Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 1 (3.1.1896)
- Date
- 1896-01-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 1 Dr. Bloch's Wochenschrift und ihm den erledigten Red actionsp osten bei unserem Blatte anzubieten. Um stilles Beileid und verstärkles Abonnement bitten Verlag und Redaction. In derselben Nummer der „Lustigen Blätter" finden wir ferner nachstehende Notiz: Der Präsident C l e v e l a n d hielt jüngst eine Rede, in welcher er aus handelspolitischen Ursachen sehr grob gegen Deutschland wurde. Von seiner Umgebung auf das Unpassende seines Benehmens aufmerksam gemacht, meinte er: „Ach was! Die Deutschen lassen sich ja doch Alles gefallen!" Aber schon am nächsten Tage widerrief er diese Aeußerung. „Ich habe etwas Entsetzliches erfahren," jammerte er, „die Deutschen rächen sich in fürchterlicher Weise an den Amerikanern — sic haben uns soeben den Ah l ward t herübergeschickt." Cin jüdischer Soldat. Der Hamburger St. Pauli- Turnverein veranstaltete, dem „Frdbl." zufolge, am Freitag, den 6. Decemb.r, Abends, im Anschluß an ein Riegenturnen, zum Andenken an den am 8. December 1870 bei Meung gefallenen ehemaligen Turnwart Ferd. Danzig er eine Erinnerungsfeier, bei der sich außer den activen auch eine große Anzahl der alten Mit lieber, unter denen besonders die Ehrenmitglieder, Herren F. W. Kahler, C. L. Stendke und Z. Wich er s bemerkt wurden, eingefunden hatten. Nachdem die Vereinsliedertafel Quartett „Jahn" unter der Leitung ihres Dirigenten Herrn Herrn. Tecke die Feier mit dem Vortrag des Silcher'schen „Bardenchors" eingeleitet hatte, nahm der erste Vorsitzende des Vereines, Herr Oberlehrer Dr. H. H a h n. das Wort, um den ehemaligen Turngenoffen in längerer Rede zu feiern. Im Jahre 1866 von Königsberg nach Hamburg gekommen, trat D a n z i g e r alsbald dem St. Pauli-Turnverein bei. wo man ihn zunächst als tüchnge turnerische Kraft und bald auch als pflichttreuen Vorturner und Turnwart schätzen lernte. Aber nicht nur im Kreise des Vereines suchte und fand er ein reiches Arbeitsfeld, auch außerhalb desselben im Gau wirkte er. Schaffte er so mit nimmerrastendem Fleiße für das praktische Turnen, welche nur durch die Feier des hohen Festtages, des Versöhnungstages, unterbrochen wurde, so verstand er es nicht minder, die Erzeugung seiner poetischen Gestaltungskraft meisterhaft zum Vorträge zu bringen und die unter seiner Leitung veranstalteten Commerse und Stiftungsfeste des Vereines. wo er auch als tüchtiger Darsteller wirkte und gelegentlich eines solchen Festes einst den Heldenjüngling Theodor Körner darstellte, waren stets genußreiche. Als der Kampfesruf eischoll, folgte er dem Rufe freiwillig, gleich wie er diesem 1866 pflichtgemäß gefolgt war, trotzdem ihn ein im Aufschwung befindliches Geschäft und zarte Bande hierorts fesselten. Leider sollte auch er zu Denen gehören, die nicht zurückkehrten; die Todesahnung, die er schon lange mit sich herumgetragen, wurde bei Meung zur Gewißheit, und als die Nachricht von seinem Tode eintraf, war die Trauer eine tiefe und wahre. Hierauf überreichte das alte Ehrenmitglied und der Mitbegründer des Bernnes, Herr C. L. Stendke. im Namen der „alten Turnerbrüderschaft" einen mit Widmung versehenen Lorbeerkranz, indem er in kurzer Rede darauf hinwies, daß schon 1813 deutsche Turner zu Deutschlands Vertheidigung eingetreten wären und derselbe Geist auch 1870 mitgewirkt hätte. Mit der Bitte und Mahnung, daß Niemand sich zu gering und klein halten sollte, hierbei mitzuwirken und der alte, gute Geist, der den Verein von Anfang an beseelt hat, auch ferner erhalten bleibe, endigte Redner mit einem dreifachen „Gut Heil!", in welches man allseitig freudig eirstimmte. Neben dem eichenlaubbekränzten Bilde Danziger's prangte ein vom Ehrenmitgliede I. Wich ers den „Manen Danziger's" gewidmetes, formvollendetes Gedicht. Kein Heine-Denkmal in Newyork. Der Newyorker städtischen Parkcommiffion, welche ihre Genehmigung zur öffentlichen Aufstellung des H e r t e r'schen Hein e-Denkmals in Newyork zu geben hatte, war ein Protest von dem Vorsitzenden der „National Sculpture Society“ Herrn Sturgis zugegangen, der aus angeblich ästhetischen Gründen die Verweigerung der Aufstellung befürwortete. Der Protest wurde zunächst zu den Acten gelegt und das Comite, welches das Heine-Denkmal für Newyork erworben, bemühte sich, Herrn Sturgis von der Grundlosigkeit seiner Bedenken zu überzeugen. Nachdem dies jedoch nicht gelungen, hat das Comite auf die Aufstellung verzichtet und sein