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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-20 · 51 (20.12.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
51 (20.12.1895)
Date
1895-12-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1 Nr. 51 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 949 leistet hat, wenn man die Schwierigkeiten bedenkt, mit denen der junge Verein zu kämpfen hat. Denn die Lesehalle, die stets an ihrer Bestimmung, fern von jeder politischen Tendenz ihre Mitglieder geistig zu vervollkommnen und dabei die körperliche Ausbildung nicht zu vernachlässigen, festhält — findet leider nicht jene Unterstützung bei unfern sonst so opferfreudigen Glaubensgenossen, als ein Verein von so herrlichen Zielen verdienen würde. Während nämlich Vereine ähnlicher Art von hochherzigen Gönnern reichlich mit Geld- und Büch-rspenden unterstützt werden, wird die Jüdische akademische Lese- Halle, die doch nichts anders sein soll, als ein geistiges Centrum sämmtlicher jüdischer Hochschüler Wiens, einem Stiefkinde gleich vernachlässigt und über die Achsel angesehen. Nur wenige, edle Männer haben sich gefunden, die in lobenswerther Weise den Verein durch Vorträge und Unterstützungen jeder Art in seinen herrlichen Intentionen fördern. Kgl. Weinberge. Der jubilirte Med. und Chir. Doctor Emanuel Schiller, k. u. k. Oberarzt i. R., feierte am 27. November l. I. sein 80. Geburtsfest. Geboren von israelitischen Eltern in Jungbunflan (Böhmen) stndirte er daselbst und in Gitschin das Gymnasium, dann die Universität in Prag, war ein Schüler des berühmten Mathematikers Profeffor I a n d e r a, machte das philosophische Studium mit, trat dann in das medicinische über, wo er im Jahre 1841 zum Doctor promovirt wurde. Nach der Promotion trat er als öffentlicher Arzt in Mscheno bei Melnik auf. wo er durch volle sieben Jahre seine Praxis ausübte. Als im Jahre 1848 Mangel an Aerzten in der Armee eintrat, trat er als Chefarzt ein. machte die ungarische Revolution in Raab mit, wurde 1850 nach Treviso (Benetien), später nach Venedig transferirt, wo er durch drei Jahre im Garnisonsspitale Dienste leistete; sodann wurde er nach Mantua (Lombardei) übersetzt, in dieser Stadt erkrankte er an Malariafieber, mußte in den zeitlichen Ruhestand versetzt werden und zog sich in seine Vaterstadt Jungbunzlau zurück. Nach seiner Genesung trat er abermals in Militärdienste, wo er in der Befchäl-Remontirung Nemoschitz Nr. 2 Dienste leistete. Als im Jahre 1866 der preußisch-österreichische Krieg ausbrach, wurde er Chefarzt im Garnisonsspitale Jungbunzlau, verblieb trotz preußischer Invasion am Platze, er hatte mehr als 300 österreichische Verwundete und als Alle Aerzte entflohen, blieb er in der Stadt und übte seine Pflicht. Als die Preußen nach der Schlacht bei Königgrätz 900 österreichische Kriegsgefangene durch Jungbunzlau führten, gelang es ihm, mehr als 70 Kriegsgefangene aus der Gefangenschaft zu befreien. Während der Cholera -n demselben Jahre ruhte er weder bei Tag noch bei Nacht, da er weit über 700 Kranke hatte, er verlor seine Gattin und Schwester und ermüdete nicht. Zu seinem Geburtstage, welchen er im engsten Familienkreise feierte, da er vor Kurzem seinen Schwiegersohn, den Herrn S e i d n e r, verlor, der ihm noch für Enkel die Sorgen hinterließ, liefen zahlreiche Glückwünsche von Nah und Fern ein. Berlin, 8. December. Der außerordentliche Professor an der medicinischen Facultät der hiesigen Universität, Dr. Ehrlich, ist zum ordentlichen Professor ernannt worden. —Der Musikschriftsteller Herr Paul Ertl sah sich gezwungen, seine Stellung als Musikreferent der „Deutschen Tageszeitung" niederzulegen, weil dieses Blatt, das Organ des „Bundes der Landwirthe", den „Paulus", das Oratorium Mendelssohn-Bartholdy's, als das Werk eines Juden nicht genannt oder gar gelobt sehen wollte. Mit der Leitung des Talmudunterrichts an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums ist an Stelle des sel. Joel Müller Herr Dr. E. B a n e t h kommissarisch betraut worden. Dr. Baneth, dessen Hauptwerk eine noch im Erscheinen begriffene deutsche Uebersetzung und Erklärung der Mischna ist, war 13 Jahre hindurch Rabbiner in Krotoschin und ist gegenwärtig Rabbiner der hiesigen Bne- Berith-Gemeinde. Berlin. Ueber die sociale Stellung der Juden in Berlin gibt das Berzeichniß der wahlfähigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde wenn auch unvollkommenen, so doch immerhin interessanten Aufschluß. Das Berzeichniß weist 526 Aerzte und 315 Rechtsanwälte auf. Dem juristischen Berufe gehören noch 9 Amts- und Landgerichtsräthe, sowie 8 Amts- und Landrichter an. Die Liste zählte ferner auf: 40! Professoren, darunter 3 Geheim-Regierungsräthe; 11 Privatdocenten, 12 Oberlehrer, 42 Lehrer. 