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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-27 · 52 (27.12.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
52 (27.12.1895)
Date
1895-12-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Bloch'» Wochrnfchrifl. loser Zukunft, wie das jüdische Volk, keine Gelegenheit außer Acht lassen dürfe, um in Erinnerung an feine nationalen Helden jenen alten Muth und jene alte Kraft zu schöpfen, die den Juden besonders in den letzten Jahren von Nöthen wären. Redner legte nun in klaren Worten das Programm den Jüdischnationalen vor, besprach seine Endziele und Eonsequenzen und schloß mit einem kräftigen Appell an die Versammlung. Alles was jüdisch, nicht nur jüdischnational zu unterstützen. Der stürmische Applaus, der dem Redner gezollt wurde, mag ihn wohl belehrt haben, daß man gerade nicht alt sein müsse, um reden zu können. Auf einen Toast auf die alten Herren, den Med. Schallt sprach, antwortete im Namen derselben Dr. Birnbaum. Die jüdischnationalen Verbindungen, die Med. Frey hoch leben ließ, sprachen durch ihre Vertreter, die Präsidien der Jvria, Hasmonaea, Gamala, Libanonia, Theologia, Lesehalle der „Kadimah" ihren Dank für die Einladung aus und überbrachten ihr die Grüße ihrer Verbindungen. Nach einer kleinen Pause ergriff Herr I eitel es das Wort, um seiner Freude und Genugthuung Ausdruck zu geben, an einer solchen schönen jüdischen Tafel sitzen zu dürfen. Schließlich sprach noch Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, welcher insbesondere lobend über das energische Auftreten der „Kadimah" nach Außen, nebst der trefflichen inneren Erziehung sich aussprach. Er leerte sein Glas auf das Wohl be; ,,Kadimah". Dem officiellen Theil, der mit dem Verlesen der Telegramme und Zuschriften geschlossen wurde, folgte, wie usuell, der inofficielle Theil, der die Anwesenden in bierseliger Laune bis in die frühesten Morgenstunden beisammen hielt. Wien. Bor uns liegt der Jahresbericht der 16. Verwaltungs- Periode vom 1. Jänner bis 31. December 1894 vom Vereine zur Verköstigung armer Israeliten im Allgemeinen Krankenhause. Die humanitäre und religiöse Tendenz dieses Wohltbätigkeitsvereines wird als besonders löblich sogar von den Professoren Albert, An spitz, D i t t e l, Politzer, Nothnagel, S t e l l w a g und G r u b e r wärmstens empfohlen, da sich diese Herren davon überzeugte», das; viele Kranke eher Hunger leiden, als daß sie unrituelle Kost genießen. Erfreulich ist es, daß das Deficit um 820 fl. 85 kr. znrückging; trotzdem ist ein Fehlbetrag von 1327 fl. 4 kr. noch groß genug. Die Einnahmen betrugen 1518 fl. und dürften dieselben durch erhöhte Beiträge aus Galizien, welchem Kronlande wohl die meisten Patienten entstammen, relativ sich vermehren, um allmälig das Deficit schwinden zu machen. Für den verstorbenen zweiten Vorstand Herrn I. L. F re ist a d t wird ein Ersatz zu suchen sein. Beitrittserkkärnngen und Beiträge werden vom Präses Herrn Marcus Bondi (in Firma Jacob Neurath) II., Untere Augartenstraße 17, eutgegengenommen. Das Verdienst des Herrn I. B u ch w a l d, Cassarevisor. der fast allsabbathlich die Kranken besucht, ihre Wünsche und etwaige Beschwerden anhört und eventuellen Uebelständen zu begegnen sucht, soll besonders hervorgehoben werden. Herr Restaurateur B r o d y bemüht sich, kräftige und schmackhafte Kost zu verabreichen. —u. Baden. (Betrügerisches Geschäftsgebahren.) Der Obmann des politisch-antisemitischen Bezirks-Wähler-Vereines in Baden Josef Spörk, überreichte vor Kurzem beim Badener Stadtvorstande eine Eingabe zur Bekämpfung des unreellen Gewichtes im Kohlenhandel. Bald darauf constatirte der Marktcommissär, daß der Verfasser dieser Eingabe! bei einer Kohlenlieferung von 12 Säcken um 22V» Kilo weniger den Kunden abgab, als ihm bezahlt wurden. Infolge dieser bedeutenden Gewichtsverkürzung hatte sich Josef Spörk am 3.öd. M. wegen Betrug beim Badener Bezirksgerichte zu verantworten, doch scheint er in antisemitischen Versammlungen mehr Glück, als im Gerichtssaale zu haben. Der Obmann des antisemitischen Wählervereines liebt es, v i e l zu reden und will Jedermann aufklären , das kam ihm aber schlecht zu statten, spörk gab weitschweifige Erklärungen des Kohlenhandels, durch die er Nachweisen will, daß man so nichts verdienen kann und deshalb genöthigt sei, um nicht umsonst zu arbeiten, beim Gewicht den Verdienst hereinzubringen? das sei allgemein gebräuchlich! Der Strafrichter sagt, die Vertheidigung des Angeklagten scheine dahin zu gehen, daß er das Gewichtsmanco zu Gunsten seines Gewinnes beanspruche. Der staatsanwaltschaftliche