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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-13 · 50 (13.12.1895) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
50 (13.12.1895)
Date
1895-12-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 926 Dr. Vloch's Wochrnschrift. Nr. 50 hierauf genannt werden-). Dasselbe wurde im 13.Jahrhundert von der Secte der Fratricelli in Italien behauptet, die außerdem noch beschuldigt wurden, Kinder verbrannt und deren Blut getrunken zu haben 3). Beide Anklagen wurden aber auch ■■Jti: fr Zeit von Seiten der Römer gegen die Christen erhoben, was aus vielen Stellen derKirchenväter deutlich zu ersehen ist *). Namentlich aber ist es Minucius Felix, der, indem er mit Abscheu und Entrüstung die Anklage des Kindesmordes zurückweist, alle Einzelheiten derselben darlegt 5), da diese Darlegung an und für sich schon eine Widerlegung der grauenhaften Beschuldigung ist. Die Apologetiker ihrerseits erhoben dieselben Anklagen gegen die Gnostiker und andere Häretiker°). So wurde auch den Montanisten nachgesagt, daß sie alljährlich ein Kind schlachteten oder mit Nadeln durchstachen und dessen Blut zum Abendmahlsbrot verwendeten, wogegen Tertullian, nachdem er zum Montanismus übergetreten war, das Liebesmahl (Agape) der anderen als etwas Unzüchtiges darstellte. So wird dieser Vorwurf wie ein Ball immer von der einen Partei der anderen zugeschleudert. Es kann nun also nicht auffallend sein, daß man in späterer Zeit die Anklage des Kindesmordes auf die Juden wälzte, es finden sich aber außerdem noch manche Analogien. Bekanntlich waren die Juden von jeher an allem Unglück schuld, so z. B. am „Schwarzen Tod", daß man aber auch den Christen den Vorwurf machte, an allen Calamitäten die Schuld zu tragen, wird besonders drastisch in einer Stelle Tertullian's dargelegt: „Wenn der Tiberstrom seine Ufer übersteigt, wenn der Nil nicht aus seinen Ufern tritt, wenn der Himmel unbeweglich bleibt, wenn die Erde in Bewegung geräth, wenn Hungersnoth und Pest wüthet, alsbald heißt es: „Werfet die Christen den Löwen vor". Auch sonst lassen sich Parallelen Nachweisen. Es erinnert z. B. an den späteren Gebrauch des Wortes Jude, daß damals die bloße Benennung als Christ schon einen Vorwurf enthielt, und sehr bezeichnend ist die von Tertullian angeführte Redeweise: „N. ist zwar Christ, aber sonst ein recht braver Mann!" Manches wiederum wurde Christen und Juden zum Vorwurf gemacht, so z. B. der Haß gegen das Menschengffchlecht, die Verehrung eines Esels, wie das besonders ausführlich von Bochart nachgewiesen wird und anderes mehr." MNicht bestätigt. Der Gemeinderath von Tr o pp au wählte den Administrator des dortigen Antisemitenblattes, Engen Bubenik. in den Bezirksschulrath. Einer amtlichen Veelantbarurg zufolge wurde diese Wahl nicht bestätigt. Bon den Grazer Gemeinderathswahlen. Die dieser Tage in Graz stattgehabten Gemeinde-Ergänzungswahlen aus dem zweiten Wahlkörper endeten mit der Niederlage der rein antisemitischen Gewerbepartei. Die Betheiligurg an der Wahl war für die Grazer Verhältuiffe eine außerordentlich rege, indem von 4439 stimmberechtigten Wählern 2395 an der Urne erschienen. Für die Candidaten des Wahlausschusses aller Stände wurden an 1800 Stimmen erzielt, während die eigentliche Feichtinger-Partei nicht ganz 5OO Stimmen erhielt. Ei« jüdischer Soldat. Ein ehrenvolles Jubiläum feierte am 18. October der in der Gewehrfabrik zu Erfurt beschäftigte Jude Otto B i b o. Am 18. October waren es 25 Jahre, daß er das Eiserne Kreuz erhielt. Ueber den damaligen Vorgang brachte die „Thüringer Zeitung" vom 11. November 1870 folgenden, Heirn Bibo hochehrenden Bericht: „Vom Kriegsschauplätze. Aus Viroflay vom 28. October geht uns von einem Einjährig-Freiwilligen des 87. Infanterie- Regimentes Folgendes zur Veröffentlichung zu: Wir können nicht umhin, in Ihrem geschätzten Blatte auch eines Angehörigen dortiger Stadt zu erwähnen, dessen Tapferkeit in den Schlachten von Wörth und Sedan im 87.Regimente allgemein anerkannt wurde und der seiner Vaterstadt als Soldat alle -) Maracci - Pvdroin. III. S. 86. Gazaphylacium linguae Persarum, f. v. Setta, S. 390, Ritter, Erdkunde, 2 2l. VII. 263, 1X545, 753, XI 305, 587. Z. D. M. G. XVI. 622,624, ch. Journal asiat. 1855 Janvier p. 7. 3) Bayle s. v. Fratricelli und s. v. Guillemete; Soldan-Heppe I. 229, Note. 4) Die einzelnen Stellen werden angeführt in Kortholt's Paganus obtrectator. S. 546 ff. und in dessen In Plinü et Irajani cke Christ, primaevis epist. commentar; S. 125 ff. 5) Octavius, Cap. 9 u. Cap. 30. 