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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-06 · 49 (6.12.1895) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
49 (6.12.1895)
Date
1895-12-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 904 Dr. Blvch's Wochenschrist Nr. 49 ist, und der bloße Titel mancher dieser Journale wird unseren Lesern allerlei Erinnerungen an unsaubere Geschäfte wachrufen? Zsubtnftatoaüe. Aus Oedenburg wird unterm 3. d. M. gemeldet: In Fertö-Szent-Miklos wurden heute Nachts die Fenster der israelitischen Volksschule einges ch l a g e n, ein Theil des D a ch e s herabgerissen, die T h ü r e n aufgesprengt und im Innern van dalisch gehaust. Sodann zog die aufgeregte Volksmenge zu den Wohnungen der dortigen Juden und schlug daselbst die Fenster ein. In ein Fenster wurde sogar hineingeschossen. Die Schule wurde in Folge der verübten Ausschreitungen zugesperrt. Das Blutmärchen Schneiders. Aus Constantinopel wird uns zu der Behauptung Schneidens, daß bei jüdischen Hochzeiten harte Eier gegessen und mit einem „schwarzen Pulver" bestreut werden, geschrieben: „Schneider hat etwas läuten hören und ohne, wie er als Christ verpflichtet wäre, gewissenhaft zu prüfen, phantasievoll ein Märchen geschaffen. Eier werden bei den Juden im Orient vorgesetzt, mit Asche bestreut, aber nicht bei Hochzeiten, sondern nach einem Leichenbegängniß. Wenn die Hinterbliebenen von dem Friedhofe zurückkommen, werden ihnen Eier mit Asche bestreut vorgesetzt, in demselben Sinne, wie dies bei den Christen am Aschermittwoch geschieht, kulvis es! Ein Menschenopfer in Rußland. Die russischen Blätter berichten über eine furchtbar fanatische That aus dem Kreise W i a t k a, dem ein Bewohner des Dorfes Mult an zum Opfer gefallen ist. Nach diesen Berichten kamen die Dorfbewohner bei den Ortsältesten zusammen, um zu berathen, wie man die Cholera-Epidemie beschwören könnte. Der Aelteste gab den Bescheid, daß dies nur durch ein Menschenopfer möglich sei, worauf die fanatische Menge den Dorfbettler Namens Ma tunin abschlachtete, dessen Kopf vom Körper abtrennte und aus der aufgerissenen Brust, Herz und Lunge herausnahm, welche gebraten und dann gegessen wurden, zu dem man das noch dampfende Blut trank. Die Ueberreste des Unglücklichen wurden in einen hinter dem Dorfe befindlichen Morast geworfen, woselbst sie schon am nächsten Tag von der Behörde gefunden wurden. Die Untersuchung ist im Zuge. Wir empfehlen dem Ritter Stampiglius, schleunigst eine Studienreise nach dem russisch?» Dorfe Mult an zu unternehmen. Vielleicht entdeckt er, daß der Dorfälteste nur ein verkappter jüdischer Schächter war und daß man es mit einem Ritualmorde zu thun habe. Der „Lueger"-Marsch. Unter den neun Musen, die wir besitzen, ist unstreitig die Muse der Tonkunst, Euterpe, diejenige, welche den ersten Platz einzunehmen berufen erscheint. Schon zu Zeiten König David's hat die Harfe eine große Rolle gespielt und soll sogar der Herrscher selbst dieses Instrument vorzüglich bemeistert haben. Aber auch in unseren Tagen ist Euterpe überall gerne gesehen, werden wir doch durch die verschiedenartig an unser Öhr gelangenden Töne auch verschiedenartig gestimmt. In welchen Jubel ist das Herz, wenn es gegen Abend des Versöhnungstages die Melodie vernimmt, die uns sagt, daß wir diesen heiligen Tag, in tiefem Gebete versunken, nunmehr würdig beschließen, wie freuen wir uns. wenn wir die Klänge eines lustigen Tönstückes hören, das uns in angenehme Stimmung zu versetzen bestimmt ist. Aber namentlich sind es die Töne unserer Volkshhmne, d»e uns Alle beleben. Erst der jetzigen Generation, und hier auch nur bei einem verschwindend kleinen Theile, war oder ist es Vorbehalten, das dynastische Gefühl nur bei einer Piece zum Ausdrucke zu bringen, beim „L u e q e r" - M a r s ch. In einem Hotelsaale findet mehreremale allwöchentlich Concert statt, um dem Publicum einen Musikgenuß zu bieten; die Capellen recrutiren sich aus Militär- und einer Civilmusik. Bei Letzterer einstweilen ließen es sich die Anhänger des sein wollenden, aber nicht sein sollenden Bürgermeisters nun nicht mehr nehmen, den Lueger-Marsch zu verlangen. Der Direktor der Capelle, selbst ein gewesener Militär-Capellmeister. läßt den Radetzky-Marsch, den Deutschmeister-Marsch, den , Marsch „Mein Oesterreich" intoniren, um dem Wunsche des besseren Theiles der Gäste zu entsprechen, allein