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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-03 · 1 (3.1.1896) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
1 (3.1.1896)
Date
1896-01-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 1 *" I II» H Dr. Bloch's Wochrnschrist. auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden." (Apostelgcsch. 4, 12.) „Einen anderen Grund kann Niemand legen außer dem der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus." (1. Korinther 3, 11.) „Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit." (Hebräer 13, 8.) Zum neuen Jahr den alten Glauben, In diesem Zeichen siegen wir; Glück zu, mein Volk, auf allen Bahnen Entrolle kühn der Zukunst Fahnen, Doch Christus bleib' das Reichspanier! Zum neuen Jahr den alten Glauben; In diesem Zeichen siegen wir." So Herr von Hammerstein vor einem Jahre. Jnteressanterweise findet sich in dem glaubensstarken Artikel auch folgende Stelle: „Das soll unser Wunsch sein, daß unser Volk in das neue Jahr nicht die alte Sünde hinübernehme, nicht den Mammonsdienst und die Genußsucht, nicht die Zucht- und Sittenlosigkeit, nicht die Auflehnung gegen die g o t t g e s e tz 1 e O b r i g k e i t und die Beugung unter fremdes Wesen. Was schlecht ist, muß abfallen und mit dem alten Jahr vergehen." Es ist spaßhaft, zu sehen, wie der biedere Tartüffe ungewollt zum Propheten seines eigenen Schicksals geworden ist! Die „Deutsche Zeitung" im Abendblatt vom 31. Decembcr 1895 schreibt: „Von der gesammtcn Wiener Presse wird bei Besprechung des Falles Hammerstein consequent verschwiegen, daß Hammerstein jüdis cher Herkunft ist. Wir haben schon vor Monaten diesen Umstand hervorgehoben, und die österreichische sowohl, wie die reichsdeutsche Judeupresie hütete sich wohlweislich, dieser Meldung entgegenzutreten". Niemand hat diese Lüge ernst genommen. Das Geschlecht der Hckmmerstein e war nach Brockhaus ursprünglich am Niederrhein, später in Hannover, Mecklenburg-Schwerin, Oesterreich u. s. w. ansässig. Die alten Burggrafen v. Hammerstein residirten aus einem den Rhein beherrschenden Felsen, gegenüber von Andernach. Ein Graf Otto v. H a m m e r st e i n war im XI. Jahrhundert Gaugras des Wetter- und Engergaues. Er lebte mit Irmgard Gräfin v. Jeringen in einer nach damaligen Begriffen wegen zu naher Verwandtschaft verbotenen Ehe, weshalb Kaiser H e i n r ich II. die Trennung der Ehe verlangte, und da der Graf sich nicht fügte, die Burg belagerte und nach langer Gegenwehr auch eroberte. Diesen Stoff hat Wilbrandt in seinem Trauerspiele „Graf von Hammerstei n" behandelt. Der emeritirte Ehef der „Kreuzzcitung", Wilhelm August Karl Alexander Emil Freiherr v. H am m e r st e i n, geboren am 21. Februar 1838, ist, wie aus dem Gotha'schen Almanach zu ersehen ist, der Sohn des Freiherr« Ernst v. Hammerstein, des Erbherrn der Güter Retzow, Leppin, Klopsow, Rechlin und Roggent'n in Mecklenburg, Herrn der Güter Schwartow, Munsterhoff und Waldhoff in Pommern, und der Melusine von A r e n st o r f f auf Krümme 1. Der Vater gehör re der Gesmelt er Linie des weitverzweigten Geschlechtes der H a m m e r ft e i n e an, welches im Gotha'schen Almanach elf Seilen füllt. Ein Bruder unseres H a m m e r st e i n war, ebenso wie dieser, Ehrenritter des Johanniter-Ordens und mit der Gräfin Wanda Eulenburg vermalt. Auch H a m m e r st e i n's frühere Geliebte, Flora Gaß, ist echt germanischer Abstammung, eine Schweizerin von Geburt. * * * Der Curiosität halber wollen wir noch erwähnen, daß die Wiener Antisemitenpreffe übereinstimmend schwört, die Conservativen hätten alle Ursache, die Verhaftung Ha m m e r st e i n's mit Genugthuung zu begrüßen. Wer lacht da? Der ultramontauen „Köln. Volkszeitung" wird aus Berlin geschrieben: „Die Conservativen zeigen sich jetzt über Herrn von Hammer st ein im höchsten Maße erbittert. Warum hat er sich verhaften lassen? Warum hat er den Scandal eines Processes nicht vermieden? fragt man überall in diesen Kreisen. Die Lösung des Räthsels ist ja furchtbar einfach; sie soll cavalierement sein, ist aber nicht christlich. Herr v. H am m e rst e i n verstand mit allen denkbaren Waffen besser umzugehen als fast alle seine Fractionsgenoffen — warum hat er den Revolver nicht auf sich selbst angelegt? So ist der letzte Gedanke in nur zu weiten Kreisen seiner Standesgcnoffen. Der Proceß Hammer st ein wird jedenfalls noch mehr als das bereits über ihn bekannt gewordene die Interessen der conservativen Partei schädigen. Man muß eben die frühere Bedeutung von H a mmerff ei n's sich vergegenwärtigen. In Berlin kennt, abgesehen