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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-12-06 · 49 (6.12.1895) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
49 (6.12.1895)
Date
1895-12-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 49 Dr Bloch's Wor' rnsthrift. Seite 902 Das päpstliche Organ über die Wiener Antisemiten. Eine Wiener Correspondenz des „Osservatore Romano" sagt über die Rede, die am 16. v. M. der Ackerbauminister Graf Ledebur im österreichischen Reichsrathe hielt, diese Rede sei „so würdig gewesen, so vornehm, so von Grundsätzen der Billigkeit und der Duldsamkeit eingegeben und dabei so überzeugunsvoll und bestimmt, daß sie es verdient, auch außerhalb der Kreise bekannt zu werden, in denen speciell österreichische Interessen behandelt werden. Die Rede des Grafen Ledebur erklärt und beleuchtet in wahrhaft classischer Weise die brennendsten Tagesfragen: die dem gewählten Bürgermeister verweigerte Bestätigung und die antisemitische Bewegung". Das genannte Blatt sagt, es erscheine ihm werthvoll, die falschen Urtheile zu berichtigen, die sich aus Mangel an begründeten genauen Informationen und an hinreichender Kenntniß dcr localen Verhältnisse — auch in einige katholische Zeitungen Italiens eingeschlichen haben. Letztere seien von dem glänzenden Firniß christlicher Frömmigkeit geblendet, dessen manche Antisemiten sich bedienen, den sie mißbrauchen und mit dem der Antisemitismus gewisser Personen und Classen sich brüstet. Im Verlaufe des Artikels wendet der „Osservatore Romano" sich gegen die „Volk sverführerische" Art, blinde und brutale Verfolgung zu predigen, sowie gegen den Antisemitismus, der durch die Straßen läuft und nicht übel geneigt ist, sich in der Plünderung und dem M a ssa cre der Juden zu äußern. „Ich sage dies." so äußert sich der Wiener Correspondent des vaticanischen Organs, „jur Darnachachtung für diejenigen, die — im besten Glauben, nach dem Scheine urtheilend, und ohne den innersten Kern der Dinge und der Personen zu kennen — leicht für ein politisches Genie oder für einen Volkshelden Denjenigen halten können, der auf den offenen Markt eine große Sache hinausträgt, und ihren wünschenswerthen Triumph den anfeuernden Declamationen des Tribunen und der tumultuarischen Bewegungen des Pöbels gesellt sehen möchte. Ein Manifest des Leibknappen Schönerer^. Bekanntlich ist der journalistische Leibknappe Schönerer'?, Herr J r o. kürzlich in Eger zum Landtagsabgeordneten gewählt worden. Derselbe thut dieses welterschütternde Ereigniß den Lesern der „Unverfälschten Deutschen Worte" in einem Manifest kund und zu wissen, welches neuerdings beweist, daß wir Juden in immer bessere Gesellschaft gelangen. Herr Jro spricht dem deutschen Clerus in Böhmen das Recht ab, eine politische Führerrolle zu spielen. „Führer im politischen Kampfe sind wir!" ruft er stolz aus. „Sollte der deutsche Elcrus", fährt er dann fort, „diese Mahnung nicht beachten, sondern es für nöthig halten, auf den Kampfboden Böhmens auch noch die schwarze Streitfahne der katholischen Hierarchie zu tragen — dann müßte bei den nächsten Wahlen die Losung d:r Deutschnationalen heißen: Gegen Judenliberalismus und Clericalismus zum Schutze des Nationalismus. — Die katholische Geistlichkeit wird also bald auf derselben Stufe gesellschaftlicher Aechtung stehen, wie die Juden. Antisemitische Hetze in Ischl. Unsere letzte Correspondenz aus Ischl hat dem dortigen „Wochenblatie" unangenehm in die Nase geraucht, und es thut in seiner neuesten Nummer so, als ob ihm schweres Unrecht zugefügt worden wäre. Es erklärt, daß wir fehlgeschossen haben, daß die Jschler die treuesten Patrioten und beileibe keine Antisemiten, sondern gute, rechtschaffene Menschen sind. Was von diesen scheinheiligen Versicherungen zu halten ist, geht jedoch aus den Schlußsätzen des „In eigener Sache" betitelten Artikels hervor, in welchen es heißt: ..Es wird weiters noch gesagt, daß die Jschler fast ausschließlich den jüdischen Cnrgästen ihren „Wohlstand" verdanken. Das ist ein weitgehender Ausspruch! Den Jschlern sind alle Curgäste ohne Unterschied der Confefsion oder Nationalität willkommen, gleich lieb und werth. Aber das muß uns schon zu bemerken erlaubt sein, ein Sommerpublicum, wie es namentlich in der letzten Saison unter dem gottlob zum Großtheil guten und hochangesehenen Curg ästen, aufgetaucht ist, das ist nicht darnach 'ngethan, Isch l's. Wohl st and zu vermehren, viel eher aber ihmseinwirklichschönesPublicum zu entfremden. Insbesondere müssen wir dem Herrn Correspondenten nahe legen, daß er keinen Grund hatte, über ganz Ischl „im Interesse des Gedeihens unseres Curortes" (wie er hoch herab zu sprechen beliebt) einen „wohlmeinenden" Mahnruf ergehen zu lassen und vor einer Agitation zu warnen, die gar nicht vorhanden ist, noch war. Und wenn nun die Drohungen des Correspondenten zur Wahrheit würden, wenn wirklich die gewisse Kategorie vonSommergästen, welche Jschl's Wohlstand zu heben nicht geeignet sind, ausbleiben würde, werweiß, ob die Sache nicht in's Gegentheil umschlüge und dafür andere wieder kämen, dieleiderder Ersteren wegen schon ausgeblieben sind". Das ist ein recht seltsamer Beweis für die judenfreundlichen Gesinnungen der „guten und rechtschaffenen" Jschler, und hoffentlich werden sich unsere Glaubensgenossen denselben merken. Jesuiten gegen Andersgläubige. Wir haben gelegentlich der jüngsten Rede Schneidens nach' gewiesen, daß jene Beschimpfungen, welche auf Grund gefälschter Tal' mudstellen den Juden gegenüber Andersgläubigen zugeschrieben werden, oft genug von Christen gegen Christen geübt wurden und dem mystisch-dogmatischen Geiste des Mittelalters entsprachen. Dieser Geist ist im Jesuiten-Ord e n bis auf den heutigen Tag lebendig geblieben. Unter der Ueberschrist: „Die d e u t s ch e n I e s n i t e n der Gegenwart und der confessionelle Friede" schreibt der „H a n n o v. C o u r i e r": „Die ultramontane Presse ereifert sich, daß der Bundesrath noch immer keine Antwort gefunden hat auf den Reichstagsbeschluß über die Aufhebung des Jesuitengesetzes. Auch sonst wundert man sich über diese Verzögerung, denn eine Ablehnung des socialdemvkrotisch-polnisch-ultramoniancn Mehrheitsbeschlusses sollte so selbstverständlich sein, daß es eines Ueberlegens nicht bedurfte. Wir wolle« dem Bundesrath seinen Entschluß erleichtern, ind >m wir ihm einige Stellen aus Schriften der jetzt lebenden „deutschen" Jesuiten unterbreiten, die ihre Ansichten über den consessionellen Frieden enthalten. Unter dem Titel „Katholische Flugschriften zur Lehr und Wehr" geben die deutschen Jesuiten der Gegenwart seit einer Reihe von Jahren kleine Broschüren heraus, die in Berlin im Verlage der „Germania" erscheinen. Die meisten dieser Flugschriften iFlnchschriften wäre richtiger) sind, entsprechend der jesuitischen Manier anonym oder pseudonym, nur wenige tragen den wahren Namen ihres Verfassers. Ihre Verfasser sind die Jesuiten: Pesch (Tillmanu und Heinrich). Rcichmann, v. Hammerstein, Kreiten, Drewes u. A. Schon das Titelbild zeigt, wetz Geisteskinder diese „Bolksschristen" (das Stück a 10 Pf.) sind, und was sie zur Wahrung des coiifessioiiellen Friedens beitragen. Sturmblasende Engel durchfliegen die Luft, unten windet sich ein gräulicher Drache, wohl der Protestantismus. In dieser „künstlerischen" Umrahmung stehen dann die Titel: „Luther und die Ehe", „Die Segnungen der Reformation", „Ignatius und Luther", „Die Protestkirche zu Speier", „Gemischte Ehen", „Was verdankt Kunst und Wissenschaft dem Protestantismus", „Katholische und protcstantische Sittlichkeit", „Das reine Evangelium der Reformation" u. s. w., u. s. w. Wir lassen jetzt einige Stichproben folgen, die für sich selbst sprechen: „Den Protestantismus müßt ihr von ganzem Herzen hassen, verabscheut ihn wie das größte Uebel; für diesen müßt ihr ebensoviel Haß haben, als ihr Liebe besitzen müßt für euren katholischen Glauben.-Solcher Art waren die Häupter des Protestantismus, Menschen, welche nach dem Ausspruch eines Protestanten sämmtlich des Strickes würdig waren." (Katholische und protestantische Duldsamkeit. S. 23, 30.) Das Werk der Reformation erweist sich im Laufe der Zeit als das Gegentheil von dem, was es nach den Erklärungen seiner Urheber und Anhänger sein sollte, insbesondere in Bezug auf Kunst und Wissenschaft. Universitäten und Schulen verkümmerten oder gingen ganz zu Grunde und die herrlichsten Denkmäler der Knust wurden von der Barbarei zerstört und vernichtet. Der Sinn für die christliche Kunst erlosch. Was Feuer und Schwert in den langjährigen Kriegen verschonte, ging durch Fanatismus, Muthwillen und Unwissenheit verloren, wurde an Juden und andere Trödler verschleudert oder in der Rumpelkammer als werthlose Maare aufbewahrt. — — Möchte endlich einmal die Zeit kommen, in der man das Volk nicht mehr mit den Vorurtheilen gegen Alles, was katholisch ist, beeinflußt; dann wird man vielleicht auch die Wahrheit des Spruches anerkennen: „Die Reformation ging auf, die Kunst ging unter!" (Was verdankt in Bayern Kunst und Wissenschaft dem Protestantismus? S. 5, 52.) Was tönt uns aus diesen Stellen, die sich beliebig vermehren ließen, entgegen? D r Haß. Darin sind die Jesuiten sich gleich geblieben. 16. und 19. Jahrkundert, gleichviel, stets lautet die Parole: Ecrasez l’infäme! Dieser Wuthsausbruch des welschen Cynikers gegen

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