es nützt nichts, durch in anständiger Gesellschaft sonst nicht übliches, schulbubenmäßiges Strampfen mit den Füßen, durch Poltern und Johlen wird der Dirigent gezwungen, dem Wunsche des rohen Theiles auch zu willfahren! Kaum ertönen die ersten Takte des abgeschmackten Musikstückes, als sich bei den antisemitischen Wegelagerern ein lebhafter Applaus zeigt, der namentlich nach Beendigung in einem Maße sich steigert, das fürwahr einer besseren Sache würdig wäre. Allein von dem Alkoholgenuß schon in radaulustiger Stimmung, wird der Marsch immer wieder verlangt und muß so 2- bis 3mal, auch 4mal repetirt werden. Die Nationalhymne der Wiener, der „blaue Donau"-Walzer, das herrliche Werk H ay dn's, der Radetzky-Marsch fallen ab. der ..Lueg er" - M arsch beherrscht das Terrain! So lange es sich um ein Civilorchester handelt, muß man das Treiben der antisemitischen Rotte nur mit wahrhaftem Bedauern zur Kenntniß nehmen, allein, wie oben erwähnt, finden in demselben Saale, in welchem derartige antidynastische Scenen sich ereignen, auch Concerte der kaiserlich und königlich österreichischen Militärmusik statt. Was nun, wenn es den Herren, die eigentlich nichts zu verlieren haben und sich größtentheils aus lichtscheuem Gesindel zusammensetzen, einmal in den Sinn kommen sollte, den Capellmeister der Militärmusik aufzufordern, statt der allgemein patriotischen Märsche ihren Patriotischen „L u e g e r"-M a r s ch aufzuspielen? Was dann? Grenzt denn das bisher zur Schau getragene Benehmen, die Klänge der jedem Oesterreicher t h e u e r sein sollenden Volkshymne durch das Schreien nach dem „Lueg er"-Marsch zu übertönen, nicht an „Hochverrath"? Wie weit ist es noch, um den „Lueger"-Marsch als Nationalhymne auszurufen, nachdem er bereits als Schlachtgesang angestimmt wird? Die Verehrer und Anhänger des so durchgefalleuen Bürgermeister - Candidaten, nicht minder jene des nunmehr nach einer langen, abgeschmackten und rücksichtslosen Debatte doch ausgelieferten Stampiglienfälschers haben aber auch noch eine andere Methode, um ihrem Mißmnthe Ausdruck zu geben. Bei allen Concerten ist es Usus, daß die Musikcapelle ein Potpourri zur Aufführung bringt, welches durch die in diesem Tonstück besonders oft wechselnden Piecen eine angenehme Abwechslung enthält und sind derartige Stücke auch selr beliebt. Wenn nun darin eine ungarische Stelle vorkommt, sind die antisemitischen Musikfreunde (sie!) außer Rand und Band, und da sie sich sonst nicht zu helfen wissen, zischen sie! Und das sollen die Volksbeglücker sein! Es hat sich doch erst vorigen Montag ereignet, daß eine Militärcapelle, bereu Mitglieder den Rock des Kaisers und Königs tragen, durch Zischen in ihren Execulirungen unterbrochen wurde! Natürlich geschieht so etwas nur in Localen, die an der Peripherie der Stadt gelegen sind und wohin sich ein Jude nie verirrt. Aber was sollen und müssen wir daraus lernen? Abstinenz von allen öffentlichen Örten. Abstinenz von den Bällen, die eben jetzt angekündigt werden, Abstinenz und wieder Abstinenz! Dann werden wir unseren Gegnern beweisen, mit welch' erbärmlichen Mitteln sie arbeiten, ohne uns jedoch zu schaden! Also nur Abstinenz! Im Laufe der letzte» Tage wurden sämmtliche Militärcapellmeister, die Regimentstamboure und auch jene Feldwebel der in Wien befindlichen Militärcapellen, welche Musikabtheilungen selbstständig dirigiren, von ihren zuständigen Regimentscommandanten eingeladen, um nach dieser Richtung Weisungen zu empfangen, nach welchen sich dieselben, wenn der Lueger- Marsch vom Publicum' begehrt wird, zu benehmen haben. Zuerst wnrde denselben eingeschärft, einem solchen Verlangen niemals zu entsprechen und bei anhaltendem Applaus und lärmendem Bestürmen sofort an die Execution der nächsten Programmnummer zu gehen. Sollte diese Haltung der Capelle vom Publicum unter Zeichen des Unwillens, wie Zischen und Pfeifen, ausgenommen werden, so ist der Dirigent verpflichtet, die Production sofort abzubrechen und hat mit seinen Leuten das betreffende Local zu verlassen. Wieder ein Ritnalrnord-Proceß. Im vorigen Jahre erschien einer der von F. W. G l ö ß herausgegebenen „Politischen Bilder böge n" in Dresden unter dem Titel „Das B l u t g eh e i m n i ß". Er enthielt in seinem mit Bildern ausgestatteten Text heftige Angriffe gegen die Inden, gegen welche die Anschul-

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