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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-03 · 1 (3.1.1896) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
1 (3.1.1896)
Date
1896-01-03
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Bloch's Wochenschrift. hofmeisterin und ich stritten über eine Frage der Etikette. Das Erscheinen Euer Majestät überhebt uns aller Schlvierigkeiten. Ich war nämlich so glücklich, im Park etwas zu finden, das für die Augen und das Herz meiner allergnädigsten Gebieterin bestimmt ist und wahrscheinlich vom Verfasser selbst verloren wurde. Ihre Excellenz meint, es schicke sich nicht für mich, Euer Majestät etwas zu überreichen, was ein Anderer und zu anderer Zeit überreichen sollte". „Was ist's denn?" fragte die Kaiserin und langte darnach. „Euer Majestät", versetzte Störk und ließ sich bei der Uebergabe der Schrift auf ein Knie nieder, „ein Gnadengesuch das dreiundzwanzigste in der Reinhardt'scheu Angelegenheit". „Wie", rief Maria Theresia unwillig aus und trat einen Schritt zurück, „läßt man noch nicht nach, mich für diesen Menschen um Barmherzigkeit zu bestürmen?" „Majestät", sagte der Leibarzt noch immer knieend, „ich habe es gewagt, einen Blick in die Schrift zu thun; sie ist feurig, aber anständig geschrieben, von Jemand, der der ganzen Sache ferne steht, und nur im Namen des Publicums das Wort ergreift; offenbar ein Mann, der philosophisches Denken und religiöses Fühlen in sich vereinigt, der mit den Bildern der alttestamentarischen Propheten vertraut und das Maß der classischen.Schriftsteller kennt. Ganz gewiß aber ist der Versaffer auf den allertristigsten Grund der Befürwortung verfallen, auf einen Grund, den keiner seiner Vorgänger angeführt hat und auch keiner anführen konnte, denn dieser Grund zur Begnadigung ist erst seit gestern eingetreten". „Geb' er her!" rief die Kaiserin lebhaft., „was ist das für ein Grund? Steh' er auf und zeig' er mir den Grund". „Wenn ich mich recht entsinne", entgegnete Störk sich aufrichtend, „so befindet er sich fast schon am Ende des ganzen Gesuches. Erlauben Euer Majestät, daß ich nachsehe. Ja, richtig, hier unter Nummer 6." „Les' er mir das vor!" „„Weil der Berurtheilte die Qualen des Todes durch die schaudervolle Ankündigung seines Endurtheils und durch die fürchterliche Zubereitung zu demselben bereits ganz empfindet."" „Da steht noch etwas, weiter!" „,»Folglich 7. der Endzweck der Strafe, das Beispiel für Andere, nicht verfehlt, sondern der strengen Gerechtigkeit schon ein großes Opfer gebracht worden. — Noch nie war man mehr von der Gewißheit überzeugt, daß der Verbrecher den Tod verdient habe, als bei diesem, aber — darf ich's sagen? — noch nie hat man zuversichtlicher der Gnade entgegen gesehen. Alles wünscht, Alles hofft — Erbarmen für diesen Unglücklichen. Ein dankbares Jubelgeschrei für Theresiens höchstes Wohlergehen wird dafür durch die Wolken zum Thron des Ewigen dringen und Gott wird eine Handlung segnen, die ein Abglanz seiner ersten Eigenschaft ist."" „Ist er zu Ende?" „Ja, Eure Majestät!" „Wer ist der Bittsteller?" fragte die Kaiserin und richtete ihren durchdringenden Blick auf den Leibarzt. „Auf mein Gewiffen. Euere Majestät, ich glaube den Mann gesehen zu haben, der dieses Papier verlor, aber ich sah ihn nur von rückwärts und habe keine Ahnung, wer er ist." „Hat er, Baron Störk, der das Zeug so geläufig herunter liest, nicht die Hand dabei im Spiele?" „Ich würde es nicht leugnen, Euer Majestät, wenn es der Fall wäre; diesmal aber hat mir der Rathschluß des Himmels und nicht meine eigene Weichherzigkeit zu einer Bittschrift verholfen und somit hat mir Gott selbst das Leben des mir ganz fremden Reinhardt auf die Seele gebunden, und ich erachte mich ihm für jede Unterlassung verantwortlich, wodurch ich das mir von ihm gleichsam anvertraute Leben gefährde." Maria Theresia sah ihren Leibarzt betroffen an. Seine begeisterte Sprache brachte sie in Aufregung und sie sagte: ,Jch will mir's doch noch einmal überlegen." Sie las das ganze Schriftstück durch, es stahl sich dabei eine Thräne in ihr Auge, dann schritt sie mit dem Papier in der Hand in ihr Gemach zurück. „Wartet und schweigt!" waren ihre Worte, als sie hineinging. Seite 19 Nach einer halben Suinde ungefähr lliugeue cne Monarchin. Tue KanuueLsi.au .'ttw hrueur. i-ü.. danf stürzu' itc wieder heraus. „Ich muß jutieiu lassen", ries sie außer Arnem. „Ihre Majestät schickt erm Esiaseue iu e.Stad.. Sie läßt Herrn Baron ersuchen, bei ihr elnzulreteu." Dam:: rssuete sie die Thür und der Leibarzt verrat das UrbrttSzlmmer: der Kaiferm. Die Kammersrau eilte aber noch, .