von den Leuten, die sich berufsmäßig mit Politik befassen, kein Mensch, die Herren von Manteuffel, Graf Limburg oder gar von Helldorf auch nur dem Namen nach. Unseren W i n d th o r st kannte jedes Kind, aber fast ebenso bekannt sind v. Ha m m e rst e i n und Stöcker, die als Verkörperung des Conscrvatismus gellen. Darum fällt in dem Bewußtsein der Masse jeder Schlag, der wider Herrn v. Hammer sie in geführt wird, auf die conservative Partei zurück. Herr y. H a m m e r st e i n wußte dies und hieraus lassen sich zum Theil seine Verbrechen erklären. Er war ja kein verblendeter Jüngling, sondern ein Mann von 58 Jahren, und er war viel zu scharfblickend und zu realistisch denkend, als daß er sich nicht gesagt hätte, es müsse eines schönen Tages zum „Krach" kommen. Es war ja unvermeidlich, daß diese Fälschungen und Betrügereien zuletzt entdeckt wurden. Allein ohne Zweifel hat Herr v. H a m m e r st e i n gedacht, die conservative Partei werde in diesem Falle mit der nothwendigen Million eiuspringeu, um einen Scandal zu vermeiden. Vielleicht wäre das auch geschehen, wenn man die ganze Tragweite der Verwicklung vorher gekannt und sich überlegt hätte. Allein v. H a m m e r st e i n gab sich selbst Preis, indem er seine Schandthaten leugnete, und so wurde er seinem Schicksal überlassen. Man kann auf die weitere Entwicklung der conservativen Partei gespannt sein. Ihre jüngste Entwicklung hat Niemand so beeinflußt, als Herr v. Hamm er stein. Er allein hat den früher in der conservativen Partei fast allmächtigen v. Helldors gestürzt, und er spielte die leitende Nolle, als der Antisemitismus und der Bund der Landwiethe zum Vorspann für den conservativen Wagen gemacht wurden. Und nun war die Sache einfach so: der Adel folgte Herrn v. H a m m e r st e i n und die protestantische Geistlichkeit Herrn Stöcker. Beide hielten zusammen. Wenn nun Herr v. H ammerstein gefallen ist und gegen Herrn Stöcker — auch von Seiten der Regierung — das schwerste Geschütz anfgeboten wird, so ist klar, daß das auf die conservative Partei nicht ohne Einfluß sein kann. Sie geht einer Katharsis, vielleicht einer Katastrophe entgegen." So schreibt nicht etwa ein Organ, das den Conservativen feindlich gesinnt ist. Die „K. V. Z." fügt ausdrücklich hinzu, sie würde es bedauern, wenn die conservative Partei zerschmettert würde. Das können wir von uns gerade nicht behaupten. Die Generalversammlung des Tempel-Vereines für Mariahilf und Neubau. Donnerstag am 26. December Abends */,7 Uhr fand im Sitzungssaale des Tempelvereiues Schmalzhofgasse 3 die 22. ordentliche Generalversammlung statt. Mit gewohntem Tact präsidirte dieser Generalversammlung der Erbauer des berühmten Beremstempels und Vereins-Obmann Architekt Max Fleischer, dem zunächst dieser Tempelverein seine hohe Blüthe, sein unbestrittenes Ansehen und die allgemeine Beliebtheit zu danken hat. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung, begrüßte in herzlichen Worten den als Vertreter der Cullnsgemeinde erschienenen Vorsteher Herr» Salo Cohn und den als Gast anwesenden ehemaligen Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch und ertheilte dem Schriftführer Herrn Hermann L i e b e r m a n das Wort zur Verlesung des Protokolls der letzten Generalversammlung. Nach Verificiruug des Protokolls erstattet der Vorsitzende Herr Max Fleischer den Jahresbericht. Seinen hochinteressanten Miltheilungen entnehmen wir, daß der Verein derzeit 262 Mitglieder gegenüber 257 im vorigen Jahre zählt. Der Redner bittet die Bereinsgenossen um erhöhte Propaganda im Interesse des Vereines. Er wendet sich namentlich an die jüngeren Vereinsgenossen aus ihrem Kreise neue Mitglieder für den Verein zn werben. Redner gedenkt der Thatsache, daß der Verein im abgelaufenen Jahre einen seiner vornehmsten Gönner und Förderer Wilhelm Ritter v. Gutmann verloren hat. und er widmete diesem Phisantropen, dessen Name mir goldenen Lettern auf der Stiftertafel des Vereinstempels eingegraben ist, einen beredten Nachruf. Redner gedenkt weiterer Verluste des Vereines durch den Tod ausgezeichneter Mitglieder, wie: Ludwig Bergler, Filipp L L w y und Moritz N e u m a n n, welche Alle an dem Gedeihen des Vereines lebhaften Antheil nahmen. Die Generalversammlung ehrt das Andenken der Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Am 27. Mai fand im Vereinstempel für das Gedächtniß Wilhelm v. G u t m a n n's ein feierliches Requiem statt. Die Etablirung einer Altersversorgung für die Vereinsangestellten hat weitere Schritte zur Realisirung gemacht. Die Einführung

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