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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-06 · 49 (6.12.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
49 (6.12.1895)
Date
1895-12-06
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 912 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 49 gierigen Jugend trägt nicht wenig unser sehr geachteter und beliebter Arzt, Univ. med. Dr. E. Friedländer bei, der keine Zeit und Mühe scheut, uns sehr oft durch interessante und lehrreiche Vorträge zu erfreuen. In einem solchen Vortrag : „lieber die gegenwärtige allgemeine Bildung in Oesterreich, speciell in Galizien", wies er an der Hand statistischer Daten nach, daß zur erschreckend großen Zahl von Analphabeten in Galizien d. i. 400.000, mit anderen Worten 4/5 von der Gesammtzahl der Analphabeten im gesammten Oesterreich, die Juden gegenwärtig nur einen kleinen Bruchtheil liefern was zum Theil, der stetig zunehmenden Zahl der Baron Hirsch'schen Schulen, zum Theil auch den besondern Wissensdrang der Juden zu verdanken ist; denn obgleich der öffentliche Schulbesuch bei Vielen in den kleinen Städten verpönt ist, so genießen doch die meisten Privatunterricht, um nicht Analphabeten zu bleiben. In einem anderen, nicht minder intereffanten Vortrage skizzirte er die Geschichte und Entwicklung des sogenannten „National-Judenthums" von seinen Anfängen bis zum heutigen Tage. Schade, daß Herr Dr. B y k den Stampiglius, als er sich so sehr über die Arbeitsscheu der Juden jüngst beklagte, nicht zu uns nach Skole schickte. Aus der hiesigen Zündholzwaarenfabrik der Gebrüder L i P s ch ü tz werden jährlich viele Millionen Zündhölzchen-Schachteln versendet, an denen ausschließlich Juden gearbeitet haben, darunter viele Mädchen und sehr junge Kinder. Und es ist. Herr Stampiglius, wahrlich keine leichte Arbeit und die Phosphordämpfe sind der Gesundheit auch nicht sehr zuträglich! — Auch jüdische Maurer und andere iüdische Taglöhner finden sie hier. Frankfurt a. M. Vor dem Verein der Fortschrittspartei im Saale des „Hotel du Nord" sprach vor Kurzem Prof. Stengel-Marburg über das „Wese n des Antisemitismus". Der Redner berichtigte zunächst den Wortlaut der Ankündigung: Keine theoretische Auseinandersetzung über das Wesen des Antisemitismus möge man erwarten, da man hier doch nur Unwesen entdecken könne. Man soll aber die Bewegung nicht unterschätzen; nicht Alle, die sich ihr angeschloffen haben, handeln lediglich aus schlechten, niedrigen Motiven. Zu warnen ist namentlich vor der Meinung, die in dem Antisemitismus einen „berechtigten Kern" zu entdecken glaubt, ihre Vertreter haben nicht den Muth, sich öffentlich als Antisemiten zu bekennen. Der Antisemitismus bat, wie der Redner sagte, ebensowenig einen berechtigten Kern wie die Socialdemokratie, indem wohl einzelne Dinge richtig sein mögen, aber nicht der Grundgedanke, und Pros. Stengel wird gegebenen Falls bei einer Stichwahl ohne Bedenken für die Socialdemokratie als das kleinere Uebel seine Stimme abgeben. Von der Lügenhaftigkeit des Antisemitismus aab nun der Redner drastische Belege: Bekanntes und Unbekanntes, auch aus seiner land-agitatorischen Praxis, die, wie man weiß, ziemlich ausgedehnt ist. Sodann wurde an den einzelnen Paragraphen der neuesten antisemitischen Richtung, der deutsch-socialen Reformpartei mit einem Anstug von Humor auseinandergesetzt, daß die Antisemiten, wie sie das Lügenhandwerk verstehen, auch sich zu häuten wissen. Sie liebäugeln noch rechts und nach links, sie haben, um nur ein svecielles Beispiel anzuführcn, die frühere Forderung der Verstaatlichung des Jnseratenwesens fallen gelassen, weil eben ihre Führer und Agitatoren fast alle Zeitungsbesitzer sind. Das neueste Programm, das alle Antisemiten unter einen Hut bringen soll, ist erstens demagogisch, trägt zweitens dem Pietismus und Zelotismus Rechnung und macht endlich den Junkern und Zünftlern Concessionen. Was dabei herauskommt, läßt sich leicht denken. Zum Schluffe warnt Prof. Stengel nochmals in eindringlichen Worten vor der antisemitischen Bewegung, der verderblichsten, die je vorgekommen. Die Discusston war nicht von Belang. Herr L. K a tz empfahl die Privatagitation gegen den Antisemitismus, ein Mittel, das leider zu wenig in Anwendung gebracht werde, dann wurde nach einigen Schlußworten des Referenten eine Resolution zur Abstimmung gebracht, mit allen gegen sechs Stimmen angenommen und hierauf nach zweistündiger Dauer die Versammlung vom Vorsitzenden, Stadtverordneten Carl Funck, geschloffen. Die Resolution lautet: „Die heutige vom Vereine der Fortschrittspartei einberuiene öffentliche Versammlung erklärt sich mit dem Herrn Referenten in der