der Parkcommiffion gemachtes Anerbieten zurückgezogen. Das Hein e-Denkmal wird somit auch in Newyork nicht zur Ruhe kommen. Was nun aus dem Denkmal werden wird? Nach der „Newyorker Staatsztg." wäre es ein poetischer Gedanke, die edlen Marmorfiguren im Rhein zu versenken. Wahrscheinlich wird das Denkmal aber doch noch Aufstellung in Amerika finden. Brooklyn» die Schwesterstadt Newyorks, bewirbt sich bereits darum, den Loreleybrunnen beherbergen zu dürfen. Correspondenzen. Wien. (Schulbehörde und Hetzcaplan.) Dem Wiener Bezirksschulrathe liegt gegenwärtig eine Angelegenheit zur Entscheidung vor, welche geeignet ist, ein lebhaftes Interesse in Anspruch zu nehmen. Bekanntlich hat anläßlich der im September d. I. stattgefundenen Gemeinderathswahlen im Bezirke Leopoldstadt der Kooperator an der Pfarre St. Josef, Pater Dittrich, der gleichzeitig auch als. Katechet an zwei Bürgerschulen des Bezirkes thätig ist, eine überaus intensive agitatorische Thätigkeit entfaltet, welche den genannten Priester gewissermaßen als die leitende Seele der von den Christlich- Socialen und Antisemiten geführten Wahlcampagne erscheinen ließ. In einer damals abgehaltenen Wählerversammlung nahm der Bezirksausschuß und Arnienrath Thyam, welcher als Gemeinderathscandidat für den dritten Wahlkörper aufgestellt war, Anlaß, in scharfer Weise das unwürdige und verhetzende Treiben des Cooperators Pater Dittrich zu geißeln, durch welches die Gefühle jenes großen Theiles der christlichen Bevölkerung, welcher den antisemitischen Agitatoren nicht blindlings Heersolge leisten wolle, auf das Tiefste verletzt werden. Unter allgemeiner Zustimmung der Versammlung gab auch der Redner dem Befremden darüber Ausdruck, daß dieses Treiben von maßgebender kirchlicher Seite geduldet werde. Kurz nach Abschluß der Wahlcampagne richtete Bezirksausschuß Thyam an den Ortsschulrath des Bezirkes Leopoldstadt eine Eingabe, in welcher er, hinweisend auf die von ihni gemachten Aeußerungen, erklärte, den documentarischen Nachweis für die verhetzende agitatorische Thätigkeit des Pater Dittrich antreten zu wollen. Dieser Nachweis besteht in einem Briefe des Cooperators an den antisemitischen Gastwirth Straß er, welcher durch das sehr detaillirte Eingehen des Verfassers auf intimste Agitations- Details denselben als unzweifelhaften Chef der antisemitischen Agitation erscheinen läßt. Da nun — führt die Eingabe aus — Pater Dittrich auch in der Eigenschaft eines Katecheten an öffentliche Schulen fungirt und das Verhalten ihres Religionslehrers, zu welchem die Kinder mit besonderer Verehrung emporblicken, beispielgebend für die Jugend ist, könne eine derartige agitatorische Wirksamkeit nur den Frieden in der Bevölkerung stören und wird deshalb der Ortsschulrath ersucht, in pflichtgemäßer Erfüllung seines Amtes auf die Abstellung dieses Uebelstandes hinzuwirken. Diese Eingabe wurde sofort der competenlen Schulbehörde, den Wiener Bezirksschulrath, übermittelt. Inzwischen hat auch der Leopoldstädter Ortsschnlrath in seiner letzten Sitzung zu dieser Angelegenheit Stellung genommen. Der Obmann-Slellvertreter H e l b i g führte aus, daß durch die nachgewiesene verhetzende Thätigkeit das Vertrauen der Bevölkerung in die katechetische Lehrtätigkeit des Pater Dittrich tief erschüttert werde und die Gefühle des fortschrittlich gesinnten Theiles der Bevölkerung empfindlich verletzt werden. Mit Rücksicht auf diese Uebelstände wurde über Antrag des Obmann-Stellvertreters Helbig der einstimmige Beschluß gefaßt, den Wiener Bezirksschulrath zu ersuchen, die erforderlichen Schritte beim fürsterzbischöflichen Consistorium einzuleiten, damit der Cooperator Pater Dittrich von der Ertheilung des katholischen Religionsunterrichts an den Schulen des Bezirkes Leopoldstadt enthoben werde. Wien. (Eine aufgelöste Versammlung.) In das Redemptoristenkloster zu Eggenberg im Waldviertel war von den Wiener Antisemiten eine Versammlung einberufen worden, zu der auch die Führer Dr. Lueger, Dr. Geßmann und Steiner erschienen. Als erster Redner trat Dr. Geßman n auf und nach ihm Dr. Lu e g er. Letzterer sprach über die Juden und er führte aus, daß die Juden die Verführer des christlichen Volkes seien auf allen Gebieten des wirthschaftlichen, socialen und gesellschaftlichen Lebens und daß es eine Schändlichkeit sei ... . In diesem Momente wurde der Redner durch den Regierungsvertreter unterbrochen, der die Pfarrer von Maiffau und von Horn als Zeugen aufrief, daß der Redner alle Juden Verführer des christlichen Volkes