Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 1 (3.1.1896)
- Date
- 1896-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Dr Bloch's Wo^ rnschrift. Nr. 1 ehrten unmittelbaren Herrn Vorredners kann er aufwarten. Er sei nicht mehr und nicht weniger als eine bloße Ziffer, einer von den zwölfen, welche als Vereinsleiter genannt werden, eine Ziffer, welche die Harmonie des Ganzen nicht flott, sondern in die Rechnung sich einfüqt. Er versichert die Vereinsgenoffen, daß er nicht viel geleistet und überhaupt wenig Aufgaben zu lösen hatte. Die Wahl ist blos eine Ehrenbezeugung, eine Auszeichnung. Er seinerseits würde darauf auf eine Wiederwahl verzichten und die Generalversammlung bitten dem Vorstande frisches Blut zuzusühren und für die Bereinsleitung neue, junge Kräfte zu erwerben. Redner betont die Nothwendigkeit der Förderung und Pflege der demokratischen Principien, welche nicht blos den allgemeinen menschlichen Fortschritt verbürgen, sondern auch berufen sind uns von den Uebeln der Zeit zu heilen. Wenn aber die Generalversammlung seine Mitarbeit fordert, so werde er es als seine Pflicht erachten, der Generalversammlung sich zur Verfügung zu stellen. (Lebhafter Beifall.) Es wird hierauf zur Wahl geschritten und als Scrutatoren berufen die Herren : David K o h n (Obmann), Hermann König, Leopold Gvllerstepper, Ignatz Klein, Carl Reiß. Es wurden 35 Stimmea abgegeben und sämmtliche 4 austretende Vorstandsmitglieder nahezu einstimmig wieder gewählt. Herr Hermann König erhielt 6 Stimmen. Der Vorsitzende erklärte hierauf die Generalversammlung für geschloffen. Im Anschluß an die Generalversammlung fand im Saale des Restaurants Lo b el Kasernengaffe ein Banket statt, an welchem außer den Vorstandsmitgliedern zahlreiche Vereinsgenossen theilnahmen. Den ersten Toast aus Se. Majestät den Kaiser brachte der Vereinspräsident Architett Max Fleischer aus. Sein begeisterter patriotischer Trinkspruch fand lebhaften Beifall und die Versammlung brach in ein dreimaliges Hoch aus. Der Herr Dr. Bloch leerte sein Glas auf das Wohl des großen Künstlers, Architetten Max Fleischer, welcher nicht blos als Architekt sich und der Wiener Gemeinde dauernden Ruhm erworben, sondern auch als Vorsteher und Leiter des Tempelvereincs für die Ehre des Judenthums unabläffig arbeitet. Herr Adolf Ruzicka leerte das Glas auf das Wohl des Ehrengastes Dr. Bloch, und Vorstandsmitglied Herr Dr. Engel trank auf das Wohl der Vereinsgenossen. Die geistreichen, zum Theile auch sehr witzigen Trinksprüche fanden lebhaften Beifall. Die General-Versammlung des Bethans-Bereines im IX. Bezirk. Wien. Am 29. v. M. fand die 29. ordentliche General" Versammlung des israelitischen Betl aus Verein es „Chewra-Beth, Hatfillah" unter reger Betheilung der Vereinsmitglieder statt. Der Vorsitzende Obmann des Vereines Herr G. Bettelheim, constatirt die Beschlußfähigkeit, begrüßt den Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde Herrn Architekten Fleischerund den als Gast erschienenen Herrn Dr. Bloch. Nach Verlesung des Protocolls der letzten Generalversammlung und Berificirung desselben stellt Herr Rosenzweig den Antrag von der Verlesung des Gebahrungsausweises und der Bilanz Abstand zu nehmen, was angenommen wird. Dem Vorstand wird einstimmig das Absolutorium ertheilt. Herr Architekt Fleischer nimmt das Wort und bemerkt, daß er sowohl als Vereinsmitglied als auch als Vertreter der Cultusgemeinde in der Versammlung erschienen sei, u. zw. sei er sehr gerne erschienen,'um namens des Cultusvorstandes dem Vorstände den Dank und die volle Anerkennung für die günstige Gebah ung auszusprechen. Redner hebt besonders die rastlose Thätiqkeit und das warme Interesse für den Verein von Seite des Obmannes Herrn G. Bettelheim hervor, und wünscht dem Verein weiteres Gedeihen. Herr Rosenzweig schließt sich den Ausführungen des Vorredners an, und stellt den Antrag, den verdienstvollen Obmann Herrn G. Bettelheim zum Ehrenmitgliede des Vereines zu ernennen. Dieser Antrag wird mit Beifall begrüßt uud verschiebt der Vorsitzende die Abstimmung zum Punkte „Anträge" der Tagesordnung. Bei der hieraus vorgenommenen Neuwahl wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren G. Bettelheim Julius K o p st e i n und Hermann Krön, einstimmig wiedergewählt. In den Ausschuß wurden gewählt die Herren Moritz Br a m m e r. Heinrich Goldschmidt. Leopold Hendl, Leopold