Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 3 (17.1.1896)
- Date
- 1896-01-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 3 Dr. Vloch's Wochenschrift Seite 47 waschen vermag. Er hat sich darauf berufen, daß er in seinen Conferenzreden genöthigt war, die Angriffe des Dr. Bloch zurückznweisen. Er hat zu dieser Polemik die Kanzel gewählt, einen Ort, welcher für gewöhnlich nicht der persönlichen Polemik, sondern dem Worte Gottes geweiht ist. Wäre Pfarrer D e ck e r t ein ehrlicher Gegner, dann hätte er sich nicht hinter die Heiligkeit der Kanzel verschanzt, sondern er wäre dem Dr. Bloch dort entgegengetreten, wo dessen Angriff erfolgt ist. Nachdem sein pnblicistischer Waffengang mit dem Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" zur Aufdeckung des Blutnwrd-Schwindels von O st r o w o und zu seiner gerichtlichen Berurtheilung geführt hat, zog er sich in seine Kirche zurück, um dort die Kanzel zur weiteren persönlichen Polemik zu mißbrauchen. Man begreift es, daß wir dem hochwürdigen Herrn dahin nicht folgen können und daß wir die Sorge darüber, ob die Kirche der geeignete Ort zu solchen Auseinandersetzungen ist, Anderen und Berufeneren überlassen müssen. Unsere Aufgabe war es, das Judenthum vor dem Gifte des Pfarrers D e ck e r t zu schützen, den Staat vor den Gesetzesübertretungen und das Christenthum vor den Blasphemien dieses Mannes zu schützen, ist die Obliegenheit Anderer. Lehrer als drutschnationalr Hetzapoflel. Die von uns wiederholt berührten Floridsdorfer Verhältnisse fangen an, die Oeffentlichkeit sehr nachhaltige zu beschäftigen. In Nr. 11 der „Ostdeutschen Rundschau" vom 12. Jänner 1896 findet sich unter dem Titel: „Deutsche, hütet Euch vor Juden" eine längere Notiz, welche in merito all' das bestätigt, was bisher über die antisemitischen Hetzereien der großen Mehrzahl. der Floridsdorfer Lehrer mitgetheilt wurde, in ihrer Tendenz jedoch darauf abzielt, solche Hetzereien als das gute staatsbürgerliche Recht der.Herren Lehrer erscheinen zn lassen. Zunächst wird die von der „Oesterr. Wochenschrift" veröffentlichte Zettelaffaire erzählt, jedoch als eine „absichtslose, zufällige kindliche Harmlosigkeit" bezeichnet. Nichts ist anwidernder als die Feigheit, mit welcher diese Leute den Spruch ihres Bismarck Lügen strafen,- daß der Deutsche Gott fürchtet und sonst nichts in der Welt! Die Notiz in der „Ostdeutschen Rundschau" ist augenscheinlich von einem Floridsdorfer Lehrer, unt r dem bequemen Mantel der Anonymität geschrieben. Hier hat dieser edle Recke die Courage, zu erklären, daß die Warnung „Deutsche, hütet Euch vor den Juden", eine „inhaltsvolle und nur zu wahre Bedeutung" habe. Im Korneuburger Bezirksschulrathe aber und vor dem Bezirkshauptmann haben die Vertreter der Floridsdorfer Lehrerschaft ganz anders gesprochen und es nicht gewagt,- dem Inhalte jener Zettel eine „nur'zu wahre Bedeutung" beizulegen. Und es wird sich ja auch in naher Zukunft zeigen, wie weit der Muth der Ueberzeugung bei all' diesen Herren und Herrchen reicht, soweit von Ueberzeugung überhaupt die Rede sein kann! — Es wird dann weiter zugegeben, daß Floridsdorfer Lehrer eine Eingabe an den dortigen Cafetier — der nebenbei als ein „Judenknecht" bezeichnet wird — unterschrieben, in welcher dieser aufgefordert wurde, die „Ostdeutsche Rundschau" und das „Politische Volksblatt", bekanntlich zwei anti-österreichische Hetzblätter aufzulegen. Und drittens wird zugestanden, daß Floridsdorfer Lehrer an einer antisemitischen Versammlung, in welcher Dr. Lu eg er .und Herr Rauscher sprachen, „theilnahmen".Das Alles ist also wahr — weil aber die Floridsdorfer israelitische Cultusgemeinde einer solchen Vergiftung der Schule nicht ruhig zusehen, weil sie nicht dulden wollte, daß die auch von den Steuergeldern der Juden bezahlten Lehrer ander Spitze der antisemitischen