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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-03 · 1 (3.1.1896) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
1 (3.1.1896)
Date
1896-01-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1 Dr Bloch's Wochenschrift. Seite 3 Haus eine Schaar von Mädchen aufnahm, die man nicht gerade in poetischer Ausdrucksweise Dirnen nennt. Der heilige Zweck, Mutter und . Schwestern aus dem Hause zu vertreiben, wurde mit solch' unheiligen Mitteln allerdings erreicht. Aber was würde der mit den Steinen so leichtfertig herumwerfende Herr Wolf antworten, wenn ihn der erwähnte fürwitzige Leser fragen wollte: War Dein vergötterter, angebeteter Meister und Herr auch damals voni „kategorischen Imperativ" geleitet, als er solche Schändlichkeit duldete, hatte er auch damit einen Beweis der Selbsterkenntniß, der Gewissenhaftigkeit und strengen Selbstprüfung geliefert, oder gehörte er vielleicht damals auch zu den „Individualitäten, die sich ausleben wollen?" Nicht mit den Steinen herumwerfen, biederer Herr W v l f, nicht allzuviel auf die eigene Gewissenhaftigkeit und Wahrhaftigkeit pochen! Man kann nicht wissen, ob nicht noch eilt anderer durch die Leetüre Ihres - - und auch andere Blätter irritirter Leser noch mit weiteren Fragen an sie herantritt. antisemitischen Scribenteu ist das Lügen gerade die vornehmste Tugend geworden. j Sagen Sie, Herr K. H. W o l f, würden Sie nach alldem staunen, wenn dieser Ihr Leser, stutzig gemacht durch , seine Entdeckungen, ausrufen würde: j „Ist das die Selbsterkenntniß, die Gewissenhaftigkeit i die strenge Selbstprüfung — die der biedere Germane K. : H. Wolf von Anderen fordert — und sich selbst so edelj müthig nachsieht?"! Wäre eö nicht schließlich begreiflich, daß derselbige Leser dann zu der Schlußfolgerung gelangte: Vielleicht gehört auch der Herr K. H. Wolf hie und da zu jenen Individualitäten, die sich um jeden Preis nur ausleben wollen? Also nicht mit Steinen herumwerfen, Herr St- H. Wolf, man kann nicht wissen, wen ein solcher trifft. E. R o b a g. Nehmen wir an, ein wirklich vorn „kategorischen Imperativ" beseelter Arier hat in der Weihnachtsnummer Ihres Blattes den Artikel „Zionistische Geständnisse" gelesen, in welchem u. A. ganz ernstlich behauptet wird, das Programm der Zionisten enthalte folgenden Punkt: „Die Theorie, alä wäre das Judenthum nur eine religiöse Confessio«, nicht aber eine Nationalität, ist falsch. Die jüdische B e v v l k e r u 11 g der ganzen Welt macht ein e i n h e i tliches Volk aus, das die älteste Geschichte besitzt, die älteste Civilisation, eine eigene Religion, welchen Factoren gegenüber alle anderen Völker, Staaten und Religionen unendlich jünger, schwächer und vergänglichersind. Das jüdische Volk hat keinen Grund und keine Pflicht, sich organisch mit irgend welchem christlichen Volke zu vereinigen. Die Legende Abrahams von der Unterwerfung der ganzen Welt unter seinem Stamm zeichnete für alle Zeiten, auch für die jetzige, den Grundriß der jüdischen Nationalpolitik vor, welche dieses Ziel seit vier Jahrtausenden unentwegt anstrebt. Die Güter a l l e r L ä n d e r u n d V ö l k e r s i n d d e r I u d e u E i g e nthuni, welches ihnen Gott bei seinem Bundess ch l u s s e mit Abraham z u w i e s. Dieses Eigenthum sollen die Juden den Fremden (Gojim) ohne Verpflichtung zu irgend einer Dankbarkeit oder Gegenseitigkeit abnehmen, denn sie nehmen nur das ab, was Gott ihnen gegeben, der Gott Abrahams, Isaaks und Jacobs." Der mehrerwähute Leser wird anfangs vielleicht den Kopf ob solch' vermessenen Wahnwitzes schütteln. Er wird aber dann, vom „kategorischen Imperativ" gedrängt, der wohl auch die Erforschung der Wahrheit zur Pflicht macht, der Sache nachgehen und erfahren: Erstens: daß die Zionisten niemals eine solche Tollheit zu