Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 51 (20.12.1895)
- Date
- 1895-12-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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----«-es. .^.-7-1»^,---- Nr. 51 Dr. Bloch's Wochrnschrist. m u s hüllt, der überall nur ein Ge s ch ä f t und ein Vorwand f ü r selbstische Sonde rzwecke ist." Der serbische Bischof Georg Brankovits sagte zu einer jüdischen Deputation, unter der Führung des Rabbiners Philipp Pollak: „Es freut mich, hier in Törökbeese bemerken zu können, daß alle Confessionen friedlich nebeneinander leben. Nur das einträchtige und brüderliche Zusammenwirken aller Geseüschaftsclassen kann das Wohl des Staates fördern. — Ich achte u n d s ch ä tz e die Juden wegen ihrer B e g e i st e r u n g f ü r d e n G l a. u b e n, sowie wegen ihrer O p s e r w i l l i g k e i t; ich mahne auch bei jeder Gelegenheit meine Gläubigen, sich die Juden als M u st e r vor Augen zu halten." — Wir fügen hiezu weitere Aussprüche: Superintendent Opitz: ,,D e r A n t is e m i t i s m u s widerspricht d e m Wesen des C h r i st e n t h u m s. Er fördert nicht den wahren Fortschritt.-Die Inden sind uns ein lebender Vorwurf, daß wir nicht als Christen ihnen begegnet sind.-Statt mit ihnen zu wetteifern, soll, wie durch die Getreidezölle, die Mittelmäßigkeit monopolisirt werden." P h i l 0 vom W albe: „E s gibt keine u unsittlicheren S t a rr d p u n k t, als den des A n t i s e m i t e n aus P r i n c i p. Ich habe unter den Inden die mitleidigsten, gemüthvollsten, opferwilligsten, hochsinnigsten Charaktere gesunden und unter den Christen die selbstsüchtigsten, herzlosesten und niedrigst denkenden und handelnden Creaturen kennen gelernt, so daß ich mich vor der Brutalität der Judenverfolgung nur entsetzen kann." B i s ch 0 f Dr. I. H. Rein k e n s: ,,Es ist wohl der reinen, lauteren Liebe eigen, sich für Andere kreuzigen zu lassen, aber nicht Andere an» Kreuz zu schlagen. Wenn der angeblich für die Wahrheit seiner Dogmen Streitende den Gegner zu kreuzigen oder zu Folter und Scheiterhaufen zu zerren sucht, dann irre ich wohl schiverlich in der Auffassung der Liebe, wenn ich behaupte, jener habe sie nicht." Herr Lueger erklärt somit alle diese Würdenträger der Kirche und geistliche Fürsten für „Schurken"; Ehrenmänner sind nur Er und sein Genosse — E r u st Schneider. Vom unlauteren Wettbewerb. (Ein bischen Culturgeschichte.) Der Verein „Deutsche Press e", an dessen Spitze der zuckersüße B ar e uth er steht, hielt vor einigen Tagen eine Versammlung ab, in welcher derKaus Berlin verschriebene Schriftsteller Paul Dehn einen Vortrag über das Thema zum Besten gab, das er schon als Wanderredner in vielen Pcovinzialstädten behandelt hatte; er sprach über modernen Geschäftsschwindel. Nach den in Antisemitenblättern vorliegenden Berichten unterließ es jedoch Dehn, die Schwindeleien des flüchtigen Freiherrn von Hamme rst e i n zu berühren, und erwähnte auch mit keiner Silbe des Falles Wald, der in Hamburg viel Aufsehen erregt. W a l v, welcher früher in Berlin zu den antisemitischen Größen zählte, redigirte dann die Hamburger Hetzblätter „Abwehr" und „Deutsche Reform"; nun wird er steckbrieflich verfolgt, weil er Cautionsschwindeleien und Wechselfälschungen verübt hat und außerdem verdächtig erscheint, mit einem (Sdjtoinbterconfortium in Verbindung gestanden zu sein, welches bei Rennen Totalisateur-Tickets fälschte. Nach dem preußischen Gaste ergriffen österreichische „Anti- Corruptionisten" das Wort: Paul v. Pacher, vor nicht langer Zeit mehrfacher Verwaltungsrath, Gründer und Liquidator; Rudolf P o l z h o f e r, der aus die Hebung der Volksmoral bedachte Branntweinschtnker; der so sittenstrenge Otto Stein Wender und der erste Publicist von Klagenfurt, Josef Wolfgang Dobernig. Sie führten eine so christlich-sociale Sprache, als ob sie zu den Zierden Seite 941 des „Katholisch.constitutionellen Vereines" auf der Wieden, des Scherzer-Vereines, gehören würden. „Wußten, so fragen wir, „die alten Deutschen nichts von Lug und Trug und Untreue", wenn