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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-13 · 50 (13.12.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
50 (13.12.1895)
Date
1895-12-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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.'.--''TS'Nik-VÄkL-L. -wr.*^****™**^ 9tr. 50 Dr. Dloch's Vochrnschrist. 3ette 927 Der „C; ru^ unbekannten Rabbiners". Die Schwurgerichts - Verhandlung, .eiche diese Woche gegen den Herausgeber des in Baden erscheinenden „Bote aus dem Wienerwalde", einem antisemitischen Hetzblatte der gemeinsten Ärl, durchgeführt wurde, kennzeichnet wieder einmal die bodenlos verlogene und ehrabschneiderische Kampfeswelse der Antisemiten. Der Artikel, welcher Anlaß zur Klage bot, trug die Ueberschrift: „Auf welche Weise wurde die Neuanpflanzung des jüdischen Weinhändlers Moriz Schreiber veredelt?" und enthielt folgende Stellen: ,,Ueb' immer Treu' und Redlichkeit Bis an Dein kühles Grab; Doch wenn es Dir von Vortheil ist, Dann weiche davon ab. (Svruch eines unbekannten Rabbiners.) „Im Harker Gevlrge, einer Ried beim Eichenwäldchen südlich von Baden, merkten Hauer, daß ihre Weingärten aufs Schändlichste verwüstet seien. Ganze Strecken, von denen Edelreiser gestohlen worden, waren vernichtet und ist der Schaden ein bedeutender." Weiters behauptet der Artikel, daß der Weinzierl des Schreiber, Herr K a r l h o f e r, w.edecholt in frühester Morgenstunde gesehen wurde, wie er mit einem Knechte tüchtige Trachten Edelreiser aus dem Harker Gebirge heimtrug, und schließlich richtet der Artikel an Herrn Schreiber die Anfrage, woher er seine Neuanlagen veredle und wozu sein Weinzierl die enttragenen Edelreiser verwendet habe. Das Beweisverfahren ergab die vollständige Grundlosigkeit der veröffentlichten Behanptungen und der Angeklagte Josef Herzog wurde auf Grund des Schuldspruches der Geschwornen zu drei Monate Arrests verurtheilt. ^Arische Löhne 1895. lieber die Lage der Spitzenklöpplerinnen im Erzgebirge berichtet der in Falkenau an der Elbe erscheinende „Bolkswille": „In einer Stube von 4 Meter Länge, 4 Meter Breite und 4 Meter Hohe saßen 11 Personen, Männer. Frauen und Kinder, bei den Klöppelsäcken. Die Frau gab folgenden Bericht: Die geübteste Klöpplerin muß an einer Elle Spitzen 15 bis 16 Stunden arbeiten und erhält dafür je nach dem Muster 35 Kreuzer bezahlt. Den Zwirn u. s. w. muß die Arbeiterin selbst kaufen. Die'e Zugehör kostet 5 bis 8 Kreuzer. Mindergeübte arbeiten an einer Elle Spitzen 30 bis 32 Stunden und erhalten obige „Bezüge". In einem anderen Hause gab eine Frau folgende Auskunft: Die Arbeit, welche ich mache, ist von geringerer Qualität und ich bekomme für die Elle 23 Kreuzer, dafür muß ich 5 bis 6 Kreuzer für Zugehör abrechnen. Verbleibt somit für 14 Stunden sehr fleißiger Arbeit ein Verdienst von 17 bis 18 Kreuzer. In wirklich kindlichem Glauben setzte diese Frau noch hinzu: „Wenn nur einmal der Kaiser von unserem Elende erfahren würde, der würde uns doch helfen". Eine Greisin, 66 Jahre alt, schildert ihr Elend in folgenden Sätzen: „Mein Augenlicht und meine Hände versagen oft den Dienst und wenn ich den ganzen Tag sehr fleißig bin, verdiene ich nicht so viel, damit ich meinen Hunger stillen kann. Wenn ich es vor Hunger nicht mehr nushalten kann, gehe