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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-20 · 51 (20.12.1895) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
51 (20.12.1895)
Date
1895-12-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 51 Dr vch'sWochrnphrifr. Seite 939 Diese armen jüdischen Märtyrer sind im Bilde nicht verewigt worden, sie fehlen in der Photographiensammlung . des Dr. Lueger! Aber sie sind thatsächlich ein Beweis dafür, welche Scheußlichkeiten im Namen der christlichen Religion begangen wurden! > Es hat sich leider kein Abgeordneter gefunden, der die von Herrn Lueger mit so gläubiger Miene neuerdings ' vorgebrachten Blntmärchen sofort widerlegt und über Andreas vom Rinn und Simon von Trient die geschichtliche Wahrheit enthüllt hätte! Aber mit Herrn Lueger muß es schlimm stehen, wenn er schon Zu dem Handwerk des Stampiglienritters und Ritualmord-Reisenden Schneider greift! Das Handwerk soll^zwar seinen Mann nähren, aber von dem Ansprüche auf die Würde des Wiener Bürgermeisters bis zu diesem Geschäfte ist ein Sprung, den wir Herrn Lueger doch nicht zugetraut hätten. Ritualmord Fabrikation. Welche Kunststücke der Ober - Stampiglius nicht blos in Simmering sondern auch in Mähren wiederholt versucht hat, um „Ritualmorde" zu fabriciren, ist bereits gerichtlich hinreichend gekennzeichnet. Leider hat es an solchen Subjecten wie E r n st S^ch n e i d e r selbst in alter Zeit nicht gefehlt. Papst Gregor X. bemerkt in der Bulle vom . October 1272, „daß christliche Väter heimlich hre Kinder verbergen, um den Juden etwas anhaben und als Preis des Loskaufens von den Quälereien eine gewisse Summe Geldes von den Juden erpressen zu können". In dem Gutachten, das Cardinal G a n g a n e l l i (der spätere Past Clemens XIV) über die Blutbeschuldigung erstattet hat, heißt es: „Was würde aber der Fiscus von Luceoria sagen, daß ein gleiches «ntsetzliches Verbrechen mehrere Male ( Gott wolle es nicht, daß immer) von Christen begangen worden ist, sogar vom Vater fje f 6 ft und darauf den unglücklichen Juden in die Schuhe geschoben? Ich schäme mich, den Verdacht auszusprechen, aber vielmehr bringt es mich außer Fassung, hiefür den authentischen Beweis (bezeichnet lilera D.) darzubieten. Dort lese man, daß ein Vater eine seiner zarten Töchter au verschiedenen Theilen verstümmelte, .... daß dasselbe Kind, welches durch göttlichen Millen länger lebte, mit eigenem Munde bekannte, vom eigenen Vater mit vielen Wunden und Verstümmelungen zugerichtet worden zu sein. Und doch hatte sich schon der Verdacht gegen die Juden gerichtet, schon wollte mau gegen die Juden Vorgehen." Strack („Der Blutaberglaube") erwähnt zwei Fälle, ' m denen Mütter ihre Kinder ermorde-' t e n, während die Juden des Verbrechens beschuldigt wurden (S. 128—129). Ein derartiger Fall ist noch im Jahre 1892 in Jngrandes (Departement Inäl-68 et Loir) authentisch festgestellt worden. (Siehe ' Antisemitenspiegel S. 322.) Während die dortigen Blätj ter von Ritualmord fabelten, wurde die eigene Mutter > nach einiger Zeit des Verbrechens überführt und darauf nrit 20 Jahren Zuchthaus bestraft. Aehnlich har, wie wir vor Monaten gemeldet haben, in L a b i s ch i n (Provinz Posen) der Mord eines Christenkindes stattgefunden, wo die eigenen Eltern des scheußlichen Verbrechens überführt worden sind, um hernach die Schuld auf die Juden zu wälzen. Vor Kurzem wurde von einem ungarischen Antisemitenblatte gemeldet, daß das etwa sechsjährige Töchterchen Julie des Landmannes 1-Johann B a l a z s in Garam-Kis-Sallo im Honter Comitat in das Gewölbelocal des Ignaz Adler um Branntwein geschickt worden war und seither verschollen blieb, bis man fünf Tage später die Leiche des Kindes fand, welche entsetzlich zugerichtet war. Mehrere clericale Blätter, insbesondere „Magyar