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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-06 · 49 (6.12.1895) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
49 (6.12.1895)
Date
1895-12-06
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 914 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 49 Schwager, im intimen Kreise das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Zur Gratulation fanden sich bei dem Jubelpaare zu dessen freudiger Ueberraschung Se. Ehr würden Herr Obeirabbiner Dr. G ü d e m a n n, Herr Obercantor Singer, Herr Cantor Schiller, Herr Secretär B raun und viele Freunde der Familie ein. Wien. (K i n d er b e k l e i d u n g s f e st). Sonntag den 1. d. M. beschenkte im israelitischen Tempel in Mariahilf der israelitische Frauenwohlthätigkeitsverein für Mariahilf und Neubau und der Verein „Nachlath Jeschnrun" 53 Mädchen und 60 Knaben mit warmen Winterkleidern. Wer da mit angesehni, wie die Kleinen den erhebenden Worten des Rabbiners Dr. Taglicht lauschten, mit welcher Andacht sie die Thorahymne sangen, wer dessen Zeuge war, wie verklärt und scelig die Leutchen ihre Geschenke in Empfang nahmen, der ging mit dem erhabenen Gefühle von dannen, daß dieser Verein Wohlthätigkeit im besten Sinne des Wortes übt. Besonderes Verdienst um die Bekleidung haben sich folgende Damen erworben: Eäcilie E i se n b er g e r (Präsidentin),. Franciska P o l l a k, Henriette S t r a k o s ch, Frida Strauß, Fany Fröhlich, Therese König, Caroline I a n ow i tze r, Ernestine G o l d b er g er, Rosa T ag l i ch t, Hermine Schüller, Vilma Schuh, Irene Winkler, Friederike Szucz. Wien. (Zum neuen Hausirgesetz.) Vor einigen Tagen unterbreitete eine von Dr. Arnold Ascher geführte Deputation des Hausiroereins dem Handelsminister Freiherrn von Glanz die Bitte um Milderung einzelner Bestimmungen des eben zur Berathung kommenden Hausirgesetzes, da dieselben eine willkürliche Handhabung des Gesetzes befürchten lassen und eine falsche Interpretation ermöglichen. Der Minister besprach mit der Deputation mehrere Punkte des Ent- Wurfes und versprach die erbetene Milderung zumindest einzelner Bestimmungen. Die Deputation ermangelte nicht, dem Minister dafür Dank zu sagen, daß er in der ersten Sitzung des Subcomites des Abgeordnetenhauses entgegen anderen Anschauungen die Nothwendigkeit des Hausirhandels anerkannt habe. Wien. (Jüdische akademische Lesehalle.) Samstag den 30. November hielt Herr Dr. Beruh. Münz in der Lesehaüe einen glänzenden Vortrag: „Der italienische Schopenhauer". Der Vortragende, auch in weiteren Kreisen durch seine schriftstellerische Thätigkeit bekannt, entwickelte in lebensvoller Darstellung ein Bild von dem poetischen Schassen des italienischen Dichters Giacomo Leopardi, dessen von tragischem Weltschmerz erfüllten Gedichte an pessimistischer Weltanschauung sich Schopenhauers Werken an die Seite stellen lassen. Herr Docent Dr. Feilbogen zollte den gelungenen Ausführungen in einer Art Epilog den wohlverdienten Beifall und auch die übrigen Anwesenden gaben ihrem Danke durch lebhafte Zustimmung Ausdruck. Wien. Am 21. v. M. fand in Gschwandner's Saalocalitäten in Hernals das diesjährige Bekleidungsfest des Vereines „Kinderfreunde" des XVI. und XVll. Bezirkes statt. Es wurden 130 Kinder mit completen Winterkleidern versehen und reichlich bewirthet. Nach einer Ansprache des Herrn Religionslehrers Samuel Epstein an die bekleideten Kinder und nach der Danksagung zweier Kinder appcllirte der Obmann des Vereines, Herr Moriz Nowak an den Mildthätiakeitssinn der Bereinsmitglieder und bat sie um die fernere Förderung des Vereines. Das Fest endete mit einer gemüthlichen Unterhaltung. Wie alljährlich haben sich auch Heuer Frau Rosalia Hahn und Frau Anna K o h n besonders anerkennenswerthe Verdienste um den Verein erworben. Wien. (Auszeichnun gen.) Der Kaiser hat den Lehrern des Clavierspieles am Conservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Julis Epstein und Adolf Pr osniz das goldene Berdienstkreuz mit der Krone allergnädigst zu verleihen geruht. Wien. Der Minister für Cultus und Unterricht hat über Beschluß des Professoren-Collegiums die Zulassung des Dr. Sigmund Lilienfeld als Privat-Docent für österreichisches Privatrecht an der Universität Lemberg bestätigt. Wien. Sonntag den 8. December d. I. findet aus Anlaß des Jahrestages derRingtheater-Katastrophe im B e t h a u s e „L i w i a s C h e n", II., Obere Donaustraße 89, nächst der Stefaniebrücke, ein Trauergottesdienst statt, bei welchem ein Seelenlicht angezündet wird und die rituellen Gebete für das Seelenheil der bei dieser Katastrophe Verunglückten verrichtet werden. Beginn 4 Uhr Nachmittags. Der Vorstand dieses Bethauses übernimmt auch die Abhaltung von Jahrzeiten von Nichtmitgliedern. Wien. Die Verbindung österr.