ich halt lim ein Stück Brod betteln. Die Gendarmerie hat es aber scharf ans mich und ich mar wegen „Betteln" schon einige Male eingesperrt." Schluchzend rang das arme Mütterchen die Hände: „Wenn mich doch der 1Gb. Gott zu sich nähme und erlöste von diesem Elend." Bittere Thränen rollten über das gramdnrchfnrchte. runzlige Gesicht. Ich und mein Begleiter weinten mit. Anna E. verfertigt Hemdbesetze und bekommt pro Stück 50 Kreuzer. Arbeitsdaner 4 Tage ä 14 Stunden." Jüdische Arbeitgeber. Wie bekannt, veröffentlicht alljährlich das Reichsamt des Innern in Berlin einen Sammelbericht, der das Wesentlichste aus den Mittheilungen der Gewerbeinfpectoren umfaßt. In dem Bericht für 1895 findet sich im Abschnitt „Wohnungsverhältniffe" zunächst ein aus dem Berichte der Aufsichtsbeamten für Potsdam wörtlich wiedergegebkner Passus, der folgendermaßen lautet: „Die auf dem Werke drr Firma Aron Hirsch und Sohn in Messingwerk wohnenden circa 100 Arbeiterfamilien baden gesunde, bequeme Wohnungen, wofür die meisten den mäßigen Miethpreis von 54 Mark für das Jahr zahlen; sehr viele Familien, auch s ä m m tliche Invaliden und Witwen habet! freie Wohnung. Zu jeder Wohnung gehört ein Stück Land, groß genug, um Gemüse darauf zu bau°n." Auf der gleichen Seite — pag. 364 — wird in längerer Ausführung die Fürsorge der Firma Staut ien und Becker in Königsberg für die Wohnungsverhältniffe ihrer Arbeiter hervorgehoben. Seite 366 wird mitgetheilt, daß die F e ch e n h e i m e r A n i l i n f a r b e n- Fabrik, Inhaber Ganz und Comp., die Zahl ihrer Arbeiter-Wohnhäuser auf 65 erhöht habe. Die Häuser sind g.^äuwig für -d:'. kinderreichste Familie und werden von der Fabrik sehr billig vermied, Es sind in diesem Abschnrtte im mauzen HP einer ausführlicheren Bespr'-.r ring unterzogen und die von ihnen für ihre Arbeiter geschaffenen Wohlfahrts-Einrichtungen dar-?stellt; die FpstfJffon läßt sich nicht bei Allen fkststellen, wenigstens ist sie uns nicht allen bekannt. Nur können wir nach Anführung der obigen drei Firmen sagen, von diesen 10 rühmend hervorgehobenen Arbeitgebern sind mindestens drei Inden! Lehrlingslos. Ter Bäckerlehrling Isaak Drucker wußte wegen seiner Confession von dein -Bn „Vorgesetzten" Gehilfen Heinrich Milde wiederholt verschiedene S«..,..psworte anhören. Als er sich eines Tages diese Angriffe verbat, packte ihn der Gehilfe an der Brust und schleuderte ihn so heftig an die Wand, daß er blutend zusammen, stürzte. Drucker verließ die Lehre, erstattete jedoch vorher wider den .humanen" Gehilfen die Anzeige. Auf Grund derselben hmte sich Heinrich M i! d e vor dem Ottakringer Slrasrichter, Adjuneten Ritter v. Paumgartten, wegen Uebertretnng der Körperverletzung zu verantworten. Der als Zeuge einvernommene Meister des Angeklagttu- Joseph Brauch, suchte den Gehilfen zu entlasten, „der vom Lehrling in iniqualificil barer Weise gereizt worden sei". R ich: er (zum Zeugen): Der Lehrling war ja im Rechte, wenn er sich nicht immer wegen seines Glaubens schimpfen ließ. — Zeuge (lächelnd: Er ist doch aber ein Jude! — Drucker schilderte unter Thränen die Mißhandlungen, die er von dem Gehilfen zu erdulden hatte. Der Richter vernrtheilte sodann den Angeklagten zu einer v i e rn n d z w a n zigst ün di gen, mit Fasten verschärsten Strafe. Wieder Einer. Der antisemitische Redacteur