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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-10 · 2 (10.1.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 32 Dr. Vlvch's Wochenschrift Str. 2 da er seinem Magen die regelmäßige Verdauung des zähesten Judenfleisches zumuthet. Zweifellos wird in nächster Saison die Carlsbader Curliste den Namen dieses Herrn mit f e t t e r S ch r i f t an der Spitze aufweisen. Jeder erbliche und nicht erbliche„Führer" unserer Feinde „kämpft zwar unter anderer Devise — Befreiung vom Judenjoche, Schutz den Christen, Hebung des Klein ^ew er l es, Rettung des kleine.r Mannes und andere derartige ..Schlager" führen diese Schwester stets im Munde um den Abschaum des Wiener Pöbels, welcher seit neuester Zeit ,,das christliche Volk von Wien" pompös genannt wird — zu bethören. Alle sind jedoch nur nach einer Richtung einig — die Vernichtung der Juden, aber in der Art und Weise der ,,Abmurksung" gehen die Meinungen auseinander — jeder einzelne „Heros" wünscht für die Juden eine andere Todesart, wobei sie m punet-o Grausamkeit einander zu überbieten bestrebt sind. Dem doppelt nichtbestätigten Bürgermeister, den die nicht erhaltene Ehrenkette noch mehr^ drückt, als die ihm angedichtete Dornenkrone, ist Hängen oder Köpfen gleichviel — bfr edle Ritter von der Stampiglie, der Arm in Arm mit Krauthauf das Jahrhundert in die Schranke gefordert hätte, plaidirt für Pulver und Blei — die grausamste Todesart wird vom schwarzen Prinzen empfohlen — die schwerste Strafe, welche auf das noch schwerere Verbrechen, Jude zu sein, gesetzt werden kann, nämlich den Hungertod Ob ein solcher zu Tode gehungerter Jude, dem artilleristischen Gonrmand wohl munden würde, läßt sich freilich mit Bestimmtheit nicht sagen. Wie man sieht, hat sich das Jahr 1896 mit einer ganz neuen Art von veritablen Judenfressern in Uniform eingestellt. — Es hat aber schon früher solche gegeben, denen der „Judencadaver" nicht mehr genügte und die sich noch an der „Verfluchten Judenseele" laben wollten. — Wir würden dieses als bekannte „Kasernhofblüthe" der „Neuen Fliegenden" halten, wenn dieses arme Menschenkind, welches den Stoff für das obbezeichnete Labsal zu liefern verdammt war, uns nicht persönlich bekannt wäre. Ein intelligenter junger Maun, der für die Befähigungsprüsung zum Einjahrig-Freiwilligen vorzüglich vorbereitet war, strauchelte, weil ihn eine ähnliche Frage wie zum Beispiel „Wie viel Kilometer eine Ameise in einer Secunde auf ebenem Boden zurücklegen könnte?" vorgelegt wurde, und mußte auf 3 Jahre einrücken. Dabei wäre wohl nichts Besonderes, aber besagter junger Mann war Jude und nicht nur der einzige Sohn seiner Eltern, sondern auch der einzige Jude der Dragoner- Escadron. welcher er zugetheilt wurde. Diesen Umstand konnten seine Vorgesetzten nicht übersehen und als Garnirung zu den Püffen und Peitschenhieben bekam er noch Liebenswürdigkeiten wie: „Verdammte Judenseele" — „Hundsverfluchte Judenseele" — „der 3£. kann seinen verfluchten Judencadaver nicht aufs Pferd hinaufbringen" — u. dgl. mehr zu hören. Zum Glücke ist dieser Bedauernswerthe superarbitrirt worden, sonst würde er wohl seinem Leben ein Ende gemacht haben, um sich von diesen Qualen zu befreien. Die Herren Kameraden hätten aber dann dem in Stanislau garnisonirenden Feinschmecker als Neujahrsgeschenk diesen abgemurksten Judenjüngling sein gebraten, in Essig und Oel marinirt, schon am Sylvesterabend zum Souper serviren lassen können. Arme jüdische Soldaten! S t a n i s l a u, 1. Jänner 1896. Dmuchalski. Vom Jahrmarkt des Levens. Antisemitische Demonstration in Baden. Aus dem Curorte Baden bei Wien wird uns gemeldet: Der hiesige antisemitische politische Bezirksverein hatte unlängst Nachmittags in den an die Restauration Triemmel verpachteten Sauerhof eine allgemeine Versammlung einberufen, an welcher mehrere hundert Personen, zumeist Landbewohner aus der Umgebung von Baden und Frauen, theilnahmen. Als erster Redner sprach der antisemitische Baumeister Fall er, auf dessen Antrag ein Mißtrauensvotum für die Gemeindevertretung von Baden beschlossen wurde. Der nächste Redner, Dr. Lueger, beschäftigte sich vornehmlich mit der Person des Minister-Präsidenten und des Statthalters und erging sich sodann in heftigen Angriffen gegen die liberale Partei. Nach