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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-10 · 2 (10.1.1896) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Blvch's Wochenschrift Seile 39 Constantinopel. Wenn das Herz des Juden im Westen bang und matt vor Eutinuthignng schlägt, daß es dort jemals mit der Wahrheit und dem Rechte vorwärts kommen und die alte Zeit schwinden werde, kann cs sich mit einem Blick auf das türkische Reich wieder gehoben fühlen, wo die Gleichstellung von Tag zu Tag größere Fortschritte macht, ihre vollste Verwirklichung und der entschiedene Sieg des Rechts in naher Aussicht steht, zum Hohne auf die so gerühmte westliche Cultur und christliche Liebe. Eine große Anzahl unserer Glaubensgenossen bekleidet bereits hohe Staatsämter. Da ist vor Allem Elias Pascha, Lleäiem de 8. M. le Sultan und Generalarzt der türkischen Marine. Das Kind armer Eltern, besuchte er die von der Alliance Israelite unterhaltene Volksschule, seine Talente ahnend, wurde er für eine Gelehrten-Carriere bestimmt und unterstützt. Er absolvirte seine medicinischen Studien in Deutschland, war in Berlin Assistent Graefe's und wurde, kaum 30 Jahre alt. zum Leibarzt des Sultans ernannt. Es erregte nicht wenig Aufsehen, als er den Titel Pascha erhielt, der erste Jude mit dieser Auszeichnung. Ihm folgte aber eine bedeutende Anzahl hoher Würdenträger jüdischen Glaubens: Jsac Pascha, Generalarzt, der dem deutschen Kaiser Wilhelm II. attachirt war, als dieser Constantinopel besuchte. BachorEffendi, Unterpräfect von Constantinopel, der das vollste Vertrauen des Sultans genießt. Abraham Esfendi, höherer Beamter im Ministerium des Auswärtigen. David Effendi, erster Uebersetzer in demselben Ministerium, der von fast allen Souveränen Europas mit hohen Orden ausgezeichnet ist, und Jussuf Effendi, ein in größter Arnluth aus Ungarn in die Türkei Eingewanderter und heute Direktor des Ministeriums des Auswärtigen auf der Insel Rhodos. Ferner hohe Würdenträger jüdischen Glaubens in Constantinopel sind: Aron Leon Effendi, Baruch Effendi, Boas Menasche Effendi, Dr. Canchi, Araslan Effendi Fresco, Moise Bey, Dr. Behar Effendi, Emil Effendi, Elias Effendi, und in hohem Ansehen, wie ungefähr im Westen erbliche Pairs, stehen die Familien Modiaro, Eskenasi. v. Toledo u. A. Alle diese jüdischen Größen unterscheiden sich darin vortheilhaft von den jüdischen Größen des Westens, daß sie ihrer Religion treu bleiben, nicht nur, daß sie nicht zur herrschenden Religion, dem Islam, übertreten, sondern sogar in ostensibler Weise das Judenthum bekennen, an allen jüdischen Feiertagen in den Synagogen erscheinen und rigoros dem religiösen Ceremoniell obliegen, was ihnen weder in ihrer Carriere, noch in den Augen des Volkes schadet. Vielleicht wäre auch im Westen der Antisemitismus nicht hereingebrochen, wenn man sich dort mit der Emancipation nicht zugleich assimilirt und diesem Danaergeschenke die Religion und das Stammesgefühl geopfert hätte! Man braucht dabei gar nicht an eine transcendentale Strafe zu denken; sie ist ganz natürlich — wer sich selbst verachtet, wird verachtet, und weil gewöhnlich mit dieser Selbstverachtung der ganze Charakter des Menschen in's Aschgraue fällt, ist es begreiflich, wenn er sich den Haß seiner Umgebung zuzieht, in der er aufgegangen und sich unkenntlich als Jude wähnte. Wir Juden im Osten haben keine Angst vor eiuen Rückschlag, wir könnten nicht enttäuscht werden, weil wir für die Besserung unserer Zustände nichts geopfert haben. Vermischtes. Wien. (Spende n.) Für den armen Lehrer zu Koste! sendet uns Herr Berthold Steinschneider in Budapest fl. 5.—. Für eine arme jüdische Familie in Wien sendet uns ein Ungenannter fl. 5.—. Wien. Am 12. Jänner, ll3/4 Uhr Mittags, findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trauung von Fräulein Ella Fanto, Tochter des Herrn Friedrich Fanto, mit.Herrn Dr. Emil Kafka, um '/.I Uhr die Trauung von Fräulein Johanna K 0 h n b e r ger, Tochter des Herrn Salomon Kohnberger, mit Herrn Carl M i s l a v statt. Wien. (Verlobung.) Fräulein Sophie Schlesinger, Tochter des Gemeindeausschusses Herrn Emanuel Schlesinger in Donaufeld, hat sich mit Herrn Bernhard Keßler in Wien verlobt. Wien. (Unentgeltliche Vorbereitung z u r B a r-M i z w a h.) Der Verein „Esra" — Verein der Religionslehrer d r israelitischen Cultusgemeinde in Wien — besorgt unentgeltlich die Vorbereitung mittelloser