Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 50 (13.12.1895)
- Date
- 1895-12-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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•'?r''ÄlS£ ~ ij. ----- Nr. 50 weiblichen Beichtkindern, zeigte die Haltung der zum Erdrücken vollen Galerien im Congreßsaal, welche für die Reform demonstrirten. Auch das auf den Straßen anwesende Männerpublicum nahm die frommen Schlachtrufe der Sturm- Colonnen der Sennoritas mit einem homerischen Gelächter auf. Den größten Erfolg auf das Zwerchfell der Zuhörer hatte, nach den damaligen Berichten der dortigen Blätter, eine zahnlose Alte, die mit einer unnennbaren Fistelstimme in einemfort schrie: ,Muerre lo8 protestaaaautes!" Da haben wir das Muster einer Fraueu-Mobilisirung durch die Jesuiten. Nur daß sie, wenn es gegen die Juden gilt, schwerlich Ester und Judith als Beispiele vorführen werden. Dialoge. ii. B r ü n it. Herr von Zaleski: „Nun haben Durchlaucht doch erkannt, daß die Juden wirklich ihren Feinden Gutes thun ...." Prinz Liechtenstein: „Ja, wie kommen Sie, lieber Zaleski, zu dieser Glorificirung der Juden?" Herr von Zaleski: „Die Gerechtigkeit gebietet, es anzuerkennen, daß die Wähler des Dr. Trachtenberg ehrlich beniüht waren — E w. D u r chlancht gefällig zu sein." * * * Arzt: „Was sagen Sie, lieber Doctor, da hat sich ein Kürschnergeselle die verrückte Idee in den Kopf gesetzt, er müsse Bürgernieister von Wien werden." „D r. Lueger: „Wirklich, der arme Kerl muß verrückt sein, sonst hätte er schon aus R e sp e e t vor mir so was nicht denken können." * * * Erste Antis emitin: „Diese elenden Juden! Krumme Nasen, krumme Füß ... Aber habu's den Dr. Lueger g'sehen, so ein schöner Mann! Ewig Schad', daß er nicht hat reden dürfen ... Zweite Antisemitin: „Schad,.. Ja ... Aber wissend, der Polizeicommisfär, der die Versammlung aufgelöst hat, war auch ein reizender Mensch...." * * * (I n einer antisemitischen Schriftleitung.) Erster Schriftleiter: „Es ist zu erbärmlich! Jetzt hält sich der V e r g a n i sogar schon einen Unnumerirten! Ein Mensch, der sich vom Schönerer „Diebereien" vorwerfen läßt, ohne zu klagen...." Zweiter Schriftleiter: „Ja... der Mann bringt's noch weit. Jetzt ist er Abgeordneter für Stein und sitzt im eigenen Wagen ... Wer weiß, ob er nicht einmal noch gar in Stein ausgehaut wird..." * * -i- Pastor Stöcker: „Ich bin Protestant, Sie Katholik, aber im Judenhaß finden wir uns als Brüder..." Canonicus Rohling: „Ja, als Brüder ... D a s s ch w ö r i ch ..." Pastor Stöcker: „Und Dein Eid ist mein Eid ..." * * * AbgeordneterEym: „Komisch,der Dr.L u e g e r bezweifelt, ob der böhmische Löwe noch doppelschwänzig ist..." Professor Kaizl: „Hoffentlich war meine Rede wenigstens das für ihn, was man eine n e u n s ch w ä n z i g e Katze nennt." * 4- * Seite 919 D r. I. P o r z e r: „Gelobt sei.. .." M e ch a n i k e r Schneider (Sich rasch umwendend): „Sie, merkend sich... mit einem Juden red' ich n i ch t s, u n d wenn er auch n u r e i n S t ä m m l i n g i st..." Monsignore S ch e i ch e r: „Herr .... lieber Amtsbruder ... ich denke ... mit dem Heiland hätten sie den Dr. Lueger doch nicht vergleichen sollen .. .." Pater Weber: „Ja,... sollte es mich denn geniren, daß die Schönerianer nichts von der A b st a m m u n g und der Fa in i l i e des — Heiland höre n wollen?..." * * (A u f S ch l o ß R o s e n a u) I r o: „ ... ltnb was soll ich im Landtag gegen Polonsky thun..." Schönerer: „Das wird sich schon finden. Er soll noch sehen, was ich sine studio et cum Iro vermag! . .." * * * I n der linken B a h n g a s s e: „Was schreibt Schönerer?" Schriftleiter: „ ... Ich ... hm ... mein Gott... Das wage ich nicht zu wiederholen ..." V e r g a n i: „So? Dann weiß ich Alles ... Schreiben Sie in den „Antworten der Schriftleitung": „Sch m u t Leeb K o h n's G e i st s p u k t schon wieder... * * * D r. Lueger: „Wie wird man doch noch — Bürgermeister?" D r. Geßmann: „Eröffnen Sie eine Advoeaturs- Kanzlei in — Saybus ch." (I n W e i n h a u s) H a u s i r e r: „Nichts zu handeln? .. Pfarre r Deckert: (Zornig) „Wie können Sie es wagen, in meinem Hause!.... Hinaus!..." H a u s i r e r: „Entschuldigen, Hochwürden, ich Hab' geglaubt, weil Sie mit P a u l u s M a y e r, mit Tr. L ö w, mit Samuel T a n n e n z a p f und noch anderen Juden in Geschäftsverbindung stehen — w e r d e n S i e's a u ch wegen ein paar alten Hosen nicht so genau nehmen..." A ch e r. Kesterreichilrtz-Israrlitische Union. Nach einer längeren Unterbrechung hielt dieser Verein Samstag den 7. December d. I. wieder eine zahlreich besuchte Plenarversammlung ab, in welcher der ehemalige Gemeinderath Dr. Heinrich Fried jung über die social politische Entwicklung Englands sprach. Die hierauf folgende Debatte war zum größten Theile der Niederlage des Dr. Bloch anläßlich der letzten Reichsraths-Ergänzungswahl in Kolomea gewidmet. Einstimmig und einmüthig fand die Undankbarkeit seiner jüdischen Wähler die schärfste Verurtheilung und allgemein wurde dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß ein Jude Herrn Dr. Bloch das Mandat streitig machte. Die Versammlung ertheilte schließlich Herrn Dr. Bloch in einer mit großem Beifalle einstimmig angenommenen Resolution ein besonderes Vertrauensvotum, dankte ihm für sein bisheriges, unerschrockenes Wirken im Interesse des gesammten Judenthums und bat ihn, auch fernerhin auf dem bisherigen Wege fortzuschreiten. Nachstehend der Bericht über die Versammlung: Nach Eröffnung der Versammlung durch den Präsidenten, Cultusvorsteher Dr. G r ü n f e l d, hielt Herr Dr. Heinrich F r i e d j u n g feinen Vortrag über die Lehrjahre der Socialreform in England. Der Vortragende erntete für feine mit seltener Eloquenz vorgebrachten Ausführungen lebhaften Beifall, der sich erneuerte, als der Vorsitzende Herrn Dr. F r i e d j u n g den Dank der Versammlung votirte. Dr. Bloch's Wochenschrift