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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-17 · 3 (17.1.1896) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
3 (17.1.1896)
Date
1896-01-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 49 Correspondenz", „den a ch t z i g st e n T h e i l der Gesammtbevölkerung, d. h. es gibt im Deutschen Reiche achtzigmal mehr Deutsche als Inden. Wäre die Verbrechensanlage in der deutschen Nation ebenso groß als in der jüdischen, so müßten jedem der nachstehend aufgezählien jüdischen Vergehen achtzig gleichartige deutsche Vergehen in derselben Zeit gegen über st ehe n! Und wie äußert sich Herr Michaelis im 19. Theile seiner „Orientalischen Bibliothek"?! „Daß die Juden lasterhafter als wir Deutsche sind, zeigt sich am stärksten aus den Diebesinquisitions-Acten. Vielleicht^ die Hälfte der zu den Diebesbanden gehörigen oder doch um sie wissenden sind Juden, und schwerlich machen die Juden den fünfundzwanzigsten Theil der Einwohnerschaft Deutschlands aus; gibt nun dieser fünfundz w a nz i g ste Th ei l ebenso viele Spitzbuben als die ganze deutsche Nation aufstellen kann oder gar noch mehr, so folget, daß die Juden fünfundzwanzig- oder noch m e h r m a l lasterhafter sind, als andere Einwohner Deutschlands". Gegen diese Anschuldigungen trat damals recht energisch David Friedländer auf, ein Mann, der die verschiedenste Beurtheilung gefunden, von ersterbender Bewunderung bis zur abfälligsten Kritik, dem man aber das Verdienst nicht abstreiten kann, daß er durch seine durch k in Mißlingen geschwächte Thätigkeit für die äußere Ehre der Judsnheit eingetreten ist und die Emancipation — das Edict vom 11. März 1812 — mit hat erringen helfen. Die Apologie, die er damals in der Einleitung zu den „Actenstücken, die Reform der Jüdischen Colonien in den preußischen Staaten betreffend" (Berlin 1793) gegeben hat, verdient wegen mancher Gedanken, die noch heute lebensfähig sind, doch wieder in die Erinnerung der jetzigen Generation gebracht zu werden, die den alten, längst todtgeglaubten Judenhaß hat wieder auferstehen lassen. Seine gutmüthige und hoffnungsselige Vertheidigung belehrt uns, daß er die Kampfesart der Herren Antisemiten, die ja zu allen Zeiten die gleiche war, nicht kannte und ihr viel zu idealistisch gegenübertrat. So ist er naiv genug, die Forderung zu stellen, daß Michaelis — wie es die Wichtigkeit und die Schwere der Anklage doch wohl erfordert hätte — die A n z a h l der christlichen und' jüdischen Diebe anzugeben verpflichtet sei. Der Borwurf, den er alsdann gegen Michaelis machte, lag nahe, daß nämlich Betrug und Diebstahl allein kein Kriterium für die Jmmoralität eines Volkes seien, daß man zu einer scharfen Charakterisirung des sittlichen Zustandes einer Nation Mord, Landesverrath, Ehebruch, Unzucht, Brandstiftung in die Berechnung ziehen müsse. Nachdem er dann treffend bemerkt — ein Gesichtspunkt, den ja die moderne, streng-wiffenschaftliche Statistik zur Norm erhoben hat — daß man die Verbrecher „nicht mit der Volksmenge üb er Haupt in Vergleichung setzen dürfe, sondern Trödler und Kleinhändler unter den Juden mit Leuten dieses Gewerbes unter anderen Glaubensverwandten vergleichen müsse, führt er — selbst für den Fall, daß bei einem derartigen Vergleiche das Berhältniß wider die Juden ausfiele — jene allein richtigen Momente zur Vertheidigung in's Feld, die auch der Justizminister Mühl'r in seinem von König Friedrich Wilhelm IV. geforderten Bericht unter dem 7. Jänner 1841 hervorhob. „Der Gang zu dieser Art von immoralischen Handlungen ist die Wirkung ihrer traurigen Verfassung. Sie wird verschwinden, sobald diese sich veränderte." Eine wirklich die Gegner überzeugende Macht sieht er aber nur in „einem Verzeichniß der Criminalprocesse aus allen Preußischen Staaten von den letzten Jahren, das er der Güte eines verehrenswerthen Mitgliedes des ehrwürdigen Kammergerichtes verdankt." Im Jahren 1789 sind in den gesummten preußischen Provinzen 1703 Criminalprocesse schwebend gewesen, daran waren überhaupt 22 Juden betheiligt. Was nun die besondere Art der Verbrechen in diesem Jahre betrifft, so haben geschwebt: 1. Todtschläge überhaupt ..100 Darunter war nicht ein einziger Jude, also ... 