Allam", benützten den Vorfall, den sie als Ritualmord hinstellten. Bald darauf ist der Thäter des Mordes in Garam- Kis-Sallo in der Person des Müllergehilfen C s o m o r verhaftet worden. Der Mörder hat seine That vor dem königlichen Bezirksgerichte in Vamos-Mikola auch bereits eingestanden. Ferner wurde auch der e i g e n e Vater des e r m o r d e t e n K i n d e s i n H a f t genommen, da derselbe nicht nur Ken nt n iß von dem Morde gehabt, sondern a u ch a n d e r A u sführung desselben sich betheiligt haben soll. Wo aber der Cannibalismus wirklich noch zu Hause ist, zeigt eine Meldung aus Debreczin, welche einen charakteristischen Beitrag liefert zur Beurtheilung der arischen Race: Die beiden Brüder I l i e wurden dort verhaftet, weil sie zwei Bären, welche sie herumführten, mit Menschenfleisch gefüttert haben. Sie gestanden ein, vier Knaben eingefangen und den Thieren als Nahrung vorgeworfen zu haben. In einem Dorfe bei Saratow verschwanden vor Kurzem zwei kleine Mädchen, Töchter eines Landwirthes. Unter den Bauern verbreitete sich das Gerücht, daß die Kinder von einem Juden, dem Gastwirth des Dorfes, geraubt und zu Ritualzwecken geschlachtet worden sind. Die Bauern überfielen die Gastwirthschaft des Juden, plünderten sie, ebenso die im ersten Stockwerke befindliche Privatwohnuug, fesselten den Gastwirth. seine Frau und seine drei Kinder und steckten darauf das Haus in Brand. Die Unglücklichen starb m alle den Flammentod, da die Polizei viel zu spat eintraf. An demselben Tage noch wurden die beiden Mädchen, die man ermordet glaubte, gesund und munter im Hause eines in einem Nachbardorfe wohnenden Verwandten gefunden. Es möge übrigens zum Schlüsse hier das Votuni des hochwürdigsten Bischofs von Fulda (jetzt Cardinal Fürstbischof in Breslau) Herrn G. Ko pp vom 4. November i 882 folgen, welches erklärt: „Daß die A n n a h m e, es k ö n n t e von Juden C h r i st e n b l u t zu rituellen Z w e ck e n j e m a l s g e b r a u ch t worden sein, w e d e r d n r ch d i e G e s ch i ch t e z u begründen ist, und daß eine d er ar t i g e B es ch u l d i g u n g, auf welch eBoraussetzungen immer siezurückgeführt werden m ö g e, a l s eine entschiedene, freventliche Unwahrheit bezeichnet werden mu ß." — ,,Schurken". derselben Parlaments- Herr Lueger erklärt sie für Herr Dr. Lueger erklärte in sitzung, daß alle Kirchenfürsten „Schurken" wären, welche der Anschauung huldigten, daß Christenthum Duldung wäre, und welche die Hetze gegen die Juden nicht guthießen. Auch hier hat er sich an das Muster seines Freundes Schneider gehalten, welcher in einer Versammlung des Wühlervereines der Vereinigten Christen vom XIV. Bezirk am 20. October 1892 erklärte: Der Cardinal-Fürsterzbischof G rusch a von Wien sei — „verjudet". Er bezeichnete es als „eine Schande, daß der hohe C l e r u s und Cardinal G r u sch a gegen den Antisemitismus auftreten." „Das komme davon, weil die Wiener Erzbischöfe von — Juden gewählt werde n." Das officielle Organ des Prinzen L i e ch t e n st e i n schrieb im selben Tone wörtlich: „Uebrigens wäre unserer Ansicht nach Derartiges gar nicht möglich, wenn der Episcopat wirklich auf der Höhe seiner Aufgabe stä nd e und, statt sich um reine Aeußertichkeiten zu kümmern, sein Augenmerk lieber auf die antireligiösen Bestrebungen der judenliberalen Partei richten würde. Öffenbar liegt in dem vorliegenden Falle von Seiten des E spiscopates ein Versäumniß vor und daher rührt wohl auch die äußerst milde Auffassung der ganzen Angelegenheit im „Vaterland". Die katholischen Oberhirten Oesterreichs haben am 20. October 1892 an den Cardinal-Erzbischof Dr. G r u s ch a anläßlich der gegen ihn von antisemitischer Seite gefallenen Angriffe ein Schreiben gerichtet, worin sie ihn ihrer Theil

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