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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-10 · 2 (10.1.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Seite 33 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 2 erklärt hatvorGerichtdenWahrheitsbeweis erbringen zu wollen.- Ernst Vergani, der vor 8 Jahren „weniger als Nichts hatte", ist denn auch sehr guter Dinge; derselbe hat nicht nur kürzlich den an Herrn Georg Schönerer schuldigen Betrag von 5000 fl. bei Gericht erlegt, sondern auch für die Bahn, welche im Bezirke Spitz, wo Mühldorf liegt, geführt werden soll, die Zeichnung von Bahnactien im Betrage von 10.000 fl. in Aussicht gestellt. — Wir fragen: Was i st's mitder Ehrenschuld an Hauck?!? — Schließlich sei an die Worte in. Schönere r's Rücktrittserklärung erinnert, die da lauten: „Ich kann mich auch nicht freundlich zu jenen Parteigruppen iteiten, die derzeit unter der Leitung Dr. Luegers stehen, da diese Antiliberateu im Volksblatt-Vergani eine „Verkörperung moderner Korruption" als ihre journalistische Vertretung besitzen." Eine Schülersammlung für den antisemitischen Wahlfonds. Wie die „Bolksstimme" berichtet, besteht bei denUrsulinerinnen auf der Landstraße, welche eine weibliche Handarbeitsschule halten, der Brauch, daß die Schulkinder alljährlich zur Weihnachtszeit milde Gaben für die Weihnachtsbetheüung armer Kinder an die Schulleitung abliefern. Im heurigen Jahre jedoch forderten die frommen Schwestern die Kinder auf, ihre Spenden nicht dem erwähnten Zwecke, sondern dem christlichen Wahlfonds zu widmen. Die „Bolksstimme" bemerkt hiezu : „Damit also Herr Lu eg er neuerdings zum Bürgermeister gewählt werde, müssen so und so viel arme Kinder hungern und frieren. Onmia ad majoreco Dei gloriam.“ Die Bismarckischen „Hamburger Nachr." erörtern das Berhältniß Herrn Stöckers zu den Conservativen. nennen Stöcker einen der gefährlichsten Demagogen, welche die Gegenwart aufznweisen habe, und äußern sich dann wie folgt: „Es muß Verwunderung erregen, daß dieser Mann noch immer dem Vorstande der conservativen Partei angehören darf. Aus der Provinz ist eine Anzahl von Kundgebungen gekommen, welche es fürundenkbar erklären, daß man einen um die conservative Sache so hochverdienten Mann mit schnödem Undank lohnen könne. Sollte man unter den Politikern, welche die Leitung der conservativen Partei bilden, die gleiche Ansicht von den außerordentlichen Verdiensten des Herrn Stöcker noch immer nicht erkennen, wie unsagbar schwer die demagogisch-hetzerische Art dieses geistlichen Agitators die wahrhaft conservative Sache geschädigt haben? Einerlei, was Stöcker der conservativen Partei in der Vergangenheit gewesen — was er ihr jetzt und in der Zukunft noch sein kann, ist weniger als Null. Dagegen ist er ein nnheilvollcs Hinderniß für jede Wiederannäherung zwischen den Conservativen und jenen gemäßigten Elementen, mit welchen vereint sie einst die zuverlässige Stütze der nationalen Politik gewesen sind. Lediglich die Uebevzeugung, daß eine solche Wiederannäherung dem Vaterlande noththut, zwingt uns dazu, an die conservative Partei von Neuem die Frage zu richten, wie lange sie noch zögern will, d-n Act der Säuberung vorzunehmen, den ihr die Pflicht der Selbsterhaltung gebietet." Zur Naturgeschichte der antisemitischen Presse. Die „Wests. Reform" in Dortmund, die sich als die „älteste antisemitische Zeitung" bezeichnet, geht zum 1. Jänner ein. Sie gibt als Grund dafür widrige Verhältnisse literar scher und finanzieller Natur an. An diese Mittheilung knüpfen die conservativ-antisemitischen „Dresd. Nachr." folgende Betrachtdngen: ..Wie die antisemitischen Tagesblätter vor wenigen Jahren wie Pilze aus der Erde schossen, so packt jetzt eine nach der anderen wieder ein. Die antisemitische Bewegung ist unter den Herren Ahlwardt und Zimmermann derart versumpft, daß sich die Anhänger des ernsten Antisemitismus widerwillig von dieser Richtung abgewendet haben und die lächerliche Großsprecherei dieser Blätter für den Abonnentenfang nicht mehr zieht. Der eitle Humbug, der von diesen Blätt rn mit den Schlagworten „Vertretung des Mittelstandes". „Monarchie und Christenthum" getrieben wird, ist zu allgemein bekannt. Dazu kommt die Kläglichkeit, mit der die Blätter fast durchwegs redigirt sind. Faulheit und journalistische Unfähigkeit verräth jede Nummer Jedem, der sich die Mühe nimmt, Vergleiche anzustellen. Und welche Mittel sind von diesen „berufenen" Kämpfern für deutsches Wesen und deutsche Ehrlichkeit zur Erlangung von Inseraten angewendet worden? Man hat Beispiele, daß altangesebene Firmen, die in den Blättern nicht inserirten, als