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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-17 · 3 (17.1.1896) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
3 (17.1.1896)
Date
1896-01-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 48 Dr. Vloch's Wochrnfchrist. als „Brüder" an. Trotz dieser Brüderschaft sind sie sich jetzt gewaltig in die Haare gerathen. Die grimme Fehde wird zwischen den beiden deutschen Männern mit der ritterlichen Waffe des Circulars ausgesochten; die eigenen Abonnenten bekommen von dem Bruderzwist nichts zu erfahren, denn wie H e m p e l scharfsinnig sagt, ist „die eigene Zeitung nicht der Boden, auf dem private Meinungsverschiedenheiten zwischen Verlag und Redaction auszufechten sind". Um diesen Streit voll zu würdigen und, um zu verstehen, wie es möglich war, daß der Bund zweier edler Herzen jetzt so jählings zerrissen wurde, muß man sich die Geschichte der beiden Blätter vergegenwärtigen. Die „Tägliche Rundschau" war eine Gründung des Buchhändlers B r i g l; durch ihre politische Farblosigkeit und die geschäftliche Geschicklichkeit ihres Verlegers erlangte sie bald eine ziemliche Verbreitung. Bereits in den letzten Lebensjahren B r i g l's gelang es aber dem Redacteur des Blattes, Lange, dasselbe allmälig in ein antisemitisches Fahrwasser zu lenken, und zwar, da gerade der Weizen der Judenhetzerei blühte, ohne daß das Geschäft darunter merklich litt. Als B r i g l starb und sein Schwiegersohn Dr. H e m p e l den Verlag des Blattes übernahm, bekam Lauge völlig freie Hand. Außer durch eine wüste antisemitische Agitation suchte er durch die Verfolgung von allerlei confusen Volksbeglückungsideen und eine halbnärrische Deutschthümelei dem Blatte eine eigenartige Stellung und eine weitere Verbreitung zu verschaffen. In einer Zeit, wo ein A h l w a r d t der Held des Tages war, glaubten H e m p e l und Lange auch ihren Mann stellen zu können. Schließlich gründeten sie die „Volksrundschau", ein billiges Blatt, welches dazu bestimmt sein sollte, das deutsche Volk endgiltig vom Joche des Judenthums zu befreien. In dem von H e m p e l und L a n g e gemeinschaftlich Unterzeichneten Aufruf zum Abonnement hieß es: „Jetzt ist die Zeit reif für die Erkenntuiß, daß das große und unselig weit verbreitete llebel der Judenknechtschaft und der Deutschverneinung nur durch eine große, stürmisch zur Macht anschwellende Partei ausgeräuchert werden kann!" u. f. w. Zum Schluß wird in einem Anfall von Größenwahn versichert, „daß wenn dieser Versuch einer Zurückdrängung der jüdischen Presse mißlingt, die Herrschaft des fremden und gefährlichen Geistes in unserem Volke auf lange Zeit besiegelt sein wird. Es gilt jetzt eine wichtige Partei — Deutsch i st Trumpf. — Möge Jeder helfen, daß wir das Spiel gewinnen!" - Das Spiel wurde gründlich verloren. Trotz einer Agitation, wie sie kostspieliger und skrupelfreier im deutschen Zeitungswesen noch-niemals dagewesen,ist die „Volksrundschau" vollständig verunglückt. Mit der Gründung der „Volksrundschau" Hand in Hand ging die Gründung des „Deutschbundes" durch Lange und H e m p e l. Wie es um den Geist stand, der diesen Bund beseelen sollte, möge folgende Stilprobe aus den „Satzungen" zeigen: „Es ist aber ein Volk auf Erden, das hat weder Heimstätte noch Acker, noch trägt es Waffen zum Kampfe, doch ist es feind allen Völkern, die in ehrlicher Arbeit und seßhafter Gemeinsamkeit nach ihrer Bestimmung wirken. Das ist das Volk der Juden, ein Spott der Volker von jeher und eine Plage fast der gesammten Menschheit: denn wohin es kommt, verdirbt es das Erbe der Vater in jedem Volke und säet Unkraut auf jedem Acker. Mit diesem Volke gibt es nicht Vertrag noch Austrag, sondern es abzuwehren mit allen Mitteln der Gesetze und eines beständigen Willens, daran allein kann sich die Kraft aller gesunden Völker bezeugen. Der Jude kann nicht Bruder des Deutschbundes sein, noch auch durch Taufe werden, denn seine Natur bleibt in der Befchneidung. In diesem verschrobenen Lang e'schen Deutsch geht es weiter. Der Deutschbund hatte aber außer einer Verfassung auch -„Regeln", und die wichtigste dieser Regeln — Nr. 18 — lautet: Es ist den Brüdern des Bundes nicht nur erlaubt, sondern