Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 2 (10.1.1896)
- Date
- 1896-01-10
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 3 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 3» „Dr. Böckel, für den ich seil seinem ersten Auftreten in Berlin im Jahre 1885 mich begeisterte, weil er den Antisemitismus in volksthümlicher Weise zur Geltung brachte, und für dessen Anschauungen ich seit dieser Zeit stets kräftig eintrat, kam Anfangs Juli 18 9 4 zu mir, mit dem Eröffnen, wenn ihm nicht schnell mit größeren Summen zur Seite getreten werde, wäre er auf immer für die Bewegung verloren-und müßie sein Mandat niederlegen. Ich selbst, der ich schon in früheren Jahren meine Existenz durch Eintreten für die Sache, speciell durch U n t e r st ü tz u n g D r. B ö ck e l's in Hessen vernichtet und mich erst seit kurzer Zeit so herausgearbeitet hatte, daß ich einer besseren Zukunft entgegensah, ließ mich wiederum verleiten, einer solchen bedeutenden Kraft, für welche ich Dr. Bö ck el ansah, nicht nur mit dem, was ich hatte, beizuspringen, sondern ging wiederum weit über meine Kräfte hinaus, indem ich für ganz beträchtliche Summen gutsagte. Ich lebte der Hoffnung, daß, wenn Dr. Böcke! sein Arbeitsfeld nach Berlin verlege, sich für die in Marburg nicht gut bestehende Druckerei und Zeitung, damals „Reichsherold"', Hierselbst in Anbetracht der besseren Verhältnisse eine günstigere Zukunft eröffnen würde. Jedoch schon bald nach der in Berlin aufgenommenen Thätigkeit kam es zu Mißhelligkeiten, theils durch Zerwürfnisse in der Partei, theils durch Lchwierigkeiten in der Geschäftsführung. Nachdem der Plan, durch Vereinigung der drei in Berlin bestehenden freiheitlichen antisemitischen Blätter eine große, gut bestehende Tageszeitung in das Leben zu rufen, gescheitert war, wurde aus den beiden Wochenblättern „Bundschuh" und ,.R e i ch s h e ro l d" das „D e nt s ch e B o l ks r eFi t" begründet.Leider faßte Dr. Böcke! seine Eigenschofk als Leiter des Blattes nicht inhaltsschwer, ernst genug auf, und bald kam es zwischen mir und Dr. Böcke! in Folge seiner, dem Antisemitismus oftmals sogar entgegenges etzten Handlungsweise zu Differenzen. Nach seinen oftmals mir und Anderen gegenüber gethanenen Äeußerungen schien es ihm daran gelegen zu sein, nach und nach den A n t t s e m i t i smns ganz und gar a b z u st reifen und das Blatt bürgerlich demokratisch zu gestalten. . . . Auch während der Festesstimmung bei der B i s m a r ck f e i e r wollte Dr. B ö ck e l den für das junge Unternehmen höchst gefährlichen Schritt unternehmen, imReichstage gegen die Ehrung B i s m a r ck's zu st i m m e n, und nur mit vieler Mühe gelang es mir, ihn davon zurückzuhalten. Die hin- und herschwankende Haltung des Blattes, bald halb anarchistisch, bald demokratisch, bald monarchisch, bald antimonarchisch, bald christlich, bald antichristlich, im vollsten Widerspruche mit unserem Parteiprogramm, mußte die Abonnentenzahl, statt sie vermehren, bald verringern. Alle diese Momente gaben mir, da ich nicht nur allein in materiellen, sondern auch politischen Interessen stark betheiligt war, sehr oft Veranlassung, Herrn Dr. Böckel diesbezüglich zur Rede zu stellen. . . . Für mich war es nunmehr entschieden, daß ich unter diesen Umständen mit Herrn Dr. Böckel, um nreiner Gesinnung treu zu bleiben, brechen mußte. Derselbe hat ja auch in öffentlicher Versammlung erklärt, keiner Partei mehr anzu gehören. Ich bin., zu der vollständigen Ueberzeugung gekorl men, daß mit Herrn Dr. Böckel für unsere deutschnational-antisemitische Sache niemals mehr etwas zu erreichen ist, da derselbe über seine persönliche Eitelkeit das Ziel und die Interessen unserer Sach e vergaß und sogar oftmals sich anmaßte, seine Anhängerschaft