Functionär beantragt mit Bezugnahme auf d i e V e r t h e i d i g u n g des Angeklagten eine strenge Bestrafung. Hierauf wurde die Verhandlung behufs Einvernahme des Marktcommissärs vertagt und am 17. d. M. zu Ende geführt. Seite 971 Der angeklagte Obmann des antisemitischen Wählervereins erschien diesmal mit dem getauften Juden, dem Concipienten Dr. Berger, doch konnte auch dieser Vertheidiger die vom Marktcommissär gerichtlich eonstatirte Gewichtsverkürzung nicht rechtfertigen und wurde Josef Spörk wegen Betrug zu 49 Stunden Arrest verurtheilt. Diese Gerichtsverhandlung ist wieder so recht bezeichnend für das ungerechtfertigte Auftreten der Antisemiten. Nicht nur, daß sie in Versammlungen über unreelles Geschäftsgebühren ihrer Concnrrenten schimpfen, machen sie sogar Ein. gaben an Gemeinden und Behörden, und wenn dann die Sache gerichtlich untersucht wird, kann constatirt werden, daß die größten Schreier nicht nur selbst betrügen, sondern noch die Stirne haben, ihre Betrügereien durch dumme Erklärungen bemänteln zu wollen, indem sie erklären, fie muffen die betrügerischen Gewichtsverkürzungen ausführen, sonst können sie nichts verdienen. Also über Juden und Liberale schimpfen und selbst betrügen, das ist die saubere Moral der Antisemiten! Budapest, 16. December. (Zur neuesten Blutl ü g e.) In der Angelegenheit der Garam-Kis-Salloer Blutbeschuldigung hat bekanntlich der Kaufmann Ignaz Adler gegen das antisemitische Blatt „Magyar Allam", welches dieser Beschuldigung Raum gegeben hatte, einen Preßproceß wegen Verleumdung und Ehrenbeleidigung angestrengt. Der Redacteur des „Magyar Allam", EmilSzennez, der vom Untersuchungsrichter in Preßsachen vernommen wurde, bezeichnete als Autor des incriminirten Artikels den Zselizer römisch-katholischen Pfarrer Johann Fuß, der dann im Wege des Levaer k. Gerichtshofes einvernommen wurde und sich zum Verfasser des Artikels bekannte. Hiemit wurde die Untersuchung abgeschlossen und privatklägerischer Vertreter Dr. S. Guthi überreichte seine Anklageschrift. Die Hauptverhandlung — welche sehr interessant zu werden verspricht — dürste gegen Ende Jänner 1896 stattfinden. Budapest. (Todesfall.) Am 10. d. M. verschied hier Herr Julius Futtaki. Redacteur der halbamtlichen „Budapester Correspondenz". Derselbe war allgemein geachtet und besaß auch die besondere Gunst Sr. Majestät, welcher beispielsweise bei den jüngsten großen Manövern in Siebenbürgen anordnete, daß Herr Futtaki au der täglichen Hoftafel, gleich den übrigen officiellen Manövergästen, seinen Platz zu erhalten habe. Das Leichenb^gängniß fand am 12. d. M. unter reger Theilnabme statt. Anwesend waren: Landesvertbeidigungsminister Baron Fejerväry, Minister des Innern P e r c z e l, Cultusminister Wlassich, mehrere Abgeordnete und mehrere hochangesehene Vertreter der Preffe. Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Weiß bürg hielt eine ergreifende Trauerrede. Die Trauergesänge recitirte Herr Obercantor Professor L az a r u s. Budapest. (Auszeichnung.) Wie wir gemeldet, dürfte bereits die nächste Nummer des Amtsblattes die Verleihung des Titels eines königlichen Rathcs an den hiesigen Advocaten Dr. I o s es S i m o n melden. Ter Vorschlag zu dieser allerhöchsten Auszeichnung ist von dem Cultnsnnnister erstattet worden, in Anerkennung der großen Verdienste, welche sich Dr. I o s e f S i m o n in seiner Eigenschaft als Leiter der isr. Landeskanzlei, als Berather dieses Ministeriums für jüdische Angelegenheiten erworben hat. Vom Tage der Errichtung dieser zur Wahrung der Interessen der auf der Congreßbasis stehenden ungarländischen Judenheit beruhenden Institutionen, welche in der Folge sich als der berufenste Ar- Walt der gesammten vaterländischen Judenheit erwies, hat Dr. Simon mit unendlichem Eifer und mit seltenem Talent die Geschäfte dieser Institution geleitet, an deren Spitze bekanntlich königlicher Rath Martin Schweiger steht und sämmtliche Vorgänger des Dr. W l a s s i c s, wie Paule r. Tresor t, Graf C s a k y und Baron E ö tv ö s haben seine Mitwirkung bei Regelung der isr. Gemeinde- Verhältnisse dankbar anerkannt; namentlich die Reform und einheitliche Gestaltung des jüdischen Matrikelwesens und die Vorbereitung der Receptionsangelegenheit wurden mit Recht mit dem Namen Dr. S r m o n's in Zusammenhang gebracht. De. W l a s s i c s hat daher nur den Intentionen seiner Amts- Vorgänger entsprochen, indem er die allerhöchste Auszeichnung eines Mannes vorschlug, dessen Wirken seit fünfundzwanzig Jahren in solcher Stille verfloß, daß sein Name aus diesem

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