Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 49 (6.12.1895)
- Date
- 1895-12-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Vloch's Wochen,chrifl. Seite 903 die katholische Kirche war gegen den evangelischen Glauben schon längst vorher im Jesuitenorden zur Thal und Wahrheit geworden und ist es bis heute geblieben. Das wird angesichts der vorstehenden Citate Niemand leugnen können, und so gebietet die Wahrung des confessionellen Friedens gebieterisch, den sremdeu Jesuiten die Rückkehr ins Deutsche Reich nicht zu gestatten. Wer von sich selbst rühmt, daß er ein Kampforden gegen die evangelische Kirche ist, der gehört nicht in in Land, dessen Bewohner der Mehrzahl nach evangelisch sind." Antisemitische Journalistik. Wie die ,,Wiener-Zeitung" verlautbart, hat das Ministerium des Innern der in Berlin erscheinenden antisemitischen Zeitschrift „Deutsches Volksrecht" den Postdebit für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder entzogen. Man kann sich hieraus von der aufreizenden Tendenz dieses Blattes ungefähr einen Begriff machen. Das „Deutsche Volksrecht", das als Organ der Antisemiten Ahlwardt und Böckel begründet wurde und in das deren Blätter „Bundschuh" und „Reichsberold" aufgingen, muß sein Erscheinen als Tageszeitung einstellen und wird schon im December nur wöchentlich einmal ausgegeben werden. Die Leitung des antisemitischen Blättleins veröffentlicht über die Gründe dieses Zusammenbruchs Folgendes: Durch die Ungunst der Verhältnisse gezwungen, sehen wir uns genöthigt, da uns bisher n i ch t die erhoffte und erwartete Unterstützung zu Theil wurde, den aussichtslosen K a m v f für hie Erhaltung eines Tageblattes aufzugeben. Die gehässigen Verleumdungen unserer Gegner die Lässigkeit der Gesinnungsgenossen, zum größten Theile aber das persönliche S t r e b e r t h u m e i n z e l n e r F ü h r e r, die, anstatt zum Kampfe die Gesinnungsgenossen zu sammeln, ihre eigenen Wege gingen und über den Glanz der eigenen Persönlichkeit das große Ziel, die heilige Sache aus dem Auge verloren, sowie die oft nicht in unserem Sinne geführte R e d a c 1 i o n trugen die Schuld daran. Diese Kundgebung scheint sich in erster Linie nicht gegen den auf eine Geschäftsreise nach Amerika gegangenen Ahlwardt, sondern gegen Dr. Böckel zu richten. Gegen diesen veröffentlicht nämlich der „Verleger" Emil Vodeck an der Spitze des „Bolksrechts" nachstehende Erklärung an die „Mitkämpfer für die antisemitische Sache": In der letzten Zeit wurden sowohl mündlich wie in der Presse Gerüchte verbreitet, welche eine angebliche Abwendung D r. B ö ck e Us vom Antisemitismus znm Gegenstände hatten. Ich selbst und engere Parteigenossen hatten schon seit Monaten sehr oft Differenzen mit dem Reichstagsabgeordneten Dr. Böckel, weil er es ä n g st l i ch vermied, einen wirklich a n sgesprochenen antisemitischen Charakter in der Redaction des „Deutschen Bvlksrecht";nm Ausdruck zu bringen. Um endlich Klarheit zu erlangen und bevor ich in der Oesfentlichkeit in dieser Angelegenheit einen Schritt thun wollte, ersuchte ich Herrn D r. Böckel,' nachstehende schriftliche Erklärung zu unterzeichnen: Erklärung. Hiemit erkläre ich, daß ich nach wie vor aus dem Boden des Rassenantisemitismus stehe, in keiner Weise mit Inden, beziehungsweise den Herren Arnold P e r l s, S o ch a c z e v s k p :c. politische Verbindungen habe und nur beabsichtige, im Interesse des wahren Deutschthums und der Gerechtigkeit, zum Wohle aller arbeitenden Stände zu kämpfen und zu arbeiten. Auch habe ich keine Anknüpfung mit der süddeutschen beziehungsweise demokratischen Bolkspartei vor. Alle gegentheiligeu Gerüchte beruhen auf Unwahrheit. Berlin, 29. November 1895. Herr Dr. Böckel ließ mir durch die Mittelsperson, welche ihm diese Erklärung zur Unterschrift unterbreitete, sagen, er nute rzeichne dieselbe nicht. Ich bringe diese Thatsache allen Parteigenossen hiermit zur össentlichen Kenntniß und behalte mir weitere Schritte vor. Die , weiteren Schritte" sollen in einer „eingehenden Klarlegung" des Verhältnisses Böckel's zum ..Volksrecht" bestehen, die in den nächsten Nummern dieses Organs enthalten sein soll. Die Berliner „Staatsbürgerzeitung" zählt in einem Leitartikel der letzten Mittwoch-Nummer die Verdienste auf, welche sie sich seit fünfzehn Jahren um die antisemit sche Sache erworben habe, um alsdann darüber Klage zu