Schluß der Versammlung kam es zu Scenen. wie sie sich in der Periode der Frauenversammlungen vor wenigen Wochen in Wien tagtäglich ereignet haben. Man umringte Dr. Lueger und brachte Hochrufe auf ihn aus, bis schließlich die Bersammlungstheilnehmer einen Zug formirten und unter lautem Schreien Dr. Lueger über die Weilburgstraße zum Hauptplatze begleiteten, wo sich der Zug nach einer verstärkten Wiederholung der Demonstration auflöste. Diese für den Curort Baden neuartige Kundgebung hatte zahlreiche Neugierige herbeigelockt, unter welchen einige durch Pfeifen und Zischen ihrem Unwillen Ausdruck gaben. Die „Wiener Allg. Ztg." schreibt dazu mit Recht: „Und die jüdischen Sommergäste Badens? Werden sie sich nächstes Jahr wieder in die Coupes der Localzüge Wien—Baden drängen? Werden sie sich dort breit machen, wo die Gesinnung, die man ihnen entgegenbringt, fahrplanmäßigen Veränderungen unterliegt? Werden sie damit zufrieden sein, im Sommer das nützliche Hausthier, die Milch und Butter spendende Kuh zu spielen, während sie im Winter als Parasiten behandelt werden und die guten Leute um Gesetze gegen die Juden-Phylloxera petirioniren? Das wäre höchstens so zu verstehen, daß diese Juden das Gesinnungslumpenthum als international und interkonfessionell erweisen wollen. Sie sperren sich in ein Sommerghetto und lassen sich in diesem nicht nur die Haut über die Ohren ziehen, noch mehr, sie dulden es auch, daß man sie in derselben Stadt, in der sie ausgebeutet werden, als Ausbeuter an den Pranger stellt. Wahrlich, es gibt Augenblicke im Menschenleben, da man zur Ansicht gelangt, die Juden und die Antisemiten seien einander Werth". Ein antisemitischer Agitator. Der Schuster Meitner, in Baden einer der strammsten Vorkämpfer des „deutschnationalen" Einheitsgedankens und ein getreuer Anhänger und großer Spektakelmacher der Badener Deutschnationalen, welcher überall die Schlechtigkeit bekämpfen wollte und es darum leider übersah, dort mit seiner bessernden Thätigkeit zu beginnen, wo dieselbe am Nöthigsten war, nämlich bei sich selber, hat sich in Graz selbst dem Gerichte gestellt. Seit beinahe zwei Jahren wird er, nachdem er schon früher einige Denunciationen verübt hatte, wegen Unterschlagung von Geldern armer Arbeiter, wegen schwindelhaften Prellereien und Wechselfälschungen steckbrieflich verfolgt. Nachdem er sich so lange Herumgetrieben hatte, bis er aller Mittel baar war, stellte er sich selbst. Diese „Zierde" der Corruptionskämpser wird in nächster Zeit an das Wr.-Neustädter Krcisgericht eingeliefert. Wir werden daher Gelegenheit haben, über die Verhandlung, in der gar manche recht interessante Details zur Sprache kommen dürften, näher zu berichten. Die Untersuchung gegen Vergani — wegen B e r. jährung und wegen Ersatzleistung (!!!) eingestellt. Die k. k. Staatsanwaltschaft in Krems findet keinen Grund zur weiteren Verfolgung des Ernst Vergani wegen der an der Gemeinde Mühldorf begangsnen Veruntreuung, da es nicht erweislich ist. daß Vergani fü'' einen höheren Betrag strafrechtlich verantwortlich gemacht werde, als er ersetzt hat, und da diese Veruntreuungen in die 80er Jahre fallen, würden sie bei eingetretener Schadensgutmachung verjährt sein. — (!!!) Bekanntlich heißt es in dem Erlasse des n.-ö. Landesausschusses, welchen die Gemeinde Mühldorf am 10. September 1895 erhielt, wörtlich folgendermaßen: „E s b e st e h e u demnach d i e aus d e m l. i e r a m t s zur Verfügung gestandenen Rechnungs materiale eonstatirbaren Abgänge, welche Vergani zur Last fallen, aus folgenden Posten: a) der sub l behandelten Straßeusnbventi o n per 30 sl. unter der Voraussetzung, daß der Empfang derselben noch in die Amtszeit Vergani's fällt: b) den sud 4 entwickelten Ausfällen, und zwar: a) 1 Papierrente int Nominalbeträge per 100 fl.; b) 4'2% Zinsen für d i e abhanden gekotnmette Rente per 100 fl, für die Zeit vom 1. Februar 1888 bis zum Tage der Ersatzleistung; o) 4'20/g Zinsen für die übrigen 5 Stück Obligationen ä 100 st. pro 1. Februar 1888 bis 3l. Oktober 1888." Da Vergani nicht geklagt hat, so ist auch die wiederholt öffentlich von Herrn Franz Arnoscht erhobene Beschuldigung „der Veruntreuung von amtlich anvertrauten Geldern" gegenstandslos geworden, obwohl Herr A r n o s ch t

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