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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-10 · 2 (10.1.1896) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seile 38 Dr. Bloch's Wochenfchrist Nr. 2 vor ihrer Wirkungsstätte, auf der Terrasse des Theaters, statt; aber freilich befand sich bisher kein Jude unter ihnen. Daß die Tagesblatter, die eine detaillirte Schilderung des Leichenzuges brachten, diese ganze Episode verschwiegen oder vielmehr verschweigen mußten, bedarf wohl nicht erst der besonderen Erwähnung. Unser Jahrhundert geht zu Ende. Was würden die einstigen Heroen des Gedankens zu diesem Schluffe sagen? Freiheit und Gleichheit! Hier bleibt sie, selbst angesichts der Alles nivellirenden Majestät des Todes, nichts als leerer Wahn! X. Petersvnrg. (Orig.-Corr.) Die Leser Ihres. Blattes dürfte es intereffiren, Einiges über die russischen Juden zu erfahren, die durch die Emigration aus ihrer traurigen Lage in eine ungewisse Zukunft geschleudert wurden. Ich entnehme die nachfolgenden Daten einem Berichte, welchen das hiesige „Central-Comite für die Emigration der russischen Juden nach Argentinien" von dem „Baron Hirsch'schen Unterst ützungs-Comite für jüdische Emigranten" in New-Dork erhielt. Die Zahl der vom 1. Jänner bis zum 31. October 1895 in New-Dork gelandeten russisch-jüdischen Emigranten betrug, darunter über 2000 Handwerker, unter denen sämmtliche Gewerbe vertreten sind, 18.040 Seelen. Ueber 70 Percent davon verblieb in New-Aork, die anderen zerstreuten sich im Lande. Die meisten nahmen, obwohl sie ziemlich bedürftig aussahen, keinerlei Unterstützung an. denn sie wurden zumeist von ihren Angehörigen, die bereits früher eingewandert waren, erwartet. Ganz mittellos war übrigens keine der anlangenden Familie, sie verfügten über so viele Baarmittel um die nächste Zeit, bis sie Arbeit und Erwerb gefunden, ohne fremde Hilfe sich erhalten zu können. Gänzlich Mittellosen wurde die Landung überhaupt verwehrt. Jene, und leider gehörten zu diesen viele Tausende, die nicht so glücklich waren, bald Arbeit zu finden, mußten, da ihre Noth im fremden Lande eine verzweifelte wurde, von dem Comite, welches trotz unablässiger Bemühung Arbeit ausfindig zu machen unmöglich allen Anforderungen nachkommen kann, unterstützt werden, wenn sie nicht dem Hungertode preisgegeben werden sollten. Die wirthschaftlichen Berhältniffe. die keineswegs die rosigsten sind, machen sich begreiflicherweise am härtesten für den fremden Einwanderer fühlbar, der nebst der Unkenntniß der Berbältniffe noch mit den Gefühlen des Neides und der Mißgunst zu kämpfen hat, mit denen die heimischen Arbeiter ihnen entqegentreten. Diese erblicken in den Fremden nicht so sehr den Unglücklichen, als den Concurrenten. Eine Agitation.' die öffentliche Meinung für ein Verbot der Einwanderung russischer Juden zu gewinnen, macht sich stark bemerkbar. So lange die Einwanderung aber nicht übermäßig anschwillt und die bestehenden Verordnungen beobachtet werden, dürfte diese inhumane Maßregel kaum erfolgen. Petersburg. Freudiges Aussehen erregte der Umstand, daß in der jüngsten Zeit mehrere Rabbiner hohe Orden und Auszeichnungen erhielten. So erhielten: Die goldene Medaille d e s St. An n e n-O r d e n s R. Joel H alp er in, die goldene Medaille des Stanislaus-Ordens Rabbiner B. Bernstein zu Shitomir, Mitglied der Schuldeputation des Gouvernements Wolhynien. R. Schmuel Hirsch Goldsarb. Rabbiner zuKonotop, R. Jaakob Baruch Chars ch a k. Rabbiner zu Riesin, sowie der Kronsrabbiner zu Dubno, Herr Wolf Margulis und der jüdische Religionslehrer Ber Lewin in Tomsk. Die silberne Medaille des St. Anne n-O r d e n s erhielt R. Schlomoh S e l i g m a n n. Rabbiner in Szuwalk. Zu Ehrenbürgern wurden ernannt: die Rabbiner Wolf Schochorzu Jekaterinoslaw. Ephraim EP h raims o h n zu Lochwitz und Markus Tawrowski in Nowomoskowsk. Zu Collegien-Assessoren wurden ernannt die Aerzte: Dr. Posniak in Minsk, Dr. Mankowski in Raffern. Dr. W i g o d s k i in Wilna und Dr. Abrahamsohn in Kowno. Kiew. Die ganze russischeJudenheit, nicht Kiew allein, bat durch den vor wenigen Tagen erfolgten Tod des Herrn Benjamin Katzenelson einen schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene, der ein Philantrop im edelsten Sinne des Wortes war, erreichte ein Alter von 72 Jahren. Nizza, den 2. Jänner. In der Sitzung vom 23. Deeember v. I. hat das israelitische Central-Consistorium von Frankreich den von den verstorbenen Michel und Fanny Weil! in Straßburq gestifteten Preis für Personen, die sich durch Edelmuth, Humanität und Menschenliebe auszeichnen, der Witwe Tercelline Levy, Directriee des