-schlesischer Hochschüler, „I v r i a" veranstaltet Montag den 9. December im Ballsaale Rouacher 1., Schellinggasfe Nr. 4, einen Damenabend mit Tanzkränzchen, dessen Reinerträgniß zur Unterstützung hilfsbedürftiger jüdischer Studenten verwendet wird. Familienkarte 3 fl. — Herrenkarte 1 fl. — Studentenkarte 50 kr. — Auskünfte für das Comite ertheilt täglich von 11—1 Uhr, cand. techn. Carl K ö n i g, II., Blumauergasse 6. Akademischer Verein „Gamala". Freitag den 29. November hielt in dem Vereine — der einen Cyclus von Vorträgen über die modernen Culturströmungen im Judenthmue und jüngsten Geisteshelden desselben angekündigt — Phil. B. Wach ftein einen Vortrag über „Nachman Krochmal", jenen großen jüdischen Geschichtsphilosophen und Krittler. Nachdem der Vortragende einleitend die in ihren Erfolgen für das jüdische Volk verhängnißvolle Berliner Aufklärung und die von Erter u. A. angebahnte, von Rappaport und Krochmal begründete „galizianische" Schule geschildert und den Contrast beider beleuchtet, gab er eiu plastisches Bild von N. Krochinal's epochemachender Wirkung für die jüdische Wissenschaft. Von vielen, bis zur Verblendung fanatisirteu Gegnern umgeben, gewann er doch durch sein couciliautes und bescheidenes Benehmen die Liebe Aller, Toleranz seitens seiner Gegner. Seine körperliche Schwäche ersetzte die gerechte Natur mit einer ungewöhnlichen Geistesstärke; ein klarer, philosophischer Kopf, wie ihn das Jndenthum seit Salomon Maimon nicht gehabt, vertiefte er sich in die moderne Philosophie, wobei dem kränklichen Krochmal, der die Welt der Wirklichkeit geradezu scheute, der ideale, meist theoretische Hegel zusprach, welch letzterer auf seine Weltanschauung und Auffassung der jüdischen Geschichte von unverkennbarem Einflüsse war. Tolerant für Männer anderer Meinungen, von übertriebener Bescheidenheit, die Aufklärung seines Volkes anstrebend, aufrichtig, wenn es — sei es auch die bittere — Wahrheit gilt, bildet N. Krochmal im Ganzen und Großen das Ideal eines jüdischen Gelehrten. Wien. Der in der Lehrerwelt rühmlich bekannte Volksschullehrer Herr Emanuel Deutsch (nich! Herr L ö w, wie es irrthümlich in unserer letzten Nummer hieß), welcher an der hiesigen Talmud-Thora-Vereins-Volksschule seit 32 Jahren zur vollsten Zufriedenheit des Vorstandes und der jeweiligen Herren Schulinspectoren wirkt, begeht am 8. December d. I. die Doppelfeier seines vierzigjährigen Lehrerjubiläums und seiner silbernen Hochzeit. Eine große Anzahl seiner ehemaligen Schüler, die sich heute geachteter Stellungen erfreuen, beabsichtigt aus diesem Anlasse dem Jubilar an diesem Tage in corpore ihre Glückwünsche eutgegeuzubringen. Wien. („Zum Armen Vater".) Dieser humanitäre Verein feiert am 8. December sein Kinderbekleidungs-Fest im „Hotel Central" II., Taborstraße Nr. 8, bei welchem 50 Kinder vollständig mit Winterkleidern versehen werden. Spenden biezu werden beim Obmann Herrn Josef N e u m a n n, II., Blumauergasse 20, oder an der Abendcassa dankend angenommen. Floridsdorf. (Verlobung.) Herr Ignaz Buchwald junior, Sohn des Herrn Josef Buchwald, hat sich mit Fräulein Gertrud L ö w i t aus Schatzlar in Böhmen verlobt. Krakau. (Derjüdisch-nationale Verein „L i b a n o n") hielt am 8. v. M. seine HI. ordentliche Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung waren Ausschuß- Wahlen. Es wurden gewählt die Herren Dr. RudolfFrühliug und Benjamin Spira als Vorsitzender und dessen Stellvertreter. Die Herren: JuliusSchönwetter, Sina Pelz, Michael Horowitz, Dr. Leopold Bader, Dr. B. Kornhäuser, Heinrich Loebel, Heinrich Margulies, B. Holzapfel, S. P i tz el e, P a st o r, Schermann, Mühlstein, Lubliner und B e rg e r als Ausschußmitglieder, beziehungsweise deren Stellvertreter. Der neugewählte Ausschuß sorgt für die geistige Ausbildung nicht nur der Vereinsmitglieder, sondern auch breiter Schichten der jüdischen Bevölkerung, indem er seine Thätigkeit mit einem Cyklus echt volkstümlicher Vorlesungen und Vorträge eröffnet. Der Reigen 'dieser Abende wird mit dem am 15.d.M. in den schönen Saallocalitäten des H o t e l U n i o n, Gertrudagasse, abzuhaltenden feierlichen Makkabäerfeste eröffnet. Hervorragende Künstler und tüchtige Redner haben ihre Theilnahme an dieser Feier versprochen. Zu Rednern sind die bekannten Zionistenführer Herr Dr. Rudolf Frühling und Herr Dr. A. Salz aus T a rn o w designirt, ferner werden Fräulein Kräutler und K o p a l d, die Herren Löwinger, Goldberg, Lori e, Siegel und Loebel als Virtuosen an diesem Feste theilnehmen. Daö Reinerträgniß dieser Feier ist für wohlthätige Zwecke bestimmt. So macht der Zionismus auch in unserer Stadt erfreuliche Fortschritte und mit ihm erwacht auch der leider in der letzten Zeit in manchem jüdischen Herzen eingeschlummerte Solidaritätssinn zu neuem, ersprießlichen Leben. Ich kann zum

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