Berurtheilnng des Antisemitismus, in welcher Form cr immer auftreten mag. einverstanden. Im Anschluß an die Vorgänge der letzten Woche erklärt sie die Aufnahme zahlreicher Mitbürger, ohne deren Wissen und Wollen, in das antisemitische Adreßbuch für einen groben Unfug und eine frivole Störung des von jeher in Frankfurt gewahrten confessionellen Friedens. Trotzdem warnt sie alle wahrhaft freisinnigen Männer vor übertriebenen Maßnahmen und Kundgebungen, die dem bereits der Lächerlichkeit verfallenen Machwerk eine ihm nicht zukommende Bedeutung verleihen würden." Lodz. (T e st a m e n t s e r ö f f n u n g.) Am Donnerstag ist beim Bezirksgericht in Petrikau das Testament des am 21. October d. I. verstorbenen hiesigen Kaufmanns Hermann K o n st a d t eröffnet worden und hat sich hierbei herausgestellt, daß derselbe nicht nur eine Million Rubel, sondern, einige Legate abgerechnet, sein gesammtes Vermögen zur Begründung israelitischer Wohlthätigkeitsanstalten bestimmt hat. Das Capital, welches unter die Verwaltung eines Curatoriums gestellt ist, bleibt für ewige Zeiten ein eiserner Fonds und nur die Zinsen werden in der Weise verwendet, daß immer, wenn sich 150.000 Rbl. angesammelt haben, ein neues humanitäres Institut gegründet wird. In erster Linie sind angeordnet: Der Ankauf eines Grundstückes und Bau eines Gebäudes für die Schulen, deren Curator der verewigte Konstadt gewesen; die Errichtung eines Hospitals für israelitische Kinder und die Gründung eines Asyls für alte und arme israelitische Kaufleute. Für die weitere Folge sind den Curatoren vom Testator die Fränkel'schen Stiftungen in Breslau als Richtschnur bezeichnet worden und so wird denn die hiesige israelitische Gemeinde Dank der seltenen Großmuth des verstorbenen Hermann Konstadt in absehbarer Zeit über alle nur denkbaren humanitären Anstalten verfügen. Nizza. Die Endesgefertigten erlauben sich in Anbetracht des ihnen wohlbekannten Interesses, das Ihr verehrliches Blatt Humanitären israelitischen Institutionen entgegn bringt, die verehrliche Redaction auf das seit vier Jahren in Nizza bestehende -Asyle internationale israelite“ aufmerksam zu machen. Dasselbe hat sich zur besonderen Aufgabe gestellt, Lungenleidenden israelitischer Confession für die rauhe Winterszeit einHeim im eminentesten Sinne des Wortes zu bieten. Seit Bestehen des Institutes hat alljährlich theils gegen geringe, theils auch ohne jede Entschädigung ein für die Größe des Hauses bedeutender Percentsatz von Glaubensgenossen aus Oesterreich-Ungarn in zuvorkommendster Weise Aufnahme gefunden, trotzdem seitens unseres Vaterlandes zur Förderung dieser Institution bisher nichts geschehen ist. Die Anstalt, weitab von dem Großstadttreiben, bietet den Aufgenommenen jede Gelegenheit, sich vollständig zu erholen, zumal die wahrhaft paradiesische Ruhe in der Anstalt, die aufmerksamste ärztliche Behandlung, die vorzügliche Verpflegung und last not least die verständnißvolle Leitung des Hauses fast einzig dasteht. Wir erfüllen hiemit nur eine angenehme Pflicht, wenn wir um die Möglichkeit ansuchen, diese Worte der Oeffentlichkeit zu übergeben und gleichzeitig an die letztere zu appelliren, ein so wohlthätiges Beginnen durch gütige Spenden kräftigen und fördern zu wollen, und dies umsomehr, als wegen der geringen Mittel des Hauses eine große Anzahl armer, erholungsbedürftiger Kranker abgewiesen werden müsse und einer Erweiterung des Hauses in der allernächsten Zeit nicht mehr auszuweichen ist. Wir bitten daher eine verehrliche Redaction um ein geneigtes Wohlwollen und um Unterstützung dieses wohlthätigen Werkes, überzeugt, daß sie des innigsten Dankes vieler Leidenden und deren Familien gewiß ist. Wir Gefertigten gestatten uns ganz besonders ergebenst für die gütige Aufnahme dieser Zeilen in Ihr hochgeschätztes Blatt zu danken. Eventuelle einlaufende Beiträge sind zu senden an: Monsieur Honel Me iss, grand-rabbin, Nice, 7, rne St. Michel. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung: Berthold H a l t e r aus Wien; Leopold Herrmann aus Wien; Hermann Engländer aus Prag; A. Goldmann aus Budapest; I. Marcus aus Preßburg; A. Levy aus Wien. London. (Das englische Man te lg ew erb e.) Es herrscht so viel Unwissenheit und Vorurtheil in Bezug auf den Nutzen, den die vielfach angefeindeten eingewanderten Fremden England bieten, daß ich Ihnen einen Bericht über das Mantelgewerbe im Ollen von London geben will, einen Bericht, der auf Thatsachen beruht. Dieses Gewerbe ist erst in den letzten zehn Jahren entsta!den. In den letzten zwei Jahren ist es geradezu bedeutend geworden; es ist ausschließlich durch die Einwanderung fremder

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