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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-13 · 50 (13.12.1895) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
50 (13.12.1895)
Date
1895-12-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 920 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 50 Nach einer kleinen Pause besprach als erster Redner Herr Dr. Max Breitenstein die gegenwärtige politische Situation und kam sodann auf die Niederlage des ehemaligen Abgeordneten Dr. Bloch anläßlich dessen letzten Candidatur im Städtebezirk Kolomea-Buczacz-Sniatyn zu sprechen. Dr. Breitenstein bezeichnete die Niederlage Dr. Bloch's als eine Niederlage, die das gesammte Judenthum erlitten. Dies beweist das Hohngelächter der antisemitischen Blätter. Und das Traurigste hiebei sei, daß Bloch den Antisemiten weichen mußte. Dr. Bloch habe sich unvergängliche Verdienste um das Judenthum erworben, er allein habe einen der gefährlichsten Gegner des Judenthums, Professor Rohling, vernichtet. Umso bedauerlicher sei es, daß es ein. Jude war, der sich dazu hergab, ihm das ihm gebührende Mandat streitig zu machen, und eine Schmach sei es, daß die Juden die Verdienste Bloch's sobald vergeffen haben. (Lebhafter langauhaltender Beifall. Hochrufe auf Dr. Bloch, der leider in der Versammlung nicht anwesend war.) Heute sei es eine Ehrenpflicht aller Juden dahinzuwirken, daß Bloch wieder ein Mandat erhalte, daß er, der allein durch sein enormes Wissen, durch seine unübertroffene Fachkenntniß im Stande sei, den antisemitischen Gegnern und Angriffen auf die jüdischen Satzungen wirksam entgegenzutreten, wieder dort einziehe, wohin er berufen erscheint, ins österreichische Abgcordnetenhaus. (Stürmischer Beifall.) Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Schnabel knüpfte an den Vortrag des Dr. Fciedjung an, der den Ausspruch Gladstone's erwähnte, daß sich eine liberale Partei nur dann erhalten könne, wenn ihre Politik eine social-politische ist. Friedjung habe auch den Juden den. Weg gezeigt, den sie einzuschlagen haben. Wir Juden haben die Pflicht, in dem social-politischen Kampfe voran zu gehen, wir Juden sind die Letzten, die das Recht haben, den berechtigten Wünschen Anderer entgegenzutreten, unsere Pflicht sei es, den Enterbten des Glückes, den politisch Rechtlosen zur Seite zu stehen. An der Seite der Arbeiter müssen wir kämpfen gegen die Privilegien des Clerus und der Aristokratie, dann werden auch für uns Juden bessere Zeiten kommen. Dr. Schalit sagte: Man mag über Dr. Bloch urtheilen und denken wie man will, man dürfe jedoch nie vergeffen, daß Bloch der Einzige war, der mit Hmantsetzung seiner eigenen Interessen mit allen Mitteln den Antisemiten wirksam entgegengetreten sei und nur deßhalb weichen mußte. Unsere Aufgabe sei es, schon jetzt zusammen zu treten, um zu berathen, was zu thun sei, um Dr. Bloch wieder zu einem Mandate zu verhelfen. (Lebhafter Beifall.) Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Arnold Breun er: Wenn wir von Dr. Bloch sprechen, so haben wir blos von seinen Leistungen im Parlamente zu sprechen. Und für diese gebührt ihm der rückbaltsloseste Dank aller Juden. Ich beantrage daher folgende Resolution: „Die heute zahlreich besuchte Plenarversammlung der „Oesterr. Jsr. Union" bringt Herrn Dr. Bloch für sein wackeres und aufopferungsvolles Wirken im Parlamente vom Standpunkte unseres Vereines, als der Vertretung jüdischer Interessen, den wärmsten Dank zum Ausdrucke, bedauert lebhaft, daß er nicht wieder gewählt wurde, und bittet ihn, auch weiterhin in so wackerer Weise für die Interessen des Judenthums thätig zu sein". (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Diese Resolution wurde einstimmig angenommen und beschlossen, selbe Herrn Dr. Bloch zur Kenntniß zu bringen Eine Tücke im bürgerlichen Gesetz. Nicht Waffe und Wurfspieß, nicht Fenstertrümmer und Plünderung waren Israels Losung seit altershcr. Wahrheit und Geist allein waren seit uralten Zeiten dessen Schutzengel und diese allein sind es, welche den gegenwärtigen Zeilen Anregung bieten. Denen, die erbarmungslos und roh im Alterthum und Mittelalter gegen Israel handelten, die Feuer und Schwert zu Israels Unterdrückung zu Hilfe riefen, denen, die alle Greuel und Marter der Inquisition ersonnen haben, spricht der große jüdische Spanier Jehuda Halevi Zukunftsbedeutung bei. Er sagt: „Und diese Völker sind die Vorarbeit und Verbreitung für den Messias, den wir erwarten" (vusari I. 23). Und wie urtheilt Maimonides, die Leuchte des Exils, der