Kann, Wilhelm Pappenheim. Dr. Emil Q u i t 1 n e r, Melchior Stäuber und Isidor Trebitsch. Der Obmann Herr G. Bettelheim dankt für die Wiederwahl und bemerkt, daß der Ausblick in die nächste Zukunft für den Verein leider kein besonders günstiger sei, da in diesem Jahre die hohen Feiertage sehr früh fallen und die finanzielle Gebahrung des Vereines darunter zweifellos leiden wird. Die Thätigkeit des Vorstandes muß in nächster Zeit darauf gerichtet sein, bei dem in kurzer Zeit zu wählenden neuen Cultusvorstande dasjenige zu erreichen, was bei dem jetzigen nicht möglich war. Auch Herr 5kopstei n und Herr Krön danken für die Wiederwahl. Der Vorsitzende übergibt den Vorsitz an den Obmann-Stellvertreter Herrn D. B l o ch und entfernt sich aus dem Saale. Herr D. B l och bringt den Antrag des Herrn Rosenzweig auf Verleihung der Ehrenmitgliederschaft an den Obmann Herrn G. Bettel^ heim zur Abstimmung. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Bei Wiedererscheinen des Obmannes, theilt Herr Bloch demselben den soeben gefaßten Beschluß mit und beglückwünschte ihn zu der hohen Auszeichnung. Der Obmann, den Vorsitz wieder übernehmend dankt gerührt für den Beweis hohen Vertrauens seitens des Vereines und verspricht auch, ferner sein bestes Können für den Verein einzusetzen. Der Bericht des Vorstandes über die Gründung des Pensionsfondes wird von der Versammlung mit Befriedigung zur Kenntniß genommen. Herr Rosenzweig fragt an. von welcher Art die äußeren Umstände seien, welche, wie der Bericht besagt, eine Verminderung der Trauungen herbeiführten. Der Vorsitzende kommt auf seine frühere Äeußerung betreffend die Neuwahl des Cultusvorstandes zurück und ersucht, sich für heute mit dieser Andeutung zu begnügen. NachdemNiemand mehr das Wort wünscht, dankte der Vorsitzende den Erschienenen und schließt die Generalversammlung. Erste Versammlung der israelitischen Religionslrhrer Galiziens am 24. und 25. Derember 1895. Auf einer durch den Herrn Rabbiner Dr. Caro, als Inspektor des Religionsunterrichtes an den öffentlichen Schulen' in Lemberg berufenen Conferenz wurde im Oktober d. I. beschlossen, eine Versammlung israelitischer Religiouslehrer Galiziens einzuberufen. . Auf die Einladung eines vom Herrn Religionslehrer Szip er gebildeten Comites fanden sich 32jüdische Religionslehrer ein. denen der Cultusvorstand den geräumigen Sitzungssaal des Cultusrathes für die Verhandlungen eingeräumt hatte. Von Seite des Vorstandes wurden außer dem Rabbiner noch die Mitglieder des Vorstandes Herr Landtagsabgeordneter Dr. Goldmann und Herr Dr. S. S ch a f f zur Theilnahme delegirt. Am 24. December Nachmittags 3 Uhr eröffnete Herr Sziper die Versammlung mit einer kurzen Begrüßung. Zum Präsidenten wurde Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Caro, zum Vicepräsidenten Herr Rabbiner Dr. T a u b e l e s aus Tarnopol und zu Schriftführern Herr Weisb erg ans Stanislau und Herr Sziper ebenfalls aus Stanislau gewählt. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete ein Referat des Lemberger Religionslehrers Herrn Rotier über die sittlich-moralische Erziehung der Schuljugend. Ueber jenen Punkt, der vom Ausgleich des religiösen Unterrichtes mit d.n, Leben in der Familie handelte, enspann sich eine äußerst anregende und intereffante Debatte, an welcher die beiden weltlichen Delegaten des Lemberger Cultusvorstandes sehr lebhaften Antheil nahmen. Die Versammlung erklärte sich zuletzt mit den Anschauungen des Referenten einverstanden und drückte ihm ihren Dank für seine Mühe aus. Die von Herrn Sziper Lemberg beantragten Petitionen an den k. k. Landesschulrath werden einer Commission zur Berichterstattung am anderen Tage überwiesen. Nach dreistündiger Dauer schloß der Vorsitzende die Berathung. Am anderen Tage hielt Herr Sz ip e r-Lemberg um 10 Uhr Vormittags eine Probelection mit der 2. Claffe der israelitischen Hauptschule in Gegenwart 'aller Teilnehmer der Conferenz ab. sodann begaben sich die Herren in den Sitzungssaal und Herr Rabbiner Dr. Caro erstattete ein Referat über den hebräischen Unterricht an Volks-, Bürger- und Mittelschulen. Auch an diesen umfangreichen und den Gegenstand bis in's Einzelne erschöpfenden Bericht knüpfte sich eine sehr eingehende Debatte, die durch eine zweistündige Mittagspause unterbrochen wurde. Es wurde nämlich von mehreren Conferenzmitgliedern die Eliminirung der hebräischen Sprache