Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 50 (13.12.1895)
- Date
- 1895-12-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 930 Dr Blortz's Wor^ rnsttzrist. Nr. 50 seinen $Mfe\ ■: ie t N'ti He i si;l es ein, sich die Bestie etwas näher anzusehen. Man ging ihr ängstlich aus dem Wege und verstopfte sich vor ihrem Geheul die Ohren. Aber eines Tages kam ein ganz junger Fant und griff das Thier herzhaft an und zeigte dem erstaunten Volke, daß der Schrecken gewaltig übertrieben hatte. Der Abgeordnete Ritter von Demel hat sich nicht um seine Partei und nicht um den Liberalismus, sondern um die politische Mythologie ein großes Verdienst erworben, indem er es übernahm, den Herrn Lueger und Consorten scharf zu Leibe zu gehen. Mag Herr Lueger sich auch noch so blähen, noch so gewaltig um sich schlagen und noch so fürchterliche Blicke um sich schleudern — seit der Jungfernrede des Abgeordneten R. v. Demel weiß endlich auch die liberale Partei, daß der Lindwurm kein Lindwurm, sondern nur ein dummer, bissiger Köter ist! E. B. Wien. (Bon d er Hofbibliothek.) Einer der begabtesten Bibliographen, Dr. G., bewarb sich um eine an der Hofbibliothek freigewordene Stelle, welche er jedoch nicht erhielt, weil er der Zumutaunz. einer „Convertirung" sich zu unterziehen. mannhaft Widerstand leistete. Dagegen wurde ein ..frisch geback.'nec Conv'rtit" sofort als Colaborator acceptirt. An der Spitze der Hafbibliotbek steht Hosrath Professor Härtel, das Prototyp eines Liberalen. Ein Commentar ist wohl überflüssig. E. B. Wien. (P h y s i k a t s p r ü f n n g.) Zn den November-Phystkatsprüfungen baben sich 30 Candidaten gemeldet. Von diesen haben sich nur 7 der Prüfung unt rzogen und. von diesen 7 haben nur 4 die Prüfung auch bestanden, Letztere ausschließlich Juden. Zu wünschen wäre nur, daß die Herren Physici auch bald zu ihrer Befähigung angemessenen Stellungen gelangen würden. E. B. Wien. (D i e Besetzung der Oberlehrerstelle an der Volksschule in der Werderthorgasse) ist neuerlich hinausgeschoben worden. Man hat nämlich in dem Regionsbefähigungs-Zeugnisse des Competenten einen ganz irrelevanten Formfehler gefunden und damit den Zweck erreicht, daß diese von .95 Procent jüdischen Schülern besuchte Schule nach wie vor mit einem jüdischen Oberlehrer nicht besetzt werden muß. Das Provisorium dauert nun schon nahezu drei Jahre und die provisorische Leitung ist — contra legrem — nicht einem an derselben Schule wirkenden jüdischen, sondern einem christlichen Lehrer anvertraut. Wien. (Der Fraue n-V e r e i n des VIII. Bezirkes) hielt am 5. d. M. in Khuner's Restauration bei Anwesenheit eines sehr zahlreichen und distinguirten Publicums ein Fest ab. bei welchen 54 Kinder mit Wäsche und Winteranzügen herrlich ausgestattet wurden. Die Präsidentin, Frau Amalie Beck, begrüßte die Versammlung und ertheilte dem Armenrathe Herrn S. B r o d zur Festrede das Wort, welcher sich dieser Aufgabe in wahrhaft begeisternder Weise entledigte. Er pries die Wohlthätigkeit der jüdischen Frauen als die idealste Em an ci pa t i o n und beleuchtete die hohen Verdienste des Frauenvereines des VJH. Bezirkes, seiner verdienstvollen Präsidentin und des gesammten Vorstandes. Mit einen 3maligen Hoch auf den größten Wohlthäter unseres Vaterlandes, Kaiser FranzJosefl, schloß der Festredner seine mit größtem Beifalle aufgenommenen Ausführungen, worauf die Versammlung sich einmüthig erhob und die Volkshymne unter Harmonium-Begleitung intonirte. Herr Bezirks-Ausschuß Wald stein dankte im Namen des I. Bezirkes der rührigen Vereinsleitung, insbesondere der Frau Präsidentin Beck wie auch dem Festredner Herrn Brod. Nach Einzelvorträgen von vier der betheilten Kinder, die die Anwesenden zu Thränen rührten, fand ein Festessen für die armen Kinder statt, bei welchen die Vorstandsdamen die Honneurs machten. Der abwesende Bice-Präses des Tempel- Vereines. Herr Guttmann, beglückwünschte den Vorstand telegraphisch. Wien. (A u f h eb uu g c i u e § Urtheil s.) Am 10. October d. I. stand der Handlungsreisende Moriz Rosenbcrg vor einem Grkennmißseiiate des Landesgerichtes unter der Anklage, daß er am 5. Januar 1895 in einer Pr Mache der Firma Honig und Ne Hab gegen Alexander P u r s ch t. bei welcher es sich um 52 fl. 25 kr. handelte, als Zeuge eine falsche Aussage abgegeben habe, indem er bestätigte, mit dem Kaiismanne Alexander Purscht in Hernals sdem ehemaligen Gemeinderatbes im September 1893 ein Lieserungsgeschäft