannt, daß die unerschütterlichen Resultate assyriologischer Geschichtsforschung zum eisernen Fond desjenigen gehören müssen, der die Geschichte Israels und des Alten Testaments verstehen will. Zu wiederholtenmalen habe ich in dieser Wochenschrift auf diesen unbegreiflichen Mangel hingewiesen und er ist nur dadurch zu erklären, daß es nur recht wenige jüdische Theologen und Geschichtsforscher gibt, welche die assyrische Literatur aus den allerdings schwer zugänglichen Originalen oder auch nur aus Uebersetzungen kennen oder kennen zu lernen sich bemühen. Winckler geht in der Kritik der geschichtlichen Berichte des Alten Testaments in manchen Stücken über Wellhauser und Stade hinaus; ich kann ihm durchaus nicht überallhin folgen, was er auch nicht verlangt. Seiner Meinung nach war die Veranlassung zu einer Beschäftigung mit der Geschichte Israels und Judas zugleich der Grund für die meistens befolgte Art ihrer Behandlung. „Da die Religion im Vordergründe des Interesses steht, so hat man auch gewöhnlich bei den Darstellungen der Geschichte auf deren Entwicklung das Hauptaugenmerk gerichtet und die politischen Ereignisse mehr in den Hintergrund treten lassen und nur dann stärker betont, wenn sie auch sür jene erfolgreich gewesen sind." „Wenn das durchaus erklärlich und bei der meist verfolgten Absicht auch richtig ist, so liegt doch ein doppeltes Interesse vor, einmal den anderen Standpunkt zu vertreten. Denn schließlich hat Israel immerhin eine Geschichte gehabt, und wenn es im Verlaus der orientalischen Geschichte auch nur eine kleine Rolle gespielt und nicht entscheidend in den Gang der Ereignisse eingegriffen hat, so hat es doch immerhin eine gespielt und ist gelegentlich mit an d'r politischen Entwicklung betheiligt gewesen. Israel und Juda ist noch nicht Palästina, sondern auf dem engen Raume dieses Landes haben noch eine Anzahl dem Namen nach Jedermann bekannte Völker gesessen, im Kampfe mit welchem sich jene ihr Schicksal geschaffen haben. Die Behandlung ihrer Geschichte hat daher in der That nur Werth als eine Ergänzung zu der Israels oder der die Geschicke des Orients lenkenden Völker. Eine wirklich geschichtliche Betrachtung der Geschicke Israels ging und konnte der Natur der Sache nach nur ausgehen von der kritischen Zerlegung der alttestamentlichen Schriften und der Bestimmung ihrer Urquellen. Eine im Gegensatz zu der Sorgfalt, mit der bis in die neueste Zeit die biblischen Quellen untersucht und verarbeitet worden sind, verhältnißmäßig geringe Berücksichtigung ist bei Darstellung der israelitischen Geschichte bisher den nichteinheimischen Quellen zu theil geworden. Ohne Ausnahme hat man darauf verzichtet, selbst die Nachrichten der übrigen Völker nachzuprüfen oder, wo mangelhafte Texte und Uebersetzungen Vorlagen, dieselbe zu verbessern. Einfach, die bereits festgestellten Meinungen anderer Forscher haben sich bis in die neueste Zeit die Geschichtsschreiber des Volkes Israel wiederzugeben begnügt, selbst aber auf ein Zurückgehen bis auf die Quellen verzichtet. Das mußte sich rächen,, denn, wenn irgendwo, war gerade bei den hier in Betracht kommenden assyrischen Inschriften eine stets erneute Untersuchung der Gestalt und Erklärung des Textes geboten. Dus hängt eng zusammen mit dem Ueberoewicht, welches man auf die Behandlung der religiösen Entwicklung Israels gelegt hat". Von diesem Standpunkte aus, welcher ein neuer, origineller und unbedingt berechtigter ist, betrachtet und behandelt Winckler einzelne Abschnitte aus Israels Geschichte wie: „Ueber die Einwanderung der Israeliten in Palästina". Die Zeit der Einwanderung ist die zweite Hälfte des zweiten Jahrtausends. Ueber diesen Zeitraum geben die wichtigsten Aufschlüsse die T e l - Am ar na b ri efe. Nach diesen ist Palästina im 15. Jahrhundert unter egypti s ch e r Herrschaft. Die Einigung Israels zu einem Königthum hat im 11. Jahrhundert stattgefunden. Israel findet eine ansässige kanaanitische Bevölkerung vor. Habiri ist der Name derjenigen Völker oder Stämme, welche um die Mitte des zweiten Jahrtausends einwandern. Es ist ein Appellativum und bezeichnet die Habiri im Gegensätze zu den ansässigen Kanaanäern. Die Habiri sind identisch mit den Hebräern. Diese sind aber etwas anderes, als was man sie bis jetzt auffaßte, nämlich nicht die „Kinder Israel", sondern überhaupt alle einwandernden Stämme. Die Einwanderung geschah allmälig; vorher war eine Einigung im eigentlichen Sinne nicht vorhanden. David's politische Rolle beginnt mit seinem Auftreten als „Herr von Kegila"; er wurde Fürst von Kaleb, eines Gaus, der dasselbe war, was die einzelnen Stämme vor der Einigung; er residirte als solcher zu Hebron und führte den Titel „Fürst von Kaleb"; er unterwarf sich Juda. Die Vereinigung von Juda und Israel ist — das hat man seit jeher gewußt — das Werk Davids. Juda und Kaleb waren „Hebräer", aber keine „Israeliten"; der Staat Juda ging auf in einem geeinigten Israel, dessen Cultur israelitisch war. Das Bemühen Davids war darauf gerichtet, ein „Reich Israel" zu schaffen und die Nichtzugehörigkeit Juda's vergessen zu machen. Auch in religiöser Beziehung mußte das Streben Davids auf Einheit des

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