Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 1 (3.1.1896)
- Date
- 1896-01-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Dr. Bloch's Wochrnschrifl aus dem Religionsunterricht angeregt und auch die Nachmittagssitzung wurde zum großen Theile mit der sehr lebhaften Debatte über diesen Gegenstand ausgefüllt. Zum Schlüsse nahm Herr Rabbiner Dr. Caro noch einmal das Wort zu einer glänzenden und hinreißenden Vertheidigung der hebräischen Sprache als integrirenden Bestandtheil des jüdischen Religionsunterrichtes und seine dahinzielenden Thesen wurden unter lebhaftem Beifalle der Versammlung genehmigt. Die zur Abfassung der Petitionen gewählte Commission beantragte die Vertagung der Angelegenheit bis zur nächsten Versammlung. Der Antrag wurde angenommen. Nach Erledigung einiger auf die regelmäßige Wiederkehr solcher Versammlungen zielenden Anträge sprach der Vorsitzende der Versammlung, dem Cultusvorstand und dessen Delegaten herzlichen Dank aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß mit dem heutigen arbeitsvollen, aber erhebenden Tage eine neue Aera für den Religionsunterricht der Israeliten in Galizien beginnen werde. Dem Präsidium sprach Herr Taubeles- Bobrka den Dank aus. Zuletzt lud Herr Dr. Schass namens des Cultus- Vorstandes die Versammelten zu einer freundlichen Bewirthung in den Räumen der Restauration Graf ein. Nach gemeinsamer Verrichtung des Mariwgebetes folgten die Gäste dieser liebenswürdigen Einladung. Das gemächliche Mahl wurde durch viele zündende Reden gewürzt, von denen wir die Trinksprüche Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Caro auf Se. Majestät den Kaiser, des Herrn Landtagsabgeordmten Dr. Goldmann auf die Lehrer und des Herrn Rabbiner Dr. T a u b e l e s auf den Vorstand der Lemberger Gemeinde, als besonders inhaltsreich und gelungen hervorheben. Um 10 Uhr Abends schlug die Trennungsstunde. Nach allen Seiten hin entführten die Züge die Theilnehmer dieser Conferenz. Voll frischer und anregender Eindrücke verließen uns die lieben Gäste und sowohl von ihren, als auch von den Lippen der Zurückbleibenden ertönte ein herzliches, aufrichtig gemeintes „Aus Wiedersehen will's Gott". An der Versammlung und deren Arbeiten nahmen Theil außer den obgenannten Herren Delegatendes Lemberger Cultus- Borstandes. der Herr Jnspector der Baron Hirsch Schulen Landes sowie Herr Lehrer Seltzer aus Krakau als Delegat des dortigen Cultusvorstandes und die Heren: Ehrlich- Zolkiew. Sz ip e r-Stanislau. W o l lm a n n-Zlocz 'w. W e i ßb e r g-Stanislau. B ern fe ld-Stryj, Z aun k ö n ig-Kolomea, Dr. Taub e l es -Tarnopol. T a u b e l e s-Bobrka. T u r t e lt a ub-Dolina. S in g er-Sambor, G rü n er-Kolonien, Welf e l d-Jaslo, Gastenber g-Szczerzec, Scheine r-Staremiasto. Rubi n-Przemvsl, Lineal, Planer, Bein, Gran. Schipper, Rotier, Director Mandel, S. Mandel, Mild wurm. Bader, Grüner, Tauber, Jafe, Brander und B o d e k aus Lemberg. Ein jüdischer Diplomat. In Angliederung an der. unter obigem Titel den: Prof. .Kaufmann reprvducirten Biographie des Diplomaten Conngliano (Nr. 46 Oesterr. Wochenschr.) verdient nunmehr der Portugiese Don Manuel T e i x e i r a, langjähriger Minister- Resident der Königin Christine von Schweden und Nachkomme des Weltreisenden Petro T e i x e i r a, bent Italiener Conngliano würdig angereiht zu werden. Wir entlehnen dem verdienstvollen Dr. Kayserling nachstehende Daten (Wertheimer's Jahrbuch 1861) den jüdischen Staatsmann betreffend: Die Königin Christine, die große Tochter Gustav Adolfs, des Helden von Lützen, der einst das Gelübde gethan, die Bibel im Urtexte zu erlernen, die den Juden trotz herrschender feindlicher Strömung nicht abhold war, den portugiesischen Glaubensgenossen Benedict de Castro zu ihrem Leibarzte ernannte und den Gelehrten Menasse ben Israel persönlich kennen lernte, machte Teixeira lange Jahre hindurch nicht allein zu ihrenr Residenten, Geschäftsträger und Freund, sondern vielmehr auch zu ihrem