heute so, morgen so p o l i t i s ch f ü h r e n zu können. Auch habe ich mich leider schwer täuschen lassen müssen durch Dr. Böckel, indem ich seinen Worten blindlings vertraute und glaubte, daß demselben in Hessen großes Unrecht seitens seiner ehemaligen Anhänger geschehen sei, bin aber heute zu der Ueberzeugung gekommen, daß s e i n e N i e d e r l a g e i u H e s s e n wesentlich durch sein Persönliches, starrköpfiges und eigensinniges Verhalten verschuldet worden ist. Wenn heute Dr. Böckel aussprengt, ich hätte ihn, weil ich ihm beigestanden, tyrannisiren wollen, so ist dies entschieden unwahr, sondern ich habe mich nur bemüht, ihn vor erneuten Unvorsichtigkeiten und taktischen Fehlern zu b>wahren, und habe nur dort Einspruch erhoben, wo geradezu gegen die Ideen unserer Sache verstoßen wurde. Ich habe es aber eingeschen, daß Viele, die mich warnten, es sei mit Böckel nichts anzufangen, weil er nicht w e iß, w as er will, Recht behalten haben." So wird einer der antisemitischen Führer nach dem anderen des Glorienscheins entkleidet, mit dem sie die von ihnen sanatisirte Masse umgeben. Hoffentlich überzeugen sich die irregeführten Elemente allmälig davon, daß man sie nur dazu eingefangen hatte, damit sie den Gauklern und Taschenspielern, die aus der Judenhetze eine Specialität gemacht, die Taschen zu füllen hatten. Der Umstand, daß Ahlwardt in Amerika ein Gastspiel absolvirt, läßt darauf schließen, daß sein Geschäft in Deutschland in der letzten Zeit nicht mehr so gut gegangen ist wie zu der Zeit, wo der Curs seiner „Papiere" noch ein hoher war. Eine Betrachtung*) gewidmet Sr. E h r w ü r d e n H e r r n Dr. Bloch dem unermüdlichen Kämpfer für die Interessen des Jndenthnms und für die Abwehr des Antisemitismus. Leobschüß in Schlesien, den 16 December 1895. Teichmann königl. Commerzienraty. man ü 'ü1? ’trin »asm 5656 'st rp'baa c'xmrt i^xn m-sn nPrn nnx xbn prx ranPa •am njrra f3 an* -Ta' Tri nPp; nxa» 7:2’ "rar, pn “pnx pa nra p:n-a Tarn ra'r: ana nnr xP a:erae ":np nPrn nr: pan nxPa: rt rar: nap, —nan xP er;,Tr pa:? ,tt n:b Tv l : ar Tr ■Pt; nmn jtsprt nixana .Pxn*p er tjt mnm rb:: -narr Pa :a "i~'r:a -pxxa pn'Pn*) Pnn -e rPnrn pnxn —;P!t nanPr pp:: nrs*?ianS;a;n na; rrnn xPs: x*?sna anv nSn;n pbp'p npra ,nbnn nPnn nnn naS ■p* nnx rrnr nrsm av6x nrax rms nPir ni-tPr nnrn nr nan n*e a'Pra an^:,t -rpprer rn:x: bx'r vr nnr rrrrfax: .nanxn nnee Diao'trarc'ajx na'r:n Tprv vrPr ex ebnx na-T VXT aan:n mn parra ■nne: nrr-n n* ns:1? xP .hts nrP xP SrPa nxian Die Ausstoßung aus der Volksgemeinschaft, aus der Zusammengehörigkeit im socialen Leben, alle Versuche, die gegenwärtig, namentlich in Deutschland unternommen werben, um Judenhaß heraufzubeschwören. sie werden einst, wenn auch spät, an der Macht der weltgeschichtlichen Entwicklung zerschellen. Teichmann. Correspondenzen. Wien.Aus den Kreisen der jüdischen Geschäftswelt kommen uns zahlreiche Klagen über die leider nur allzu fühlbare Wirkung des Hetzrufes: „Kauft nicht bei Juden!" zu. Das diesjährige Weihnachts- und Neujahrsgeschäft war zwar im Allgemeinen kein glanzendes, am schwersten beeinträchtigt aber erscheinen die jüdischen Geschäftsleute. Die uns zugegangenen Klagen sprechen zum großen Theile davon, daß angesichts des von den Antisemiten ausgeübten thatsächlichen Boycotts die Existenz jüdischer Kaufleute eine immer schwierigere werde und daß die Steuern unter solchen Umständen kaum noch zu erschwingen sind. — Ist dem tatsächlich so, dann bleibt unseren Genossen kaum etwas Anderes übrig, als bei der Steuerbe» Hörde um Herabsetzung der Erwerb- und Einkommensteuer einzuschreiten. Solche Gesuche um Steuerherabsetzung lausen all- *) Vorstehende Einsendung ist durch mangelhafte Adreffirung verspätet angelangt.