Bewegung marschiren, und eine diesbezügliche Eingabe an die Korneuburger Bezirkshauptmannschaft richtete, deshalb schreibt der anonyme Verasser jener Notiz, daß die Cultusgemeinde die Lehrer „denuncire" und „vernadere"! Diese ehrenwerthe Sippe ist höchlich überrascht davon, daß die Juden sich auch endlich resolut in Kampfpositur stellen und sich die antisemitischen Niederträchtigkeiten nicht mehr ruhig gefallen lassen. Die feige Conscribirung und Bovcotnrung jüdischer Geschäftsleute, welche von den antisemitischen Blättern und Vereinen systematisch betrieben wird — das ist in den Augen dieser Herren wahrscheinlich eine „reutsche Heldenthal!": aber die legale Eingabe der Floridsdorfer Cultusgemeinde und die der Wahrheit entsprechende Jllu^ strirung der in dieser Eingabe mitgetheilten Facten ist eine „erbärmliche Tenunciation". Aus der erwähnten Notiz erfahren wir, daß der Herr Bezirkshauvrmanu von Korneuburg am 27. Deeember nach Floridsdorf kam, um persönlicv die Lehrer zu „interpelliren". Ob das Fremdwort „Inter - pelliren" hier richtig angewandt ist, wollen wir nicht untersuchen. Die „Ostdeutsche Rundschau" duldet ja sonst keine Fremdworte in ihren Spalten, und es ist ausfällig, daß sie hier den fremdsprachlichen Ausdruck zuläßt, der offenbar nur dazu dient, den wahren Sachverhalt zu verschleiern. Aber nehmen wir an, der Herr Bezirkshauptmann hat nur „interpellirt" — was haben die Floridsdorfer Lehrer auf diese „Interpellation" geantwortet'? Haben sie gesagt, daß sie die Vertheilung antisemitischer Zettel durch Schulkinder in der Ordnung finden? Haben sie gesagt, daß die Tendenz der „Ostdeutschen Rundschau ' und des „Politischen Volksblatt" ihren politischen Ueberzeugungen entspreche und daß sie begeisterte Anhänger des Herrn Lueger sind? Gewiß nichts von alledem! Sie haben sich an das Sprichwort gehalten, daß Vorsicht der Tapferkeit besserer Theil sei! Und zum Schlüsse die Antwort auf die dummdreisten Fragen, in welche jene Notiz ausklingt. „Ist die Schule und sind deren Lehrer verantwortlich zu machen für die Mitnahme antisemitischer Zettelchen von Seite eines Schulkindes? Ist es Lehrern nicht gestattet, als Gäste eines Cafös eine ihrem Geschmacke entsprechende Zeitung vom Cafetier zu wünschen? Kann es Lehrern als Staatsbürgern verwehrt werden, politischen Versammlungen als Zuhörer beizuwohnen?" Ad 1) Die Vertheilung jener Zettel ist charakteristisch für den Geist, der in den Floridsdorfer Schulen herrscht! Tie Lehrerhetzendie Eltern, dieEltern schimpfen vor den Kindern über die Juden und die Kinder zwitschern, wie die Alten jungen! Da hängt Eines am Andern! Nicht nur für die Vertheilung jener Zettel, für die ganze a n t i s e m itische Bewegung in Floridsdorf sind die Lehrer verantwortlich zu machen, denn nach ihrem Beispiel richtet sich die urtheilslose Menge. Ad 2) Wenn der Geschmack' des Lehrers auf die Leetüre staats- und gesellschaftfeindlicher Blätter gerichtet ist, dann allerdings ist es ihnen als Staatsangestellte nicht gestattet, dies öffentlich zu bethätigen. Im Stillen mögen sie Bismarck und die Hohenzollern anbeten, obzwar das ein sehr sonderbarer Patriotismus sein muß, der von solchen Patronen den Kindern beigebracht wird! Ad 3)„Als Zuhörern?" O ja! Aber nicht als antisemitische Parteigänger, die wüthend Beifall klatschen, wenn Herr Lueger den Wunsch ausspricht, daß die Juden geköpft oder gehenkt werden oder wenn Herr Schneider die Confiscation der Judengüter fordert! Im klebrigen sind die Floridsdorfer Lehrer lange nicht so naiv, als sie sich in dieser Fragestellung geben. Bruder Hempel und Bruder Lange. Ein Beitrag zur Geschichte des Berliner Geschäftsantisemitismus. Hempel ist Verleger der „Täglichen Rundschau" und der „Volksruudschau", Lange ist Redactdur beider Blätter. Beide gehören dem von Lange gestifteten „Teutschbunde"