Schüler jür die Bar-Mizwah und stellt nöthige'falls die Utensilien bei. Zuschriften in dieser Richtung wolle man an den Vereinsobmann Herrn Benjamin Fuchs, III., Hetzgaffe 26, richten. Die „Ferie«heim"-Akademie Das „Ferienheim" hat Heuer die Ballsaison im Sofiensaal eröffnet und es müßte, geht es nach Rechten, mit der goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet werden, so brav hat es sich unter dem Commando der Präsidentin Frau Dr. Sofie G r ü n f e l d, der Bicepräsidentin Frau Dr. Julie F i a l l a und der Schriftführerin Frau Antonie Graf, sowie des übrigen Generalstabes, an dessen Spitze Baurath Ritter von G 0 ldschmidt stand, gehalten. Seit Jahren zählt die Wohlthätigkeits-Akademie, welche „Ferienheim" gibt, zu den auserlesensten Veranstaltungen, und der intime Charakter des Festes beeinträchtigt in Nichts den Glanz des Parterres, das sich zur Akademie zusammenfindet. Hofschauspieler K u t s ch e r a eröffnete sie heuer mit einem Prolog, mit dessen Dichtung sich Herr Moriz von Gu tm a nn einen zweiten Adelsbrief geschrieben hat. Nach der stimmungsvollen, den edlen Bestrebungen des Vereines geltenden Einleitung spielten die Herren Louis und Willy Thern auf dem Claviere, Olga v. Türk-Rohn sang trotz einer leichten Indisposition sieben Lieder mit vollendeter Meisterschaft, Frl. Irene v. Brennerberg rechtfertigte ihren hervorragenden Ruf als Biolinvirtuofin, Herr Tenor Felix vom Theater an der Wien und der junge Baritonist Herr B i n c e n t i brillirten durch ihre Stimmen. Frl. Hansi Niese entzückte durch ihren thausrischen Humor, und im Mittelpunkte dieses Künstlerensemble stand unser unvergleichlicher Mitterwurzer und riß die Zuhörer mit jedem Worte seiner Deklamation zur Bewunderung hin. Er trug Geibel's „Der reiche Mann von Köln", Freiligrath's „Mohrenfürst" und den „Kuß" von Kiß vor und man hätte seiner Stimme lauschen mögen bis zum frühen Morgen und an den Tanz vergeffen können. Für die Paare, welche sich für den Rest des Abends dem Profeffor Raben st einer und der Capelle des Infanterie-Regimentes Nr. 2 unterordneten, schien ohnehin nicht genügend Platz zu sein. Frau Dr. Grünfe l d eröffnete mit Bezirksvorstand Picker den Tanz und ein Gewühl von Tänzern folgte. 286 Paare tanzten die erste Quadrille. Alle Achtung! Die Säle waren zum Erdrücken voll, man tanzte noch gedrängt um 4 Uhr Morgens. Das Gesammtcomits des „Ferienheims" hat sich ausgezeichnet. Wien, 7. Jänner 1896. Der Israelitische Humanitäts- Verein für den X. Gemeindebezirk Wiens veranstaltet wie alljährlich Sonntag den 12. d. M., halb 5 Uhr Nachmittags, im israelitischen Bethause, X., Keplerplatz 1. für seine verstorbenen Mitglieder einen Trauergottesdienst, bei welchem Se. Ehrwürden Herr Dr. D. Löwy die Festrede halten wird. Wien. (Jüdische akademische Lesehalle.) Für den Monat Jänner wurden folgende Borträge angekündigt: 11. Jänner: Docent Dr. Leopold K ö n i g st e i n, „Ueber den Ausdruck des Auges". 18. Jänner: Dr. W. F r i e d l ä n d e r, „Socialistisches aus dem jüdischen Alterthum". 25. Jänner: Docent Dr. Max Herz, „Die materiellen Grundlagen des 'Bewußtseins". Außer den Mitgliedern haben Hochschüler, sowie geladene Gäste Zutritt. Wien. (Silberne Hochzeit.) Am 15. d. M. feiert der langjährige und verdienstvolle Bibliotheksbeamte und Tempeldiener der israelitischen Cultusgemeinde Herr Jacob Saal mit seiner Gattin Rosa, geb. Haas, das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Wien. Herr S. M e i s e l s, Obmann des Tempelvereines für polnisch-jüdischen Ritus, erhielt am Jahrzeitslage seiner früh verstorbenen Tochter ein Telegramm mit folgendem Wortlaut: S. M e i s e l s, Wien. Hochgeehrter Herr! Alle hier Unterzeichneten Freunde haben heute am Sterbetage Ihrer in Gott ruhenden Tochter eine Gedenkfeier im Waisenhaus ahgehalten und übersenden Ihnen den Ausdruck ihrer aufrichtigen Theilnahme: Rabbiner Puchar, S ch ali t, Dr. M a n d e lst a m, Mendelso hn, Dr. M e y e r, Paul Mintz, Rabinowicz, Dt. Salomoniwicz, Wolperl, vrasowski. Lewites. Die Frauen: E l i a s z 0 w, Hurw itz, Hellmann, Olga Mintz, L u n tz, M e n d e l s 0 h n, M a j e r, M i ch e l e S, Kahn, M a n d e l st a m, S e e l i g. E. B. Wien. (Todesfall.) Eine in weiten Kreisen hochangesehene Familie ist in tiefe Trauer versetzt worden. Anfangs dieser Woche verschied nämlich Frau Emma Kraus, ge-

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