jüdische verdächtigt wurden." Der Student Sigl. Der Sohn des Redacteurs des antisemitischen „Bair. Vaterland" Dr. Sigl, hat sich am Neujahrstage in Erlangen erschossen. Der junge Mann war hochgradiger Morphinist. Ueber die Motive der That ist bis jetzt Näheres nicht bekannt geworden. Zur Moralstatistik. Aus den jüngsten statistischen Tabellen über Indien ergibt sich, wie der „Frankfurter Zeitung" mitgetheilt wird, folgende Zusammenstellung über das Verbrecher - thum. Es kommt: 1 überführter Verbrecher auf 274 Europäer, 1 überführter Verbrecher auf 509 Euro.Asiaten, 1 überführter Verbrecher auf 709 eingeborene Christen, 1 überführter Verbrecher auf 1361 Hindu-Brahmanen, 1 überführter Verbrecher auf 3787 Buddhisten. — Es ist also um die Moral und Sittlichkeit der Buddhisten ungefähr vierzehnmal fo gut bestellt als um diederChristen.Ganz besonders interessant sind die drei ersten Zahlen. Weitaus am tiefsten steht die Moral der richtigen Christen — der Europäer, in denen das Christenthum mit der Vererbung durch viele Menschenalter hindurch festgewurzelt ist. Mit der Moral der aus der Ehe von europäischen Christen und Asiaten hervorgegangenen Mischlinge, der sogenannten Euro-Asiaten, steht es schon beinahe doppelt so günstig, während die in Indien geborenen, also dem Einfluß der heidnischen Umgebung von Jugend an überlieferten Christen eine fast dreimal so gute Moral haben als die europäischen Christen. Angesichts solcher Ziffern, die übrigens nicht neu sind, begreift man, warum die Hindus, wie von allen christsichen Missionären in Indien bezeugt wird, den Werth des Christenthums, welches für das Handeln seiner Bekenner so wenig bestimmend ist, sehr niedrig veranschlagen. Eine Zierde des Deutschen Reichstages. Der antisemitische Reichstagsabgeordnete Pfarrer I skr aut. der Nachfolger des Abgeordneten Leuß als Vertreter des Wahlkreises Eschwege-Schmalkaden, hat vorgestern ein gerichtliches Erkenntniß „erstritten", das den Herrn in einer Weise kennzeichnet, wie dies bisher unseres Wissens noch keinem Reichsrathsabgeordneten begegnet ist. Jskraut hatte, wie wir seinerzeit berichteten, gegen den freisinnigen Profeffor Stengel, seinen Gegencandidaten in der Reichstagsersatzivahl, die Privatklage angestrengt, weil Stengel in Huntershausen im Kreise Witzen hausen am 8. Februar in einer öffentlichen Wählerversammlung über seinen Gegner geäußert hatte: Pfarrer Jskraut scheine mit der Wahrheit auf gespanntem Fuße zu stehen, denn in einer öffentlichen Versammlung in Waldkappel habe er entweder die groben Lügen eines Andern verbreitet oder sich selbst einer solchen schuldig gemacht, um einen politischen Gegner, einen kleinen Cigarrenfabrikanten in Waldkappel, um Beruf und Brod zu bringen. — Vorgestern fand vor dem Schöffengerichte in Marburg die Verhandlung in dieser Sache statt. Der Gerichtshof erkannte aus Freisprechung des Angeklagten, Professor Stengel. Das Urtheil wurde im Wesentlichen,wie folgt, begründet: Der Angeklagte habe die ihm zur Last gelegte Aeußerung zugestanden, aber geltend gemacht, daß er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe und daß er auch den Wahrheitsbeweis antreten wolle. Das Gericht habe sich den Ausführungen des AngeklagtenProsessor Stengel in allen Punkten angeschlossen. Das Gericht hat als erwiesen erachtet, daß die Aeußerung „grobe Lüge" gethan ist, daß sie aber auf Wahrheit beruht. In Wahrheit ist durch das Zeugniß des Wirthes festgestellt, daß ihm einmal der kleine Fabrikant schleckte Maaren geliefert habe und daß er, als dieser wieder kam, ihm sagte, er könne nichts brauchen, er (H.) möge nur wieder gehen. Das hat Fröhlich dem Kläger auch gesagt. Diese Worte, welche nach Annahme des Gerichts nicht mißverstanden werden konnten, rechtfertigt nicht das, was der Kläger Jskraut in der Versammlung gesagt hatte. Das Wort „einmal" besagt, daß es vor längerer Zeit und nicht neulich geschehen sei. Die Bemerkung, daß die Waare vernichtet werden mußte, deutet an. daß das Quantum ein geringes war. Es ist ein großer Unterschied, ob ein kleiner Fabrikant einmal oder aber in jüngster Zeit schlechte Maaren geliefert hat. Dadurch, daß der Kläger den Vorgang in die jüngste Zeit verlegt und von einem großen Quantum spricht, sowie durch die Angabe, daß es 40—50 Kisten waren, hat er sich einer groben bewußten und vorsätzlicken Unwahrheit schuldig gemacht. Abgesehen von dem geringen Körnchen Wahrheit, beruht seine Erzählung auf reiner Erfindung. Es ist die Bezeichnung Lüge daher berechtigt. Die Lüge ist eine grobe, weil hier unerhebliche Thatsachen aufgebauscht sind. Die Lüge

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