0 2. Kindesmord, Verheimlichung der Schwangerschaft, Mißgebären rc. überhaupt.•.84 Darunter Jüdinnen, wegen geflissentlichen Mißgebarens.• . 1 3. Brandstiftungen . •.36 Darunter keine Juden, also . -. 0 4. Desertionsbeförderung .17 Darunter kein Jude, also. . . . 0 5- Diebstahl überhaupt.• . . . .1014 Darunter Juden .. 6 (Worunter 3 fremde Juden.) 6. Gewaltthätigkeiten und Dienstvergehungen .... 152 Darunter kein Jude, also ....... ... o 7. Verfälschungen, Wucher, Bankerott, Ankauf gestohlener Sachen, Injurien und Bestechungen, überhaupt . . . 264 Darunter Juden: a) Wegen Wucher und Betrug. 6 b) Wegen Verdacht des Spionirens (war ein Ausländer).. 1 c) Injurien. ...... 2 d) Bestechung. . 2 e) Ankauf gestohlener Sachen. 2 f) Verheimlichung eines entwichenen Arrestanten 1 g) Bankerott..- . 1 8. Bigamie.•.15 Darunter kein Jude, also. 0 9. Sodomie. 21 Darunter kein Jude, also.. 0 Summa. . 1703 Juden 22 Darunter Todesstrafen, welche das Kammergericht erkannt hat, 11; darunter kein Jude. - Von 1700 und 1791 fehlen bis jetzt noch die Generallisten. Bei dem Kammergerichte sind aber nachstehende Criminalprocesse, wobei Juden interessirten, abgeurtheilt 1790 a) Verheimlichte Schwangerschaft ... 1 b) Wucher und Betrug*).10 c) Raub und Diebstahl. 2 d) Bankerott.. . . . 4 Summa. 17 1791 a) Wucher und Betrug ....... 6 b) Diebstahl und Raub . - . ... 10 e) Injurien . -.• & d) Zeugen-Bestechung ..1 e) Bankerott ........ ... 2 Summa 22 Aus den hier gegebenen Zahlen constatirt Friedländer die Thatsachen, die auch unsere heutige Criminalstatistik festgelegt hat, einmal, daß grobe Verbrechen: Todtschlag, Gewaltthätigkeit, fast gar nicht bei den Juden Vorkommen, dann aber — vorausgesetzt natürlich, daß man die Zahl und somit die Bergehungen jüdischer Kaufleute nicht mit denen der G esammtb e völkerung sondern mit denen christlicher Kaufleute vergleich t — daß auch an den vorzugsweise kaufmännischen Delicten die Juden nicht über ihren Procentsatz betheiligt find. Die allgemeinen Folgerungen Friedländer's mögen hier als Zeugniffe in ideal-ethischem Sinne wörtlich ihre Stelle finden: „Fern sei es von mir, daraus folgern zu wollen, daß die Juden auch nur um ein Zehntausendtheil tugendhafter und moralischer sein müßten als ihre Nebenbürger. Es folgt daraus nur, daß sie Menschen wie andere Menschen sind, daß, so wie von gewissen Beschäftigungen gewiffe Fertigkeiten und gewisse Tugenden abhängen, von andern wiederum gewiffe Schwächen und Untugenden unzertrennlich find. ES folgt daraus, daß wenn den Juden kein Verdienst daraus gemacht werden kann, sich von Blutvergießen und anderen gräßlichen Verbrechen rein erhalten zu haben, man ihnen auf der anderen Seite keinen Borwurf daraus machen soll, wenn sie sich hier und da, wo ihnen die Erwerbsquellen noch mehr als im Preußischen verstopft sind, stärker zu wucherischem Handel, zum Diebstahl und zur Diebeshehlerei neigen. Es folgt daraus, daß die Regierung, die Sitten und Gesetze allmächtig auf dem Charakter und die Gesinnungen a l l e r Unterthanen wirken; daß, wenn die Juden in anderen Staaten weniger moralisch, weniger gesittet, weniger humanisirt sein sollten, als ihre Mitbürger bei uns, der Fehler nicht in ihnen, nicht in ihren Religionsgrundsätzen, sondern einzig und allein in der Regierung und in dem herrschenden Geist ihrer Mitunterthanen zu suchen ist. . *) Von diesen 10 Processen betrisst die größere Anzahl Eine Person, welche die Verbrechen nach und nach begangen hat.

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