Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 2 (10.1.1896)
- Date
- 1896-01-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 36 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 2 jährlich zu vielen Tausenden ein, aber es ist charakteristisch, daß die Zahl der jüdischen Petenten nicht entfernt im Verhältnisse steht zu der Anzahl der jüdischen Steuerträger. Auch auf diesem Gebiete machen die Arier von dem Vorrechte ihrer Geburt Gebrauch! Die Juden haben unter den schwierigsten Verhältnissen ihre patriotischen Pflichten und insbesondere jene des Steuerzahlens musterhaft erfüllt — aber wenn die Hetze gegen jüdische Geschäftsleute in dem bisherigen Maße weiter betrieben wird, dann wird diese Pflichterfüllung einfach zur Unmöglichkeit, und man wird wohl oder übel dem Beispiele folgen müffen, welches uns die biederen Arier durch ihre Äaffengesuche um Herabminderung der Steuern bieten. Wie«. Der seit 30 Jahren in Kremsier wohnende Apotheker Herr Carl B r a d i scheidet aus unserer Mitte. Die israelitische Gemeinde sandte eine Deputation an ihn. die ihm den Dank für alle den Israeliten erwiesenen Wohltbaten abstattete. Gemäß eines einstimmig gefaßten Beschlusses wurde die Deputation entsendet, um einen Mann zu ehren, der jederzeit religiöse Duldung und Humanität bekundete und den Menschen nicht nach der Abstammung sondern nach dem Charakter bewerthete. Herr Bradi empfing die Deputation sehr freundlich mit den Worten, daß er Alles, was er geleistet, als Pflicht gegen seine Vorfahren ansah. Möge er in Wien unseren Glaubensbrüdern dasselbe Wohlwollen bewahren! Die Segenswünsche aller Kremsierer begleiten diesen edlen Mann aus seinen neuen Wirkungskreis. Die Gemeinde wird ihm stets ein liebes Andenken bewahren. Hollescha«. Aus dem hiesigen deutschen Casino sind nunmehr die Juden ausgetreten. Bei der letzten Generalversammlung verwahrten sich die Juden dagegen, daß von Vereinswegen antisemitische Blätter abonnirt werden. Die Majorität der Generalversammlung beschloß hingegen, dabei zu verbleiben und antisemitische Blätter zu abonniren. Selbstverständlich konnten die jüdischen Mitglieder nicht anders, als ihren Austritt anzumelden, wofür sie mit allerlei höhnischen Bemerkungen von den früheren Bereinscollegen tractirt worden sind. Erwähnenswerth ist, wie k. k. Bezirksbeamte mit vollem Eifer agitirten, um der Abstimmung das erwähnte Resultat zu verleihen; ein einziger Herr, den wir seit jeher hochgeschätzt, der verehrte Herr Lovak, k. k. Commiffär, hat allein von den Hetzereien Abstand genommen und sich dem Austritt der Juden angeschloffen. Mistelbach. Nur mehr wenige Wochen werden verfließen und der neue Tempel, welcher nunmehr zu den schönsten Gebäuden Mistelbachs zählt, wird der feierlichen Einweihung zugeführt werden. Ein Gebäude, voll Pracht und Schönheit, würdig, daß dasWort Gottes daselbst verkündet wird, erhebt sich inmitten von kleinen unansehnlichen Häusern, in einem öden, ganz seitwärts gelegenen Stadttheile. — Obwohl die Umgegend des Tempels die architektonische Wirkung desselben abschwächt, repräsentirt sich derselbe noch immer als ein imposantes Gebäude. Noch vor etwa 25 Jahren waren in Mistelbach keine Juden ansässig, sondern ließen sich erst in kurzer Folge daselbst nieder. Der jüdisch-religiöse Geist war in den nunmehr hier wohnhaften Juden