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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-20 · 51 (20.12.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
51 (20.12.1895)
Date
1895-12-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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/ Seite 950 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 51 Schaden der angeblich in die Falle gelockten und ruinirten, bez. sich ruiniren laffenden weimarischen Ortschaften sich schuldig gemacht hat. München, 8. December. Der Justizrath Dr. Jacob Hausmann ist aus Anlaß des Rücktrittes von seinem Amte als Notar durch Verleihung des Ritterkreuzes des Civilverdienstordens der baierischen Krone ausgezeichnet und dadurch für seine Person in den Adelsstand erhoben worden. Jacob Hausmann, ein Mann von seltener Gelehrsamkeit und hervorragendem Scharfsinn, unendlicher Arbeitskraft und unnahbarer Ehrenhaftigkeit wird 1863 zum Notar in München ernannt worden sein, hat verschiedene gemeinnützige Ehrenämter bekleidet und ist längere Zeit Vorstand der israelitischen Cultusqemeinde München gewesen; von den Leistungen eines Vorstandes mit solchen Eigenschaften hat diese selbstverständlich erheblichen Gewinn in ieder Art gehabt. Die Mitglieder der Gemeinde haben daher guten Grund, dem ausgezeichneten Manne bei seinem Rücktritt vom Amte den Genuß der wohlverdienten Ehren auf lange Jahre zu wünschen. Bei dieser Gelegenheit intereffirt es vielleicht, festzustellen, welche baierischen Juden nach unserer Erinnerung im Laufe dieses Jahrhunderts durch Verleihung des Kronenordens ausgezeichnet wurden: Hofbankier Josef Freiherr von Hirsch, der Vater des Pbilantropen Moritz Freiherrn von Hirsch; Geheimer Hokrath Dr. Sigmund von Heule, früher Rechtsanwalt in München; Commerzienrath und sächsischer Generalconsul Max von Wilmersdörsfer. Bankier in München. London. Am 15. December bat Mr.JosephSebag Montefiore den Grundstein zu der neuen portugiesischen Synagoge in Meida Hill gelegt. Dielen Tag. den Sonntag des Chanukafestes. hat man mit gutem Grunde gewählt, um die Feier reckt umfanareick machen zu können. — In den Provinzen ist in diesem Jahre das indische Leben recht rege; so brachte die letzte Woche eine große Versammlung der Analo- Jewisb-Astociation in Manchester, in Edinburgh einen sehr viel Aufsehen erregenden Vortrag eines christlichen Advocaten Mr. I. Guthrie über Palästina, in einer jüdischen Gesellschaft. in Livervool, ein Geschichtsverein, eine Vorlesung des Herrn B. L. Benas „Die Juden in Rom", in Glasgow sprach Claude Montefiore über Mißverständnisse zwischen Judentbum und Christenthum, sowie über griechischjüdische Cultnr rc. Paris. 2. December. (Antisemitische Hetzereien in Paris.) Vor dem Zuchtpolizeigerichte spielte sich heute Nachmittag ein seltsamer Zwischenfall ab. Ein junaer Ruffe wurde wegen verschiedener Betrügereien zu zweimonatlichem Gefängniß verurtheilt. Kaum war jedoch die Urtheilsverkündigung beendet, als ein Mann unter dem Rufe: ..Nieder mit den Juden? Nieder mit den Freimaurern!" unter das Publicum zahlreiche Flugschriften warf, in denen die Freimaurer und die Juden als Feinde des französisch-russischen Bündnisses bezeichnet werden. Der Mann wurde verhaftet: er weigerte sich, seinen Namen zu nennen. — Vor einiger Zeit kam es auch auf dem Bürgermeisteramt des 13. Arrondissements zu einem lebhaften Auftritt zwischen dem Büraermeifter Thomas und dem Abgeordneten Paulin Mery wegen der Bestattung einer im Hanse Paulin Mery gestorbenen Israelitin. Durch die Abtvesenbeit des Rabbiners war die Beerdigung verzögert worden. Der Abgeordnete begab sich daher auf dos Amt und forderte die sofortige Beerdigung der Leiche. Der Bürgermeister bemerkte ihm. daß er hier nicht zu befehlen habe, und daß. da die Todte an keiner ansteckenden Krankheit gestorben, keine Gefahr im Verzüge liege. Nach der antisemitischen „Libre Parole" soll der Bürgermeister dem Abgeordneten alte Canaille genannt haben, was dieser in Abrede stellt. Die Leiche wurde schließlich drei Tage nach dem Tode beerdigt, so daß es kaum möglich ist. daß ste. wie die „Libre Parole" behauptet, das ganze Haus verpestet babe. New-Pork. Frau Ruth Ward K a b n. eine Eonvertitin, die sich als Berfasterin religiöser Gedichte einen geachteten Namen erworben bat. hält in verschiedenen Städten Borlesuno-n. deren Erträaniß zur Ausbildung jüdischer Mädchen an Hochschulen bestimmt ist. — Dr. Krauskopf. Rabbiner der Knesseth Israel-Gemeinde in P b i l g d e l p h i a. hat 10.000 Dollars, die