führen, daß „dumme oder böswillige Burschen, die sich leider auch Antisemiten nennen, es unternehmen, gegen die „Staatsbürgerzeitnng^ zu wühlen, weil diese angeblich „Inden-Annoncen" bringe. Zwei Herren, Volkmann und Michaelis, lassen „Rundschreiben" los, in denen in gemeinster Weise gegen die , Staatsbürgerzeitung" gehetzt wird. Beide Herren haben einen Laden für Damenc.mfection in der Jerusalemerstraße inne, und die „Staatsbürgerzeitnng hat offenbar das Verbrechen begangen, eine Annonce aufznnehmen, die ihnen nicht angenehm ist. Sie haben deshalb den betreffenden Redacteur mit einem Drohbriefe beoacht, der aber unbeantwortet blieb. Nun verbreitet Herr Michaelis die nichtswürdige Lüge und Verleumdung, „auf dringende Borhalrungen hin habe die „Staatsbürgerzeitnng" ihm mit der Sraatsanwaltschaft gedroht und erklärt, daß es ihr nicht einfalle, Judenanzeigen zurückzuweisen, daß sie vielmehr Judenanzeigen auch in Zukunft aufnehmen werde." „Natürlich ist das eine elende Lüge", fügt die „Staatsbürgerzeitnng" hinzu. Was ist eine elende Lüge? Auch daß die „Staatsbürgerzeitung" Judenannoncen aufnimmt? Der Chefredacteur des Blattes D r. B a ch l e r hat in einer öffentlichen Versammlung zu Steglitz Anfangs October 1892, als ihm ein gleicher Vorwurf gemacht wurde, ausdrücklich erklärt, die Annoncenfrage sei eine Existenzfrage; die Zeitung laffe sich da keine Vorschriften machen, werde auch Annoncen von Juden nach wie vor auf nehmen und er sehe nicht ein, weshalb man nicht das von Inden gebrachte Geld annehmen solle. Und jetzt wehrt sich Herr B a ch l e r gegen die Beschuldigung? Nimmt sein Blatt keine Judenannoncen mehr auf, resp. seit wann datirt die veränderte Praxis? Oder läßt der obige Passus eine andere Interpretation zu? Es wäre interessant, das festznstellen. Geschäfts-Antisemitismus. Bekanntlich wurde in den vorwöchentlichen Autisemiten- Versammlungen eine Resolution angenommen, in welcher eine Reihe antisemitischer Blätter dem „christlichen Volke" zum Abonnement empfohlen wurde. Das „Vaterland", welches von dieser Empfehlung ausgeschlossen wurde, schreibt nun: „Mit einer Betriebsamkeit, die sehr stark an das Gebahren der bekämpften jüdischen Presse erinnert, haben jedoch alle von uns bisher eingesehenen antisemitischen Journale die von uns durch den Druck hervorgehobenen, auf das Verzeichnis der christlichen Journale hinweisenden Worte der Resolution einmüthig gestrichen und auch das Verzeichniß selbst, offenbar a u s G e s ch ä f t s r ü ck s i ch t e n, unterdrückt. Wenn man auch vollkommen entschlossen ist, der jüdischen Concurrenz mit allen Mitteln entgegenzutreteu, s v liegt doch kein G r n n d vor, die christlichen ßoncurr enteil tu d e u V orde r g r und z u st e l l eit u n d ihnen gratis Reel a me zu ni a ch e n. Und doch gehörte das Verzeichniß nothwendig zur Resolution, und es muß als eine Verkürzung des christlichen Volkes von Wie u aufgefaßt werden, daß die Journale dieses aufklärende Verzeichniß nicht gerade in erste Linie gestellt haben. Aber diese Verkürzung erklärt sich nicht nur aus geschäftlichen Rücksichten, sondern auch ans einem gewissen Schamgefühle. Daß wir in dieser s e h r g e mischten Gefells ch a f t nicht genannt werden, gereicht uns schon daruni zur besonderen Genugthuung, weil wir dadurch in die Lage versetzt sind, ohne den Schein schnöder Undankbarkeit gegen eine mehr als zweideutige Empfehlung unsere ehrliche Ueberzeilgnng zum Ausdrucke bringen zu können. Wir sind nicht „christlich" im negativen Sinne der hervorragendsten dieser Blätter, sondern wir sind gut und positiv katholisch. Wir scheuten uns nicht, allein zu stehen im Kampfe gegen die höchste liberal-jüdische Fruetificirung, als der Tanz um das goldene Kalb die Mode des Tages war, und wir scheuen uns n i ch t, d e n Kampf auch gegen die anderen Götzenaufzun e h ni e n, d e u e n m a n heute e i n e u bacchantischen C u l t u s weiht, um eine höchste Fruetificirung anderer Art zu verdecken. Der Nutzen treibt auch das antisemitische Handwerk. Bis zu einem gewissen Grade darf man das vielleicht entschuldigen, aber für Gottesdienst darf man es nicht ausgeben, als Christenpflicht kann man es nicht bezeichnen lassen. Wir haben bei mehr als einer Gelegenheit augedeutet, wie es mit dem Kampfe gegen die jüdische Corruption in einem Theile^der oben angeführten „christlichen" Blätter bestellt