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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-27 · 52 (27.12.1895) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
52 (27.12.1895)
Date
1895-12-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 965 den Vordergrund schiebt. Mit Mißtrauen müssen sie es verfolgen, daß ein Dr. E b e n h o ch und D i P a u l i sich herandrängen und jetzt an der vollbesetzten antisemitischen Tafel Platz nehmen und m i t e s s e n wolle n. Zum Schlüsse dieser so offenherzigen Mittheilungen kam dann eine Drohung an die Adresse Tr. Lueger's, der keine clericale Rede mehr im Musikvereinssaale halten werde, widrigens ihm die Deutscbnationalen ihre Stärke zeigen und ihm die Zähne weisen würden. Unter dem Drucke der Deutschnationalen habe Lueger sich nachdrücklich als Deutschen und Nationalen bekannt, aber es gebe trotzdem zwischen ihm und denDeutschnationalen „viel mehr des Trennenden, als des Gern e i n s a men", und sie stünden jetzt zu ihm zum Sturze Bade n i's. Herr Dr. Lueger dürfte über diese Rede kaum sehr erfreut sein; Herr K. H. Wolf hat da mehr erzählt, als mit demjenigen, was Herr Dr. L u e g e r s e i n e m „Volk von Wienerzählt, harmonirt, und er hat ^a für die unbefangene Beurtheilung viel zu freien Einblick in die antisemitische Hexenküche gewährt. Wenn jene Kreise, die dem Dr. Lueger Blumengewinde darbringen, selbstständig denken würden, dann müßten sie sich wohl bald darüber klar werden, wie unwürdig die Rolle ist, zu der sie als Statisten von den gemeinsamen und getrennten, christlich-socialen und dentschnativnalen, arischen, getauften oder verjudeten Antisemitensührern und Zeitungsheransgebern sich mißbrauchen lassen. Ein umfangreicher Seandalprocetz wird demnächst vor dem Berliner Amtsgericht zur Verhandlung gelangen, Gegen den Reichstagsabgeordneten Otto Boeckel ist als Redacteur der von ihm heransgegebenen Zeitung „Deutsches Volksrecht" Anklage wegen Beleidigung durch die Presse erhoben worden. Die Anklage erstreckt sich außerdem aus den Baron von Falkenegg und den Chemiker G. I ü r s. Klägerin ist die geschiedene Gattin des Barons von Falkenegg. Im „Deutschen Bolksrecht" ist am 6. August d. I. ein Artikel erschienen, betitelt „Die Baronin", Sittenbild aus der seinen Gesellschaft". Baron von Falkenegg soll unter der Beihilfe des Mitbeklagten Jürs Verfasser dieses Artikels sein, der sich auf die Baronin von Falkenegg bezieht und über Herkunft und Vorleben derselben beleidigende Behauptungen enthält. Ein Artikel ähnlichen Inhalts ist am 5. September unter dem Titel „Die Schloßherrin von Geierseck" erschienen. Der Baronin von Falkenegg sind von ihrem früheren Gatten 175.000 Mark gerichtlich zugesprochen worden. Sie behauptet, daß ihr früherer Ehemann ihr mit einem fürchterlichen Scandal gedroht habe, wenn sie nicht von ihrer Forderung zurücktrete. Diese Drohung habe er nun wahr gemacht. Die Beklagten haben einen großen Zeugenapparat aufgeboten. Majestätsbeleidigung. Bei Empfang der Nachricht von der Nichtbestätigung des Dr. Lueger äußerte sich der Bauer Franz Hirsch au er in Liebhartsthal in einer Weise, welche seine Versetzung in den Anklagestand wegen Majestätsbeleidigung zur Folge hatte. Hirschauer batte am 18. d. M. vor einem Erkenntnißsenate sich in geheimer Sitzung zu verantworten und wurde im Sinne des von der Staatsanwaltschaft gestellten Antrages zu drei Monaten Kerkers veru r t h e i l t. Proeetz Deckert. Die für Samstag den 21. d. M. anberaumt gewesene Verhandlung gegen Pfarrer Dr. Deckert wegen Vergehens der Aufreizung im Sinne des § 302, begangen durch seine antisemitischen Predigten, ist auf Ansuchen des Angeklagten, der Erkrankung geltend machte, vertagt worden. Auch ein Priester des Christenthums. Im Deutschconservativen Verein zu Frankfurt a. M. hat dieser Tage der Pfarrer Julius Werner aus Beckendorf bei Oschersleben einen antisemitischen Vortrag gehalten, in welchem er zum „energischen Kampf gegen das moderne Judenthum" aufrief. Pfarrer Julius Werner motivirte diesen Kampfesruf durch das Dogma, daß „jeder anständige Mensch Antisemit" sei. An einer anderen Stelle seiner Rede sagte der Priester der Nächstenliebe auch: „Die Juden sind mir so gleichgiltig, daß ich sie am liebsten gar nicht sehe." Man schreibt nun der „Frankfurter Zeitung", daß dem Herrn Psa'rer denn doch nicht immer die Juden so gleichgiltig waren, jedenfalls nicht zu Anfang der Achtziger-Jahre, da er als Studiosus der Theologie ein Stipendium aus einer Frankfurter Stiftung bezog, die ein Jude zu Gunsten Studirender aller Confessionen gegründet hat. Ja „Dankbarkeit ist eine Zier, doch kommt man weiter ohne ihr". König Salomo als Pferdezüchter. Ein