große Adler, die Fackel jüdischer Gelehrsamkeit und Rechtgläubigkeit? Noch weit toleranter. „Alle diese Verkündigungen dieses Nazaräers (Nozri) und Israeliten, der ihm folgte, lehrt er, bezwecken lediglich die Erbauung des Weges für den König Messias und die Verwirklichung des Gottesreiches auf Erden, Gott einmüthig anzubeten" (Hilchot M'lochim Eap. 11.). Womit sollen wir fortsetzen die unuberblickbare Reihe «jüdischer Friedensanordnungen, die, wohlgemerkt in den trübseligsten Tagen äußeren Drucks an Freund und Feind ergingen? Wie klingt es unmenschlich dieses heisere Blutgeschrei gegen unschuldige Israeliten neben jenen milden Lehren der Rabbiner: „Und den Fremden sollt Ihr nicht bedrängen: selbst mit Worten nicht bedrängen, fügen sie noch hinzu (Sifri zu Mischpatim); neben den Lehren: „Ihr sollt lieben den Fremdling"; „so Du siehst das Lastthier Deines Feindes zusammenbrechen, unter seiner Last, so sollst Du ihm aufhelfen,,; (II. B. Mose 23 . 5) neben den gefühlvollen Satzungen über Thier- und Pflanzenschutz wie etwa: „So Du eine Stadt lange belagerst" u. s. w. „so vernichte nicht ihre Pflanzung, indem Du die Axt über sie schwingest" (V. B. Mose 20.19) und dgl. m. Nein! Eine Nation, deren Bibel solches vorschreibt, deren Talmud solches anordnet, deren Weisen solches lehren und deren Prediger solches verkünden, sie kann und will nicht eine Missethat zu ihren Bräuchen zählen, welche selbst anzusinnen kein redlich Menschenherz je wagen wird. Also wäre denn von dieser Seite die Blutlüge längst schon abgethan. Aber auch kein Vernünftiger wird behaupten, wenn nicht natürliche Religion, so sei es doch zumindest natürliche Rohheit Israels, welche Schuld trägt an diesem greulichen Verdacht. Denn nur dann, wenn je die sanften Täubchen (Israel gleicht der T a u b e: Midrasch Rabba: Schir haschirim) raubgierig in schauerlicher Felsenschlucht Beute suchen, wenn flüchtige Rehe (es gleichet mein Tauber dem Reh: Schir Haschirim 2 . 9) auf wehrloses Waldgethier mordend auflauern, wenn Lämmer (ein umherirrendes Lamm ist Israel. Jerem. 50.17) blutdürstig auf Raub ansgehen, wenn endlich zarte Knabenhändchen (denn ein Knabe ist Israel und .aus Egypten rief ich meinen Sohn : Hosea 11.1) die vernichtende Mordwaffe ergreifen werden, dann erst werden wir an Ritual- und Blutmärchcn glauben! Dies wird nie und nimmer eintreten. Ja wir hegen diese Hoffnung. O! wir sind von Stolz und Selbstüberhebung weit entfernt; aber man wird uns wohl verstehen, wenn wir auch hier nicht anders, als mit jenem edlen Spanier zu erwidern vermögen: „Israel ist das Herz der Völker; das kränkste, weil alle Erregungen und Störungen im Völkerorganismus mitempfindend" u. s. w. (Jehuda Halevi: Cusari II. 36—42). Wie beim Herzen jede Störung sofort empfunden und ausgeglichen wird, so wird Israel sofort für seine Verschuldungen heimgesucht" u. s. w. (das. II. 44, 58) Blut ahnt man in Israels Bräuchen und Sitten. Ach, es ist davon nie und nirgend die Rede, aber jenes zarte und feinfühlende Völkerherz, es blutet darob, daß die Glieder des herrlichen, gottgebildeten Adamsgeschlechts, ach, noch immer so morsch und krankhaft sind. Ja, diese B l u tspureu kann man in Israels trauten Häusern und Hütten auf Schritt und Tritt entdecken. Sie rufen weheklagend den Maßgebenden der Erde zu: „Ihr, die Ihr eifrig bemüht seid, die modernen Staats- und Rechtstbeorien zu verbreiten, Ihr, die Ihr eifrig bemüht seid, die Erfindungen des kühnen Menschengeistes zn offenbaren; Ihr, die Ihr trachtet, neue Heils- und Tugendlehren und die Saat der Liebe in die Herzen der lernenden Jugend zu senken, Ihr könntet selbstzufrieden die fortschreitende Menschheit preisen, während an einem einzigen Winkel der Erde all diese Herrlichkeit zusammensiukt durch einen Gewittersturm, herangezogen aus dem Reiche der Feindschaft und Finsterniß! Wir übergehen die bis zur Ermüdung nachgewiesene Heiligachtung alles Lebewesens, die Scheu vor Blutgenuß im Judenthum; wir schweigen von der erwiesenen Thatsache, daß ja gerade der Tochterreligion in ihren^ Jugendjahren dieser gräßliche Vorwurf des Kindesraubes 'seitens der Römer gemacht wurde; wir übersehen, daß es trotz Wagenseil, Rohling und Decker! auch nur den Schatten eines Beweises für eine solch unerhörte Schuld zu erbringen nicht gelungen ist, aber fragen möchten mir: Wie in aller Welt lautet der Name, die Bezeichnung derjenigen, welche so namenlos sündigen au der Reinheit und Unbescholtenheit wackerer Staatsangehöriger?! Fort mit aller

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