Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 1 (3.1.1896)
- Date
- 1896-01-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seile 9 Nr. i Kr- Vwrtz's Wo^rnzrtzrtfl. zweifelhaft festgestellt, daß der Herausgeber A. Weimar von väterlicher Seite Jude ist, und nun behauptet das Blatt dieses jüdischen Antisemiten uns siech in's Gesicht, wir hielten diesen auch nicht einmal für einen Taufjuden, bezichtigt uns also der bewußten Lüge. Wir reiten nicht gerne den Berichrigungsparagraphen, hätten wir den famosen „Antisemiten", der seinen Vater verleugnet, zur Stelle, wir hätten ihm für seine Frechheit eine andere, für sein Trommelfell jedenfalls deutlichere Antwort ertheilt; da es sich dem Juden Spitzer- Weimar aber darum handelt, seinen antisemitischen Lesern seine 'Äoische Abstammunc zu verhehlen, haben wir dem Blatte e.ne Berichtigung gesendet, welche seine Leser wohl jedes Zweifels überheben dürfte. Die „Politischen Fragmente" schreiben über den Herausgeber der ,,Reichspost": „Schon aus ästhetischen Gründen sollte man die jüdischen Antisemiten aus der Partei ausschließcn. Es gibt kein ekelhafteres Bild als den Juden, der über die Juden schimpft. Dieses wirkt abstoßend auch für Christen, weil man ja weiß, daß sein Judenhaß nicht aufrichtig, sondern Heuchelei ist. Der autistmitische Jude will aus dem Antisemitismus ein Geschäft machen, wie eben die Juden aus Allem ein Geschäft machen wollen; er will Zweierlei erreichen: entweder will er durch die Bewegung hinaufkommen, und wenn er oben ist, wird er gewiß derselbe Jude sein, der er früher war; oder aber er hat sich iu die Partei eiugeschlicben, um sie gelegentlich zu zerstören. Vor Beiden aber muß man sich schützen und man kann sich davor nur schützen, wenn man oen Juden die Thür weist. Gerade in jüngster Zeit haben die Antisemiten traurige Erfahrungen mit dem hochw. P. Weiß gemacht, der auch ein Tausjude war. Dieser war in der Partei sehr thätig, bis ihn Herr v. M a d e y s k i brauchte; dann fiel er von der Partei ab und der Bewegung in den Rücken. Der heimtückische Angriff ist glücklicherweise abgeschlagen worden. Es ist aber nicht so ausgemacht, daß jeder weitere Angriff auch so glatt abgeschlagen wird. Deshalb sagen wir: Hinaus mit den Juden aus der antisemitischen Partei, denn sie sind hier viel gefährlicher als wenn sie uns von auswärts bekämpfen." Zum Fall Stöcker. Die „Schles. Ztg." bestätigt, daß im Elfer-Ausschuffe der Graf S ch l i e b e n-Sanditten den Antrag auf Ausschließung S t ö ck e r's aus dem Parteiv o r st a n d e, nicht aus der Partei gestellt hat. Das Ergebniß der Besprechung, welche in der Landtagsfraction firtgesetzt werden soll, wird nicht mitgetheilt. Die Erklärung Stöcker's über sein Berhältniß zum „Volk" wurde als ungenügend bezeichnet; die Sache wurde durch einen Wechsel in der Redaction des „Volk" beigeLegt werden. Während in der „Schles. Ztg." versichert wird, daß G ra f H e rbe rt B ismarck durchaus kein Gegner Stöcker's sei, veröffentlichen die „Hamb. Nachr." einen Artikel: „Herr Stöcker und die Conservatrven," in dem Stöcker als „einer der gefährlichsten Demagogen, welche die Gegenwart aufzuweisen hat," bezeichnet und die Frage an die conservative Partei gerichtet wird, „wie lange sie noch zögern wollte, den Act der Säuberung vorzunehmen, den ihr die Pflicht der S e l b st erhalt u n g gebiete". Armer „Hofprediger aller Deutschen", Juden in der Marine. Dem Buche „Die Juden in