unsere biedern Gegner all das den Semiten zur Last legen? Wir könnten auf Grund des geradezu hervorragenden, aber unbekannten Werkes Dr. L. Freund's „Lug und Trug unter den Germanen"*) ganze Nummern unseres Blattes mit Beweisen „undeutschen" Handels füllen. In diesem Werke marschiren in unendlicher Reihenfolge die R e ch t s q u e l l e n der Skandinavier, Cambrier, Angelsachsen, Iren, Schotten und der Völker des fränkischen Reiches mit ihren Satzungen gegen Lug und Trug auf. Man höre nu>, welche Fälle des unredlichen Wettbewerbes vorgesehen und abgeurtheilt worden sind: Meineid, Verleitung zum Meineid. falsches Zeugniß, falsche Maße und Gewichte, Verkauf verfälschter Maaren, Betrug beim Pferde- und Viehhandel, Münzfälschung. falsches Spiel, Ausstreuung f a l f ch er Kriegsgerüchte ('), Veruntreuung der Depositen, Unterschlagung von Mündelgeldern, willkürliche Preissteigerung, Handel mit alten Kleidern (!), Verkauf ungesunden Fleisches, schlechter Backwaare, Wucher der Geistlichen (!) und so fort. König Aethelred faßt in einer Verordnung (1016) einige dieser Vergehen wie folgt zusammen: „Alles Unrecht entferne nran willig aus diesem Lande, soweit man es zu thun vermag, und trügerische Handlungen und schmähliche Ungerechtigkeiten verabscheue man sehr, das ist: falsche Gewichte, unrichtige Maße und falsche Zeugnisse und schimpflichen Hader und schändlichen Meineid und teuflische Thaten, als: Mordthaten und Todtschläge, Diebstähle und Räubereien, Geiz und Habsucht, Fresserei und Sauferei, Betrug und m a n ch er l ei Unredlichkeiten, Verletzungen der Weihe und Ehe und mancherlei Arten von Missethaten; sondern man achte hinfort durch Wort und That die Gesetze Gottes, dann wird Gott bald diesem Volke gnädig werden." Gehen wir fünf Jahrhunderte weiter. Lug und Trug in Handel und Gewerbe haben nicht nachgelassen und Luther vermag über die Kausleute seiner Zeit nur laut zu klagen: „böse Griffe und Tücke des Geizes, des Eigennutzes und der Büberei" hätten die Kaufleute ergriffen. Die Preissteigerer, Fürkäufer und Monopolisten seien „öffentliche Diebe, Räuber und Wucherer". Und nun kommt eine Schilderung unlauterer Geschäftspraktiken, wie sie schlimmer die Gegenwart unmöglich aufweisen kann. Diese gut christlich-germanischen Kaufleute der Reformationszeit verstanden das Geschäft gut. Luther schreibt: „Man hat auch gelernt, eine Waar oder Gut zu setzen, oder zu legen, als Pfeffer, Ingber, Safran, in feuchte Gewölb oder Keller, daß am Gewichte schwerer werde. Also auch wullen Gewand, Marder, Zobeln, in finsteren Gewölben oder Krämen seil zu haben, und die Luft verstopfen, wie der Brauch allenthalben ist, daß man schier zu einer jeglichen Waar weiß, eine besondere Luft zu machen. Auch eine Waar ist, man weiß einen besonderen Vortheil darauf, es sei mit Messen, Zählen, mit Ellen, Maaß oder Gewicht. Und daß man ihr eine Farbe macht, die sie von ihr selbst nicht hat. Oder man legt das Hübschte unten und oben, und das Aergste mitten inne, also daß solche Trügerei kein Ende hat, und kein Kaufmann dem andern weiter trauet, denn er siehet und greift." Zwei Jahrhunderte später, und wir haben die gleiche Erscheinung. Im vorigen Jahre hat der Syndicus der Handelskammer für das Herzogthum Braunschweig Dr. S t e g e m a n n in 2 Bänden typische Fälle des unlauteren Geschäftsgebahrens und Anträge zur Abhilfe veröffentlicht. Er hat damit kein originelles Werk geschaffen, denn er hat einen intereffanten Vorläufer. Im Jahre 1721 veröffentlichte der fürstl. sächs. Gemeinsch.-Rath und Amtmann zu Koburg Georg Paul Höne ein „Betrugs-Lexikon, worinnen die meiste Betrügereien in allen Ständen nebst denen darwider guten Theils dienenden Mitteln entdecket" werden. (Coburg bei Paul Günther Pfotenhauer, priv. Buchhändler 1721.) Dieses Buch ist nach des Verfassers Aussage auf Grund 33jähriger dienstlicher Erfahrung geschrieben, und zwar mit der bezeichnenden Absicht, den „Nebenchristen" vor unlauteren Geschäftspraktiken zu warnen. Die Vorrede des Amtmanns ist sehr bezeichnend. *j Berlin 1363. Hofbuchdruckerü von R. Decker.