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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-10 · 2 (10.1.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Vloch's Wochrnsttzrifl. Seite 31 nicht haben vertreten lassen. Er beantragt die Ablehnung des Memorandums. Ludwig Krauß de Megyer nimmt für das Memorandum Stellung. Abgeordneter Dr. Soma Viso ntai führt aus, man könne ein so umfangreiches Memorandum nicht mit gutem Gewissen nach einmaligem flüchtigen Anhören verhandeln. Er empfiehlt, dasselbe möge einem Comite zur Vorberathung zugewiesen und dann von einer neuerlich einzuberufenden Lonferenz verhandelt werden. Abgeordneter Dr. Franz Chor in: In dem Beifallssturm, den die Verlesung des Memorandums zur Folge hatte, drückte sich das Gefühl aus, daß die Judenschaft nach der Reception dem Lande gegenüber Pflichten habe, und daß sie ihre Situation beklage, welche die Erfüllung dieser Pflichten unmöglich mache. Nicht wir — sagt Redner — sondern die Verhältnisse sind daran schuld, daß die Organisation nicht zustande gekommen ist. Gerade die Religionsfreiheit fordere, daß die israelitische Confession ihre Angelegenheiten regele und auf autonomen Wege bindende Normen schaffe. Dies sink wir dem Lande schuldig. Der historische Theil des Memorandums mag Manchem unangenehm sein, aber historische Facten lassen sich nicht ableugnen. Redner sieht in dem Memorandum nicht den Samen des Zwistes ausgestreut, vielmehr sporne dasselbe zur Bereinigung an. Die Organisation müsse obligatorisch sein; hätten die Protestanten sich auch so organisirt daß nur Derjenige der Organisation beigetreten wäre, der wollte, so hätten sich niemals jene mächtigen culturellen Institutionen schaffen können, deren sie sich heute erfreuen. Die Bereinigung der beiden Schattirungen (der Neologen und Orthodoxen) hält Redner im Interesse der Judenheit und des Landes für nothwendig. Indem die Judenheit als eine Confession recipirt wurde, ward damit ausgesprochen, daß es nur eine und ein- Zeitliche Judenheit gibt, die nur einheitlich organisirt werden könne. Wir können nicht dulden, daß zwischen Juden und Juden ein Dritter Schiedsrichter sei. Der Redner, dessen aufmerksam angehörte lichtvolle Ausführungen sehr oft durch stürmische Beifallsbezeugungen unterbrochen werden, empfiehlt schließlich das Memorandum zur Annahme. Rabbiner Dr. Armin P e r l s (Fünfkirchen) acceptirt das Memorandum in allen seinen Theilen. Abgeordneter Dr. Julius R o s e n b e r g hält den Moment für schlecht gewählt. Jetzt seien die Gemüther noch erhitzt, es empfehle sich nicht, die allgemeine Aufmerksamkeit jetzt auf die jüdischen Angelegenheiten zu lenken. (Lebhafter Widerspruch.) Dieser Ansicht sei man auch competentesten Ortes. Warten wir noch zwei, drei Jahre. (Widerspruch.) Abgeordneter Dr. Moriz Mezei kehrt auf dos 1868er Programm zurück. Drei wesentliche Punkte gab es damals: 1. Die Wahrung der Einheit der jüdischen Confession: 2. welche Organisation immer geschaffen wird, dürfte dieselbe auf religiöseAngelegenheitenkeineJngerenz nehmen; 3. die Regelung des Verhältnisses der Confession gegenüber dem Staate auf rein autonomem Wege. Diese drei Punkte müssen auch jetzt vor Augen gehalten werden, möge welche Organisation immer zustande kommen. Das auf dem Tapet befindliche Memorandum wollen die Districtspräsidenten einreichen; wir haben nicht das Recht, das zu verhindern, wir können nur unsere Meinung darüber äußern. Hauptsache sei die Wahrung der Einheit der Confession, deshalb sei die Z ustimmung der Legislative zur Einberufung des Congreffes erwünscht. Redner empfiehlt das Memorandum. (Beifall.) Noch ist eine Reihe von Rednern zum Worte vorgemeldet, darunter Adolf Fenyvessy, Professor Moriz KärmLn, Dr. Berenyi; allein da die Zeit schon sehr vorgerückt ist, verzichten dieselben auf das Wort, und nachdem noch Dr. Martin F o d o r (Karczag) als Vertreter einer orthododox-'n Gemeinde gesprochen, wird — unter Ablehnung sämmtlicher Vertagungsanträge und Amendements — das Mem orandum nahezu einstimmig angenommen. -i- * * Hierauf wurde von Dr. Joseph Simon folgender Antrag vorgelegt: Zum Andenken daran, daß die israelitische Religion in die Reihe der gesetzlich anerkannten Religionen