ein hoch entwickelter und so gründete sich alsbald ein Minjanverein, der nicht nur dazu bestimmt war, den hierortigen Israeliten die Gelegenheit zum Besuche des Gottesdienstes zu verschaffen, sondern auch den Zweck hatte, den Kindern den Religionsunterricht ertheilen lassen zu können. Der Minjanverein bestand bis vor Jahresfrist, wo nun sein ganzes Vermögen in den Besitz der neuconstituirten Cultusgemeinde überging. Die Lasten, welche die Constituirung dieser Gemeinde für die einzelnen Mitglieder bedingte, waren mit Rücksicht auf die fast ausschließlich arme jüdische Bevölkerung unserer Gemeinde gerade unerschwinglich, und reichten die Beiträge der Mitglieder für den durch das Gesetz vorgeschriebenen Aufwand zur Erhaltung auch nur des Religionslehrers nicht hin. Es war daher die Errichtung eines Gotteshauses aus Mitteln der Cultusgemeinde oder deren Mitglieder gänzlich ausgeschloffen. So hätte denn unser Bezirk das für unsere religiösen und socialen Berhältniffe sehr traurige Schauspiel bieten müffen, daß bei dem Bestände von 200 jüdischen Familien, selbst an dem Sitze der Cultusgemeinde eine würdige Stätte fehlt, an welcher sich die Gemeindemitglieder zur Verehrung Gottes zusammenfinden könnten, an welcher jüdischen Kindern das Wort Gottes gelehrt werden sollte. In dieser Bedrängniß haben sich einige Gemeindemitglieder zusammengethan, um an die^hingebungsvolle Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen zu appelliren, auf daß durch freiwillige Spenden das angestrebte edle Ziel erreicht und unserer armen Gemeinde ein Haus zur Ehre Gottes und als Wahrzeichen der religiösen Einigkeit, der jüdischen Opferwilligkeit erbaut werde. Unsere Gaubensgenvssen haben ihre Hilfe nicht vergeblich anrufen lassen! Die Spenden flössen von allen Seiten reichlich und so ist es nun gelungen, dieses Gott gefällige Werk schon nach so kurzem Bestände dieser Gemeinde fertig zu stellen. Nicht allein den wohlthätigen Spendern, sondern insvesondere auch dem rührigen Tempelbau- Comite fällt dieses Verdienst zu, und haben sie sich dadurch den tiefempfundenen Dank unserer Glaubensgenossen für alle Zeiten gesichert. 0. E. Troppau. (Kommers d er „Jüdischen Hochschüler iu Troppau".) Die „Jüdischen Hochschüler in Troppau" veranstalteten Montag den 30 December 1895 einen Fest-Commers in der Restauration Königstein, der sich einer zahlreichen Beiheiligung und eines glänzenden Verlaufes erfreute. Der Präses Jur. Otto Eibusch i tz eröffnete den Commers mit einer feierlichen Begrüßung der Gäste, unter denen er besonders apostrophirte: Se. Ehrwmden den Troppaner Rabbiner Herrn Dr. A. Blüh, die Vorsteher der „Jsr. Cultusgemeinde sin Troppau", nämlich die Herren Dr. Sonnenschein und Fabrikant Sp itzer, den Vertreterder „Jüdischen akademischen Lesehalle in Wien" Herrn Jur. Hirsch, den Vertreter des „Comites zur Gründung eines jüd.