30 Journalisten und Redacteure und 31 Schriftsteller, ferner 25 Musiker und Componisten. Im Staatsdienste sind angestellt: 1 Legationsrath, 4 Regierungsräthe. 1 R e chn u n g s r a t h, 1 S t eue r a u fs e her. Im Comrnunal-Dienst stehen 9 Stadträthe (darunter mehrere allerdings a. D.). 2 Stadtbaumeister, 1 Bauinspector, 1 Syndikus, 2 Magi - str ats a ssess o ren, 1 Standesbeamter, 2 Magistratsbeamte. Vom Postfach sind zu nennen 1 Oberpostsecretär, 1 Postsecretär, 2 Postbeamte, 1 Briefträger. Dem Elsenbahnfach gehören an: 1 Eisenbahnbetriebssecretär, 1 Eisenbahnbureauassistent. Sodann sind zu nennen: 12 Maler, 7 Bildhauer, 8 Schauspieler, 3 Theaterdirectoren. Im Baufach thätig sind 11 Regierungsbaumeister, 10 Maurermeister. 48 Ingenieure, Architekten. Bau- und Zimmermeister. Es folgen 30 Chemiker. Schließlich werden in der Gemeindewahlliste vom Kaufmannsstande noch besonders genannt: 9 Geh. Commerzienräthe, 20 Commerzienräthe, 7 Consuln, 7 Generalconsuln, 4 „von" und 2 Freiherren. Handwerker: 112 Schneider, 57 Kürschner und Mützenmacher, 20 Schuhmacher, 18 Uhrmacher. 12 Buchdrucker, 13 Tapezierer. 11 Buchbinder. 9 Klempner. 5 Drechsler. 3 Sattler, 5 Schlosser, 6 Bäcker, 14 Glaser, 8 Vergolder. 5 Mechaniker. 4 Tischler, 9 Graveure, 3 Bürstenmacher. 2 Friseure, 2 Lederarbeiter, 1 Webermeister. 1 Korbmacher, 1 Töpfer. 3 Gärtner, 1 Färber, 1 Schirmmacher und 1 Tänzer. Weimar, 6. December. Die „W. N. Nachr." schreiben: Eine sehr merkwürdige Berichtigung liest man in der letzten Nummer der amtlichen „W e i m arisch e n Z e i t u n g". Sie lautet folgendermaßen: „Die Weim. Ztg. veröffentlicht in Nr. 259 dieses Jahrganges einen Be rrchtüber die Lage von Industrie und Gewerbe im IV. Verwaltungsbezirk. Am Schluffe geht der Bericht auf „die Wanderlaqer derJuden" über, verläßt die bis dahin sachliche Darstellung und schlägt in einen gehässigen Ton um. Es heißt da: „Im Bezirk werden fortwährend Wanderlager von Juden aus Mellrichstadt, Ostheim. Tann u. s. w. gehalten, welche die Geschäftsleute schwer schädigen und zu Grunde richten. Die Leute erhalten von den Juden die Sachen fortwährend ins Haus getragen (oft das größte Schundzeug) und werden sie nicht früher los., bis der ganze Ort glücklich in die Falle hineingegangen ist und festsitzt". Wir Unterzeichneten, die sämmtlichen israelitischen Waarenhändler aus Mellrich st ad t, Ost heim und Tann erklären hiermit, daß nicht ein einziger Jude an diesen drei Orten ein Wanderlager hält. Wir fordern daher den Berichterstatter auf, seine Behauptung bei der Behörde, an die der Bericht ergangen ist. und in der..Weim. Ztg." zu widerrufen, oder die Juden in Mellrichstadt, Tann — in Ostheim wohnt nur ein einziger Jude — namhaft zu machen, die ein Wanderlager unterhalten und die oft das größte Schnndzeug den Leuten ins Haus trage» und nicht ruben, bis der ganze Ort in die Falle gegangen ist und darin festfitzt. Raph. N e u b e r g e r-Mellrichstadt. Em. Schloß-Mellrichstadt. Nathan Stern u. Sohn-Mellrichstadt, I. Mantel Söhn e-Mellrichstadt. Freudenthal u. Otte.?. ser- Mellrichstadt (der zweite Name dieser Firma scheint nicht leserlich gewesen zu sein. Red. der ,.N. N."). Stern u. Freudenthal-Tann, Ab. Sichel-Tann, Jacob Freude nthal- T a n n. Josef Heilbronn Soh n-Tann, I. Jüngster- Tann, L. Neumaier-Ostheim." „Merkwürdig" nennen wir die Berichtigung nicht deswegen, weil sie an sich sonderbar erscheint, sondern weqen^der Ursache, die sie veranlaßt bat. In jenem Bericht in Nr. 259 der amtlichen „Weim. Ztg." wird eine ganze Kategorie von Geschäftsleuten, darunter weimarische Staatsangehörige, beschuldigt, ganze Ortschaften in einem weimariichen Bezirk systematisch „in die Falle" zu bringen und „festsitzen" zu machen, d. h. zu ruiniren. Wir sind neugierig, was von zuständiger amtlicher Stelle hierzu gesagt werden wird, und besonders neugierig 'auch, was der Verfasser des Berichtes sagen wird. Entweder muß dieser erklären, daß die in Frage kommenden Geschäftsleute Lügner sind, und muß dies beweisen können, oder er muß erklären, daß er in völliger Unkenntniß der betreffenden thatsächlichen Verhältnisse jenen Berichtstbeil geschrieben, damit aber einer großen Leichtfertigkeit, und zwar nicht nur zum Schaden der beschuldigten Geschäftsleute, sondern anch zum

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