sie sollen dazu gehalten sein, von Freunden des Bundes Geld und sonstige Unterstützungen für die Arbeiten des Bundes zu erbitten und mit Dank anzunehmen. Nr. 3 Zu den „Arbeiten des Bundes" gehörte natürlich vor Allem die Herstellung der „Volksrundschau". Leider hatten aber die „Brüder des Bundes" mir lvenig Gelegenheit, von Freunden des Bundes Geld und sonstige Unterstützungen mit Dank anzunehmen. Die Hunderttausend, welche die Volksrundschau und das Lang e'sche Deutschthum verschlungen haben, mußten im Wesentlichen von den B r i g loschen Erben allein getragen werden, und das schmerzte Bruder H e m p e l. Kein Wunder, daß er in diesen für den Antisemitismus so unersprießlichen Tagen, wo selbst ein A h l w ar d t sich mit faulen Eiern beworfen sieht, auf schlechte Gedanken kam und sich nach den Fleischtöpfen der einstigen Parteilosigkeit zurücksehnte. Mitte December kam er zu einem Entschluß; in der Zeit, da Jud und Christ ihre Weihnachts- Inserate vergeben,' versandte er ein Circular, das also lautete: „Seit dem Tode des Begründers der „Täglichen Rundschau", Herrn B. B r i g I, bin ich Verleger der „Täglichen Rundschau" geworden und bemüht gewesen, sie in dem vornehmen Ton und der Unparteilichkeit fortzuführen, welche sie so vortheilhaft auszeichnete. Ohne Voreingenommenheit und Vorurtheile an alle Fragen heranzutreten und sie ohne Gehässigkeit und Feindschaft zu entscheiden, sollte meinem Willen nach Aufgabe des Blattes sein. Es sollte, von glühender Vaterlandsliebe geleitet, deutsche Bestrebungen leidenschaftlich fördern, aber es sollte sich s e r n h a l t e n von Agitation und Parieibe st reb ungen. Leider ist dies nicht immer geschehen, eine Zeit lang hat eine Art in der „Täglichen Rundschau" vorgeherrfcht, die sich von einer extremen politischen Partei nicht unterschied. Sie führte auch zu den Grundzügeu einerdeutschen Wirthschaftsreform und Mittelstandspolitik, einem' Parteiprogramm, dessen Unausführbarkeit und Schändlichkeit mir, beiläufig gesagt, unzweifelhaft ist. Diese Abschweifungen von den Grundsätzen der „Täglichen Rundschau" entspringen nicht meiner Initiative, vielmehr ist es allein meinem bestimmten Eingreifen zu danken, daß tvir den alten Ton wieder ausgenommen, haben. Also schrieb Herr H e m p e l, dann ging er hin, entfernte von dem Kopf der beiden Blätter Bruder L a n g e's Namen und beurlaubte seinen Chefredacteur bis auf Weiteres. Herr Lange geht jetzt auf H e m p e l's Kosten spazieren, denn er hat noch bis zum 1. Jänner 1897 Contract und brütet Rache. Wenn er den Beweis führen will, daß Bruder H e m p e l das Parteiprogramm, dessen „Unausführbarkeit und' Schädlichkeit ihm jetzt unzweifelhaft" erscheint, mannhaft mitverfochten hat, so braucht er nur die von Hempel unterschriebenen Satzungen des Deutschbundes und die ebenfalls von ihrn unterschriebenen, auch in der „Täglichen Rundschau" vor einem Jahre veröffentlichten Auftufe für die „Volksrundschau", aus denen wir eine kleine Probe mitgetheilt haben, zu veröffentlichen. Eine Statistik des Anthriles der preutztschen Juden am Verbrechen aus dem Jahre 1769. Von Theodor Zlo cisti. Wer die Anklagen enragirter Antisemiten verfolgt, die nicht nur in unseren Tagen, sondern während des ganzen historischen Entwicklungsganges des Judenthums in nahezu zwei Jahrtausenden gegen die Juden erhoben worden sind, wird sicherlich die Beobachtung gemacht haben, daß es einige wenige Punkte nur sind, gegen die die Judenfeinde fast stets mit denselben Argumenten ihre Angriffe richten: Ritualmord, Vaterlandslosigkeit, Verachtung körperlicher Anstrengung, Neigung zum Verbrechen — Alles Schäden, die im letzten Grunde durch die staatsgefährliche Moral des Talmuds und anderer jüdischer Religionsquellen bedingt sein sollten. Es ist recht interessant, Sätze nebeneinander zu stellen, die ebenso in unserem Jahrzent. wie just vor hundert Jahren zu einer näheren Untersuchung über die Berechtigung der Vorwürfe gegen die Ehrenhaftigkeit der Juden die Anregung gaben, um so mehr interessant, als sich in beiden Fällen fast genau derselbe „Gedanken"gang findet. „Die Juden bildeninDeutschlan d," heißt es in der „Antisemitischen

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