bekannter, spanischer, volkswirthschaftlicher Schriftsteller, Lopez Martinez, hat in einem seiner neuesten Werke den für die Geschichte des arabischen Vollblutpferdes werthvollen Ausspruch gethan, die Pserdeställe Salomos hätten zahlreiche spanische Pferde beherbergt. Diese Behauptung und die daraus entspringende Frage, was aus der möglicherweise vom König Salomo begründeten Pferderace geword.n sein mag, unterzieht ein deutscher Forscher Leo Anderlind in einer soeben unter dem Titel „Spanische Pferde in den Ställen Salomos" erschienenen Broschüre (Sonderdruck aus der Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins) einer eingehenden Untersuchung. Weitaus die meisten Schriftsteller, welche über die Geschichte des Pferdes geschrieben, sagt Anderliud, huldigen der Ansicht, daß das Pferd durch Völkerwanderungen oder Kriege von Asien nach Europa gekommen sei. Aber diese Ansicht sei neuerdings durch die zoopaläontologischen Untersuchungen Marbel de Serres', L. Rütimeyer's, Ecker's und Nehring's im Wesentlichen widerlegt worden. Rütimeyer ist sogar geneigt, aus der reichlichen Vertretung des vorgeschichtlichen Pferdes in den Höhlen von Thanigen und Veyrier, aus seinem seltenen Vorkommen zur Zeit der Pfahlbauten und anderen Momenten zu schließen, daß es eher von Europa nach Asien gekommen sei. Nehring gelangt aus Grund zahlreicher vergleichender Messungen, welche er an im Diluvium Mitteleuropas ausgefundenen Gebissen, Schädeln und Extremitäten, sowie an den entsprechenden Kiiockienpartien unserer jetzigen Pferderace vorgenommen hat, zu den Sätzen, daß das schwere, gemeine Pferd aus dem Diluvialpferd Mitteleuropas und daß die kleinen, zierlichen Hauspferde theils aus Asten, theils aber auch von den kleineren Racen des mitteleuropäischen Diluvialpferdes abstammen. Eine Bestätigung und Vervollständigung erfuhren die Nehring'schen Forschungsergebnisse durch einen wichtigen Fund, den ein Herr Munk im Jahre 1890 nahe Hohlheim bei Nordlingen gemacht hat. Er fand einen menschlichen Ueberrest, der auf 8000 Jahre geschätzt wird und in der unteren Erdschicht unter Anderem die Reste von Pferden zweier Racen, einer sehr großen und einer kleineren, eselartigen Pferderace. Hatte nun Mitteleuropa in vorgeschichtlicher Zeit wilde und gezähmte Pferde, warum, fragt der Verfasser, sollten die Iberer nicht das Pferd schon einige Zeit vor dem Zeitalter Salomos gekannt haben? Um den Beginn unserer Zeitrechnung gab es nach den Berichten des Strabo und des Marcus Terentius Barro in Spanien sicher wilde Pferde. Auch daß die spanische Race schon zur Zeit der Römer dieselben vorzüglichen Eigenschaften besessen, die sie heute auszeichnet, geht aus den Bemerkungen der römischen Schriftsteller Plinius, Martial und Justin hervor. Alderote tbeilt mit, daß man aus Antiochien und Rom nach Spanien kam, um Pferde zu holen. Ist es nach alledem wohl möglich, daß die iberische Halbinsel zur Zeit Salomos iberische Pferde beherbergte, die bei ihm den Wunsch erweckt haben könnten, solche zu besitzen und fortzuzüchten, so ist eine zweite Frage die Verbindung dieser Pferde nach Palästina. Anderlind hält es für ausgeschlossen, daß sie auf den sogenannten Tarsisschiffen zu Salomo gelangt seien, er glaubt indessen mit Bestimmtheit und führt dafür interestante Gründe an, daß er sie durch Vermittlung seines Freundes Hiram erhalten hat. Die Phönizier unterhielten schon um diese Zeit mit den Bewohnern der am Guadalquivir gelegenen Ebene Handelsverbindungen, und es wäre nicht unmöglich, daß sie, wie später die Römer den Fluß aufwärts bis an die Stätte des heutigen Sevilla oder selbst bis nach Cadix, dem Landstrich, der jetzt noch die werthvollsten Roste aufweist, rorgedrungen wären. Bekanntlich war König Salomo ein großer Pferdeliebhaber und unter den israelitischen Führern und Königinnen der erste, der Pferde im Kriege benutzte. Er war der Begründer der Cavallerie und Kriegswagenabtheilung im israelitischen Reiche. Wenn es nun an zwei Stellen im Testament heißt, daß Salomo seine Pferde durch Händler aus Egypten bezogen, so melden zwei andere Stellen der Schrift, daß er sie „auch aus allen andern Ländern erhalten habe und außerdem Pferde und Maulthiere als Geschenk bekam. Daß Salomo Pferdezucht betrieb, dafür sprechen viele Momente; daß er zur Züchtung einer besonders schönen und tüchtigen Raste das spanische Pferd wählte und entweder in der Gattung rein erhielt oder aber mit einheimischen Pferderacen kreuzte, sei sehr wahrscheinlich. Carsten Niebuhr berichtet, daß nach Überlieferung der Araber die arabischen Vollblutpferde, „Köchläni" oder „Köhelji", von der Stuterei des Königs Salomo abstammen sollen, und C. Guar-

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