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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-27 · 52 (27.12.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
52 (27.12.1895)
Date
1895-12-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 970 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 53 Staatsanwaltschaftlicher Functionär Dr. P i cf gab dem Richter bekannt, daß G r i e n sammt seiner Geliebten schon früher einmal unter ganz gleichen Umständen wegen Diebstahls zum Nachtheile eines jüdischen Hausirers angeklagt war. Der Richter vertagte daher di Verhandlung zur Ausforschung der Geliebten des Angeklagten, sowie zur Herbeischaffung des Boractes. Wien. Am 19. dieses Monats feierten Herr Gottlieb Bettel heim und seine Frau, Regine B e t t e l h e i m, geborene Rainer das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Herr Bettelheim. Obmann der Tempelgemeinde im IX. Bezirk hat sich große Verdienste um die Erbauung des schönen Gotteshauses in diesem Bezirke und um die Institutionen desselben erworben. Seiner Initiative und Bemühung ist die Berufung des Rabbiners Herrn Dr. Gelbhaus nach Wien zu verdanken. ebenso ist die Gründung des rühmlichst bekannten Vereines zur Unterstützung Armer und Hilfsbedürftiger im IX. Bezirk, genannt „F r a u e n h o r t". seiner Anregung entsprungen. Herr Bettelheim spendete aus Anlaß dieser Feier 20.000 (Zwanzigtausend) fl. für das jüdische Kinderasyl. Am Donnerstag den 19. d. M. ist Herr Bettelheim beim Frübgottesdienst im Tempel des IX. Bezirkes erschienen und spendete 300 fl. für Tempel- und andere wohlthätige Zwecke. Bei dieser Gelegenheit sprach Obercantor Kläger seinen für diesen Zweck in hebräischer Sprache verfaßten „Mi Scheberach“, den er auch von einem Kalligraphen hatte schreiben und mit Rahmen versehen lassen. In Würdigung seiner mildthätigen Bestrebungen gestaltete sich auch das Jubelfest zu einem wirklichen Ehrentage für ihn und für seine edelherzige Gemahlin. Eine großeAnzahl von Gratulanten erschien in der Wohnung des Jubelpaares, nm es zu beglückwünschen. Die israelitische Cultusgemeinde entsendete eine Deputation, bestehend aus den Herren Bicevräses Gustav Simon. Dr. Steiner und Dr. Grün fel d. Der Vorstand des Tempelvereines im IX. Bezirk, geführt vom Biceobmann Herrn D. Bloch, erschien in corpore und überreichte ein sinnreiches, aus Silber verfertigtes Ehrengeschenk. DerBerein..F r a u e n h o r t"ließ durch eine Deputation, bestehend aus der Präsidentin Frau Ziffer er, Frau Fröhlich, Frau Dr. Gustav K o h n und Frau Feigenbaum. eine vrachtvoll ausgestattete Adresse überreichen. Auch erschienen die Präsidentin des ,.F e r i e n h e i m". Frau Doctor G r ü n f e l d mit der Schriftführerin Frau Graf, der frühere Reichstaqsabgeordnete Herr Dr. Bloch, Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus mit Gemahlin, Frau Dr. Bauer, Herr und Frau Schefftel u.A. Am Abend fand im Hause des Jubelpaares die eigentliche Feier statt, wobei Herr Rabbiner Dr. Gelr.hans ein? weihevolle Festrede hielt. Herr Sanitätsrath Dr. Reiner, der Schwiegervater des Jubilars, zeichnete beim Festmahle in einer geistreichen, erhebenden Ansprache die Bedeutung des Jubelfestes für die Familie des Jubelpaares. Es ergriff auch der Jubilar das Wort, um seinen Gefühlen des Dankes Ausdruck zu verleiben. In animirter und gehobener Stimmung verblieb die Festversammlung bis Mitternacht. Wien Samstag den 28 December 1895. Abends 7 Uhr, findet im Ceremoniensaale des Tempels IX.. Müllneraasse 21. die ordentliche General-Versammlung für das XXIX. Vereinsjahr des israelitischen Bethansvereines ..Chewra Beth-Hatfilah" im IX. Bezirke statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht' 2. Bericht über die Einführung eines Penfionsnormales; 3. Neuwahl von drei Mitgliedern in den Vorstand; 4. Neuwahl des Ausschuff-s; 5. Anträge und Interpellationen. Der Jahresbericht constatirt mit Besriedignna, daß in der Entwicklung des Vereines kein Stillstand einaetreten und die Institution, dank der Opferfreudigkeit seiner Mitglieder, sich stetig entwickeln konnte. Die Zahl der Mitglieder hat eine nicht unbedeutende Zunahme erfahren, dieselbe ist von 269 auf 294 gestiegen. Durch diese Sympathie, sowie durch die stetige Förderung seitens der Muttergemeinde, war es der Vereinsleitunq möglich, trotz der vermehrten Bedürfnisse und größeren Anforderungen, die im Laufe dieses Jahres an den Verein herantraten, einem Deficit (eines Gebahrens auszuweichen. Eine wichtige Errungenschaft des Vereines ist die Perfectionirung eines Pensionsnormales und die Gründung eines Penfionsfondes für die definitiv Angestellten, wie es in der letzten Generalversammlung in Anregung gebracht wurde. Durch die dem Penfionsfonde zugewendeten Einnahmsguellen hat derselbe die Höhe von^1239 fl. erreicht. Nur di? Zahl der Trauungen bat sich, in 'Folge äußerer Einflüsse, von 52 auf 42 verringert, und richtete'der Vorstand an die Vereinsmitglieder die dringende Bitte, in ihren Verwandten- und Freundeskreisen dahin zu wirken, daß die Eheschließungen, die in ihren Familien Vorkommen, in unserem Tempel vorgenommen werden sollen. