Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 51 (20.12.1895)
- Date
- 1895-12-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 946 Dr. Vlortz's Wochensttzrist Nr. 51 „Das ist wohl der wundeste Punkt in unserer Abwehrbewegung, auf den wir einmal Hinweisen mußten und den wir, schon im Interesse der Achtung, welche sich die Juden selbst schulden, nicht mehr aus dem Auge lassen werden." Ahlwardt in New-Aork. London, den 16. December. Die „Times" melden aus N e w-I o r k: „Dieamerikanische AgitationsreiseA h l w ardt's machte gänzlich Fiasco. Die gesammte New-Iorker Presse sprach sich gegen Ahlwardt aus und machte sich über ihn lustig. Ahlwardt hatte eine Versammlung in Coopers Union- Hall angekündigt, welche 2000 Personen faßt. Zu derselben erschienen jedoch nur 200 Personen, wovon beinahe die Hälfte Polizisten waren, die schließlich den Saal räumen mußten. Man hörte Ahlwardt gar nicht an und warf nach ihm mit faulen Eiern. Was Herr Gregorig der Commune kostet. In der unter Vorsitz des Bezirksvorstehers W e i d i n g e r abgehaltenen Sitzung des Bezirksausschusses Neubau stellte Bezirksausschuß K r e i b i ch den Antrag, um die schleunige Errichtung einer neuen Schule im Bezirke anzusuchen, denn die vorhandenen Anstalten reichten für die schulpflichtigen Kinder nicht aus und besonders die Schule in der Zollergasse sei gerade sanitätswidrig überfüllt. Schon vor Jahren sei die NothWendigkeit der Entlastung dieser Schule anerkannt und aus diesem Grunde das Haus Hermanngasse Nr. 24 zum Zwecke eines Schulbaues angekauft worden, doch habe sich leider der Platz als zu klein erwiesen und so mußte der Bau bis heute unterbleiben. Jetzt sei auch das Nachbarhaus, Hermanngasse Nr. 26, zu haben und dürfe man sich die Gelegenheit zur Gewinnung eines ausreichenden Bauplatzes nicht entgehen lassen. Redner beantragt eine diesbezügliche dringende Eingabe. Bezirksausschuß S a- Hann, Director der Schule in der Zollergasse, bestätigt unter lebhaftem Bedauern die Angaben K r e i b i ch's über die sanitätswidrigen Zustände in dieser Schule und fährt fort: „Längst hätten wir schon die so nothwendige neue Schule, wenn der leidige politische Parteihader sich nicht überall geltend machen würde. In übel angebrachter Connivenz gegen die Vertreter der antiliberalen Partei hat man deren Antrag auf Ankauf des Hauses Hermanngaffe Nc. 24 angenommen und nachträglich stellte es sich heraus, daß die Herren Antragsteller gar nicht wußten, ob dieses Gebäude sich auch für den beabsichtigten Zweck eigne. So erwarben wir ein Haus, mit dem wir nichts ansangen können, und haben noch immer keine Schule." Der antiliberale Bezirksausschuß Nießner verwahrt seine Partei gegen diese Vorwürfe, worauf jedoch Bezirksvorsteher-Stellvertreter G r a n ad i a actenmäßig konstatirt. daß das Haus Hermanngasse 24 nuraufdringendenWunsch des Herrn Gr eg o r i g um 56.000 fl. angekauft worden sei. Wenn ein liberaler Wortführer eine solche Verschleuderung des Gemeindevermögens verschuldet hätte, so würden die antiliberalen Herren nicht wenig Lärm über diese Angelegenheit schlagen. Der Antrag K r e i b i ch's wurde in allen Punkten angenommen. Philosemitisches aus Mähren. Vor Kurzem meldeten Zeitungen die Ernennung des Doctor Siegfried Weiß zum Director der Landesirrenanstalt in Ibbs (Nieder-Oesterreich). Diese Ernennung eines Juden in einem Kronland?, dessen Landesvertretung gewiß nicht der Majorität nach p^ilosemitisch zu sein vorgibt, hat in Mähren umso größere Sensation erregt, als in den Kreisen der mährischen Judenschaft die Erregung über die Besetzung der Directorstelle in der Brünner Landesirrenanstalt noch immer eine sehr lebhafte ist. Es muß hervorgehoben werden, daß der niederösterreichische Landesausschuß, obwohl derselbe wiederholt im Landtage egen Besetzung ärztlicher Stellen mit Juden auf das Heftigste angegriffen wurde, dennoch nach dem Grundsätze der Gerechtigkeit, unbekümmert um etwaiges Gekläffe der Antisemiten, handelte und den rangältesten Primararzt ungeachte dessen, daß er Jude ist, zum Director beförderte. Dagegen muß die Thatsache festgestellt werden, daß im mährischen Landesausschuß gerade der Führer der sogenannten Liberalen, Dr. P r o m b e r, der sich st e t s vor der Wahlen als der „wahre?" und warme Freund „unserer lieben jüdischen Mitbürger"*) gerirt, als ihm vor *) Wie Promber zu Juden über