ausgenommen wurde, sollen die ungarländischen Israeliten einen öffentlichen Fond schaffen. Die Bestimmung dieses öffentlichen Fonds sei die Verwirklichung jener Ziele, durch welche die Entwicklung des ungarischen Judenthums im nationalen Geiste gefördert wird. Seine Aufgabe sei besonders: a) die Unterstützung armer Religionsgemeinden und deren Angestellten (Diener, Lehrer, Cantoren u. s. w.), wie auch des für diese zu schaffenden Pensionsinstituts; b) die Erhaltung von Stiftungsplätzen, die Verleihung von Stipendien und Prämien; e) die Schaffung solcher humanitärer und cultureller Institutionen, zu deren Errichtung und Erhaltung die einzelnen israelitischen Religionsgemeinden nicht über die genügenden materiellen Kräfte verfügen. Die Stiftungsplätze und Stipendien, welche aus den Einkünften dieses öffentlichen Fonds erhalten werden, find den würdigsten Bewerbern, ohneRücksicht auf ihre Religion, zu verleihen. Ebenso sind die Wohlthaten der aus dem öffentlichen Fonds erhaltenen Humanitären und Lehranstalten den sich meldenden ohne Unterschied der Religion zu Theil werden zu lassen. Hinsichtlich der Bestimmung der ordentlichen Einnahmen des öffentlichen Fonds, wie auch der detaillirten Feststellung seiner Zwecke wird die Landesversammlung (Congreß) der Israeliten zu verfügen berufen sein. Da es jedoch von der Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen zu erwarten ist, daß sie durch das Anerbieten von Stiftungsbeträgen bestrebt sein werden, die Schaffung des öffentlichen Fonds je eher zu verwirklichen, wird insolange, bis die Landesversammlung (Congreß) des vaterländischen Judenthums nicht präciser verfügt, der Vorstand des Budapester (sechsten) israelitischen Districtes damit betraut, die einlangenden Stiftungen und Spenden zu übernehmen und zu verwalten, die einfließenden Beträge zu einem der oben erwähnten Zwecke der öffentlichen Fonds zu verwenden und behufs gemeinsamen Vorgehens die Mithilfe hervorragender Glaubensgenossen sich zu erbitten. Nachdem Dr. K a rm an,Ludwig Kva u ß d e Megyer, Max Szab olcsi und Kn nfi zur Sache gesprochen, wurde der Antrag behufs entsprechender Beschlußfassung an die Versammlung der Districtspräsidenten geleitet Der Präsident schließt hierauf die Sitzung, indem er den Erschienenen für ihre Ausdauer und ihren Eifer dankte. Die Conferenz war gegen halb 8 Uhr zu Ende; die Mitglieder derselben verfügten sich hierauf in einen benachbarten Saal, wo für sie ein reiches Buffet aufgestellt war. Militärische antisemitische Gourmandisr. Wenn man eine Reise thut, so kann man was erzählen. — Ohne diese würde man niemals erfahren, daß zu den bisher bekannt gewordenen Abarten des Judenhasses, als da sind: Antiliberale. Feudal-Clericale, Christlich-Sociale rc. auch noch im fernen Osten „Cannibale" aufgetaucht sind, welche es zwar ebenfalls auf die Vertilgung der Juden abgesehen haben, jedoch in sehr praktischer Form, indem sie die erschlagenen Juden, wenn diese appetitlich zubereitet sind, behaglich verspeisen wollen. Die neue Species, benannt: „Militärisch-antisemitische Cannibale",scheinen uns also zum Fressen gerne zu haben, da der k. u. k. Oberlieutenant R . . .k der hier garnisonirenden 47. Batterie-Division, den Restaurateur Königsf et b, bei seinem Eintritt in das Locale mit den Worten apostr ophirte: „Geben sie mir einen gebratenen Juden in Essig undOelmarinir t", dabei hielt der Herr Oberlieutenant Umschau unter den anwesenden semitischen Gästen, zumeist wohlgenährte Doctoren, gleichsam um den appetitlichsten von ihnen, zum Souper zu verspeisen. Ein im Locale zufällig anwesender Wiener nahm sich die Mühe, die Speisekarte sorgsam zu studieren, fand aber auf derselben die vom Herrn Öberlieutenant verlangte Delicatesse nicht vor, dieses ist umso bedauerlicher, als es nicht bekannt werden konnte, ob auch ein nicht uniformirter Normalmensch sich den Luxus eines gebratenen Juden in Essig und Oel gönnen kann, und ob die Nationalität des zu verspeisenden aus den Preis irgend welchen Einfluß hat. Am billigsten scheinen doch die polnischen zu sein'und muß besagter Herr Oberlieutenant die Heilkraft des Carlsbader Sprudel niemals in Anspruch genommen haben,

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