abgeschlossrn zu haben, welches eine feste Bestellung beinhaltete. Schon beim Handelsgerichte hatten drei Bedienstete des Alexander Purscht ihre Aussage dahin abgegeben, daß Purscht nicht fix bestellt, sondern ausdrücklich erklärt habe, daß er nur Muster beziehen wolle. Im Laufe der Strafuntersuchung war nun zu den Aussagen dieser drei Zeugen, des Commis Anton Slaby, der Cassierin Francisco Oliva und des Praktikanten Ludwig F orstl! er, aucfj noch die Aussage des Lehrlings Anton Winkler und die des Alexander Purscht selbst hinzugetreten. Auf Grund dieser übereinstimmenden fünf Zeugenaussagen wurde Moriz Rvsenberg, welcher dabei beharrte, es sei von einem nicht fixen Kaufe nicht die Rede gewesen, am 10. Oktober d. I. des Verbrechens der falschen Zeugenaussage schuldig erkannt und zu einer Kerk erstrase in der Dauer von zwei Monaten verurtheilt. Der Vertheidiger des Moriz Rvsenberg, Dr. Schneeb erg er, brachte gegen dieses Urtheil die Nichtigkeitsbeschwerde ein, über welche der Oberste Gerichtshof sofort in nicht öffentlicher Sitzung dieses Urtheil aufgehoben und die Sache zur neuerlichen V e rh a n d l u n g an das Landesgericht in Wien zurückgewiefen hat, vornehmlich in der Erwägung, daß die Begründung des Urtheils eine vollständige Feststellung jener Thatsacheu nicht enthalte, welche bei richtiger Anwendung des Gesetzes dem Urtbeile zu Grunde zu legen wären. Wien. (D i e G r u n d st e i n l e g u n g des israelitischen Tempels i m X. Bezirke.) In feierlicher Weise fand am 2. December Vormittags, als am Jahrestage der Thronbesteigung des Kaisers, die Grundsteinlegung eines neuen israelitischen Tempels in der Humboldtgasse in Favoriten statt, welcher zur Feier des fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläums des Kaisers vollendet werden wird. Auf dem mit Fahnen, Festons und Reisig geschmückten Festplatze war ein Zelt errichtet, in welchem die von Blattpflanzen und Palmen umgebene Büste des Kaisers ihre Ausstellung gefunden hatte. Vor der Büste war der Grundstein placirt worden, zu dessen Seiten Steinmetze in altdeutscher Tracht Aufstellung genommen hatten. Im Zelte selbst versammelten sich die Festgäste, die trotz des unwirthlichen Wetters in großer Anzahl der Feier anwohnten. Es waren erschienen der Leiter des magistratischen Bezirksamtes Favoriten, Magistrats-Secretür Vilimek, der Leiter des Bezirksgerichtes Favoriten, Landesgerichtsrath Zakucki, der Präses der Wiener israelitischen Cultusgemeinde Simon, die früheren Gemeinderäthe Ritter v. Goldschmidt und Dr. Alfred Stern, Letzterer in Vertretung der Cultusgemeinde, Landesschulrath Dr. G. Kohn, Secretär Dr. Lieben, Rabbiner Dr. Gelbhaus, Vertreter des Bezirksausschusses Favoriten, ferner Vertreter der Cultusgemeinde in den einzelnen Bezirken, darunter Herr G. Bettelheim, Obmann des Bethaus-Vereines im IX. Bezirk, und ein zahlreiches, aus Damen und Herren bestehendes Publicum. Nachdem der Obmann des Tempelbau-Comitös, Herr Karl Seligmann, die Festgäste begrüßt hatte, leitete Rabbiner Dr. D. L ö w y die Feier mit einer geistvollen, erwärmenden Rede ein. Dr. Berthold T r i t s ch, der Schriftführer des Baucomites, hielt hierauf eine Ansprache, in welcher er unter Anderem sagte: „Der heutige Tag wurde vom Baucomitä nicht ohne Absicht zur Feier ausersehen. Es ist der Jahrestag der Thronbesteigung unseres erhabenen Monarchen, welcher in allen Gauen Oesterreichs und weit über dessen Grenzen hinaus als das Muster eines gütigen Herrschers gepriesen wird. Kaiser Franz Josef war es, der in seiner Güte und Gerechtigkeitsliebe uns die Gleichberechtigung verlieh, damit die Schranken, welche mittelalterliche Vorurtheile aufgerichtet, hinweggeräumt werden, und uns zu gleichberechtigten Bürgern gemacht hat. Dessen wollen wir stets eingedenk sein und es unfern Kindern und Kindskindern tief in's Herz einprägen." Unter stürmischer Zustimmung der Festversammlung brachte Dr. Tritsch ein begeistert aufgenommenes dreimaliges Hoch auf den Kaiser aus. Namens des Vorstandes der Cultusgemeinde begrüßte dann Dr. Stern die Anwesenden. Es sei ein günstiges Auspicium, daß der Grundstein zudem Werke an dem Gedenktage des Regierungsantrittes unseres Kaisers gelegt werde. Wenn auch das neue Gotteshaus nicht gleich den alten Tempelbauten für Tausende von Besuchern bestimmt sei, so sei es doch derselbe Geist der brüderlichen Liebe, welche uns, die wenigen Epigonen hier, bei unserem Werke durchdringe. Redner erinnert an die