0) Kortholt, Paganus obtrectator, S. 546 ff. Ehre macht. Es ist dies der Unterofficier Otto Bibo, der bei Wörth mit einem kleinen Häuflein sich tapfer gegen die die Uebermacht des Feindes warf und durch sein "mD'.ges Vorgehen und seine Ausdauer die gefährdete Fahne unseres theilweise zersprengten Bataillons noch zu halten vermochte. Stets an d.r Spitze, war er Derjenige, der ermunternd auf die Soldaten einwirkte, und gehört die durch ihn ausgeführte Verteidigung der Fahne unstreitig zu den hervorragenden tapferen Thaten des siegreichen Tages. Ebenso bewies er vor Sedan durch günstige Ausführung von schwierigen Patrouillen seine militärische Brauchbarkeit. Am 18. October, dem Jahrestage der großen Völkerschaft zu Leipzig, hielt Se. königliche Hoheit der Kronprinz Revue über die 41. Brigade ab und vertheilte gleichzeitig eigenhändig eine Anzahl Eiserner Kreuze an diejenigen Soldaten, die sich während dieses Feldzuges besonders hervorgethan hatten. Bei dieser Gelegenheit erhielt auch Unterofficier Bibo das Eiserne Kreuz (es wurden neun im 87. Regiment gegeben) und hatte Se. königliche Hoheit die Gnade, sich in herablassendster Weise mit ihm zu unterhalten. Es war nur Eine Stimme in der Compagnie über dessen ruhmvolles Verhalten und wurde dem Bibo diese Ehre als wohl zukommend von Allen gegönnt." Wir stellen es dem Berganiblatte, sowie der gesammten Antisemitenpresse anheim, von dieser Notiz den ausgiebigsten Gebrauch zu machen.. Nebenbei bemerkt, muß es auch das Stöcker'sche „Volk" zugeben, daß im deutsch-französischen Kriege 363 Juden das Eiserne Kreuz erhalten haben. Berlin. 11. November. Da gegenwärtig mit vollem Rechte - die Nrmen derjenigen Glaubensgenossen festgestellt weroen, welche in dem französischen Kriege sich ausgezeichnet haben, so möchte ich mir erlauben, den nachstehenden Divisionsbefehl der 11. Division, datirt St. Denis, den 17. Juni 1871, mitzutheilen. Derselbe lautet wörtlich: Divis ions-B efehl. Der Grenadier Max Karfunkel von der 2. Compagnie des 1. Schlesischen Grenadier-Regimentes Nr. 10 hat sich als Posten auf der Bahnhofswache in St Denis mit solcher besonderer Energie benommen, daß dieselbe hierdurch lobend anerkannt wird. Dieser Befehl ist sämmtlichen Truppentheilen der Division bei Paroli vorzulesen. Gez v. Malachowski, Gen.-Major u. Div.-Comm. Hiebei ist noch zu bemerken» daß derselbe Grenadier am 25. Juli 1870, am Tage vor dem Ausmarsche nach Frankreich, zwei Kameraden mit eigener Lebensgefahr vor dem Tode des Ertrinkens gerettet hat. Herr Karfunkel lebt seit dem Feldzuge in Berlin und ist Redacteur. Schlecht angebrachte Wohlthätigkeit. Troppau besitzt bekanntlich eine antisemitische Stadtvertretung, welche von ihrer Macht gegenüber den Juden rücksichtslos Gebrauch macht. In der schlesischen Landeshauptstadt ist aber auch unter unseren Glaubensgenossen wahrhafte Menschlichkeit und Nächstenliebe in hohem Maße entwickelt und die Pflichten der Wohlthätigkeit wurden daselbst von jüdischer Seite stets ohne Unterschied des Glaubens geübt. An diesem schönen Brauche glauben einzelne unserer Glaubensgenossen auch unter dem antisemitischen Gemeinde-Regime festhalten zu sollen, obgleich sie sich wiederholt überzeugt haben, daß die Brutalität der Antisemiten sich vor Allem gegen die jüdischen Armen und Bedürftigen äußert. Wie die „Freie schlesische Presse" vom 5. d.M. berichtet, brachte in der letzten Sitzung des Troppauer Gemeinderathes der Vorsitzende zur Kenntniß, daß er von Herrn' Kulka fl. 30 erhalten habe mit der Bestimmung, fl. 15 an die städtischen Armen zu vertheilen, fl. 10 dem Waisensaus und fl. 5 der Wärmestube zuzuwenden; von Herrn S. D. Klauber wurde ihm ein Betrag von fl. 25 zur Betheilung von christlichen Armen übergeben. Die Absicht der Herren Kulka und Klauber ist je eine sehr edle und löbliche, sie wollen Böses mit Gutem vergelten! Aber eine tausendfältige Erfahrung hat bewiesen. daß dieses System dem Antisemitismus gegenüber schlecht angelegt ist. Jene 55 fl. wären weit besser angelegt gewesen, wenn sie zur ausschließlichen Unterstützung jüdischer Armen gewidmet worden wären. Für die Gesinnung, mit welcher die Antisemiten solche Gaben entgegennehmen, spricht dieThatsache, daß der Vorsitzende für die beiden Spender auch nicht das geringste Wort des Dankes fand. Es ist wahrhaftig nicht nothwendig, daß wir uns auch noch den Vorwurf der Aufdringlichkeit in Sachen der Wohlthätigkeit zuziehen!

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