Philadelphia" entnehmen wir folgende Einzelheiten über die Betheiligung der Juden an der Marine der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Uriah Philipps Levy, der Sohn eines jüdischen Officiers, der den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen England mitgefochten, trat 1812 in die Marine ein, wurde Master auf der Brigg' Argus und mit der Besatzung nach ehrenvollem Kampfe von den Engländern gefangen. Nach zweijähriger Gefangenschaft freigelassen, wurde er wegen bewiesenerBrvvur 1817 Lieutenant, dann 1837 Commodore, zuletzt 1858 Commandant eines Geschwaders. Dies war der höchste damals vorhandene Rang der nordamerikanischen Marine und er hatte ihn bis zu seinem Tode, 22. März 1862, inne. Sein Hauptverdienst, neben den Leistungen im Kriege, war die Abschaffung der Prügelstrafe in der Vereinigten Staaten Marine. — Josef B. Nom diente als Midshipman und dann als Officier seit 1812 auf der Fregatte Guerriere, bis er in Folge von Wunden, die er im Kampfe mit algerischen Piraten erhalten, im Jahre 1822 seinen Abschied nehmen mußte. Im Gauzen dienten nicht weniger als 47 Juden nur aus Philiadelphia in der Marine der Bereinigten Staaten in allen Rangstufen vom einfachen Matrosen bis zum Commodore, eine sehr bemerkenswerthe Thatsache gegenüber den Angriffen, die gegen die Juden wegen mangelnder Kriegslust und ganz besonders aus Furcht vor dem Dienst zur See erhoben werden. Ern katholischer Bischof an den Rabbiner. Lemberg, 27. December. Auf einer Visitationsreise kam der römisch-katholische Bischof von Plock, Nowodworski, wie polnischen Blättern ans Warschau berichtet wird, nach Serock, wo ihn bei der Einfahrt in die Stadt der Rabbiner, begleitet von den Mitgliedern des Vorstandes der israelitischen Cultusg-meinde, sowie von zahlreichen jüdischen Einwohnern, mit einer längeren Ansprache begrüßte, in welcher er die Ankunft des Bischofs als eine Gewähr für den Frieden und die Emtracht zwischen Juden und Christen bezeichnete. Bischof Nowodworski, welcher, als er der Inden-Deputation . ansichtig wurde, aus dem Wagen stieg und die Begrüßungsrede des Rabbiners mit Aufmerksamkeit anhörte, erwiderte hierauf folgendes: „Ich danke den Herren herzlich für den freundlichen Empfang, und zwar danke ich hiefür zunächst aus dem Grunde, weil diese Begrüßung eine Artigkeit ist, die ich zu schätzen weiß, dann deswegen, weil Ihr Vorgehen vernünftig ist. Sie bekunden dadurch angesichts der weitverbreiteten Strömung des a n ti s e m i t i s ch e n Race n h a s s e s, daß Sie sich dessen bewußt sind, wie sehr die katholische Kirche die Juden immer gegen die von Zeit zu Zeit wider sie sich kehrenden Ausbrüche des Hasses seitens der von der heiligen Lehre der evangelischen Nächstenliebe nicht genug durchdrungenen Menge zu schützen pflegte. Aber Ihre Begrüßung gefällt mir insbesondere auch deshalb, weil sie schön ist als Ausdruck | religiöser Hoffnung. Ist doch euer Gott, der Gott Abrahams,! Jsaak's und Jacob's unser Gott; ist ja eure heilige Schrift j auch unsere heilige Schrift. Mit euren Psalmen verrichten! wir in unseren Kirchen unsere Gebete. Eurem Volke! s n t st a m m l der menschliche Körper unseres E r-! l ö s e r s, aus eurem Volke gingen unsere ersten - A p o st e l h e r v o r. Wir haben mit euch viel Gemeinsames, wieviel! gerade bei dem, der zur Erlösung Aller gekommen ist, und den eure Väter nicht anerkennen wollten! Die Scheidung zwischen uns erfolgte, j und euer trauriges