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß der Jugendgottesdienst in dem Vereinstempel Dank der erhöhten Sorgfalt, welche sowohl'^unsere verehrliche Cultusgemeinde wie die Bereinsleitung diesem wichtigen Mittel der Jugenderziehung zuwenden, eine wesentlich erhöhte Frequenz aufweise. Das langjährige Vorstandsmitglied, Herr M. Fre u n d, hat im Laufe des Jahres wegen Vermehrung seiner Berufsgeschäfte zu unserem Bedauern sein Mandat als Vorstands- Mitglied niedergelegt und wurde Herr Herm. Krön an seine Stelle cooptirt. - Wien, 21. December. (Ein „Deutscher Jugend bund".) Wir entnehmen dem Specialorgan des Herrn Georg Schönerer, daß von der unverfälschtesten deutschnationalen Gruppe für den Beginn des nächsten Jahres die Gründung eines „Deutschen Jugendbnndes" geplant ist, „der den Zweck haben soll, die noch unverdorbene deutsche Jugend zu sammeln, sie dem undeutschen seichten Getriebe der Großstadt und der der Verhetzung der Socialdemokratie zu entziehen und ihr eine Stätte der nationalen Erziehung und Erbauung, aber auch der Erholung und wahrer Fröhlichkeit zu schaffen." .. . Wie diese „nationale Erziehung und Erbauung" beschaffen wäre", darauf läßt ungefähr ein Aufruf schließen, den dasselbe Leibblatt des Herrn Schönerer an die „Deutschnationalen im Deutschen Reiche und deutschen Oesterreich" richtet. Darin heißt es: „Redet doch nicht immer bei Sedanfeiern, Bismarckfeiern oder bei sonstigen alldeutschen Merktagen von einem geeinten Deutschland! Es gibt noch kein Deutschland — denn das heutige „Deutsche Reich" ist noch lange nicht Deutschland. — Das heutige Deutsche Reich zählt rund 45 Millionen Stammesdeutsche; fast 15 Millionen, also der Zahl nach noch ein Drittel der deutschen Reichsbevölkerung, steht noch außerhalb eines staatsrechtlichen (was die Ostmark anbelangt), auf verfassungsmäßigem Weg zu schaffenden Alldeutschland ... Dieses deutsche Reich kann nach den Grundsätzen der Nationalpolitik nur als die Grundlage für ein, was die deutsche Ostmark betrifft, auf — sagen wir — verfassungsmäßigen Wege zu erstrebendes Alldeutschland, im Sinne des Ärndt'schen Liedes: „Was ist des Deutschen Vaterland?" und des Jahn'schen Einheitstraumes, betrachtet werden. — Heil Alldeutschland! Heil dem Bismarck der Zukunft!" Auf diesen „Deutschen Jugendbund", der, wie man sieht, einfach eine Brutstätte der Vaterlandslosigkeit werden soll, „mögen" — wir citiren hier wieder das erwähnte Blättchen — „die deutschen Handwerker, Kaufleute u. s. w. ihre Gehilfen, Lehrlinge u. s. w. aufmerksam machen". Es wird gut sein, wenn man überhaupt auf dieses nette Gewächs „aufmerksam wird". . . . Wien. (Die akademische Verbindung „K adimah") feierte Donnerstag den 19. d. M. ihr 14. Makkabäerfest. Es hatten sich bei 300 Studenten eingefunden, wie überhaupt der Abend einen rein studentischen Charakter hatte, so daß die Spätkommenden nicht einmal in den Saal hineinkonnten. Nachdem der Präses Drd. Gerbel die erschienenen Gäste, insbesondere die alten Herren der Verbindung, Advocat Dr. Kokesch, die Schriftsteller Dr. Birnbaum und Dr. Werner, Landesschulrath Dr. Kohn, Fabrikant Ieitel, den Vorsteher der Troppauer Cultusgemeinde Chacham A lk a l a y. Obercantor R o s e n st o ck rc. begrüßte, erhielt der Jungbursch der Verbindung Med. Beril Ehrlich)das Wort zur Festrede. In wahrheitsgetreuen Zügen zauberte er den Anwesenden ein Bild der Zeit von den Makkabäern vor Augen, ließ sie gleichsam mitkämpfen den Kampf der Freiheit, um?nun in trefflichen, von wahrer Ueberzeugung getragenen Worten die traurige Gegenwart, resp. das traurige Auftreten der Juden in der Gegenwart einer ironisirenden Kritik zu unterziehen. Durch reichen Beifall, der dem Redner gespendet wurde, gab die Versammlung ihre Uebereinstimmung mit dem Gelehrten? kund. Nach Absingung des Bundesliedes sprach Jungbursch Jur. Maximilian P iekarski die Tendenzrede. Im Anschluß an die Festrede bewies er. daß die Juden ein Volk seien und demgemäß auch das Recht hätten, Nationalfeste zu begehen, nicht aber Nationalfeste in Verfolgung chauvinistischer Zwecke, sondern in, richtiger Erkenntniß dessen, daß ein Volk von so hoffnungs-

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