-liter. Vereines in Troppau" Herrn Spiegel, den Vertreter des „Troppaner Synagogenchores" H. Donath, den Lehrkörper der „Israelit. Volksschule in Troppau", ferner die alten jüdischen Akademiker (Troppaner Aerzte, Advocaten und Beamte). Nach Absingung des „Gaudeamus" und nach dem „Kaisersalamander", den der Präses angeregt hatte, erlheilte er dem Sind. Phil. Emil Marburg das Wort zur Festrede. Er stellte den Antisemitismus in seiner modernsten Form als eine Reaktion gegen die Asstmilationssucht der Juden dar. Allgemeine Aufraffung der Juden thue noth. In treffenden Zügen charakterisirte Redner die verschiedenen .Gruppen der Juden, welche von dieser nationalen Ermannung nichts wissen wollten. Zum Schluffe erörterte der Redner das politische Programm der Partei: In dem Staate, in dem sie leben, und dessen gute Bürger sie sind und bleiben werden, ihre Rechte, ihre Gleichberechtigung mit den übrigen Nationen geltend zu machen, in geschlossenem Vorgehen. Herr Dr. Blüh äußerte seine Freude darüber, daß der Same des jüdischen Glaubens, den er in die Herzen seiner ehemaligen Schüler gelegt, bei diesen so herrliche Blüthen getrieben habe und daß ihn der heutige Abend in seiner bisherigen Gepflogenheit, seine aus der Mittelschule scheidenden Schüler auf die Wiener jüdischen Verbindungen aufmerksam zu machen, bestärken werde. Als Vertreter der „Jüdischen akademischen Lesehalle in Wien" hieltJnr. Cand. Julius H i r s ch eine wahre Glanzrede. Er feierte die beiden Dogmen des Judenthums: „Die Einheit Gottes und die messianische Idee", welche durch Pflege der jüdischen Literatur wieder voll und ganz in das geistige Besitzthum der Inden übergehen sollten. „Dann werden wir", rief er aus, „im Geiste wieder Zion sehen, die Burg und den Tempel, und die Gesänge der Priester, wir werden sie wieder Horen". Allgemeiner, begeisterter Beifall lohnte seine Ausführungen, die jedem jüdischen Literaturvereine zur Ehre gereicht hätten. Es sprachen dann die Herren Dr. E i s l e r, Schriftsührer des „Deutsch-fortschrittlichen Vereines für Westschlesien" Spitzer und Dr. Sonnenschein, welche sich zwar als Vertreter der Aisimilations-Jdee bekannten, jedoch zugaben, daß eine Stellung, wie sie die jüdische akademische Jugend jetzt eingenommen habe, nicht nur berechtigt, sondern mit Freuden zu begrüben sei. Noch sympathischer traten der jüdisch-nationalen Idee die Herren Oberländ er, ebenfalls ein alter Akademiker, und Dr. E i b u s ch i tz entgegen. Letzterer, der Vater des Präses, sagte in äußerst ehrlicher, ungeschminkter Weise, die jüd.-nationale Idee sei eine Kampfidee und ein jüdisch-nationaler Student sei ihm zehnmal lieber als ein anderer jüdischer Student. (Schallendes Prosit!) Jur. E. Lederer brachte einen Toast auf die anwesenden alten Akademiker, Herr Dr. S o n n en sch e in auf die Studenten, die heute Gastgeber waren, und auf den Präses Jur. Eibuschitz insbesondere ans. Der officieüe Theil des Commerses, der präcise 8 Uhr begonnen hatte, schloß um 12 Uhr Nachts mit der Verlesung der eingelanfenen Telegramme. Unter den auswärts weilenden Troppaner Studenten halten die „alte" Kadimah, die Jvria, die Unitas, die Gamala und die Lesehalle Depeschen gesendet, welche mit stürmischem Prosit begrüßt worden waren. Der inofficielle Theil, in dem Herr Dr. Sonnenschein das Präsidium, die Herren Doctoren Buchbinder und Eibuschitz die Contrarien inne hatten, hielten Alt und Jung noch lange in ungebundener Fröhlichkeit beisammen. Budapest. (Israelitische Stipendien.) Seitens des nngar. israelit. Landes-Stipendienvereins wird der Concurs auf folgende Stipendien ausgeschrieben: 1. ans das Baron Josef Eötvös-Stipendium mit 200 fl.; 2. auf zwei Dr. Heinrich Pollak-Stipendien mit 200 sä und 100 fl.; 3. auf zwei Moriz Wahrmann-Stipendien zu je 120 fl.; 4. auf das