Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 50 (13.12.1895)
- Date
- 1895-12-13
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 832 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 50 stellung eines Mantels von 2 Shilling auf 1 Shilling herabgedücktundmachtendenjüdischenGewerkvereinen inallen Branchen, welche diese eintzeführt hätten, eine „mörderische Concurenz". Die jüdischen Gewerkrereine umfassen 3000 von 10.000 Arbeitern überhaupt. Bagdad, im November. Dem Central-Comite der „Alliance Israelite" wird geschrieben: Ein armer Israelit hatte seinem Sohne aufgetragen, ihm eine Postkarte zu kaufen. Da das Kind eine schlechte brachte, trug ihm der Vater auf, dieselbe zurückzutragen. Der Händler, der ein Muselmann war, weigerte sich, sie zurückzunehmen und schlug das Kind. Unser Glaubensge noffe holte alsbald einen Polizisten. Doch sollte ihm dies schlecht bekommen, denn er selbst wurde festgenommen. Um sich darüber zu entschuldigen, daß er das Kind geschlagen, behauptete der Mohammedaner, dasselbe habe über die Religion des Propheten geschimpft. Alle Vorübergehenden desselben Glaubens ließen sich nicht lange bitten, um gegen den Juden auszusagen. Dieser wurde trotz aller Gegenreden nach dem Serail geschleppt und in das Verbrechergefängniß mit Räubern und Mördern gesteckt. Der Oberrabbiner begab sich zum Vali und bat für unseren Glaubensgen offen, dessen Unschuld für jeden nicht Voreingenommenen zweifellos ist. Die Bemühung des Oberrabbiners hatte zum wenigsten die Wirkung, daß man den Angeklagten in ein Civilgefängniß brachte. Es steht zu hoffen, daß derselbe in wenigen Tagen in Freiheit kommt. Wien. Herr Gottlieb B e t t e l h e i m, Präses des Tempel- Vereines im IX. Bezirk, begeht am 19. d. M. die Feier der silbernen Hochzeit mit seiner Gattin Regine. Wien, 3. December. Der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde übertrug nach dem Ableben des Rabbiner Wollner Herrn Prediger Grün die Function alsExhortator im Tempel des 8. Bezirkes. Wien. (C h a n uk a f e i e r.) Sonntag den 15. December, 4 Uhr Nachmittags, wird in der Talmud-Thoraschule il., Malzgaffe 16. die Chanukafeier in üblicher Weise abgehalten. Wien. Geehrte Redaction! Im alten „Kikeriki"- Kalender, der an Gemeinheit und Unfläthigkeit dem Sudelblatte nicht nachstebt, befindet sich unter Anderen auch ein Inserat der jüdischen Uhrenhandlung „B. B o t t w i n, II., Obere Donaustraße 111." Wer ist wohl würdiger. Der Jude, der zu solch einem elenden Druckwerke Zuflucht nimmt, oder der antisemitische Kämpfer, der auch Judengeld für Annoncen nimmt, wenn es sich darbietet?— Bei dieser Gelegenheit möchte ich unsere Glaubensgenossen aufmerksam machen, daß bei allen antisemitischen Versammlungen Briefträger, Post- und Telegraphendiener ein ansehnliches Contingent bilden und zu beobachten ist, daß die Käufer des „Volksblatt" und der „Reichspost" sich aus diesen Kreisen recrutiren. Dieser Umstand veranlaßt mich, die bei mir seit Jahren übliche Remuneration für diese Kategorie Leute auf ein Drittel zu ermäßigen und mich an jene Splendidität zu halten, die ich bei bedeutenden arischen Firmen diesbezüglich beobachtet habe. Wenn alle israelitischen Kaufleute sich an dieses Princip halten werden, dann dürften jene Leute, die jüdisches Geld gerne nehmen und als Dank dafür antisemitische Lumpenblätter unterstützen, in sich gehen und ihre Taktik ändern. Ergebenst G. B. Großhändler, Wien, H. Wien. (Jüdische akademische Verbindung „U n i t a s".) Anläßlich des bevorstehenden Chanukafestes veranstaltete die jüdische akademische Verbindung „Unitas" Samstag den 7. d. eine Makkabäerfeier. Dadurch, daß die heurige Feier in größerem Style, und zwar zum ersten Male im Ballsaale Ronacher stattfaid, war es möglich geworden, an 400 Festgäste zu versammeln. Der größte Theil derselben bestand, wie ja natürlich, aus Akademikern, doch hatten sich auch zahlreiche Vertreter der Wiener jüdischen Bürgerschaft eingefunden. Aus der Gruppe der Letzteren wollen wir hervorheben, Herrn Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Alfred Stern, die Herren Universitätsd ocenten F e i l b o g e n und M a y e r h o f e r. Die Wiener üdischen akademischen Verbindungen und Vereine, Theologia, Gamala, Jvria, Jüdische akademische Lesehalle und