Geschick begann. Das traurige Los. das euch zu ' Theil wurde, und die Leiden, die ihr durch viele Jahrhunderte zu j erdulden hattet, sind hinlänglich bekannt. Dieses Schicksal wurde euch,! von Osias vorhergesagt. Es gibt jedoch Prophezeiungen, die euch eine j heitere Zukunft ankündigen, in der ihr euch mit Allen und Alle mit j euch verlohnen w-rden. Diese Versöhnung kann nicht anders als dnrch ' und in Liebe vor sich gehen. Allein diese Liebe soll nicht blos im! Munde geführt werden, sondern sie muß im Herzen der Menschen > aufleben. In Ihrem Erscheinen hier erblicke ich ein Anzeichen dieser; künftige» Annäherung, und deswegen erflehe ich für Sie Gottes Segen, j Die Inden nahmen diese Rede mit Hochrufen ans den katholischen Kirchenfürsten auf, welche, wie die polnischen Blätter, namentj lief) das Warschauer Diöcesanblatt „Przeglond Katolieki," betonen, die! Hetzreden von Lueger und Genossen im rechten Lichte erscheinen lasse.! Sämmtliche Budapester Blätter brachten am 25. Decemi ber 1895 folgende Meldung: | „Zur rituellen Blutbeschuldigung in Garam-Kisj Sallo In dem Preßproceffe, welchen der Garam Kis-Salloer Gastwirth Ignaz 21 d {t x gegen den Zseliczer Pfarrer Johann F ü ß wegen der im „M. Allam" veröffentlichten Blutbesckruldigung angestrengt hatte, wurde die Hanptverhandlung auf den 30. d. beim BudapesterSchwurgerichtshofe anberaumt. Der Privatklüger, der seit 40 Jahren in der genannten Ortschaft lebt, j hat sich auf zahlreiche Moralitätszeugen, darunter auch auf? den Oberstuhlrichter N i g r o v i c s berufen. Wie ein clericales j Blatt zu melden weiß, rüstet sich „das internationale j Antisemiten-Comite" zu diesem Anlässe, um den j Beweis zu erbringen, daß die rituelle Blutbeschuldigung auf! W a h r h e i t (!) beruht. Auch gedenkt das Comite das Plaidaher des Bertheidigers in deutscher Uebersetzung verviel-; faltigen und in Oesterreich und Deutschland rur Bertheilung! gelangen zu lassen." j Heiteres. Die Berliner „Lustigen Blätter" bringen! in Nr. 51 folgende, mit einem Trauerrande versehene Anzeige: j Arizona-Kicker, i Hauptstadt Phönix in Arizona, December 1895. . Durch die vorliegende Extra-Ausgabe unseres Blattes erfüllen! wir die traurige Pflicht, unsere Leser von dem Ableben unseres Localj reoacteurs in Keuntn.ß zu setzen. Er hat sich heute eine Kugel durch | den Kopf gejagr, und zwar mittelst eines vorzüglichen Revolvers, den die Hinterbliebenen zum Preise von 15 Dollars etwaigen Liebhabern ähnlicher Handarbeiten zur Verfügung stellen. Das Motiv seines verzweifelten Schrittes ist in der Ankunft Ahlwardt's in Amerika zu suchen: unser verehrter College, der im Punkte lügnerischer Sensation das Höchste geleistet zu haben glaubte, konnte es nicht verwinden, durch das Auftreten eines noch größeren Aufschneiders und Verleumders in den Schalten gestellt zu werden. Scho - gestern war das Herz unseres lieben Mitarbeiters von bangen Ahnungen erfüllt: es wurde nämlich am hellen Tage plötzlich stockfinster, ein Beweis, daß Ahlwardt sein? Thätigkeit in Amerika bereits begonnen und Hierselbst das Blaue vom Himmel heruntergelogen hatte. Dazu signalifirte man uns per Depesche den ersten Vortrag Ahlwardt's in New-Iork, welcher dermaßen von dreisten Ungeheuerlichkeiten strotzte, daß die Schwalben auf den Telegraphendrähten der ganzen Strecke, vom Schwindel ergriffen, bewußtlos zur Erde stürzten. Wir werden selbstverständlich nicht zögern, Herrn Ahlwardt nach Arizona einzuladen