Vertrauten. Empfohlen wurde er ihr durch den an ihrem Hofe accreditirten spanischen Gesandten Don Antonio Punentel, der Seite 7 Teixeira von Spanien ans gekannt haben dürfte und nachdem die im 28. Lebensjahre stehende Königin dem schwedischen Throne entsagt hatte, knüpfte sie mit Teixeira einen lebhaften Verkehr an. Im Juli 1654 kam sie mit prächtigem Hofstaate in Hamburg an und nahm im Hanse Teixesta's ihr Absteigguartier. Unser Teixeira wird von zeitgenössischen Chronisten mehrfach als „reicher Jude", der „in sehr kostbaren Carvssen, auch mit vorne und hinten stehenden Dienern, die beim Ein- und Aussteigen ihrem Herrn ^it großer Referenz halfen und vor dem in Hamburg die gm'ze Hauptwache ins Gewehr trat" geschildert. Nachdem die Königin 6 Jahre in Rom mbrachte und auf kurze Zeit wieder Stockholm besuchte, suchte sie neuerdings Hamburg und das stattliche Haus Teixeira's ans, woselbst sie behufs Regulirung ihrer Geschäfte nahezu ein Jahr im Haufe des „reichen Juden" blieb. Teixeira verpflichtete sich, auf Grund eines mit der Königin abgeschlossenen Coutractes, derselben allmonatlich 11.000 Thlr. nach Rom zu übermitteln, die er sich ans den Einkünften ihrer Güter decken sollte, Nachdem die Königin den fürstlichen Personen und den freunden Gesandten, sowie dem Hamburger Senate ein glänzendes Fest im Hanse Teixeira's gab, übersiedelte sie!6i>2 nach Rom. lieber Beschwerde Teixeira's richtet sie ans Rom ein Schreiben au ihren General-Gouverneur Baat io. Juli 1662), in dem sie u. A. sagt: „Ich kann nicht begreifen, warum Sie so sehr zögern, Teixeira Geld zu schicken und warum gegen meinen ausdrücklichen Befehl, ihm volles Recht über meine Provinzen zu gewähren u. s. w. Sie sehen ein, daß das nicht Mittel sind u. s. w. Ermangeln Sie also nicht, pünktlicher zu sein und führen Sie künftighin meine Befehle -- —• damit Teixeira seinerseits das erfüllen kann. — — Ich befehle daher, daß Sie in allen meinen Provinzen solche Maßregel?! treffen — — und über Alles, was dieselben betrifft, eine genaue Correspondenz mit Teixeira unterhalten." Allein der den Juden nicht gutgesinnte Hamburger Senat wollte Teixeira als königlich schwedischen Residenten nicht anerkennen und ihm nicht die Rechte derjenigen Vertreteranderer Mächte gewähren, weshalb Streitigkeiten zwischen Teixeira und dem Staate einige Jahre hindurch währten, bis sich endlich Christine ins Mittel legte und nicht nur beim Senate bittere Klage führte, sondern auch beim Könige von Schweden und dem Kaiser die Sache ihres Residenten verfocht. „Stellen Sie dem König vor", schrieb sie ihren Gouverneur, „daß Teixeira ein Mann ist, voeleher seinen Schutz verdient, nicht allein deswegen, weil er mein Diener, sondern auch weil er fähig ist, der Krone beträchtliche Dienste zu leisten und ich mich lebhaft für Alles interessire, was ihn betrifft." Von lebhaftem Interesse für ihren Inden zeigen auch die Briefe, welche sie seinetwegen an den Kaiser richtete. Kaum war durch Intervention Christinens Teixeira's Stellung gesichert, als der Hamburger Magistrat ihm neuerdings streng untersagte, v.hne polizeiliche Erlaubniß die Stadt zu verlassen. Ter Unwille der Königin stieg über diese unerhörte Maßregel auf's Höchste. Sie schrieb daher an den Magistrat: „Sehr überraschte mich das Verfahren, welches Sie sich gegen meinen Residenten erlauben, indem Sie ihn zwingen wollen.... Diese Handlungsweise hat mich außerordentlich verletzt und mich sehr lebhaft berührt, es ist so gut, als ob Sie mich selbst beleidigt hätten. Teixeira ist mein Resident.... ich behaupte, mich seiner au allen Orten bedienen zu können, wohin mein Interesse seine Sorgfalt und Gegenwart erfordert, ohne daß er Ihre besondere Einwilligung bedürfte. Sie schließt: Erklären Sie sich hierüber, wie ich es von Ihrer Freundschaft und Gerechtigkeit erwarte." Dieses Schreiben machte gute Wirkung und bewirkte, daß der Magistrat seine Gesinnung gegen Teixeira änderte, zur großen Freude Christinens. So gerne die Königin in