Hälfte der für die Realistrung seines Projectes einer jüdischen Ackerbanschnle nothioen Summe, bereits gesammelt und "inen Platz dafür in Doylestown. Pennsylvania, erworben. — Der Nationalverein jüdischerFrauen hielt auf der Winterausstellung zu A t l a n t a eine Versammlung , in welcher Fräulein Clara Block einen Vortrag: „Ueber die meffiauische Idee im Judenthum" hielt und Fräulein Sadie American, die Secretärin des Vereins, den Bericht über die Thätigkeit des Vereines vortrug. Wien. (Trauung.) Mittwoch den 25. December 1895, halb 1 Uhr Mittag, findet im Hause ll., Vereinsgasse 15 die Trauung von Fräulein Sarah Pollak, Tochter des verewigten Rabbiners M. Pollak, mit Herrn S. Lustig, Religionslehrer in Brünn, statt. Wien. Se. Majestät der K a i s e r hat gestattet, daß der kaiserliche Rath und Herausgeber der „Correspondenz Wilhelm" in Wien, Herr Ignaz Wilhelm, die ihm verliehenen fremdländischen Orden, und zwar den preußischen Kronen-Orden vierter Classe und den persischen Sonnen- und Löwen-Orden vierter Classe. annehmen und tragen dürfe; ferner der Negierungsrath Dr. Salomon Mayer in Paris das Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion, der Professor am Conservatorium in Budapest Herr Max Lewinger das Ritterkreuz des Ordens der Krone von Rumänien und der Hoflieferant Wilhelm S ch o st a l in Wien den montenegrinischen Danilo-Orden annehmen und tragen dürfen. Wien. (Ferienhei m.) Am Dienstag fand in Kh un e r's Restauration die Plenarversammlung des heurigen Akademie-Cvmitös statt, welche sehr zahlreich besucht war. Der Präsident Herr Baurath von G o l d s ch m i d begrüßte die Gäste in liebenswürdiger Weise, worauf die Präsidentin des Vereines Frau Sofie G r ü n f e l d das künstlerische Programm entwickelte, welches am 7. Jänner 1896 in den Sofiensälen executirt werden soll und eine reiche Auslese künstlerischer Genüsse verspricht. Künstler ersten Ranges haben in Anbetracht des eminent wohlthätiaen Zweckes bereitwilligst ihre Mitwirkung zugesagt, und so ist es zu boffen. daß auch in diesem Jahre dieses vornehme Unternehmen, an welchen herporxagcnde Persönlichkeiten Mitarbeiten, vielen armen Kindern unseres Glaubens zu einem Ferialaufenthalte verhelfen wird. Frau Sofie Grünfeld sagte unter Anderem: „Wir feiern heute unser Chanukafest; auch wir entzünden die L'chter, doch gilt diese angezündete Flamme nur der Menschenliebe und den Menschenrechten, für welche wir durch unsere Arbeit eintreten. Das zahlreiche Erscheinen so vieler Mitarbeiter beweist unsere Zusammengehörigkeit in Leid und Freud und dieses Zusammenhalten ist der Inbegriff der Achtung, welches unsere Feinde uns bock anrechnen, die ja sonst unsere kleinen Schwächen mit dem Mikroskope der Gehässigkeit betrachten und vergrößern". Mit dem Appell, in der Arbeit um die leidende Jugend nicht zu erlahmen, schloß die Präsidentin. Darauf folgte eine gesellige Unterhaltung, bei welcher Herr Obercantor Schorr und Andere mitwirkten. Unter den Anwesenden bemerkte man CultusvorsteherArchitektMox Fleischer, Red. Bloch, und Red. S k r e i n, die Advocaten Meitner, Alfred S k r e i n. Gustav K o h n. Alfred Berger, Docenten K l e i n und N. S ch e f f t e l. kais. Ratb Dr. L i n d n e r, Ortsschulrath S. H e i t mit Frau und Tochter. Rabbiner Dr. Gelbhaus und Frau und alle Borstandsdamen des Ferienheims. Wien. (Makkabäerfeier im X. Bezirk.) Samstag den 14. d.M. fand im Tempel des X. Bezirkes eine Makkabäerfeier statt, welche vom Comitä Ohawe-Tbora veranstaltet wurde. Einige Hundert Personen füllte« den festlich beleuchteten Raum und insbesondere war der Andrang des Damenpublicums überaus bedeutend. Nach dem Festqottesdienst, der von Cantor Go l d st e i n unter Assistenz eines Chores in erhebender Weise geleitet wurde, begrüßte der Präses des ComitäsHerr S. Pisk die so zahlreich erschienenen Festgäste, unter denen sich auch Vertreter der jüdischen akademischen Verbindung ,,Unitas" befanden. Hierauf hielt Dr. Pollak aus der ,,Unitas" die Festrede, in welcher er in wirkungsvoller Weise dw'^Zuhörer in die Makkabäerzeit versetzte, und schilderte mit dramatischer Wirksamkeit den Kampf der begeisterten Judäerschaar gegen den überlegenen Feind, der mit einem Siegendes jüdischen Volkes endete. Er schloß mit einem Hinweis auf die Analogien zwischen damals und jetzt. Nack Absinaung des Makkabäerliedes »sprach Dr. Jacob K o h n. Er knüpfte an die Festrede an, indem er die nur scheinbare Aehnlichkeit unserer Zeit mit der Makkabäerzeit, so-

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