Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 51 (20.12.1895)
- Date
- 1895-12-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 51 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 943 Zweiter Redaeteur: „W i r Juden! Lächerlich! Wir haben doch schon für den Antisemitismus gearbeitet, bevor das „Deutsche Volksblatt" noch auf der Welt war ... E r st e r R e d a c t e u r: „Es gibt keinen Dank hienieden, aber wenn man uns das noch einmal anthut, dann sollen sie noch die Schande erleben, daß wir ganz liberal werden..." * -i- * (A u f Schloß R o s e n a u.) Schönerer: „Was schreibt Polonsky?" Iro: „Er jubelt, daß er die „sieben mageren Jahre" hinter sich hat." Schönerer: „W ie dick will denn dieser Fall st aff noch werden?" P f a r r e r De ck e r t: „Wenn ich nur eine Ahnung hätte, wie dieser tz 302, der mir so viel zu schaffen gibt, in das Strafgesetz hineingekommen ist?" D r. L ö w: „Den muß ein Jud' hineingeschmuggelt haben." * * * D r. Porzer: „Diese infamen Verdächtigungen der Deutsch-Nationalen ...." D r. C a s p a r S ch w a r z: „Diese ewigen Recriminationen wegen unserer jüdischen Vergangenheit... es ist zu infam..." D r. P o r z e r: „O, sie sollen uns noch kennen lernen! Wenn wir alle den Antisemitismus in Stich lassen — bann sollen s i e sehen, wie vereinsamt sie bleiben werde n." * * * A h l w a r d t: „Was, B ö ck e l, Du willst uns verlassen?" B ö ck e l: „Mein Lieber, unsere Partei ist mir jetzt schon zn — unge m i s ch t. Die Concurrenz i st m i r zu g r o ß." * -i- -t- Gregorig: „Ich muß doch einmal auch eine Rede in einer antisemitischen Frauenversammlung halten ..." K u p k a: „Warum denn?" Gregorig: „Die Frauen werden ja noch ganz vergessen, wo mein Geschäft ist." E r st e r Antisemit: „Also der S ch n e i d e r wird wirklich ausgeliefert. Schrecklich! So ein Mann auf der Anklagebank!" Zweiter Antisemit: „9! a, irgendwo muß doch ein Mann wie der sitzen." * q- * E r st e Antisemitin: „Ich sag' Ihnen, liebe Freundin, den Prinzen L o i s l müssen's hören ... Ein reizender Mensch ... Zweite Antis emitin: „Aber gehn's, ein verheirat'er Mann. Ich bleib dem Karl treu, der ist ledig und kann uns allen ewige Untreue s ch w ö r e n." * , * * Vergani: „Jetzt halte ich mir einen Unnumerirten und da ...." Schriftleiter: „Herr Chef wollen gewiß sagen, daß wir jetzt die „Schnorrereien" für unser Blatt einstellen müssen." V e r g a n i: (Stolz) „9t ein, aber Beträge unter einem Gulden sollen nicht mehr angenommen werde n." Beitrag zur Geschichte der ruftischen Juden. XXXIV. Das Rabbinat und die theologische Hochschule. IX. Im vorigen Jahre wurde auf Grund einer Regierungsverfügung die „Jeschiboh" in Woloschny geschloffen, welche bei den Juden einen Weltruf genoß, als die älteste und solideste Pflanzschule talmudischen Wissens. Diese Anstalt fand große Sympathien sowohl bei den jüdischen Orthodoxen, als bei den Vertretern der jüdischen Fortschrittspartei, was durchaus nicht sonderbar ist, wenn man berücksichtigt, daß diese Jeschiboh im Laufe der letzten achtzig Jahre nicht nur die hervorragendsten Rabbiner lieferte, sondern auch andere hochgebildete Männer gab, welche sich in der Folge auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft und Literatur ruhmreich hervorthaten. Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß die letztere Erscheinung sich nicht blos ohne das Zuthun, sondern sogar gegen den Willen der an der Spitze dieser Jeschiboh stehenden Männer vollzog, deren Hauptaufgabe darin bestand, diese Lehranstalt sorgfältigst vor jedem progressiven Einfluß zu bewahren. Die zu diesem Behufe unternommenen allzu strengen, drakonischen Maßregeln dienten denn auch als Ausgangspunkt einer ganzen Reihe von Mißverständnissen und Anordnungen, welche endlich die Schließung dieser Anstalt herbeiführten. In dieser von der Regierung anerkannten Jeschiboh wurde zwei- bis dreimal wöchentlich russischer Sprachunterricht ertheilt, welcher Lehrgegenstand obligatorisch war. Das war laut Programm, in der Wirklichkeit geschah doch nichts. Die frommen Vertreter dieser Anstalt zogen es vor. die Existenz derselben eher zn gefährden, als zuzugeben, daß im Innern der Jeschiboh profane Lehrgegenstände in profaner Sprache zum Vortrage kommen sollten. Doch nicht allein die sogenannte profane Wissenschaft wurde in dieser „Muster"-Lehranstalt dem Ostracismus unterworfen; von allen religiösen Denkmälern der Literatur ward nur einzig und allein in dieser Anstalt der Talmud als vollberechtigter Lehrgegenstand anerkannt; was jedoch die Religionsphilosophie des Mittelalters anbetrifft, so war schwerlich deren Vorhandensein daselbst bekannt. Auch auf dem Gebiete oes Talmud diente nicht Alles als Gegenstand des Studiums, man beschäftigte sich vorzugsweise mit dem casuistischen Theile desselben. Die Hagada jedoch mit ihrer erhabenen Ethik, mit ihrer wunderbaren Poesie wurde als Gegenstand betrachtet, der der Beachtung eines künftigen Rabbiners nicht würdig ist, da dessen Hauptverdienst in der Kunst raffinirter Scholastik bestehen sollte. In der Jahressammlung „Ha-Kerem". welcher ein gewiffer Atchesim (ein aufgeklärter Orthodoxe) 1887 veröffentlichte, ist d-r Aufsatz eines einstigen Zöglings der Jeschiboh abgedruckt, in welcher der Autor dem Vorsteher dieser Anstalt den Vorwurf macht, daß sie nichts gethan haben, um die künftigen geistigen Führer und Berather des Volkes wenigstens einigermaßen mit der Geschichte und Literatur des Judenthumes und überhaupt mit dem Geiste und den Principien der jüdischen Religion bekannt zu machen. (Ha-Kerem, Seite 65— 67). Der Redacteur des Sammelwerkes führte in seiner Erwiderung auf diese Beschwerde die Ansicht aus, daß „der Geist der Religion". „Grundsätze und Geschichte" Mittel für den erkrankten Theil des nationalen Organismus seien und mögen daher die intelligenten Juden diese „Medikamente" genießen, so viel sie wollen und ihre blutarmen, rhachitischen Kinder damit füttern. Die Jeschiboh von Woloschny sei jedoch vollkommen gesund und bedürfe daher solcher Quacksalbereien nicht. Daher möge man um Himmels willen diese Anstalt nur in Ruhe lassen, in ihrer Organisation darf nichts abgeändert werden, nichts, absolut nichts (idem Seite 79). Dieser Tage erst hatten die Rabbiner von Palästina folgende Kundgebung zur allgemeinen Kenntniß gebracht („Hamelitz" Nc. 173), welche ich hier in wortgetreuer Uebersetzung wiedergebe: „Unsere Religion verbietet strengstens, in jüdischen Schulen das Lesen und Schreiben einer fremden Sprache zu lehren und daher wird hiedurch kundgethan, daß dieses Verbot bis jetzt in Kraft ist und in Kraft bleiben wird ohne jegliche Abschwächung bis zur Ankunft des Messias, und