Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 49 (6.12.1895)
- Date
- 1895-12-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 49 Br. Bloch'« Wochenschrift Seite 913 Arbeitskräfte geschaffen worden. Bevor diese mit den in Deutschland gemachten Waaren zu concurriren begannen, war es unmöglich, in England Damenjacken herzustellen, die man auch nur zu einem halbwegs ähnlichen Preise erhalten konnte, wie die aus Deutschland importirten. Fremde Juden brachten dieses Gewerbe nach dem Osten von London und kein englischer Arbeiter hat je einen Penny Arbeitslohn verloren oder sich mit geringerem Arbeitslohn zufrieden geben müssen infolge der Kräfte, die sich in diesem Gewerbe bethätigten. Fremdlinge schufen es. Eine gewisse technische Geschicklichkeit, die absolut erforderlich ist, um eine gutsitzende Jacke herzustellen, ist eine der Hauptursachen, warum diesen Leuten glückte, was Engländer nicht erreichen konnten. Gegenwärtig gibt es mehr als 20 Damenmäntelfabriken im Osten von London. Eine neue Fabrik ist in der Nähe von Spital Square errichtet worden; sie gibt 100 Händen Arbeit und ist das Muster einer soliden Fabrik. Ich könnte noch viele andere nennen — alle von Fremden errichtet. Diese fremden Arbeiter haben solchen Erfolg, daß Jacken zum Preise von unter 15 Shillingen fast gar nicht mehr, solche zum Preise von über 25 Shillingen nur sehr selten aus Deutschland eingeführt werden; während in früheren Jahren die deutschen Fabrikanten sämmtliche Engroshäuser mit Waaren versorgten, sind sie fitzt — mit Ausnahme von etwa sechs der ersten Fabrikanten Berlins — absolut nicht im Stande, mit der in London verfertigten Waare zu concurriren. Der Bortheil, den die Londoner Fabriken davon haben, daß sie in wenigen Tagen eine gutgearbeitete Jacke liefern können, ergibt sich von selber und spricht zu Gunsten des neuen Gewerbes umsomehr, als eine solche Jacke zu demselben Preise oder zu einem geringeren hergestellt werden kann, als in Berlin. Die Beschwerden, die gegen die fremden Arbeiter erhoben werden, sind, daß ihre Werkstätteu schmutzig sind und daß sie nicht englisch schreiben können. Beide Mängel werden unter günstigen Bedingungen in England bald behoben sein. In sehr vielen Fällen hört man von Arbeitern, die früher ihr Kreuz zu machen hatten, als Zeichen, daß sie die Bezahlung erhalten habm, aber ihren Namen nicht englisch unterschreiben können. Sie können aber jedes Muster richtig und correct abzeichnen, und wenn die jüngere Generation der Segnungen technischer Schulung theilhaftig würde, würde sie mit der Zeit im Stande sein, alle auswärts erzeugten Waaren zu übertreffen. Bon ihrer Vielseitigkeit könnten englische Arbeiter nur lernen. — In der Saison verdienen die Männer 3 Pfund, die Mädchen 15—16 Shilling wöchentlich, obgleich diese natürlich nur mehrere Monate währt. Die durchschnittlichen Löhne sind also geringer; die meisten werden pro Stück bezahlt. Sofia. (Ei n e B l u t b es ch u l d i g u n g.) Der in Philippopel erscheinende „Plowdiw" bringt in seiner 125. Nummer, Seite3, folgenden Bericht: „Berwichenen Freitag und Samstag verbreitete sich unter den Juden von Tatarbazardschik ein großer Schrecken, welcher durch den Unverstand der dortigen Regierungsmoner (Beamte) herbeigeführt wurde. Indem wir hoffen, daß man derlei schamlosen Vorgängen gegenüber den Mitbürgern einer andern Nationalität und Confessio« ein Ende setzen wird und daß sich fürderhin Derartiges nicht wiederholen wird, geben wir den eingelangten Nachrichten Raum, auf daß unsere Leser einen klaren Begriff über den Vorfall gewinnen. „In der Nacht vom 27. October a. St. ging F e o d o r Furnadscheja mit seiner Gemahlin zu Gaste zu einerbenachbarten Familie, indem dieselben ihr zweijähriges Kind zu Hause allein ließen. Freitag Morgens verbreitete sich das Gerücht, daß, als die Eheleute um Mitternacht nach Hause gekommen seien, sie das Kind nicht gefunden härten. Wie jedesmal, sucht man das verlorene Kind bei den Juden. Der Bezirksvorsteher Kotze Stoiltschos mit seinem Secretär und allen Polizeiwachmännern begaben sich nun in Abtheilungen in das jüdische Viertel, schlossen 43 Häuser ab und drohten, man möge das Kind herausgeben, wenn sie (die Juden) nicht noch Schrecklicheres zu gewärtigen wünschten. Dieses Betragen der Polizeiorgane ermuthigte noch mehr den Pöbel, daß sie die Juden