Juden sich äußert, und wie er über Juden Nichtjuden gegenüber spricht, werden wir nächstens in einigen authentischen Dialogen beleuchten. Kurzem die Wahl freistand zwischen einem rangälteren und überdies im Landesdienste stehenden Juden und einem wie allgemein bekannt prononcirten Antisemiten,*) welchem überdies die im Concurse geforderten Qualificationen mangelt n, zu Gunsten des Troppauer Antisemiten den Ausschlag gab, und zwar nicht nur durch sein eigenes Votum, sondern auch dadurch, daß er andere Landesausschußbeisitzer zu Gunsten des Antisemiten bearbeitete. Doch damit nicht genug, es wurden, um den Juden aus dem Wege zu schaffen, Mittel angewendet, die, wie wir demnächst an der Hand eines umfassenden Materiales klarlegen werden, nicht um Haaresbreite ehrenvoller sind, als die von der liberalen Presse so verpönten üblichen Kampfesmittel der Antisemiten. Auch ein Jugenderzieher. Das empörende Schauspiel, die Frauen zur antisemitischen Hetze heranzuziehen, wird nun täglich von Neuem aufgeführt. und in einer Versammlung dieser Frauen ist auch ein Bolksschullehrer aufgetreten, der eine sehr bemerkenswerte Anregung gegeben hat. Der Dr. Lueger hatte nämlich ausgeführt, die Frauen seien zur Theilnahme an der politischen Bewegung berufen, denn sie seien ja an Allem interessirt, unter Anderem auch daran, daß in den Schulen ihre Kinder nicht mit den jüdischen Kindern beisammen sitzen. Da meldete sich nun der Bolksschullehrer Brake zum Wort, und wir finden über sein Auftreten in den Berichten der Antisemitenblätter das nachstehende Referat: „Herr Brake drückt als Lehrer seine Freude über die bezüglich der Schule gehörten Worte aus. Er spricht den Wunsch aus, jede Mutter möge ihr Kind vor das Bild Lueger's führen und es daran erinnern, daß Lueger das Volk liebt und ein ehrlicher Volksmann ist, dessen Charakter ein Vorbild für das Kind sein soll." Wir sehen also einen an einer öffentlichen Schule in Wien angestellten Lehrer, der nicht blos für die konfessionelle Schule eintritt,. sondern auch seinerseits die vielcitirte „Volksseele" schon durch Einweihung der Kinder in den Charakter des Dr. L ueg er, dieser Personifikation des confessionellen Hasses und der wüthenden Verfolguug Andersgläubiger und Andersdenkender, von Kindesbeinen an heranbilden will. Ernst Bergani und Heinrich Heine. Herr Verganef ist ein großer Mann, ein Ritter ohne Furcht und Tadel. Alle Enthüllungen seiner ehemaligen Protecto'ren geniren ihm nicht. Das Walten und Weben dieses publicistischen Anwaltes des „Hepp-Hepp" war in der letzten Zeit Gegenstand sehr unangenehmer Veröffentlichungen, hinsichtlich deren das „Vaterland" erst kürzlich bemerkte, daß die Nichtangabe ihres Titels eine Schonung für den Herrn Bergani bedeute. Der „Ehrenbürger von Mühldorf" wurde von seinem ehemaligen Mitarbeiter A r n o s ch t öffentlich und mit der Erklärung, vor dem Schwurgerichte den Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen führen zu wollen, der Unterschlagung von Gemeindegeldern beschuldigt; Herr Bergani hat den Herrn A r n o s ch t nicht geklagt, und zur gerichtlichen Erörterung gelangte das Wirken des Ehrenbürgers von Mühldorf erst durch eine Ehrenbeleidigungsklage, die von Herrn A r n os cht gegen einige Personen nur in der Absicht anhängig gemacht wurde, die öffentliche Discusion der Wirksamkeit Bergani's zu erzwingen. Diese Absicht ist ihm allerdings gelungen, und die „Unverfälschten Deutschen Worte", das Organ des einst von Bergani hochverehrten und auch ziemlich hochangepumpten Georg Schönerer, veröffentlichte das stenographische Protokoll über diesen in Krems durchgeführten Schwurgerichtsproceß in einer umfangreichen Beilage, welche mit einem überaus drastischen Titel versehen war. Weder gegen Arn oscht noch gegen Schönerer hat der zaubergewaltige Herausgeber des „Deutschen Volksblatt" eine Ehrenbeleidigungsklage eingebracht. Das ist ja zu komisch, daß eine derartige Persönlichkeit sich auf den politischen, socialen und publicistischen Sittenrichter aufspielen will! Diese Selbstvergessenhert geht soweit, daß das „Deutsche Volksblatt" Heinrich Heine als einen Plagiator hinstellt, dasselbe Blatt, dessen Herausgeber nachgewiesen wurde, daß er die Beschreibung einer von ihm *) Dr. H e l l w i g äußerte sich in Brünn neuerlich: Ja in Troppau, da habe ich bei meiner Partei was gegolten. (IbZissiwa verda).