W a l d, der die Hamburger antisemitischen Blätter „Abwehr" und „Deutsche Reform" redigirte, wird st e ck b r i e f l i ch verfolgt, weil er E a u t i o n ss ch w i n d e i e i e n n n d W e ch s e l f ä l s ch n n g e n verübte. Außerdem soll er mit dem S ch w i n d l e r c o n s o r t i n m in Verbindung stehen, welches beim letzten Pferderennen T o t a l i s a t e n r t i ck e 1 s fälschte. Wald war früher in Berlin als Antisemitensührer thätig. Racenhetze unter Schulkinder». In der Floridsdorstr fünften Classe der Mädchen-Volksichule wurden vorgestern von einem Schulkinde, dessen Name uns bekannt ist, an dessen Mitschülerinnen kleine gelbe Zeitelchen veriheilt, welche mittelst Stampigliendrucks folgende Inschrift trugen: Deutsche, hütet Euch vor Inden. So wird der Racenhaß schon in die zarten Gemükher der Kinder gepflanzt! Es wäre doch recht interessant, zu wissen, wer jenem kleinen Mädchen die erwähnten Zettel eingehändigl hat und was die Lehrerin dazu sagte, als ihr dieselben von einigen Kindern oorgewiesen wurden. Aus der Vergangenheit des Dr. Lueger wird Folgendes in Erinnerung gebracht. Am 27. April 1885 entwickelte er vor einer Wiener Wählerversammlung sein Programm und erklärte wörtlich: „Die demokratische Partei muß es als eine ihrer Hauptaufgaben betrachten, das Staatsgrundgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger dnrchznsühren, das bereits Errungene sestzuhalten, das Fehlende zu ergänzen. So wollen wir denn festhalten an dem Grunds atze der Gleichberechtigung d e r C o n s e s s i o n e n n. s. w." Noch ein Jahr später hat Dr. Lueger, wie wir einer Mittheiluiig der letzten Nummer der „Volksstimme", des Organs Kronowett.r's, entnehmen, vor dem Gemeindehanse eni der Landstraße den Finger zum Schwure erhoben und feierlich erklärt: „G o t t ist m e i n Z e n g e, daß ich keinen Unters ch i e d d e s G l a u b e n s k e n n e, Christ o d e r I n d e gilt mir gleich." Wie Zewissenhaft hat er diesen Eid gehalten i Das erste Wiener Indenviertel. In einem intereffaiuen Aufsatze über den Ursprung Wiens als deutsche Stadt schreibt Guido L ist: In diese Zeit, zwischen 15 vor und 65 nach Christo, ist die Errichtung des Jndenviertels zu setzen, da dieses außerhalb der Grenzen des ersten römischen Standlagers, aber innerhalb der Brandwälle angelegt erscheint und in dem noch heute „Jndenplatz" genannten Platze seinen Mirtelpnnkr fand. Tie Anlage dieses Ghettos, sowie dessen Lage abseits der römischen Via principalis, der wringen Wipplingerstraße, bekundet unleugbar römischen Urwrung. — So lange sind also die Inden schon in Wien! Wo waren damals die Ahnender Lueger, P a t t a i und Consorten? Die Partei der christlich-socialen Pastoren, die jer.t io viel angefeindet wird, hat nun auch Stellung zum Antisemitismus genommeu. Gegen denselben er.lärte sich in einer Versammlung irr Frankfurt Pfarrer Naumann, der Führer der „jungen" Christlich-Socialen. Er führte u. 2L aus: „Es gibt aber auch traurige Zustände in Deutschland genug, an denen die Inden gar keinen Aurheil haben. Die sächiisch.n und schlesischen Weber haben einen viel schlimmeren Kamps durchznmachen als die hessischen Kleinbauern, und in jenen Gegenden sind keine Inden. Unter die ostpreußischen Gutsarbeuer kommt kein leben-

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