Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 1 (3.1.1896)
- Date
- 1896-01-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 1 Dr. Vloch's Wochenschrift. der Nähe chres Freundes des Papstes Alexander IV. lebte, ' - trieb sie doch die Unruhe noch einmal nach Schweden Vor ihrer Ankunft in Hamburg verständigte sie in einem : \ -ändigen Schreiben Teixeira (1. Mai 1666) und dort- 'n Juli angelangt, bezog die Königin ihre Wohnung in i Jäter von ihr angekauften Hause Teixeira's. Schier I^rtc diesmal ihre Liebenswürdigkeit das Leben gekostet. Di- . ' Prediger zogen auf den Kanzeln sehr heftig widi.: cil sie statt in das vom Rath zubereitete Logemc?: viT mt Juden eingekehrt war, welches ihr jene Prediger;• ■ aufmutzten. Der Hamburger Pöbel hat ihr auch das H -- gestürmt und so gräulich wider sie gewüthet, daßZsie über das Dach in ein anderes retiriren mußte. Sie kehrte nach kurzem, freudelosen Aufenthalt wieder nach dem Sitze des kirchlichen Oberhauptes zurück. — Je länger T. V ' merkwürdigen Königin diente, desto mehr schätzte und ehrte sie ihn. Nicht oft genug kann sie ihrem schwedischen Geschäftsträger anempfehlen, nichts ohne dessen Ernwilligung zu unternehmen, seinen Rathschlägen zu folgen, denn sie sind klug und weise und ich billige sie. Sie machte übrigens kein Hehl daraus, daß sie ihn über Alles schätze. „T.," hieß es in einem Schreiben an den Grafen Wassenau (einem natürlichen Sohne Königs Wladislaw von Polen), „hat chnen einen so weisen und klugen Brief geschrieben, daß König Salomo selbst ihn nicht hätte besser schreiben können." „Thun Sie nur Alles," schloß sie, „was er Ihnen befiehlt und unternehmen Sie nichts, was nicht mit seinen Ansichten übereinstimmt. Folgen Sie ja den Befehlen T.'s wie meinen eigenen, denn die lange Erfahrung, welche ich von seiner großen Geschicklichkeit, seinem Eifer und seiner Treue gegen mich habe, setzt mein ganzes Vertrauen in ihn; hüten Sie sich sehr, Etwas ohne seine Billigung auszusühren." Ihren Verwandten und Freunden empfahl sie ihren jüdischen Residenten, ihn schicÜe sie mit Vollmachten nach Danzig, um sich der Güter ihres 1673 verstorbenen nahen Verwandten, des Königs Casimir von Polen, zu versichern. Mit T. unterhielt sie trotz ihrer anhaltenden Studien und weitreichenden Verbindungen, trotz ihres Antheiles an den großen Weltbegebenheiten Jahre lang eine diplomatische Correspondenz, in welcher sie offen und frei ihre Ansichten über die Politik äußerte und ihm ihren Kummer und Schmerz ausschüttete. Recht bezeichnend für ihre Freundschaft zu T. ist die Stelle aus einem ihrer Briefe an ihren Gouverneur: „T. ist überzeugt," schreibt Christine, „daß ich ihm nie sein Recht verkümmern werde, lieber möchte ich trockenes Brot essen, als meine Schulden nicht bezahlen; ich kann mich nicht anheischig machen, Wasser zu trinken, denn ich habe in meinem Leben nichts Anderes getrunken, und hätte ich Crösus-Schätze, so tränke ich nie etwas Anderes. Sie brauchen sich T. wegen keine Sorgen zu machen, denn ich denke an ihn mehr als an mich .... Ich wollte lieber sterben, als einen Diener verlassen oder verrathen, der so viele Jahre lang mir so treu gedient hat. Durch Pflichtvergeffenheit und Unpünktlichkeit ihrer Beamten kam es vor, daß der treue Diener T. den Wünschen seiner Gebieterin nicht immer Folge leisten konnte. Ihr General-Gouverneur Olivekrans wollte die Gelegenheit benützen ihn gänzlich aus dem Dienste der Königin zu verdrängen. Diese machte jedoch Letzterem bittere Vorwürfe hierüber. „Ich sehe wohl ein," schrieb sie ihrem Gouverneur, „daß Sie den mit T. geschlossenen Contract brechen wollen, aber ich erkläre Ihnen ganz offen dies wird nimmer gelingen. Lassen Sie sich nicht beikommen den Vormund über mich zu spielen. Gehorchen Sie blindlings meinen Befehlen, und haben Sie nicht die Vermessenheit, irgendwelche Veränderung ohne meinen Befehl zu treffen." Infolge ihres schwankenden Gesundheitszustandes