Libanonia, waren fast vollzählig erschienen. Nach der Begrüßung der Gäste und nach Absingung des „Gaudeamus1* entwickelte der Präses Herr cand. med. Martin Engländer in seiner Festrede, daß das jüdische Volk eine unsterbliche Idee verkörpere, die Idee der Gesittung und Moral, der Menschenliebe und Gerechtigkeit. Nachdem er kurz das Historische an der Makkabäerfeier 'auseinandergesetzt, legte er dar, welche Lehren das jüdische Volk aus der Geschichte zu ziehen habe. Solange es in den sittlichen, das heißt nationalen Wegen wandelt, sei kein Volk im Stande, es zu vernichten. Das Judenthum altert niemals, es gebiert jeder Epoche welterobernde Geister (Moses, Christus, Spinoza, Marx und viele Andere). Erkrankt ein Volk, so kann es nur dann gesunden, wenn aus seinem eigenen Blute die Netter entstehen, so die Makkabäer. Ein Jason, Menelaus, Lyvmachus, hellenisirende Assimilanten waren es. die Juda zu Grunde gerichtet, hingegen die Juda Makkabia, also jüdisch - nationale Helden, die es wieder empor gebracht. Sowohl bei den markanten Stellen der Rede als auch am Schluffe derselben lohnte reicher Beifall den Redner. An diese Rede schloß sich das Bundeslied an; hierauf hielt cand. med. Karl P o l l a k die Tendenzrede. Davon ausgehend, daß sich die Hoffnungen, welche die Juden auf die liberale Partei gesetzt hatten, als vollständig illusorisch erwiesen und daß man von der Socialdemokratie nichts erhoffen dürfe, da diese nur das Interesse einer Classe zu vertreten sich die Aufgabe gestellt habe, gelangte er zum Schluffe, daß eine Lösung der Judenfrage nur dann von Erfolg begleitet sein könnte, wenn sie von den Juden selbst ausginge. Im Verlaufe der Rede erregte namentlich großes Interesse die von eingehender Kenntniß der bezüglichen Verhältnisse zeigende Charakterisirung der einzelnen Gruppen innerhalb der Wiener Studentenschaft, die Herr P o l l a k theils in ernster Weise, manchmal aber auch mit scharfer Ironie aussührte. Ein Citat aus Heine's „Geständniffen" wurde in besonders geistreicher Art analysirt. aus dem dann klar hervorging, daß Heine, wenn auch der Confession nach nicht mehr Jude, sich dennoch voll und ganz eins mit seinem unglücklichen, aber großen Volke fühlte. Das Mitglied der Jvria Herr cand. med. Louis P ob o r s k i trug eine der 4 von Cantor Friedländer (Breslau) herausgegebenen „syrischen Melodien" vor und mußte über allgemeines Verlangen diese herrliche orientalische Weise wiederholen. Außer den Vertretern der anwesenden Verbindungen sprachen noch die Herren Docent F e i l b o g e n, Dr. Alfred Stern und Dr. Jakob K o h n. Allem Augenscheine nach hat die erhebende Feier auf alle Anwesenden einen sichtlichen Eindruck ausgeübt und bleibende angenehme Erinnerungen zurückgelassen. Wien. (Akademischer Verein „Gamala".) Freitag den 6. l. M. hielt im Vereine Dr. jur. Jacob Kohn einen sehr interessanten Vortrag über „die jüdisch-nationale Bewegung in Galizien". Der Referent beleuchtete in geistvoller Weise die Lage der galizischen Juden, schilderte die Geschichte der nationalen Bewegung unter denselben, wie auch die Thätigkeit und Erfolge der in vielen galizischen Städten gegründeten jüdisch-nationalen Vereine. An den Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Discussion. Der folgende Vortrag wird im Vereine Freitag den 13. l. M. um 7 Uhr Abends stattfinden. Das Vereinslocal befindet sich IX., Rothe Löwengasse 16, Thür 15. Gäste herzlichst willkommen. Wien. (AkademischeVerbindung„Kadima h".) Die akademische Verbindung „Kadimah" feierte gestern den 12. d. M. im großen Khuner'schen Saale. I., Schottenring 19, ihr 26. Makkabäerfest und lud hiezu die jüdischen Commilitonen, die Förderer und Gönner der Verbindung herzlichst ein. Wien. Sonntag den 1. December hat der isr. Humanitäts-Verein „Nachlath Jeschurun" durch feinen Vorstand 55 bedürftige Knaben, und gleichzeitig hat auch daselbst der Frauen-Wohlthätigkeits-Verein eine gleiche Anzahl Mädchen mit completen Winterkleidern, Schuhen und Wäsche bekleidet. Zuvor wurde im Tempel VI., Schmalzhosgaffe 3. in Anwesenheit zahlreicher Gäste ein feierlicher Gottesdienst aögehalten, wobei Se. Ehrwürden Herr Dr. I. Taglicht eine dem Festacte entsprechende Ansprache hielt. Ober-Cantor Herr S. D ü n n m a n n sang mit der anwesenden Schuljugend einige