ihrem Programm gemacht haben. Zweitens: daß die Zionisten wiederholt dieses von antisemitischen Lügen-Blättern erfundene Programm als Lüge und Fälschung brandmarkten. Drittens: daß Sie, biederer Herr Wolf, sich doch nicht scheuten, diesen Lügen in Ihrem Blatte sogar in der Weihnachtsnummer Unterschlupf zu geben. Diese antisemitischen Zeitungsleute muß man genau beobachten. „Die Reichspost" bringt ein Feuilleton voll sittlicher Entrüstung über Fritz Friedmann in Berlin, von dem famosen Hammerstein weiß sie den Lesern kein Wort zu erzählen. Die „Deutsche Zeitung" dagegen versichert ernstlich, Baron Hammerstein sei ein Jude gewesen. Natürlich wissen die Redacteure so gut wie alle Welt, daß Hammerstein einer preußischen Junkerfamilie entsprossen, wenn man ihn auch mit dem Spitznamen „Ehamerstein" belegt hatte. Für den Der „Fall" Hammerstrin. Wie Herr K. H. Wolf sich uns Juden gegenüber als den Sittenprediger aufspielt, haben wir gesehen. Auch Herr v. Hammerstein hat noch vor gerade einem Jahre, als er schon in voll gerüttelt Maß von Sünden und Verbrechen aller Art contrahirt hatte, mit der ganzen Frechheit der ihm eigenen frömmelnden Heuchelei in der „Kreuzzeitung" (Nr. 609 vom 31. December 1894) einen Leitartikel veröffentlicht, in dem es hieß: Neujahr. „N icht leichtsinnig tritt ein Christ in das neue Jahr nicht in Rausch und Lärmen sich hinwegtäuschend über e i n e e r n st e S t u n d e, nichl mit inhaltlosen Glückwünschen eine bloße Form erfüllend, nicht im Aberglauben eines glücklichen Bleigusses sich tröstend, sondern im Glauben und Vertrau n auf den Herrn, dessen Namen auch das neue Jahr trägt. Ist auch ein Tag wie der andere, so heißt eines neuen Jahres Beginn dennoch: stille stehen. Der Rückblick gilt dem alten Jahre, inr Ausblick dem neuen. Was hat das alte Jahr gebracht? Was wird das neue bringen? War das vergangene Jahr auch für unser Volk ein Jahr des Segens? Wird es das kommende sein? Wenn der Einzelne auf das verflossene Jahr zurücksieht, so wird sein Herz — mag er auch des Schweren, das er erlebt, gedenken — vollDankes gegen den barmherzigen Gott sein, der ihn bis hieher geleitet. Und gemessen an der Güte Gottes, werden des eigenen Lebens Verfehlungen und Sünden desto schärfer vor sein Auge treten, wie so manches Unrecht er gethan gegen Gott, gegen die Seinen, gegen den Nächsten und wiederum, wie er das Pfund vergraben, welches Gott ihm anvertraut. An des Jahres Wende wird ans einem aufrichtigen C h r i st e n h e r z e n ein d e müthig e s „Kyrie eleison" erklingen. Und in gleicher Weise müßte unser ganzes Volk am Jahresschlüsse demüthigenHerzens vor Gottes Angesicht treten, dankbar gedenkend all der Gnadensührungcu und Bewahrungen des vergangenen Jahres, demüthig das Gute hinnehmend als Gabe Gottes, reuig erkennend und bußfertig bekennend seine Verschuldungen wider Gott. Aber leider gehen die meisten aus dem alten Jahre ins neue ohne Erkenntniß der Wohlthaten Gottes und der eigenen S ü ti d e. Da aber ist es Pflicht der gläubigen Beter, vor Gottes Angesicht unseres ganzen Volkes zu gedenken, daß der barmherzige Gott ihm s e i n e S ü n b e n nicht a n r e ch n e, nicht handle mit uns nach unseren Sünden und uns nicht vergelte nach unseren Misselhaten.« Es folgt alsdann die in den Blättern vom Schlage der „Kreuzzeitung" übliche Schimpferei auf den „neuen Glauben", d. h. den „Unglauben" und die eidesstattliche Versicherung: „Nein: znm neuen Jahr den alten Glauben an den dreikinigen Gott, an Gott den Vater, welcher uns geschafjen, Gott den Sohn, welcher uns erlöst, und Gott den heiligen Geist, welcher uns geheiligt hat. Mit den Aposteln bekennen wir den alten Glauben: „Wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes." (Joh. 6, 69.) „Es ist in keinem anderen Heil, ist

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