-.-oor sie die Beseyie der Monarchin weitergab, an bas fünfte Feup.r des rechreu Flügels und warf ut ihrer Freude ci::cu ganzen Blumentopf hinab. Neuburg, der auf ein-.r Garrenbank harrend laß, :oarselig in viesenl Augeubliäc. Er machte sich unrr auf den Heimweg uuö es begannen für ihn Stunden oäugen Zwcrsils. 3päi Abenos enj-.e'a >.r endlich ein Schreiben voll der lpofralhin nur einem e-nrgeschloffenen Biller der Kammersran an sie. Ee eiuuahm daraus, daß die Kaiserin dem Just'.zpräfioeuteu eie schieiu.-gste Untersuchung der in der Bittjchrrst angegebrinn Gründe, anbesvhren habe. Nach einer schlaflosen iUaai lchm^fle er am iiücasien Tage von früh Morgens an in der Nahe des Hohen Marktes herum, uru zu warten bis die Blmfahne auf rem Schrannen- Hause eiugezogeu wird, das Zeichen der Begnadigung. Es lvaro Mittag, es ward eu: Uhr — dre Blutfahne wehte noch. Schon bemächtigte sich des junges Mannes beinahe die Verzweiflung des M: zttngens seines Werkes, als euDbai — die Blutfahne v.rlchwnao uub er nur einem Schrei der Freude auf offener Straße die Hände zum Gebet sattere. Nach und nach und theitwerse geraunten die Elnzclyei:eu dieser Begnadigung in's Pudueniu. Man erfuhr auch, oaß die Kaiserin sich nach dem Verfasser dringend erkundigt und d.c Weisung gegeben habe, ihn zu crrribck-benn sie runffe den kennen lernen, der so viel WeUschw.rz sich anfgehäusl har, als sich zwischen den Zeilen dieses Ge-juche» Lu fr mach.', ul:, der so isolirt ist, daß er sich auf so hohe Zinne der Men ichheit stellt, von der er auch auf die Kaiser-in hrradiehcu rau;.. Nach zehn Tagen wurde Nenbn.g znnr Grasen Herberstein gerufen, wo ihm der zu seinen Eunj..n ausgefallene Bescheid in seinem Processe beim Retchshofearbe ausgefolgt wurde, zugleich aber auch d>.r Besihl, Wien;cfcxi zu verlassen. Der Bankier Palm hatte ihn als den Schreiber des Gnadengesuches verralysn. In der Abendgesellschaft beim Hofrath 0..üner herrschte heute wieder Verstimmung, die nicht behob.:, rr-.rdeu konnte, weil die Hausfrau selbst von ihr am fitiiffiel: t-vgirffeu war. Literatur. Tie Nnstcrblichkeitslehre bei den jüdischen Philosophen des Mittelalters. Bon rir. Bernhard T e >n p t e r, Rabbiner. Leipzig und Meu, IÜP5 chBreueusie-u). Der Verfasser sie Nt sich die Ausgabe, eie Systeme der betendsten jüdischen Philosophen des Mruclalre^-, k. t>. von Saatua bis Maimonides, hinsichtlich ihrer Stellung zu dcr Unsterblichkeilslehre einer eingehenden Prüfung zu unrerz-uh-n. Das tt-eraäuniß zu Bibel und Talmud in Bezug aus die llnsierbUchtHtssr.ige Narzulegen, bildet eine besondere Aufgabe der Aibcil. TU> Luttruuug bcichüingr sich eingehend mir dem U nsi e rb l i ch ke i: s g laube:: in B:btt und Talmud. Ob es dem Verfasser wirklich gelungen ist, zu Zeigen, das; der Glaube an individuelle Unsterblichkeit sich aus oer Bibcl Nachweisen lasse, lassen wir dahingestellt. Ter objeclive tteser wird immer den Eindrnck empfangen, als wenn die zur Beweisführung angesichtten Stellen nur durch Midraschdenrung wirklich bew.i'elrd erscheinen, der einfache Wortsinn ergibt nie ein positives Resultat. Tie Vorstellung des scheol ist entschieden heidnisch gefärbt und darf an keiner Stelle wörtlich genommen werden. Das gilt sowohl von der Bibel als auch vom Talmud, dessen lieb e n f a ch c s Ü5 e li i it n o n' ciu gemeinstmirischer Mythos ist, der sich von der u l t b n b y i o n i s e n Sage bis Dante versolgen läßt. Die Sveculi.t'.oren des Talmuds über Unsterblichkeit sind, bei ttichl gesehen, rein agabi fusch, wenn auch nicht geleugnet werden kann, das, in ziemlich srühtalmnvischer Zeit oich'er Glaube als Dogma gegolten hat. Nach dieser Einleitung gebt der Veriaiser die Philosophen der Reihe nach durch — warum fehlt Ioieph iba Zadik'? — und jrblt mit genauen und sorgfältigen Qn e ll e n nucbWeitungen die Unslerblichkeitslehre bei Saadia, Gabirol, Bachja, Jehuda ha ttvi, r'.br. ibn Esra, Abr. ibn Dand und Maimnn: in übersichtlicher und gründlicher Weise dar, Die specisischen Unterschiede der einzelnen!enter werden genau markirt. Es ist sicher, daß diese bündige Tarsi.ttuuig für der: eingeweihten Leser eine angenehme Reeapitnlatio!: sein wird.

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