und vielleicht auch zufolge Wunsches T. stellte Christine demselben ^eine General-Quittung für seine gesammte Dienstzeit aus. In dem merkwürdigen Schein schreibt sie unter Anderem: Außer der Schlußquittung die wir unserem Residenten Don Manuel T. ddto. 19. April 1627 ausgefertigt haben, erklären wir durch Gegenwärtiges, daß wir ungeachtet des beträchtlichen Gewinnes, den er während der Liquidation von uns gezogen haben kann, dennoch mit beruhigtem Gewissen und in Anbetracht seiner Verdienste um uns, ihm ein Geschenk damit machen wollen, wie wir ihm mit Ge^ wärtigem in der beeidetsten Form, Alles schenken. Daher befehlen wir noch, daß Don M. Teixeiro und seine Erben wegen dieser Rechnung niemals belästigt werden. Das freundschaftliche Verhältniß zwischen der Königin und T. dauerte indeß ununterbrochen fort. Wenige Monate vor ihrem Tode verständigte sie T. von einer überstandenen Krankheit und fügte recht naiv hinzu: „Ich halte mich überzeugt, daß Sie von der Nachricht meines Todes ebenso gerührt gewesen wären, wie ganz Rom." Der treue und alte T. empfand bei der Kunde vom Hinscheiden seiner Königin mehr als ganz Rom. Er hatte ihr 35 Jahre treu gedient. Betagt und hochgeehrt verschied Manuel T. in den Neunziger-Jahren des 17. Jahrhunderts, ein unabsehbarer Zug königlicher und fürstlicher Wagen begleitete seine irdischen Reste nach dem Altonaer Friedhofe. Seine Söhne erbten seine Reichthümer und die von jüdischen Dichtern besungenen von Gelehrten gefeierten Tugenden dieses Mannes, der ungeachtet seiner hohen Stellung sich nicht über seine Brüder erhoben und nie im Glauben von seinen Genossen abgewankt ist. Von seinen Söhnen wurde Diego zum Edelmann (6-6»t6ldowl)6r) der Königin von Schweden ernannt; Jsaac Senior führte wie der Vater den Titel Resident und vermählte seine Tochter Sara (1682) mit einem Sohne des Jsaac Suasso, Baron von Avernas. Der jüngste Sohn Benjamin siedelte nach Holland über, woselbst die Nachkommen T. noch heute in hoher Achtung stehen und wie die in Wien lebenden Sprossen unseres Don Manuel eine ehrenhafte Stellung in der Handelswelt einnehmen. Lemberg, December 1895. Perlberger. Vom Jahrmarkt des Lebens. Die Juden in der Criminalstatistik. In Berlin ist eine vom Comite zur Abwehr antisemitischer Angriffe herausgegebene, von Dr. Paul Nathan redigirte Criminalstatistik erschienen. Dieser Schrift, welche aus amtlichen Daten schöpft, ist zu entnehmen, daß die Zahl der Berurtheilungen von Juden in Deutschland hinter jener Zahl zurückbleibt, welche sich nach der Gesammtziffer der Berurtheilungen und nach dem Verhältniß der Zahl der Juden und zu derjenigen der Gesammtbevölkerung zu ergeben hätte. Bemerkenswerth ist, daß die Verurteilung von Juden wegen Zweikampfes einen höheren Percentsatz ausmachte als dem Verhältniß der Zahl der Juden zur gesummten Bevölkerung und der Gesammtzahl der Verurtheilungen entspricht. Was die Criminalstatistik in Oesterreich betrifft, so ist die Zahl der Berurtheilungen von Juden vom Jahre 1882 bis zum Jahre 1892 beständig gesunken, u. zw. von 1326 Berurtheilungen im Jahre 1882 auf 1022 im Jahre 1892, trotz der Zunahme der Bevölkerung. Die Gesammtzahl der Berurtheilungen von Juden in diesen zehn Jahren betrug 11.670, während nach ihrem Verhältniß zur Gesammtbevölkerung und aller Berurtheilungen 13.800 Berurtheilungen auf sie entfallen würden. Arischer Ton in der antisemitischen Presse. Die „Ostdeutsche Rundschau" in der Weihnachts-Nummer vom 25. Deren,be* 1895 schreibt an leitender Stelle in Bezug auf die antisemitische „Reichspost": „Die „Reichspost" wendet sich aber auch unmittelbar gegen uns und behauptet von der „Ostdeutschen Rundschau": „Sie weiß selbst, daß es unwahr ist, daß der Herausgeber der „Reichs' post" auch nur ein Taufjude sei." Das ist stark! Wie unsere Leser sich erinnern dürften, haben wir seinerzeit, kurz nach de? Gründung der „Reichspost" auf Grund eigener Nachforschungen un IHJMSJMJ