und deren Häuser mit Steinen und Knitteln anfielen. Auf das Ersuchen der vornehmsten Juden, man möge sie in Schutz nehmen, erwiderte der Bezirksvorsteher, daß es sehr gefährlich werden könne, wenn das Kind sich nicht finden würde. Statt zu beruhigen, hetzte derselbe also noch aus. Dank dem aus der Umgegend herbeigeholten Kreisvorsteher wurde der Ccrnirung und Durchsuchung der jüdischen Häuser sofort Einhalt getban und die Polizei verstärkt, nach Entgegennahme des Berichtes des Bezirksvorstehers seitens des Kreispräsecten, daß verdächtige Oertlichkeiten, wie Brunnen und Anstandsorte, untersucht wurden, mit Ausnahme desjenigen der Eltern des Kindes, welche doch nichts gethan hätten. Die Nacht vom Freitag aus Samstag herrschte eine große Panik, die Furcht vor Mißhandlungen und Mord, das Einschlagen der Scheiben durch Steinwürfe mehrten sich, ohne daß die Polizei Einhalt gethan hätte. Am Morgen wurde das Kind todt im Aborte des Elternhauses aufgefunden, dasselbe wurde obducirt, wobei die Obduction von dem Stadtarzt Dr. Fadenhecht und Dr. T s ch a ts ch o f vorgenommen wurde, welche ihr Gutachten dahin abgaben, daß das Kind an Erstickung gestorben sei und daß keine Erscheinung für erlittene Gewaltthätigkeit sprechen. Soweit der Thatbestand." Hierzu bemerkt das genannte Blatt: „Trotz alledem, daß die Unschuld der Juden, wie in Millionen Fällen, nunmehr auch in diesem Falle sich glänzend bewährt hat, sind die Angriffe aus das Judenthum noch nicht verstummt, dank dem wenig ernsten und verspäteten Eingreifen der Behörde. Zu verurtheilen ist auch das Vorgeheu der Polizei, welche das Transportiren und Zurücktragen der Leiche vor und nach der Obduction durch die jüdische Gasse veranlaßt, was die Juden den Mißhandlungen des über den Mißerfolg aufgeregten Pöbels aussetz'.e. Hätte die Polizei sofort die Untersuchung bei den Eltern des Kindes standhaft vorgenommen, so konnte diese Tragikomödie vermieden werden." Bon regierungsfreundlicher Seite wird berichtet, daß Minister S t o i l o w den Auftrag gab, die Untersuchung im Elternhause vorzunehmen, und ungesäumt eine Untersuchungscommission von Sofia nach dem Thatorte entsandte, ferner wird die Entlassung des antisemitischen Bezirksvorstehers gemeldet. Das Inter»sie concentrirt sich nun darauf, wer der Mörder des Kindes ist. Der „Carmel" bringt aus Philippopel eine Notiz, welche die Auffindung einer jüdischen Kinderleiche, die aus ihrem Grabe herausgeschleift wurde, anzeigt. Wien. (O österreichisch - israelitische Union.) Samstag, den 7. December d. I., Abends 7*8 Uhr, im Restaurant Kühner, I., Schottcnring 19, Plenarversammlung dieses Vereines. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Dr. Heinrich Friedjnug: „Die Lehrjahre der Socialreform in England." 3. Anträge und Interpellationen. Damen willkommen. Wien. In der Synagoge der innern Stadt, die, neu decorirt, einen prachtvoller» Anblick bot. fand am 3. d. M., Mittags 12’/2 Uhr, die Trauung des Fräuleins Alice von Tausfig, Tochter des Herrn Theodor Ritter von Taussig, mit Herrn Dr. August Wafsermann aus Bamberg in überaus erhebender Weise statt. Von den zu Ehren der edlen Familie zahlreich erschienenen hochangesehenen Gästen seien hier nur angeführt: Freiherr von Bauhaus, Intendant Baron von Bezeczny, Ritter von Hahn, Ritter von Gutmann, Ritter von Goldschmidt. Director Bauer, Ritter von Bauer, Kammervirtuos Alfred Grünfeld, Gustav Simon, Hofschauspieler Hartmann :c. Eine vom Chorpersonal und Obercantor trefflich durchgeführte Mah towu leitete die Feierlichkeit ein, worauf Herr Oberrabbiner Tr. Güdemann den Trauungsact vornahm, indem er in seiner meisterhaften Ansprache cs hervorhob, daß das Judenthum der Hausfrau eine hervorragende Stellung anweist und sie auch zumeist die Trägerin des Hausfriedens und häuslichen G-ückes sei. Mit dem vom Obercantor Singer unter allgemeiner Aufmerksamkeit weihevoll vorgetragenen Segens;pruche und dem darauf folgende« Jestchor hatte die eigentliche synagogale Feier ihren Abschluß erreicht. Möge die Festesstimmung alle Betheiligle auch weiter erfüllen und das junge Paar des Glückes theilhaftig werden, welches dem Edclmuthe der Familie von Taussig in so hohem Maße gebührt. 8. Wien. (Silberne Hochzeit.) Sonntag den 1. d. M. feierten die Eltern unseres langjährigen Administrators Herr Max Schwager, Herr Manuel und Frau Mari^