Internationalen Jsraelitischen Asyls in Nizza, verliehen. Bei dieser Gelegenheit haben die Pensionäre der Anstalt der Leiterin folgende Adresse überreicht: „Die Unterzeichneten Pensionäre können nicht umhin, der Frau Directriee Tercelline Levy ihre aufrichtigsten Glückwünsche zu der erhaltenen Auszeichnung zu senden, die viel zu gering ist in Anbetracht ihres Edelmuthes und des mütterlichen Sinnes, welchen sie jederzeit Denen gegenüber beweist, die glücklich sind, von ihr gepflegt zu werden." Möge die Veröffentlichung dieser Zeilen einige Wohlthäter veranlassen, der Anstalt, die Mangels eines größeren Fondes und wegen der geringen Bettenzahl in der traurigen Lage ist, eine große Anzahl armer, israelitischer Lungenleidenden abzuweisen, edelmüthig größere Beiträge zu widmen, umsomehr als keine Krankheit so wie die Tuberculose so tief einschneidet in das sociale Leben der Gegenwart und keine einen so langen und oft wiederholten Aufenthalt in weiter Ferne bedingt; der Erkrankte ist glücklich, hier eine zweite Heimat gefunden zu haben, wo er, gestützt vor den Unbilden des rauhen Winters im Norden, lediglich seiner Gesundheit leben kann. Und unser engeres Vaterland ist gussi verpflichtet, etwas für den n eiteren Ausbau der Anstalt zu thun, da jährlich eine verhältnißnäßia große Anzahl Oesterreicher verpflegt wird und bis jetzt fast nichts Von Seiten Oesterreichs im Gegensätze zu anderen Staaten, Deutschland voran, zur Förderung des Hauses geschah. Zürich, 21. December 1895. Hier starb der Dichter Leopold Jacoby nach längerem, schwerem Siechthum. Leopold Jacoby, der „Dichter des Proletariats" (wie man ihn genannt hat), war eine durchaus eigenartige Individualität. Ihm war eine nicht gewöhnliche, dabei aber doch vielseitige Begabung zu eigen. Er war Dichter, Philosoph, Literarhistoriker und Naturforscher. Er hat mannigfach Anerkennung ge> funden. aber im Wesentlichen immer nur im engeren Kreise. Zu einem Theile rührt das von seinem Charakter her. Ihm fehlte die Fähigkeit, sich zur Geltung zu bringen. Ueberdies wich er bei seiner sensiblen Natur leicht vor einem Hindernisse aus, das seinem Bestreben sich entgegenftellte. Bei seiner allzugroßen Bescheidenheit war ihm das Verzichten nicht schwer. Als der Sohn eines jüdischen Cantors zu Lautenburg in Pommern geboren, besuchte Jacoby unter vielen Entbehrungen das Gymnasium zu Danzig. Hier erlernte er die damals noch wenig geübte Kunst des Stenographirens. Dies setzte ihn in den Stand, unter leidlichen Verhältnissen in Berlin dem Universitätsstudium obzuliegen. Er wurde Secretär im stenographischen Bureau des Abgeordnetenhauses, später Berichterstatter und Stenograph der ..Oldenburg'schen Kammercorrespondenz". Jacoby that zwölf Jahre lang auf der Journalistentribüne des Preußischen Abgeordnetenhauses und später des deutschen Reichstags Dienst. Zweimal unterbrach er diese Tbätiakeit für längere Zeit. Einmal in der zweiten Hälfte der 60er Jabre. Jacoby ging damals, um die Heilkunde zu ftudiren, nach Marburg. Kaum war er mit dem medicinischen Studium fertig, als der deutsch.französische Krieg ausbrach. Jacoby zog als Assistenzarzt mit ins Feld und kam bis nach Paris. Nach der Rückkehr aus dem Feldzuge widmete sich Jacoby in Berlin der Schriftstellerei und der Stenographie. Mittlerweile war in ihm eine Wandlung vor sich gegangen. Ursprünglich liberal gesinnt, schloß er sich jetzt der Socialdemokratie an. In seinem Buche ..Es werde Licht" gab er 1871 diesen Uebergang öffentlich bekannt. Bis 1877 verblieb Jacoby noch als Parlamentsstenograph in Berlin. Dann begann ein ruheloses Wanderleben. Zunächst ging Jacoby nach Zürich, dann nach Triest, hierauf nach Cambridge in den Bereinigten Staaten, von dort nach Mailand. Dort wurde ihm eine Docentenstelle für deutsche Sprache und Literatur an der Akademie übertragen. Während der Marburger Stndentenjahre entstanden Jacoby's „Weinphantasien" und ein Lustspiel. Das Buch „Es werde Licht!", das 1875 zuerst erschien, wurde vielfach neu aufgelegt. Indem philosophischen Werke „Die Idee der Entwickelung" (1874—76) strebt Jacoby an, die entwickelungsgeschichtlichen Lehren Darwin's für Philosophie und Volkswirthschaft nutzbar zu machen. Als das Hauptwerk Jacoby's ist das epische Gedicht „Cunita" anzuscben, dessen Stoff aus den indischen Mythen und Lehren entnommen ist. Anzureihen sind die „Deutschen Lieder aus Italien". Zu erwähnen bleiben noch die Studien Jacoby's über Annette von Droste-Hülsboff über die Nachahmung der Naturstimmen in der deutschen Poesie, über die deutsche Makame. Seit 1892 lebte Jacoby in Zürich,

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