Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 1 (3.1.1896)
- Date
- 1896-01-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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«Seite 12 Dr. Vwttz^s WoGeuschM. ben friedfertigen Sinn des Verblichenen,.seine warme, väterliche Fürsorge für die Gemeindeangehörigen. Adolf Feld mann ist tobt! Aber fern Andenken wird noch lange fortleben, nicht nur im Herzen seiner Verwandten und Freunde, ai:ch im Herzen der Armen und Bedrückten, denen er in jeder Lage ein Helfer, ein Berather, ein Freund war. Nie gab es in der Gemeinde einen Freud- oder^ Leidfall, bei welchem er nicht herbeieilte, um wie ein Vater herzlich an demselben theilzunehmen! Cfsegg. Ueber das Leichenbegängniß des verstorbenen Oberrabiners Dr. Samuel Spitzer wird gemeldet. Die Leiche wurde Früh im Tempel aufgebahrt. Mitglieder des Heiligen Brüder-Vereines versahen daselbst die Ehrenwache. Lange vor der anberaumten Stunde hatte sich im Tempel nebst den vollzähligen Leidtragenden eine dichtgedrängte Menschenmenge eingefunden. Alle von Rang und Namen waren hier vertreten. Wir bemerkten unter den Trauergästen u. A. die Herren: Olergespan Dr. Theodor Graf Pejacsevich, Vicegespan C h a v r a k, Bürgermeister Grass an der Spitze zahlreicher Magistrats-Beamten und Gemeinderäthe, Abt Masper, die Dechante Horvat, Firinger, Pastor P i n d o r und Proto Janosevic, Finanz-Director kgl. Rath E x n e r, Gerichtshof-Präsident S t e f a n o b i c, Staatsanwalt Marko v a c, Bezirks-Vorstand Krsn j avi, die Directoren sämmtlicher Lehranstalten, die Directrice der höheren Töchterschule Frl. P i n t e r o v i c, mehrere Honved-Officiere, Deputationen aller hiesigen Frauen-Bereine, dann die Essegg-Unterstädter israelitische Cultus-Gemeinde, geführt durch ihren Vorstand Herrn Carl Haberfeld und Joses Kellner, ferner die Unterstädter „Chewra-Kadischa" unter Führung ihres Vorstandes S. Wolf und noch v. A. Punkt ya10 Uhr begann im Tempel die Trauer-Ceremonie, zu welcher die Rabbinen Dr. I a c o b i (Agram), Dr. Julius Diamant (Bukovar). Dr. Armin P e r l e s (Fünfkirchen), Dr. K a u f m a n (Beröcze), S. Winter (Nasic), und Neumann (Binkovce) durch den Vorsteher-Stellvertreter Julius M i s k o l c z y und die Vorstands-Mitglieder Oscar Weißmayer, Josef Kunetz und Secretär Schwarz eingeholt wurden. Die Einsegnung der Leiche nahm Rabbiner Dr. Jacobi unter zahlreicher Assistenz vor. Nach der kirchlichen Ceremonie, welche durch Absingung des Trauer-Chorales von ergreifender Wirkung war, hielten zuerst der Agramer Rabbiner Dr. Jacobi eine kroatische, hierauf der Vukovarer Rabbiner Dr. Diamant eine deutsche Trauer-Predigt, welche die zahlreichen Leidtragenden, sowie die Trauergäste zu Thränen rührte. Erst gegen 11 Uhr war die Trauer -Ceremonie im Tempel zu Ende. Der in einem einfachen Holzsarge ruhende Metallsarg wurde hierauf durch Mitglieder der „Chewra-Kadischa" auf den vierspännigen Leichenwagen getragen. Dem Leichenwagen folgten die in Schmerz aufgelösten zahlreichen Angehörigen des Verewigten und die Mitglieder der Oberstädter israelitischen Gemeinde mit dem Vorstand-Stellvertreter Julius Miskolczy an der Spitze. Der Schuljugend reihten sich die Rabbinen an, diesen folgten die Honoratioren und Deputationen und ein unübersehbares Publicum. Zu beiden Seiten des Leichenwagens schritten je 12, vor demselben 24 Gemeinde-Mitglieder. Der imposante Leichen-Conduct langte endlich gegen V«12 Uhr am Friedhofe an, wo der Sarg abermals durch Mitglieder der „Chewra-Kadischa" gehoben und zum Grabe getragen wurde. Nach dem Gebete der Cantoren sang der Gesangs- Verein der Mittelschulen einen Trauer-Choral ab. worauf die Herren Rabbiner Dr. Roth aus Doklos, dann Dr. Jacobi und Dr. Diamant und schließlich Herr Julius Miskolczy der Reihe nach dem Verstorbenen am offenen Grabe tiefempfundene warme Worte widmeten. Besonders ergreifend war die Betheiligung der Priester aller Culte an dem Leichenbegängnifle. Dies ist ein Beweis, daß hier echte Brüderlichkeit und seltene Eintracht unter den verschiedenen Confessionen besteht. Beileidskundgebungen kamen aus allen Landern Europas. London, Paris und Halle-Leipzig > sandten herzliche Cond olenzen. Eine Dr. Samuel Spitzer-Stiftung wurde errichtet, zu welcher alle Kreise der Bevölkerung beitragen. Selbe hat schon die Höhe von 600 fl. erreicht. Aus der Danksagung der Gemeinde ist zu ersehen, wie großartig die Betheiligung an der Leichenfeier war. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde publicirt nachstehende; Nr. 1 Danksagung. De r Bor stand der. i sra e l i t i s che n Cul tu sg em e in d e E ss e g g -- Ob ersta d t spricht seinen tiefgefühlten Dank all Denjenigen aus, die durch ihr Erscheinen bei den Trauerfeierlichkeiten unseres dahingeschiedenen allverehrten Oberrabbiners Herrn Dr. Samuel Spitzer ihre Pietätvolle Theilnahme an unserer tiefempfundenen Trauer kundgegtbei, haben, namentlich aber den Vertretern der Civil- und Militärbehörden, den Jnspectoren, Directoren und dem Lehrkörper der hiesigen Volks- und Mittelschulen, sowie den hochwürdigen Herren Priestern der christlichen Confessionen. Insbesondere hat die Mitglieder unserer Cultusgemeinde jener Geist liebevoller und humaner brüderlicher Gesinnung lebhaft gerührt, welcher dadurch zum Ausdrucke kam, daß die hochwürdigen Herren Priester aller christlichen Confessionen und infolge der edlen Impulse der hiesigen Schulvorstände die Schüler der Volks- und Mittelschulen ohne Unterschied der Consession an den letzten Ehrungen unseres verstcrbenen edlen Seelsorgers theilgenommen haben. Tiefergriffen durch diesen Beweis humanen, brüderlichen Zartsinnes, gibt der gefertigte Cultusvorstand in Namen aller seiner Mitglieder der Versicherung Ausdruck, daß dieselben es stets als eine Ehrenschuld betrachten werden, diese brüderlichen Gesinnungen aus ganzem Herzen zu erwidern. Unseren besonderen Dank sprechen wir zum Schluffe dem Studenten-Gesangsverein aus, welcher mit seinem schönen Gesangsvortrage an der Feier mitgewirkt hat, sowie auch den Herren Kaufleuten, welche ohne Unterschied der Consession während der Leichenfeierlichkeiten ihre Geschäfte gesperrt hielten. . Essegg, am 19. December 1895. Der B o r st a n d. Nikolsburg. Bei dem allgemein zu beobachtenden Niedergange jüdischen Lebens ist es doch erfreulich, von dem echt jüdischen Geiste berichten zu können, der in einer Landgemeinde wach und rege ist. Ich bin weit entfernt, dem Beispiele vieler Lobredner zu folgen und zu übertreiben. Bei aller Bescheidenheit kann man sagen, daß unsere Gemeinde, obzwar auch sie den alten Glanz nicht mehr aufzuweisen hat, dennoch mustergiltig zu nennen ist; denn sie ist fromm; Sabbathe und Feiertage werden strenge beobachtet, die Synagogen fleißig besucht und ein besonders erfreulicher Anblick ist die Schaar der Kinder, welche täglich zum Gel eie erscheint. Der hebräische Unterricht, welcher nach den Lehrplänen les Herrn Rabbii,rs Feuchtwang an Volks-, Bürgerschule und Gymnasium er heilt wird, hat sich in den letzten drei Jahrer bedeutend gehoben; es ist ein anderer Geist in die gesäumte Jugend gekommen. Die Schüler dir genannten Anstalten versammeln sich an jedem Sabbath zu öffentlichem Gottesdienst in der Hauptsynagoge. Talmudunterricht für Anfänger wird tätlich von einem Lehrer i nd im Bethamidrc.sch täglich für Fortgeschrittene vom Rabb'ner ertheilt, welcher auch einen Schiur für junge Kaufleute am Sabbath liest. Der Verein „Zion zur Pfleee der Wissenschaft des udenthums" besteht nun drei Jahre und die Gründung des Herrn Rabbiners Feuchtwa' g bewährt sich vortrefflich. Die jüng' e Generalversammlung bewies das Interesse, welches die Gemeinde diesem Vereine entgegenbringt, welches der einzige dieser Art in Mähren ist. Im eigenen Locale werden in zwei Wochen Versammlungen abgehalten, zu denen auch Damen erscheinen, um sich durch Borträge belehren zu lassen. Im Bethamidrasch liest auch der 81jährige Dajin der Gemeinde zweimal in der Woche Schiur. Die Bethamidrasch-Bibliothek wurde neu geordnet und katalogisirt. Die rituellen Anstalten der Gemeinde wurden reorganisirt uud unter strenge Controle gestellt. Dies alles ist der Thatsache zu verdanken, daß unser Rabbiner in allerdings sehr unmoderner Weise, seine Aufgabe nicht im Predigen allein oder gar im Halten von Leichen- und Hochzeitsreden erblickt, sondern in der wirklich religiösen Erziehung und Unterweisung von Groß und Klein, und daß „Verdienen" in seinem Lexicon nicht zu stehen scheint, er vielmehr als einziges Verdienst ernstwissenschaftliche Arbeit und seelsorgerische Thätigkeit in ausgedehntestem Maaße betrachtet. Wohlthätigkeit wird hier abgesehen von dem Gemilus- Cheser-Bereine, privatim reichlich geübt. Ein vom Herrn Rabbiner gegründeter Hachnosas-orchim-Berein sorgt für würdige Durchreisende, zwei auf Anregung der Frau Rabbiner gegründete Frauenvereine üben schönste Liebeswerke, ein Malbisch- Arumim-Berein sorgt für Bekleidung und Beschuhung armer